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Andrea Friese, Bettina M. Jasper: Aktivieren mit System

Cover Andrea Friese, Bettina M. Jasper: Aktivieren mit System. Sinnvolle und zielorientierte soziale Betreuung. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2018. 107 Seiten. ISBN 978-3-86630-579-3. D: 13,80 EUR, A: 14,20 EUR.

Reihe: Powerbook. Altenpflege.
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Thema und Entstehungshintergrund

Das Werk umfasst systematisch sowie wissens- und erfahrungsbasiert lebensweltlich bezogene Aktivierungsvorschläge für pflegebedürftige Menschen in höheren Lebensaltern. Die Vorschläge für die Übungen in der sozialen Alltagsbetreuung zielen auf den Erhalt und die Verbesserung der Lebensqualität alter Menschen in Pflegeeinrichtungen. Die Autorinnen bieten ihr praxis- und theoretisch reflektiertes, langjährig erworbenes Wissen mit diesem praxisorientierten Buch an.

Autorinnen

Andrea Friese und Bettina M. Jasper arbeiten seit vielen Jahren in der sozialen Betreuung alter pflegebedürftiger Menschen. Sie bringen umfängliche fachliche Kompetenzen und Erfahrungen ein. Beide haben im Themenfeld der sozialen Betreuung bereits vielfach publiziert (s. auch Anhang des Buches ab Seite 101).

Aufbau und Inhalte

Dem Buch geht ein kurzes Vorwort voran, in dem die Autorinnen ihre Haltung und ihre Zielsetzungen skizzieren. Ihnen geht es um eine Verbesserung der Lebensqualität von Menschen mit Pflegebedarf, angeboten in einem Handlungsleitfaden für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in diesem wichtigen Arbeitsbereich in Pflegeeinrichtungen. Dabei wollen sie grundlegende Hinweise wissensbasiert mit praktischen Übungen und Beispielen für den Alltagsgebrauch vorstellen.

Die Inhalte sind zugangsorientiert in folgende umfänglich gleich gewichtete Bereiche gegliedert:

  • Den richtigen Schlüssel finden
  • Aber bitte [Themen] mit Sinn!
  • Bewegter Alltag
  • Geistig fit bleiben
  • Spielend aktiv

Zugeordnet sind diesen Bereichen Piktogramme, die direkt vermitteln, um was es in der Zielsetzung geht. Im ersten Bereich wird als Schlüssel zu den Menschen die individuelle Biografie in ihren verschiedenen Dimensionen mit praktischen Übungen vorgestellt. Darin spiegelt sich die ganzheitliche Betrachtungs- und Herangehensweise der Autorinnen. Die Übungen, die optisch im Buch leicht gefunden werden können, sind mit Basiswissen zum Langzeitgedächtnis hinterlegt und die praktischen Beispiele leicht verständlich. Die anschließend vorgestellten Modelle des biografischen Arbeitens regen zur Umsetzung in die Praxis an. Dabei geht es nicht allein um Gruppensituationen, sondern auch um Einzelbetreuungen. Abschließend wird auf Risiken und Chancen der Biografiearbeit hingewiesen.

Im folgenden Kapitel „Aber bitte mit Sinn!“ geht es um Aktivierungen mit Hilfe von Themen. Dieser Ansatz wirkt öffnend, da vielfältige Assoziationen angeregt werden und die Möglichkeiten der praktischen Umsetzung vielfältig sind. Eine Aktivierungseinheit mit einem Thema wie etwa dem „Wetter“ kann sich wie ein roter Faden durch das Denken, Bewegen, Spielen und Singen ziehen.

Im Kapitel „Bewegter Alltag“ wird die zentrale Bedeutung von Bewegung im Alltag für alle und insbesondere für Menschen mit Einschränkungen hervorgehoben. Für eine strategische, abgestimmte Herangehensweise von Mitarbeitern/innen der Pflege und denen in der sozialen Betreuung wird nachdrücklich geworben. Ein individuell angemessenes, kontinuierliches Bewegungsangebot für möglichst jede Bewohnerin und jeden Bewohner einer Pflegeeinrichtung sollte die Zielsetzung sein. Möglichkeiten für die Herangehensweise und den Umgang mit Widerständen werden aufgezeigt. Zudem werden die notwendigen Rahmenbedingungen benannt und auch der Wert der biografischen Arbeit in diesem Zusammenhang betont. Dazu wird eine Fülle von Anregungen für die Praxis – bis hin zum mobilen „Bewegungswagen“ für die Wohngruppen in den Pflegeeinrichtungen – geboten.

