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Stefan Liebig, Wenzel Matiaske u.a. (Hrsg.): Handbuch empirische Organisationsforschung

Cover Stefan Liebig, Wenzel Matiaske, Sophie Rosenbohm (Hrsg.): Handbuch empirische Organisationsforschung. Springer Gabler (Wiesbaden) 2017. 796 Seiten. ISBN 978-3-658-08492-9. D: 69,99 EUR, A: 71,95 EUR, CH: 87,50 sFr.

Reihe: Springer Reference Wirtschaft.
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Thema

Das Handbuch gibt einen Überblick über zentrale Methoden der empirischen Organisationsforschung. Wie es dem Forschungsgegenstand entspricht, werden sowohl qualitative als auch quantitative Methoden vorgestellt und diskutiert. Ein Schwerpunkt liegt auf den Analysepotenzialen existierender Datenbestände. Weiters werden verschiedene Organisationstypen (z.B. Hochschulen, Krankenhäuser, Unternehmen, Verwaltungen und Parteien) explizit betrachtet, um ihre methodischen und forschungspraktischen Herausforderungen zu berücksichtigen.

HerausgeberInnen und AutorInnen

Stefan Liebig, Professor für Soziale Ungleichheit und Sozialstrukturanalyse, Fakultät für Soziologie der Universität Bielefeld und Research Fellow des DIW/Soep, Wenzel Matiaske, Professor für Betriebswirtschaftslehre, Institut für Personal und Arbeit (IPA) der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und Research Fellow des DIW/Soep, und Sophie Rosenbohm, Dr., wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen sind die HerausgeberInnen des Bandes. Neben ihnen wirken über 50 AutorInnen an dem Band mit, durchgängig aus Universitäten und Forschungsinstituten in Deutschland.

Aufbau und Inhalt

Die HerausgeberInnen schreiben in der Einleitung, dass die „empirische Organisationsforschung zu den wenigen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsfeldern gehört, in denen ein methodenpluraler Zugriff seit Jahrzehnten fest etabliert ist.“ (3) Dies liegt am Forschungsgegenstand: Organisationen weisen sehr viele spezifische Merkmale auf, und qualitative Zugänge können den Besonderheiten einzelner Organisationen bzw. Organisationstypen gut gerecht werden. Gleichzeitig haben Organisationen aber auch bestimmte Strukturmuster, die in den einzelne Feldern sehr ähnlich sind, dies würde wiederum quantitative Methoden nahelegen, da diese allgemeine Aussagen und kausale Erklärungen formulieren können. Das Handbuch folgt der Haltung, dass die Methode abhängig von der Forschungsfrage gewählt werden soll. Dementsprechend werden sowohl quantitative als auch qualitative Methoden vorgestellt.

Neben der Beschreibung der unterschiedlichen Methoden werden auch die aus dem Organisationsbezug folgenden Herausforderungen und Lösungen diskutiert. Zu den Herausforderungen gehören etwa der Datenzugang und die Erhebung, Fragen der Archivierung und Aufbereitung von Daten, sowie spezifische Fragen in bestimmten Organisationstypen.

Die Struktur orientiert sich am Lebenszyklus von Forschungsdaten, also an den Schritten der Planung, Erhebung, Koumentation, Analyse bis zu Langzeitarchivierung und Datenbereitstellung für Sekundäranalysen. Damit geht es neben Fragen des Datenzugangs und der Erhebung auch um Forschungsdatenmanagement, Datenarchivierung und -aufbereitung sowie die Sekundärnutzung.

Der erste Teil des Buches nach der Einleitung widmet sich der Sekundäranalyse von Daten. Die verschiedenen Beiträge bieten eine Übersicht über vorhandene Datensätze und ihre Nutzungsmöglichkeiten, etwa der amtlichen Statistik, der Firmenpaneldaten, des IAB Betriebspanels und der Linked-Employer-Employee-Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. Ein Kapitel in diesem Teil widmet sich auch den methodischen Herausforderungen und Möglichkeiten der Archivierung und Nachnutzung qualitativer Daten. Die hohen technischen Möglichkeiten sowie vor allem auch die tendenziell sinkenden Rücklaufquoten machen eine stärkere Berücksichtigung von bereits vorhandenen Datensätzen sicher zu einem lohnenden Unterfangen.

