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Detlef Friedrich, Benjamin Herten u.a.: Unternehmerisches Wagnis in der ambulanten Pflege

Cover Detlef Friedrich, Benjamin Herten, Jonas Seidel, Michael Fikar, Michael Zieschang u.a.: Unternehmerisches Wagnis in der ambulanten Pflege. Rechtslage und Quantifizierung der Vergütung unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des dritten Pflegestärkungsgesetzes (PSG III). medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. 241 Seiten. ISBN 978-3-86216-492-9. D: 98,99 EUR, A: 101,80 EUR.

Reihe: Gesundheitswesen in der Praxis.
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Thema

Die ambulante Pflege steht im Bereich der betriebswirtschaftlichen Gestaltung vor großen Herausforderungen. Seit den Pflegestärkungsgesetzen und den nachfolgenden rechtlichen Reformen und sieht sich die ambulante Pflege mehr noch als bisher vor der Situation ihre realen Kosten, sowohl Personal-, Sach- und Betriebskosten, den Verhandlungspartnern gegenüber vor allem in Einzelverhandlungen plausibel darlegen zu können. Was im Bereich Personal- und Sachkosten noch relativ einfach scheint ist für den Bereich die unternehmerischen Wagnisse fast unmöglich. Die Wagnisse, denen die Branche der ambulanten Pflege unterliegt sind bisher kaum bis gar nicht valide vollziehbar gemacht. Dafür aber schon per Bundesgerichtsurteil klaren Bedingungen bzw. Beschränkungen unterstellt worden. Unternehmerische Wagnis kann laut Urteil nur geltend gemacht werden, wenn es plausibel und nachvollziehbar und im Einzelfall begründet belegt werden kann.

Doch wie kann ein ambulanter Pflegedienst dieses unternehmerische Wagnis begründen und noch wichtiger monetär beziffern und gegen über den Kostenträgern gelten machen. Die vorliegende Studie des IEGUS-Instituts nimmt sich dieser Frage konkrete an und versucht unter Hinzuziehung von Fach-Expertisen, Studien und betriebswirtschaftlichen Daten, Erkenntnisses aus bisherigen Verhandlungsgeschehen und der Abbildung eines durchschnittlichen ambulanten Dienstes.

Gleichzeitig werden die so ermittelten Wagnisse in ihre unterschiedlichen Risikobestandteile unterteilt und dann einer länderspezifischen Prüfung unterzogen.

Aufbau und Inhalt

Nach einem umfangreichen Vorwort des bpa (Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V.), als einer der Auftraggeber der vorliegenden Studie, zur allgemeinen und vergütungsrelevanten Situation ambulanter Dienste zum unternehmerischen Wagnis wird der Inhalt in die folgenden sechs Kapitel unterteilt.

Im ersten Kapitel wird auf der Grundlage der zugrunde liegenden Gutachten eine inhaltliche Zusammenfassung und Einführung in die Ergebnisse der Studie gegeben.

Benannt werden vor allem die allgemeinen Ziele ambulanter Pflege, die Finanzierungsmodalitäten die vor allem durch einen Leistungsmix von SGB V und SGB XI sowie durch einen Personalmix bei der Leistungserbringung in den einzelnen Bereichen geprägt ist. Dies bietet einerseits Chancen, andererseits werden gerade hierdurch auch Risken eröffnet die bei der Vergütung für ambulante Pflegedienste zu berücksichtigen sind.

Im zweiten Kapitel erfolgt eine Einführung in die allgemeine Situation ambulanter Dienste in Deutschland. Neben den Rahmenbedingungen der Branche wird ausführlich das Design der Studie beschrieben. Es wird deutlich gemacht, dass Pflegedienste zwar einem branchenspezifischen Wettbewerb unterliegen der aber gleichzeitig gebunden ist durch preisregulierende Vorgaben. Diese Preisregulierung ergeben sich aus den sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen wie z.B. der Einhaltung von Wirtschaftlichkeit oder auch der Notwendigkeit von Leistungen. Damit wird deutlich herausgearbeitet, dass die Prinzipien der Marktwirtschaft für ambulante Pflegedienste nicht greifen, bzw. nicht uneingeschränkt angewendet werden können.