Diese Anregungsfülle für die Praxis zeigt sich auch im nächsten Kapitel, in dem es um das gezielte kognitive Training geht. Hier stehen nicht Beschäftigung und Unterhaltung im Fokus, sondern es geht um die Zielsetzung, Menschen kognitiv zu trainieren und sie damit zu stärken. Dabei wird die Notwendigkeit des planvollen, systematischen Herangehens an diese anspruchsvolle Aufgabe wissensfundiert herausgearbeitet. Der einzelne Mensch mit seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten steht auch in diesem Kapitel im Mittelpunkt des Interesses.

Im letzten Kapitel wird die Aktivierung mit Hilfe von Spielen in den Blick genommen. Auch hier wird für die individuelle Passgenauigkeit von Spielangeboten für die Menschen in den Pflegeeinrichtungen geworben und die wichtige Bedeutung auch dieser Aktivierungsmöglichkeit herausgearbeitet. Wissensbasiert, gespickt mit zahlreichen Beispielen aus der Praxis und Tipps zum Umgang mit Vorbehalten ist der Inhalt dieses Kapitels. Es zeigen sich auch in diesem Feld erneut zahlreiche Handlungsmöglichkeiten und Ideen für die Umsetzung im Alltag.

Zielgruppen

Angesprochen sind alle, die Betreuungsangebote für alte pflegebedürftige Menschen gestalten und anbieten. Das Praxisbuch bietet dieser vielfältigen Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der sozialen Betreuung konkrete Unterstützung im Alltag gepaart mit der Vermittlung guten Basiswissens. Zudem wird die Kreativität kontinuierlich mit Übungen, Beispielen und Tipps angeregt.

Diskussion und Fazit

Der Zielsetzung, einen Handlungsleitfaden für die Praxis zu bieten, wird dieses Buch in mehrfacher Hinsicht gerecht. Die Themenbereiche, die Bereitstellung von Wissen, die Verknüpfung mit Übungen und Beispielen aus der Praxis sowie die formulierten Empfehlungen zeigen einen gelungenen Handlungsleitfaden. Damit kann dem Ziel einer Verbesserung der Lebensqualität dieser größer werdenden gesellschaftlichen Gruppe von Menschen näher gekommen werden. Es zeigt sich in der Publikation, wie hilfreich fachliche Kompetenzen in Verbindung mit Praxiserfahrungen für den Alltag von Pflegeeinrichtungen sein können. Dabei fordern die Autorinnen immer wieder dazu auf, sich auf die Menschen einzustellen und einzulassen, die in einer Pflegeeinrichtung leben. Etwas über die Zeit zu wissen, in der die aktuell alten Menschen einst jung waren, ist dabei nur eine der Grundlagen. Die Geschichte und die Biografien der alten pflegebedürftigen Menschen bilden dabei die Bezugspunkte. Dazu gehört auch die Reflexion eigener Altersbilder von Menschen, die in der sozialen Betreuung arbeiten. Dies zeigt anschaulich das Beispiel auf der Seite 28.

Auch wenn die Rahmenbedingungen bei weitem nicht das bieten, was die Gestaltungsaufgaben in den Pflegeeinrichtungen erfordern, macht dieses Buch Mut, sich dieser Aufgabe kreativ zu stellen. Dazu beizutragen, dass alte pflegebedürftige Menschen in der Gemeinschaft mit anderen Anregungen und Impulse erleben, sich stärken können – auf welchem Niveau auch immer –, sich eingebunden fühlen, Selbstwirksamkeit erleben: All dies gehört maßgeblich zum Erhalt der Lebensqualität. Dazu liefert das Buch insbesondere in der praktischen Nutzung einen wertvollen Beitrag.

Dem Wunsch nach Alltagstauglichkeit entspricht darüber hinaus auch die zur Nutzung einladende Gestaltung der Publikation. Der optische und haptische Zugang wirkt einladend. Die flexible Spiralbindung sowie die strapazierfähige Qualität des beschichteten Papiers lassen eine dauerhafte und angenehme Nutzbarkeit des Werkes erwarten.


Rezensentin
Barbara Eifert
Institut für Gerontologie an der TU Dortmund
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Zitiervorschlag
Barbara Eifert. Rezension vom 30.09.2019 zu: Andrea Friese, Bettina M. Jasper: Aktivieren mit System. Sinnvolle und zielorientierte soziale Betreuung. Vincentz Network GmbH & Co (Hannover) 2018. ISBN 978-3-86630-579-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25721.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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