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Nicolas Burkhardt, Alexander Kornelsen u.a.: Good Job!

Cover Nicolas Burkhardt, Alexander Kornelsen, Florian Lanzer, Lucas Sauberschwarz, Lysander Weiß: Good Job! Neue Impulse für eine absurde Arbeitswelt. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2019. 153 Seiten. ISBN 978-3-8006-5653-0. D: 19,80 EUR, A: 20,40 EUR.
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Thema

Zentrales Thema des Buches ist New Work, die etwas andere Form der Organisation von Arbeit auf dem Weg in eine neue Arbeitswelt. Unter diesem Schlagwort sind bisher vor allem Einzelmaßnahmen bekannt, die in der Unternehmenspraxis erprobt werden. Es mangelt an Bezügen zwischen der Arbeitsutopie New Work, den theoretischen Grundlagen und praxiserprobten Instrumenten. Mit dem Buch versuchen die Autoren, diese Lücke zu schließen und Menschen zur Reflexion anzuregen.

Autoren

  • Dr. Nicolas Burkhardt ist Autor, Keynote Speaker und leitet das Management-Beratungsunternehmen Kopfspringer. Er wird im Buch als reichweitenstarker Influencer vorgestellt.
  • Alexander Kornelsen, Florian Lanzer, Lucas Sauberschwarz und Lysander Weiß führen als Partner die Strategieberatung Venture Idea, die sich auf die Zukunft von Innovation und New Work spezialisiert hat. Am SGMI Management Institut St. Gallen bieten sie im Bereich Executive Education regelmäßig Veranstaltungen an. Auf der Homepage (https://www.goodjob.jetzt) ermöglichen die Autoren über das „Good Job!Audit“ einen interessanten Einstieg in das Thema New Work.

Aufbau und Inhalt

Das 153 Seiten umfassende Buch besteht aus 10 inhaltlichen Kapiteln, die mit umfangreichen Referenzen versehen sind. Durch den Band zieht sich der fiktive Fall Oliver Berger, der zu Beginn seinen bestehenden Old-Work-Arbeitsvertrag kündigt und in den Kapiteln erläutert, was ihm im jeweiligen Handlungsfeld nicht gefallen hat bzw. wie er gerne gearbeitet hätte. Im Buch gibt es darüber hinaus 24 Praxiskommentare, die einen Einblick vermitteln, wie unterschiedliche Organisationen konkret mit den Chancen und Herausforderungen von New Work umgehen. Am Ende der Kapitel werden sehr interessante Impuls-Fragen gestellt, die zum Weiterdenken anregen sollen.

Sieben Alternativen zu den Old Work-Vorgehensweisen bilden den Kern der Good Job-Überlegungen

  1. Lebensentwurf statt Lebenslauf
  2. Beigeisterung statt Beförderung
  3. Selbstentwicklung statt Fremdbestimmung
  4. Neue Haltung statt neue Hierarchie
  5. Stoppuhr statt Stechuhr
  6. Platz für Arbeit statt Arbeitsplatz
  7. Work-Life-Harmonie statt Work-Life-Balance

Lebensentwurf statt Lebenslauf

In diesem Kapitel geht es um das Thema Recruiting. Wie kommt es eigentlich, dass in Vorstellungsgesprächen viel über die Vergangenheit (bisheriger Lebenslauf) und wenig über die Zukunft (weiterer Lebensentwurf) gesprochen wird? Warum sollen häufig „fertig ausgebildete Experten“ an Bord geholt werden? Geht es nicht vielmehr darum, Personen mit dem besonderen Willen zu finden, sich kontinuierlich an die Herausforderungen veränderter Rahmenbedingungen anzupassen? Die Autoren schlagen im Recruiting (neben der Nutzung neuer KI-Möglichkeiten) unter anderem folgende Fragestellung zum Lebensentwurf vor: Wer bist du, wer willst du sein und wie können wir dir dabei helfen?

Begeisterung statt Beförderung

Hier steht die Motivation im Mittelpunkt des Interesses. Wo bleibt das hohe Maß an Motivation, mit dem viele Menschen in die Arbeitswelt starten? Welche Anreizsysteme machen die natürliche Begeisterung für den Job langsam kaputt? Die systematische Ausrichtung der Arbeit in Organisationen auf extrinsische Belohnungen (incl. der Beförderungen) korrumpiert den Antrieb und die Leistung der intrinsisch motivierten Beschäftigten. Stattdessen schlagen die Autoren eine aktive Förderung der psychologischen Grundbedürfnisse Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit vor. Es gilt, mehr Freiräume in den Arbeitsalltag von Individuen und Teams einzubauen.

Selbstentwicklung statt Fremdbestimmung
In diesem Kapitel geht es um Kreativität und Kompetenzentwicklung. Folgende Impuls-Fragen regen zum Nachdenken an: Kennen Sie besonders kreative Menschen? Warum glauben Sie, sind diese besonders kreativ? Wie gut kennen Sie sich selbst? Was würden Sie machen, wenn Sie ein Jahr frei hätten? Neben den Beschäftigten, die eine vorgegebene Karriere bevorzugen, gibt es auch Personen, die eine möglichst selbstbestimmte Entfaltung suchen. Mit Sabbaticals, Freiräumen zum Verrückt-Sein, besonderen Coaching- und Projektangeboten kann die Selbstentwicklung gefördert werden. Es gilt dabei, möglichst individuell auf die Persönlichkeit und Bedürfnisse jedes Einzelnen einzugehen.

