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Christian Wevelsiep: Inklusion

Cover Christian Wevelsiep: Inklusion. über eine Erfüllungsgestalt im gemeinsamen Leben : ein Essay. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2019. 119 Seiten. ISBN 978-3-7455-1053-9. 19,90 EUR.
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Weiterdenken und Weiterfragen als Vervielfältigung von Perspektiven

Der individuelle und lokal- und globalgesellschaftliche Anspruch der Inklusion bündelt in der Menschenrechtsforderung, dass die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt bildet. Inklusion ist also Menschlichkeit im umfassenden Sinn. Es verwundert deshalb nicht, dass im Schlagwortverzeichnis des Internet-Rezensionsdienstes socialnet.de der Begriff 207mal ausgewiesen wird. Es sind familiale, schulische und allgemeinbildende Aspekte, die das Leben der Menschen bestimmen. Es sind vergangenheitsbewusste, gegenwartsbezogene und zukunftsorientierte Wertvorstellungen, die die Vielfalt der Menschheit in ihrer Einheit begründen. Es sind Perspektiven des Seins und Veränderns. Und es sind die humanen Ansprüche, die mit dem Blick zurück nach vorn individuelle und gesellschaftliche Wirklichkeiten und kreative Aktivitäten erfassen (Frank J. Müller, Hg., Blick zurück nach vorn – Wegbereiter der Inklusion, Bd. 1, 2018, www.socialnet.de/rezensionen/23830.php; sowie: Bd. 2, 2018, www.socialnet.de/rezensionen/25049.php). Die Durchsetzung des Menschenrechts auf Inklusion lässt sich nicht allein durch gesellschaftspolitische, institutionelle und rechtliche Maßnahmen erreichen; unverzichtbar ist die Einsicht, dass Inklusion nicht etwas Abgeschlossenes, Erreichtes oder auch Unerreichbares sein kann, sondern ein immerwährender Prozess des alltäglichen Sollens und Wollens ist.

Autor

Diesen Ansprüchen stellt sich der Sozialwissenschaftler Christian Wevelsiep von der Universität in Flensburg. Er inspiziert die historischen und aktuellen Entwicklungen, wie sie spätestens seit dem im Mai 2008 deklariertem Menschenrechtsbeschluss zur „Diversity“ als globaler Anspruch erhoben und als globale Ethik verstanden wird: „Der Einbezug aller Menschen gleich welchen Umständen sie entstammen“. Daraus bildet sich die Grundfrage aller menschlichen Existenz: Wie betrachte ich mein Selbst als unabweisbares, zugehöriges Sein im Anderen.

Aufbau und Inhalt

Neben der ausführlichen Einleitung, in der Wevelsiep dieses tiefe Verstehen des Anderen thematisiert, wird das Essay in sieben Kapitel gegliedert.

  1. Im ersten wird die „Geschichte der Exklusion“ als Gegenbezug zur Inklusion aufgezeigt.
  2. Im zweiten werden mit der „Vermessung des sozialen Raums“ die Umstände und Ordnungssysteme verdeutlicht, die entweder zu exklusiven oder inklusiven Daseinsformen führen.
  3. Das dritte Kapitel benennt die „ungeklärten Möglichkeiten der inklusiven Kultur“. Der Autor verweist dabei vor allem auf die Fallstricke und auf unbewusste und ungewollte Benachteiligungen.
  4. Im vierten Kapitel stellt er einen „Prüfstein für die inklusive Praxis“ vor. Es sind die allgemein- und speziell bildenden Maßnahmen, Didaktiken und Methoden, die nicht den wissenschaftlichen Beweis notwendig machen, sondern die humanistische Reflexion erfordern.
  5. Im fünften Kapitel befasst sich der Autor mit der ersten humanistischen Reflexion, indem er über „die vergangene Zukunft der Sonderpädagogik“ nachdenkt.
  6. Das sechste Kapitel nimmt das verloren geglaubte, normorientierte Vergangene auf und ordnet es mit der zweiten humanistischen Reflexion als Gegenwärtiges der Inklusion ein. Es geht darum, „sich eine humane Praxis vorzustellen, in der von den Einbezogenen in bestimmter Weise mitbestimmt wird, welche sozialen Bezüge als gut, annehmbar, tragfähig, belastbar und lebenswert erscheinen“.
  7. Mit der dritten humanistischen Reflexion bindet der Autor die Werte „Inklusion und Solidarität“ zusammen, indem er neue, inklusive Formen der Gemeinsamkeit philosophisch, anthropologisch und soziologisch denkt.

Fazit

Die Reflexionen orientieren sich an der anderen Art des humanen Denkens, das Selbstverständlichkeiten und Herausforderungen des solidarischen Umgangs der Menschen miteinander annimmt und mit der Grenzüberschreitung des Andersseins neue Blickrichtungen ermöglicht und die inklusive Kultur als „Gemeinsamkeit auf eine Weise zu denken, die herausfordernd bleibt, weil sie vom Faktum der Aussetzung ausgeht“. Der Text ist nicht nebenbei zu lesen. Es ist vorstellbar und zu empfehlen, ihn in wissenschaftlichen Seminaren und intellektuellen Diskussionsrunden zu reflektieren.


Rezensent
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 20.06.2019 zu: Christian Wevelsiep: Inklusion. über eine Erfüllungsgestalt im gemeinsamen Leben : ein Essay. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2019. ISBN 978-3-7455-1053-9.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25772.php, Datum des Zugriffs 20.07.2019.


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