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Undine Lang: Resilienz

Cover Undine Lang: Resilienz. Ressourcen stärken, psychisches Wohlbefinden steigern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 240 Seiten. ISBN 978-3-17-036173-7. 27,00 EUR.
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Autor

Undine Lang ist Ärztin, Leiterin der Klinik für Erwachsene und Privatklinik der Universitären Psychiatrischen Kliniken in Basel/Schweiz. Sie lehrt und forscht dort im Fachbereich der Psychiatrie und Psychotherapie.

Thema

Das Buch offeriert laut Verfasserin ein breites und durch wissenschaftliche Studien gesichertes Wissen zur Resilienz und liefert viele Hinweise für konkrete Hilfestellungen bezüglich der psychischen Gesundheitserhaltung. Bereits im Vorwort umschreibt Undine Lange Resilienz als eine erlernbare Kategorie und wendet sich an „uns Menschen“ (S. 12), die zur Resilienz befähigt werden sollten.

Aufbau und Inhalt

Das Buch gliedert sich in drei Teile, deren Überschriften folgendermaßen lauten:

  1. Wie wirkt sich unsere Außenwelt auf unsere psychische Gesundheit aus?
  2. Wie wirkt sich unser Verhalten auf unsere psychische Gesundheit aus?
  3. Wie wirkt sich unsere Haltung auf unsere psychische Gesundheit aus?

Alle Teile verfügen über eine eigene Einführung und beinhalten insgesamt 45 Kleinabschnitte, die man als Wege zur Resilienz titulieren könnte. Jeder der kleinen Abschnitte endet mit einem kurzen Resümee.

Der erste Teil  (S. 15–91) besteht aus 14 Kurzabschnitten, die allesamt auf äußere Attributionen fokussieren, welche zur Belastungsreduktion im Leben führen können. Je mehr geschätzt oder in soziale Strukturen – wie Arbeit, religiöse Institutionen, zwischenmenschliche Beziehungen – eingebettet man ist, umso gesünder kann man sein/werden. Je glücklicher man sich fühlt, eigene Krisen, Krankheiten und Misserfolge als sinnig und verarbeitbar deutet, umso positiver wirkt sich diese Einstellung auf die untrennbar miteinander verbundenen menschlichen Psyche und Soma. Eine bejahende und zugleich realistische Wahrnehmung der Außenwelt ist entscheidend und trägt beachtlich zur Resilienz bei, soweit die Botschaft der Monographie im ersten Teil.

Der zweite Teil (S. 95–156) besteht aus zwölf Kurzabschnitten und zentriert das menschliche Tun, Denken und Fühlen – vorrangig im Sinne eines interaktiven Geschehens – als Quelle unserer psychischen Stabilität und ebenso unseres allgemeinen Wohlbefindens. Die Wege zur guten Gesundheit führen folglich durch gesunde Verhaltensweisen (wie regelmäßigen Sport, ausgewogene Ernährung, geeignete Entspannung, angemessenen Umgang mit neuen Medien und ausbalancierte Gestaltung der eigenen Freizeit). Als besonders wichtig erachtet wird hier die Befähigung aller Menschen, „ihre Erkrankung selber zu steuern oder aus eigener Kraft zu ihrer Genesung beitragen zu können“ (S. 127). Die gekonnte und bewusste Nutzung der sozialen Ressourcen, z.B. Pflege von Freundschaften, wird in diesem Kontext ebenfalls nicht außer Acht gelassen.

Der dritte Teil (S. 159–246) besteht aus 19 Kurzabschnitten und handelt von menschlicher Einstellung hinsichtlich der kleinen und großen Gegebenheiten des Lebens, die – positiv gewendet – als eine stabilisierende Grundlage für eine gute psychische Gesundheit betrachtet werden kann. So können beispielsweise Optimismus, Neugier, Dankbarkeit, Empathie oder Humor als resilienzfördernde Haltungen beschrieben werden. Die Kunst, aktive Entscheidungen auf Basis eigener Werte zu treffen und sich ggf. auch mit deren negativen Konsequenzen arrangieren zu können oder manche unberechenbare Wendepunkte des Lebens zu akzeptieren und sich ggf. nicht von den damit einhergehenden negativen Dingen vereinnahmen zu lassen, gilt hierorts als „eine der wichtigsten Fähigkeiten, um psychisch stabil und gesund zu bleiben“ (S. 190).

Eine Danksagung und ein Verzeichnis der verwendeten Literatur befinden sich am Ende der Monographie (gesamt: S. 247–267).