Neue Haltung statt neue Hierarchie
Auch die Personalführung muss sich an die geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Es reicht nicht aus mit den Vorgesetzten in ein Großraumbüro zu ziehen und in Zukunft auf Krawatten zu verzichten. Wer Hierarchien abbauen möchte, muss vielmehr durchgehend ansprechbar und interessiert sein sowie einen echten Kulturwandel einleiten. Die Entwicklung könnte von einem relativ starren System mit strikter Ordnung hin zu einer ergebnisbezogenen, wechselseitigen Führung mit hohen Coaching-Anteilen (Versuchen Sie das doch einmal) führen. Dafür sind emotionale Kompetenzen wie Selbstvertrauen, Empathie, Zugänglichkeit und Selbstreflexion unabdingbar.

Stoppuhr statt Stechuhr
Das Arbeitszeitmanagement gewinnt mehr und mehr an Bedeutung. Es stellt sich die Frage, wofür sich die Arbeitszeit eigentlich als Messgröße eignet. Die Anwesenheit im Büro sagt bekanntlich noch wenig über die Arbeitsleistung aus. Was im Home Office und bei der Mobile Work tatsächlich erledigt wird, lässt sich kaum genau erfassen. Es ist bekannt, dass die zu Verfügung stehende Zeit nicht immer wirksam für den Job genutzt wird. Ein Ziel könnte also darin bestehen, ineffektive zeitfressende Muster durch wirksame Formen der Zusammenarbeit zu ersetzen. Zumindest in vielen wissensorientierten Berufen macht eine starke Ergebnisorientierung mehr Sinn als eine zeitorientierte Steuerung der Arbeit. 

Platz für Arbeit statt Arbeitsplatz
In diesem Kapitel geht es um die Wahl des besten Arbeitsortes. Häufig wird inzwischen mit Activity based working experimentiert, bei dem die Organisation/Abteilung in verschiedene Zonen unterteilt wird (Fokusbereich für konzentriertes Arbeiten, klassische Meeting-Räume, sozialer Bereich für den Austausch…). Die Beschäftigten können dann selbst entscheiden, welche Arbeitsumgebung sie im Moment gerade benötigen. Vor allem im Bereich der Wissensarbeit kann das Konzept der Vertrauensarbeitszeit auf den „Vertrauensarbeitsort“ ausgeweitet werden. Es ist den Vorgesetzten dann egal, ob im Café, im Co-Working-Space, während der Zugfahrt oder zu Hause gearbeitet wird, solange die Ergebnisse stimmen.

Work-Life-Harmonie statt Work-Life-Balance
Hier steht das Zusammenspiel zwischen Berufsarbeit und Privatleben im Mittelpunkt des Interesses. Lange Zeit war von Work-Life-Blending die Rede, wenn es um das langsame Verschmelzen der Lebensbereiche ging. Inzwischen stellt sich für Beschäftigte und Arbeitgeber eher die Frage, wie geeignete Grenzen gezogen werden können. In vielen Studien hat sich gezeigt, dass Arbeitnehmer unter den Bedingungen von Vertrauensarbeitszeit zur Selbstausbeutung neigen. Gesucht werden daher sinnvolle Tätigkeiten, die Selbsterfüllung versprechen (das Hobby zum Beruf machen) ohne mit Über- oder Unterforderung einher zu gehen. Doch diese Voraussetzung für Work-Life-Harmonie ist eher selten zu finden.

Fazit

Das Buch „Good Job!“ bietet viele interessante Anregungen für eine neue Arbeitswelt und hält damit, was es verspricht. Es ist vor allem für jene Menschen empfehlenswert, die sich bisher noch nicht sehr ausführlich mit New Work beschäftigt haben. Besonders gelungen sind die Beschreibungen der Absurdität unserer Arbeitswelt, wie wir sie nur allzu gut kennen. Diverse berufliche Anekdoten (z.B. das künstliche Strecken der Arbeitszeit im Büro) sind einerseits zum Lachen, erzeugen aber auch ein deutliches Stirnrunzeln. Einige der gestellten Impulsfragen (Wie würden Sie sich vorstellen, ohne Name, Alter, Beruf und Wohnort zu nennen?) regen sehr zum Nachdenken an? Vielen Praxis-Initiativen, die in kleinen und großen Unternehmen bereits angelaufen sind, können als Inspiration für die eigene Organisation dienen. Positiv ist zu bewerten, dass kein „One best way“ beschrieben wird, auf den sich nun alle begeben müssen. Was in dem einen Kontext Sinn macht (eindeutige Arbeitsprozesse mit klaren Zuständigkeiten), kann in anderen Bereichen die Kreativität und Innovationskraft stark beeinträchtigen. Es gilt, die Bedingungen an die individuellen Bedürfnisse anzupassen und damit neue Möglichkeiten der Entfaltung zu eröffnen. Wie dies genau geschehen soll und wie mit den Konflikten auf dem Weg dahin umgegangen werden soll, bleibt allerdings weitgehend unklar. Hier würde sich ein Folgeband anbieten, der viel stärker auf die Change-Prozesse in Organisationen eingeht. Fürs Erste ermöglicht dieses Buch eine sehr gute Analyse der Ausgangssituation sowie der New Work-Zielsetzungen. Es handelt sich um einen kurzweilig geschriebenen Reiseführer für die Expedition in eine andere Arbeitswelt.


Rezensent
Dr. Günther Vedder
Institut für interdisziplinäre Arbeitswissenschaft der Leibniz Universität Hannover
Homepage www.wa.uni-hannover.de
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Zitiervorschlag
Günther Vedder. Rezension vom 05.06.2019 zu: Nicolas Burkhardt, Alexander Kornelsen, Florian Lanzer, Lucas Sauberschwarz, Lysander Weiß: Good Job! Neue Impulse für eine absurde Arbeitswelt. Verlag Franz Vahlen GmbH (München) 2019. ISBN 978-3-8006-5653-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25752.php, Datum des Zugriffs 15.09.2019.


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