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Gerhard Gruber: Wirkungsorientierte Leistungsmessung

Cover Gerhard Gruber: Wirkungsorientierte Leistungsmessung. Der Balanced Performance Report : Der Weg zu einem ganzheitlichen Performance Measurement System für Social-Profit-Organisationen. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2018. 128 Seiten. ISBN 978-3-8029-5479-5. 24,95 EUR.
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Thema

Veränderte Rahmenbedingungen, verbunden mit dem Ziel einer „Ökonomisierungen“ der sozialen Organisationen, haben eine Neuorientierung in der Trägerlandschaft von sozialen Organisationen bewirkt. Die Rechtsform von Trägerschaften für soziale Organisationen hat sich zunehmend verändert. Soziale Organisationen brauchen Träger mit kurzen Entscheidungswegen, um zeitnah auf Veränderungen reagieren zu können. Aktuell entstehen weitere Anbieter für soziale Dienstleistungen, die nicht aus der Wohlfahrtspflege kommen und diesen Markt entdecken. Der Anspruch nach Professionalisierung von Seiten der Kommunen als Kostenträger sozialer Dienstleistungen hat eine Veränderung in der Beziehung mit Trägern von sozialen Organisationen bewirkt. Die Refinanzierung in Kindertageseinrichtungen folgt wirtschaftlichen Argumentationen und der Anspruch einer Wirkungskontrolle wird mehrfach diskutiert, wie z. B bei der alltagsintegrierten Sprachentwicklung und der Betreuung von Kindern mit Förderbedarf. Damit Träger der Wohlfahrtspflege konkurrenzfähig bleiben, braucht es eine Professionalisierung der Zielsetzungs-, Steuerungs- und Kontrollprozesse in den Organisationen. Der Autor informiert den Leser von seiner eigens entwickelten Leistungsmessung dem „Balanced Performance Report“. Darüber hinaus erwirbt der Leser Wissen über die Möglichkeiten und die Grenzen einer wirkungsorientierten Leistungsmessung. Dem Leser wird verdeutlich, dass es eine Ausgewogenheit von finanziellen und nichtfinanziellen Kennzahlen und Indikatoren braucht sowie eine enge Vernetzung von strategischer und operativer Planung und eine organisationsspezifische Stakeholderorientierung. Die Inhalte des Buches befähigen den Leser, eine wirkungsorientierte Leistungsmessung durchzuführen, die all diese eben benannten Aspekte berücksichtigen.

Autor

Gerhard Gruber verfügt über 25 Jahre Praxiserfahrung in und mit Social-Profit-Organisationen als Unternehmensberater mit den Beratungsschwerpunkten Strategieentwicklung, Prozessmanagement sowie Performance Measurement für Sozial- und Gesundheitseinrichtungen. Der Autor hat sich sowohl in seiner Bachelorthesis als auch in seiner Masterthesis mit den Themen Messung, Dokumentation und Steuerung der Aktivitäten eines Unternehmens oder einer Organisation im Hinblick auf seine Vision und Strategie auseinandergesetzt. Beide Arbeiten sind veröffentlicht.

Entstehungshintergrund

Aufgrund der beruflichen Tätigkeit des Autors als Unternehmensberater in gemeinnützigen Organisationen entstand der Anspruch, ein Leistungsmessungssystem zu entwickeln, das praxisrelevante Aspekte einer gemeinnützigen Organisation berücksichtigt. Die Balanced Scorecard als Leistungsmessungssystem zeigte Grenzen in ihrer Anwendung in gemeinnützigen Organisationen. Daher wurde sie weiterentwickelt zum Balanced Performance Report und unterscheidet sich in der Entwicklung und Strategieverfolgung.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in fünf Kapiteln auf 128 Seiten. Zu Beginn definiert der Autor den Begriff Sozialorganisation. In seinem Vorwort stimmt der Autor auf die aktuellen Herausforderungen für Sozialorganisationen ein. Darüber hinaus beschreibt er sein Anliegen, dass dieses Buch als Unterstützung bei der Entwicklung eines Leistungswirkungsmessungssystems dienen kann und Möglichkeiten und Grenzen der Leistungsmessung aufzeigt. Er benennt seine Ziele bei der neu entwickelten wirkungsorientierten Leistungsmessung.

  1. Der Autor setzt sich im ersten Kapitel mit bestehenden Modellen zu Kennzahlensystemen auseinander.
  2. Anschließend wird eine eigene empirische Untersuchung des Autors vorgestellt.
  3. Im dritten Kapitel wurde ein Leistungswirkungsmessungssystem entwickelt, dass als Performance Measurement System bezeichnet wird. Dazu wurde eine Methode entwickelt, die organisations- und stakeholderrelevante Perspektiven betrachtet, die in einem Wirkungsgefüge stehen. Dieses System ist als „Balanced Performance Report“ benannt.
  4. Anschließend werden Nutzen und Grenzen der Leistungsmessung für Social-Profit-Organisationen aufgeführt.
  5. Im letzten Kapitel erhält der Leser Handlungsempfehlungen zu einem praxisrelevanten und wirkungsorientierten Performance Measurement System.