Der zweite Teil des Bandes widmet sich der Primärerhebung von Daten in der Organisationsforschung. Hier geht es um Rahmenbedingungen, Daten und Survermanagement und vor allem um unterschiedliche Erhebungsverfahren. Auch Datenschutzprobleme und Urheberrecht werden für die Organisationsforschung aufbereitet. Einzelne Kapitel informieren über Fragen der Stichprobenziehung und des Feldzuganges, über Standardinstrumente der Organisationsforschung oder bestimmte Arten von Surveys, wie Betriebs- und Unternehmenssurveys. Bestimmte Erhebungsmethoden werden im Einzelnen in Bezug auf die Verwendung in der Organisationsforschung beschrieben, etwa mixed methods, qualitative Interviews, Fallstudien, Beobachtungen, Dokumenten- und Diskursanalyse, die Analyse von Gruppen und Evaluation.

In Teil drei werden spezifische Herausforderungen bzw. Anwendungsmöglichkeiten der Erforschung unterschiedlicher Organisationstypen behandelt. Hier geht es um Methoden und Daten in Schulen, Hochschulen, Organisationen der Sozialversicherung, Krankenhäusern, der öffentlichen Verwaltung, der Bundeswehr, von Interessenorganisationen, politischen Parteien und Multinationalen Unternehmen.

Ein abschließendes Kapitel widmet sich Analyseverfahren in der empirischen Organisationsforschung. Analyseverfahren unterscheiden sich zwar in der Organisationsforschung nicht grundlegend von anderen Forschungsfeldern, aber der Gegenstand legt bestimmte Methoden eher nahe, als andere.

Diskussion

Das Handbuch leistet einen wichtigen Beitrag zur methodischen Fundierung der empirischen Organisationsforschung. Es ist gut lesbar, übersichtlich und fundiert und bietet damit einen wirklich guten Überblick über die relevanten Fragestellungen der empirischen Organisationsforschung sowie Vertiefungen in Bezug auf viele relevante Fragestellungen, wie etwa Forschungsdatenmanagement, Datenarchivierung und -aufbereitung oder den Zugang zu Daten.

Ein interessanter und untypischer Aspekt ist die große Bedeutung, die der Sekundärnutzung von Daten in der Organisationsforschung gewidmet wird.

Ein Kritikpunkt ist meines Erachtens, dass der Teil über die Erforschung unterschiedlicher Organisationstypen alles andere als vollständig ist. Das ist angesichts der großen Vielfalt unterschiedlicher Organisationen nicht verwunderlich, allerdings wäre die Beleuchtung von so speziellen Organisationen wie Sozialorganisationen und Nonprofit-Organisationen, sowie insgesamt von verschiedenen Formen eher untypischer Organisationen (Selbstverwaltete Unternehmen, Social Movement Organisationen, Genossenschaften etc.) eine wichtige Bereicherung gewesen.

Fazit

Für die genannten Zielgruppen Forschende und Studierende der BWL, Erziehungswissenschaft, Politikwissenschaft, Psychologie, Soziologie und VWL, die Forschungsfragen im Bereich der Organisationsforschung beantworten möchten, sowie PraktikerInnen, die Interesse an methodischen Fragen der Organisationsforschung haben, ist das Buch hilfreich und empfehlenswert. Es bietet einen guten Überblick, ist ein praktisches Nachschlagewerk und gibt interessante Einblicke in die methodischen Herausforderungen unterschiedlicher Organisationstypen


Rezensentin
Prof. Dr. Ruth Simsa
Wirtschaftsuniversität Wien
Institut für Soziologie, NOP Institut
Homepage www.ruthsimsa.at
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Zitiervorschlag
Ruth Simsa. Rezension vom 25.11.2019 zu: Stefan Liebig, Wenzel Matiaske, Sophie Rosenbohm (Hrsg.): Handbuch empirische Organisationsforschung. Springer Gabler (Wiesbaden) 2017. ISBN 978-3-658-08492-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25726.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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