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David Althaus, Nico Niedermeier u.a.: Zwangsstörungen

Cover David Althaus, Nico Niedermeier, Svenja Niescken: Zwangsstörungen. Wenn die Sucht nach Sicherheit zur Krankheit wird. Verlag C.H. Beck (München) 2018. 247 Seiten. ISBN 978-3-406-70024-8. 19,95 EUR.
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Thema

In der zu besprechenden Publikation befassen sich die Autoren mit der Sucht nach Sicherheit, die einen krankhaften Verlauf nimmt. Ein zentrales Anliegen besteht darin, für die als schwer behandelbar geltenden Betroffenen Wege aus der Erkrankung aufzuzeigen.

Herausgebende

  • Dr. hum. biol. David Althaus ist Diplompsychologe und niedergelassener Psychotherapeut in Dachau. Er erhielt 2000 den Wissenschaftspreis der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen e.V..
  • Dr. med. Nico Niedermeier ist niedergelassener Arzt für Psychotherapie in München. Sein Schwerpunkt ist die Behandlung von Menschen mit Zwangserkrankungen. Hierzu hat er geforscht und publiziert.
  • Svenja Niescken ist Journalistin und Psychologin. Bei der Deutschen Gesellschaft für Zwangserkrankungen und bei der Schweizerischen Gesellschaft für Zwangsstörungen war sie für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig.

Aufbau

Der Aufbau des vorliegenden Titels gliedert sich in nachfolgende 12 Kapitel:

  1. Was sind Zwangsstörungen
  2. Zwangssymptome bei anderen Erkrankungen
  3. Die häufigsten Begleiterkrankungen
  4. Alltäglicher Aberglaube am Beispiel „Fußball“
  5. Psychologische Ursachen für Zwangsstörungen
  6. Alles genetisch oder Wie viel Biologie steckt im Zwang
  7. Das Leben ist gefährlich
  8. Die Therapie von Zwangsstörungen
  9. Die Situation der Angehörigen
  10. Wenn Kinder Zwänge entwickeln
  11. Selbsthilfe
  12. Welche Klinik ist die beste?

Inhalt

Der Einstieg in das Thema erfolgt über die Darstellung des Weges eines Menschen mit einer Zwangsstörung. Michaels Leben und teilweise auch seine Ehe werden von Zwängen dominiert.

Die Autoren widmen sich erst dann der Definition und den Symptomen der Erkrankung und demnach ist eine Zwangsstörung „eine psychische Erkrankung, bei der der Betroffene, scheinbar gegen seinen Willen und ohne sich erfolgreich wehren zu können, immer wieder von offensichtlich unsinnigen Gedanken und Handlungswiederholungen gequält wird“ (S. 25). Die häufigsten Erscheinungsformen von Zwangsstörungen sind Kontrollzwänge, Waschzwänge und Gedankenzwänge. Sie werden von den Autoren näher beschrieben und mit Fallbeispielen konkretisiert.

Im zweiten Kapitel werden Zwangssymptome bei anderen Erkrankungen thematisiert, als da beispielsweise wären hypochrondische Störungen, bei denen die Betroffenen Angst vor einer vermeintlich schweren Erkrankung haben, -dysmorphe Störungen, bei denen sich die Betroffenen vor eingebildeten Mängeln und vermeintlichen Entstellungen ihrer äußeren Erscheinung fürchten, - Essstörungen oder Tic-Störungen. Die häufigsten Begleiterkrankungen sind Depressionen, Ängste und Phobien und Sucht und Abhängigkeit. Ihnen widmet sich Kapitel 3 ausführlich.

Mithilfe des Aberglaubens im Fußball – manche Spieler haben beispielsweise einen Glückspfennig bei sich, der das Spiel positiv beeinflussen soll – wird der alltägliche Aberglaube im vierten Kapitel behandelt.

Was sind die psychologischen Ursachen für Zwangsstörungen? Mit Bezug auf Sigmund Freud wird das psychodynamische Konzept vorgestellt. Im Kontext psychoanalytischer Erklärungsansätze besteht die Überzeugung, „dass bei der Entwicklung von Zwangsstörungen ungelöste innerpsychische Konflikte eine wichtige Bedeutung haben“ (S. 85). Über das klassische und operante Konditionieren wird der erlernte Zwang als ein verhaltenstherapeutisches Entstehungsmodell von Zwangsstörungen aufgezeigt. Zwänge können aber auch durch Reize ausgelöst werden, z.B. das Preparedness. Hierbei handelt es sich um „die Signalwirkung bestimmter Reize und die Bereitschaft, auf diese wesentlich schneller und intensiver zu reagieren“ (S. 94). An der Entstehung von Zwängen können auch Kognitionen, wie Denken, Schlussfolgern, Erinnern schuld sein. Althaus/Niedermeier/Niescken betrachten die genetischen und neurobiologischen Aspekte von Zwangsstörungen. Manche Menschen lassen ein erhöhtes Vorkommen von Zwangsstörungen durch Vererbung erkennen. „Neurobiologisch gesehen handelt es sich bei Zwängen um eine Störung der Regelkreisschleifen zwischen verschiedenen Bereichen des Gehirns“ (S. 102).

Zwangsstörungen können psychotherapeutisch behandelt werden. Die Behandlung sollte im günstigsten Fall durch einen approbierten Psychotherapeuten vorgenommen werden. Die Behandlungskosten werden von den gesetzlichen Krankenversicherungen beglichen. Die psychotherapeutische Behandlung muss mitunter unter Anwendung von Medikamenten erfolgen.

In einem eigenen Abschnitt befassen sich die Verfasser mit der Situation der Angehörigen, denn „häufig erleben Partner, Eltern, Kinder oder Freunde der Betroffenen ein für sie nicht nachvollziehbares Krankheitsbild, dem sie trotz aller guten Absichten und vieler Ratschläge hilflos gegenüberstehen“ (S. 201).

Ein bekanntes Sprichwort führt aus: ‚Hilf mir es selbst zu tun!‘ In der Selbsthilfe gelingt es sich am eigenen Kopf aus dem Sumpf zu ziehen. Selbsthilfe bei Zwangserkrankungen ist, neben Psycho- und Pharmakotherapie, ein probates Mittel.

Am Ende der Veröffentlichung findet der Leser nützliche Literaturempfehlungen – und das sind:

  • Bücher von Betroffenen;

  • Bücher für Betroffene, Angehörige und Behandler;

  • Bücher für Experten.

Fazit

Die Publikation zeigt Menschen mit einer Zwangsstörung und deren Angehörigen Wege aus der Erkrankung auf. Wie die selbst von einer Zwangserkrankung betroffene Antonia Peters in Ihrem Vorwort zu diesem Buch festhält, eignet es sich sehr gut als Nachschlagewerk. Es ist sehr schön ein derartig umfassendes Buch vorgelegt bekommen zu haben.


Rezensent
Dr. Carsten Rensinghoff
EUTB beim Malteser Hilfsdienst e.V.
Homepage www.teilhabeberatung.de/beratung/malteser-hilfsdien ...
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Zitiervorschlag
Carsten Rensinghoff. Rezension vom 24.10.2019 zu: David Althaus, Nico Niedermeier, Svenja Niescken: Zwangsstörungen. Wenn die Sucht nach Sicherheit zur Krankheit wird. Verlag C.H. Beck (München) 2018. ISBN 978-3-406-70024-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25767.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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