Inhalt

Nach einer Einführung werden die theoretischen Grundlagen dargestellt mit dem Ziel, ein Verständnis zu entwickeln, wie ein praxisrelevantes und wirkungsorientiertes Steuerungssystem aufgebaut und entwickelt werden kann. Der Autor gibt dem Leser einen Überblick über die Arten von Kennzahlen und deren Aussagekraft. Anschließend stellt der Autor das EFQM-Modell (Modell der European Fundation for Quality Management) vor, das kein Kennzahlensystem im engeren Sinne darstellt, aber als Grundlage dienen kann für Selbstbewertungen von Unternehmen, sowie die BSC (Balanced Scorecard). Der Autor analysiert die Ansätze der Methoden, die Ausgewogenheit der Kennzahlen und Wirkungszusammenhänge. Am Ende dieses Kapitels erhält der Leser eine Einschätzung und Bewertung zu diesen Instrumenten. Anschließend wird eine eigene empirische Untersuchung des Autors vorgestellt. Der Forschungsgegenstand bestand aus den Aktivitäten und Reaktionen Oberösterreichischer Sozialorganisationen bezogen auf wirkungsorientierte Leistungsmessungen. Der Forschungsablauf orientierte sich bei beiden Erhebungen an den von Atteslander vorgeschlagenen fünf Phasen:

  • Problembenennung,
  • Gegenstandsbenennung,
  • Durchführung der Befragten,
  • Analyse und
  • Verwertung der Ergebnisse (S. 51).

Der Autor gibt eine Handlungsempfehlung zur Leistungswirkungsmessung. Im dritten Kapitel wurde ein Leistungswirkungsmessungssystem entwickelt, das als Performance Measurement System bezeichnet wird. Dazu wurde eine Methode entwickelt, die organisations- und stakeholderrelevante Perspektiven betrachtet, die in einem Wirkungsgefüge stehen. Dieses System ist als „Balanced Performance Report“ benannt. Die Vorteile dieses Systems gegenüber der BSC werden aufgeführt. Darüber hinaus gibt es Hinweise zur Umsetzung und Anwendung des Balanced Performance Report, damit der Nutzen auch nachhaltig in der Organisation generiert werden kann. Anschließend werden Nutzen und Grenzen der Leistungsmessung für Sozialorganisationen aufgeführt. Im letzten Kapitel erhält der Leser Handlungsempfehlungen zu einem praxisrelevanten und wirkungsorientierten Performance Measurement System.

Fazit

Der Leser wird nicht nur befähigt, die Aussagekraft von Kennzahlen zu erfassen, sondern erhält weitere Informationen darüber, wie Zusammenhänge glaubwürdig dargestellt werden können. Aufgrund der praxisbezogenen Darstellungen fällt es dem Leser leicht, die Kategorisierung der Kennzahlen nachzuvollziehen und die daraus resultierenden Anforderungen an Kennzahlsystemen zu verstehen. In der Auseinandersetzung mit der BSC, die der Autor führt, wird deutlich, dass für Sozialorganisationen und öffentlichen Verwaltungen eine Ausweitung der Perspektiven erforderlich ist. Der Autor arbeitet die Problembereiche der BSC für Sozialorganisationen differenziert und verständlich aus. Er weist auf die Gelingens–Faktoren für die Implementierung eines Steuerungsinstrumentes hin. Gruber zeigt die Grenzen von der BSC in Sozialorganisationen anhand seiner eigens durchgeführten Untersuchung auf. Dabei gelingt es ihm herauszuarbeiten welche Kennzahlen und Indikatoren geeignet erscheinen, um den Sachzieldominanz geprägten Anforderungen von Sozialorganisationen zu genügen. Auf der Grundlage seiner dargestellten Erkenntnissen bzw. Bedürfnissen der Praxis, entwickelt er ein Leistungswirkungsmessungssystem, dass als Performance Measurement System bezeichnet wird. Das Performance Measurement System folgt zwar der Architektur einer BSC, unterscheidet sich aber hinsichtlich seiner Entwicklung und Strategieverfolgung. Aufgrund der konsequenten Einbeziehung der Mitarbeiter und Überprüfung der Ziele nach Umsetzbarkeit innerhalb der einzelnen Geschäftsfelder werden konkrete strategische Teilziele definiert. Dadurch wird der gänzliche Wegfall einer Strategie verhindert, indem dem die Maßnahmen, die zur Zielerreichung definiert werden, auf strategische Teilziele bezogen sind und deren Wirkungsgefüge darstellen (S. 117). Die aufgeführten Gewinne für Sozialorganisationen beim Einsatz dieses Instrumentes motivieren den Leser, das Instrument einzuführen.


Rezensentin
Silvia Franken
Studierende des Masterstudienganges in Kindheits- und Sozialwissenschaften
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Zitiervorschlag
Silvia Franken. Rezension vom 22.07.2019 zu: Gerhard Gruber: Wirkungsorientierte Leistungsmessung. Der Balanced Performance Report : Der Weg zu einem ganzheitlichen Performance Measurement System für Social-Profit-Organisationen. Walhalla Fachverlag (Berlin) 2018. ISBN 978-3-8029-5479-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25779.php, Datum des Zugriffs 15.10.2019.


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