Im dritten Kapitel erfolgen Begriffsklärungen, juristische Einordnungen zur ambulanten Pflege und deren Finanzierung. Ausgeführt wird, dass die ambulanten Pflegedienste einem eher begrenzten Risiko ausgesetzt sind, wenn es um die Bindung an die Leistungsbewertung und deren Preise aller Akteure geht.

Trotz allem bleiben aber beim ambulanten Pflegedienst Risiken die in die Preiskalkulation einberechnet werden müssen.

Im vierten Kapitel werden die unterschiedlichen Wagnisarten und -formen sowie deren Einordnung in die Ermittlung eines unternehmerischen Wagnisses vorgestellt und erläutert.

Es wird deutlich herausgearbeitet das es neben branchenunspezifische auch branchenspezifische Risikofaktoren gibt die es zu beachten gilt. Darüber hinaus werden einrichtungsspezifische Einzelwagnisse in den Blickgenommen und definiert.

Im fünften Kapitel erfolgt eine weitreichende und detaillierte Herleitung der Ergebnisse und eine Zuordnung zu in drei Hauptbetrachtungsfelder, dem branchenspezifischen Faktor, das Marktumfeld und den Bereich Innovation und Technik. Danach werden die Wagnisbereiche in Beziehung gesetzt zu bereits bestehenden Regularien zur Vergütungsfindung in unterschiedlichen Bundesländern. In diesem Kapitel findet der Leser eine Vielzahl nützlicher Argumente und Argumentationslinien um das Risiko für seine eigenen Einrichtung näher definieren und in Verhandlungen begründen zu können.

Im sechsten Kapitel geben die Autoren praxisnahe Handlungshinweise wie die Analysen und die daraus resultierenden Ergebnisse der Studie und die entwickelten Argumentationslinien für eine Vergütungsfindung genutzt werden können.

Fazit

In der vorliegenden Studie des IEGUS-Institutes, beauftragt erfolgt eine umfangreiche Annäherung an das Thema und die Möglichkeit dies in er Praxis nachzuvollziehen. Anhand der umfangreichen Arbeitshilfen kann jeder Dienst für sich genommen die einzelnen Wagnisbegründenden Risikobestanteile nachvollziehen und individuell belegen.

Insgesamt bleibt aber der nachvollziehbare Beleg eines unternehmerischen Wagnisses und dessen Höhe eine hoch komplexe und zeitraubende, weil mühsame und detaillierte Aktivität, daran können auch die Studie des IEGUS-Institutes und die praxisnahen Hilfen in diesem Buch nichts tun. Aber wer sich auf den Weg dazu machen will und muss findet viele Hinweise, Impulse und Anregungen.


Rezension von
Monika Jansen
Erziehungswissenschaftlerin (M.A.) und Master of Organizational Management (MoM), ist tätig als Referentin für ambulante Dienste, Bereich Wirtschaft und Statistik eines großen Wohlfahrtsverbandes. Langjährige Berufserfahrung in Führungspositionen der unterschiedlichen Arbeitsfelder der Altenhilfe. Herausgeberin der beiden Werke „Pflege & Management“ und Pflegehandbuch des DUZ-Verlages.
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Zitiervorschlag
Monika Jansen. Rezension vom 07.02.2020 zu: Detlef Friedrich, Benjamin Herten, Jonas Seidel, Michael Fikar, Michael Zieschang u.a.: Unternehmerisches Wagnis in der ambulanten Pflege. Rechtslage und Quantifizierung der Vergütung unter besonderer Berücksichtigung der Regelungen des dritten Pflegestärkungsgesetzes (PSG III). medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. ISBN 978-3-86216-492-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25695.php, Datum des Zugriffs 13.07.2020.


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