Diskussion

Undine Lang fügt sich mit ihrer Publikation in das Dickicht zahlreicher Veröffentlichungen der letzten Jahre ein. Beherbergt ist darin eine Fülle von wertvollen und auf ihr stärkendes Potenzial geprüften Anregungen zur Entfaltung von Resilienz. Die Monographie konzentriert sich vor allem auf die Hervorhebung äußerer Faktoren (die die Umgebung und Lebenslage prägen), zwischenmenschlicher Interaktionen (was man täglich tut oder sein lässt) und innerer Einstellungen (Gedanken und Emotionen als Verbindungsbrücken zur Realität), die „uns Menschen“ vor psychischen Erkrankungen schützen sollen. All diese Faktoren können Undine Lang nach helfen, in Krisen besser zu navigieren, dienen als eine Art Setup und ermöglichen zusätzliche Optionen und Spielräume, um mit Problemen des Lebens gelingender umzugehen.

Das Werk ist anschaulich aufgebaut, gut strukturiert und beinahe bildhaft geschrieben. Schritt für Schritt werden diverse Wege dargelegt, wie Resilienz oder genauer: psychische Gesundheit erreicht, wiedererlangt oder/und erhalten werden kann. Der gewählte Stil erzeugt eine große Nähe zum Leser- und Leserinnenkreis, weil stets von „uns allen“ also von gewöhnlich durch das Leben herausgeforderten „Menschen“ ausgegangen wird. Alle Beispiele zur Steigerung des Wohlbefindens stammen aus dem Alltag, sind also bekannt und manchmal sogar leicht pauschalisiert. Einen großen Stellenwert erfährt in diesem Zusammenhang die Selbstbewusstheit. Denn seine eigenen Ängste, Bedürfnisse, Stärken, Nöte, Ziele, Werte und sich selbst zu kennen, ist meist mit guten Chancen verbunden, ein gesundes Umfeld aufzubauen, in dem man glücklich und zufrieden leben kann. Dort kann man sich entwickeln, eigene Bedeutung erfahren, für andere da sein, sich helfen lassen und nicht zuletzt ein Teil der Dynamik eines empfundenen Lebenssinns sein. Resilienz, so das Credo des Werks, kann entstehen und erhalten bleiben, wenn aus Krisen Sinn und Kraft geschöpft und diese als vorübergehend, nicht global und selbstverschuldet verstanden werden.

Die Autorin überzeugt mit ihren Kenntnissen der medizinischen und psychotherapeutischen Forschung, gleichwohl lassen sich darin auch einige kleine Schwächen finden. Da die Verfasserin mit ihrer Monographie aber keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, kann von manchen theoretischen und empirisch geleiteten Unschärfen letztlich abgesehen werden. Zu vermerken ist an dieser Stelle: das Manual könnte ohne den Begriff der Resilienz im Titel existieren und dasselbe bezwecken, z.B. Anregung zum Aufbau der psychischen Gesundheit, auch wenn es sich mit der Verwendung des immer noch Konjunktur habenden Terminus gewiss mehr Beachtung und Modernität sichert. Hinsichtlich der Resilienz ist laut heutigem Forschungsstand festzuhalten, dass von einer flexiblen und probabilistischen Kategorie gesprochen wird, wobei die eigene Persönlichkeit nur eine Komponente – nicht zwingend eine basale – ausmacht. Es sind vielmehr die Interkationen mit dynamischen Umwelten, die keiner universellen Lesart untergeordnet werden dürfen, und des Öfteren nur mit Berücksichtigung der kulturellen, alters- und geschlechtsbezogenen sowie zeit-situativen Kontexte zu interpretieren sind. Ausgehend von dieser Prämisse werden mannigfaltige Zugänge zum Erwerb von Resilienz erst auf der Ebene der individuellen Verhaltensweisen und Haltungen in den Blick genommen.

Fazit

Die populärwissenschaftliche Veröffentlichung erweist sich insgesamt als eine durchaus empfehlenswerte und unterstützende Lektüre für alle, die für sich selbst mehr Ressourcenbewusstsein und psychisches Wohlbefinden erlangen wollen und diese(s) vor dem Hintergrund der Auswirkungen der Außenwelt, des eigenen Verhaltens und der eigenen Haltung reflektieren mögen. Zu wünschen wäre, dass sie nicht übersehen bleibt.


Rezension von
Krystyna Reiter
M.A., Wissenschaftliche Angestellte
PH Karlsruhe
Fakultät A/Institut für Schul- und Unterrichtsentwicklung
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Zitiervorschlag
Krystyna Reiter. Rezension vom 03.07.2020 zu: Undine Lang: Resilienz. Ressourcen stärken, psychisches Wohlbefinden steigern. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. ISBN 978-3-17-036173-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25670.php, Datum des Zugriffs 03.08.2020.


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ISSN 2190-9245

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