Naomi Feil, Evelyn Sutton et al.: Trainingsgprogramm Validation
Rezensiert von Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind, 12.03.2002
Naomi Feil, Evelyn Sutton, Francis Johnson: Trainingsgprogramm Validation. Folien.
Ernst Reinhardt Verlag
(München) 2001.
ISBN 978-3-497-01560-3.
24,90 EUR.
20 Folien.
Inhalt
Die 20 Folien haben folgende Inhalte:
- Die vier Aufarbeitungsphasen
- Für Validationsanwender erforderliche Eigenschaften
- Bedürfnisse sehr alter, desorientierter Menschen
- Ziele von Validation
- Eriksons Lebensstadien und Lebensaufgaben (2 Folien)
- Menschen mit früh einsetzender Alzheimer-Krankheit
- Zwölf Grundsätze der Validation (2 Folien)
- Merkmale von Menschen mit mangelhafter Orientierung (2 Folien)
- Symbole
- Merkmale zeitverwirrter Menschen (2 Folien)
- Merkmale von Menschen in der Phase sich wiederholender Bewegungen (2 Folien)
- Grundbedürfnisse des Menschen
- Merkmale von Menschen in der Phase des Vegetierens
- Positive Wirkungen von Validation
- Validationstechniken für die Aufarbeitungsphasen
Kritische Würdigung
Die Folien demonstrieren recht eindeutig, dass es sich bei der Validation um ein äußerst interessantes Phänomen handelt, dass zweierlei zugleich leistet: es konstruiert oder erfindet eine neue Wirklichkeitsebene mit den damit verbundenen Problemfeldern (die „Aufarbeitungsphasen“) und bietet zugleich die erforderlichen Behandlungs- und Lösungsstrategien („Validationstechniken“) an.
Da dieses eigentümliche Theorie-Praxis-Konstrukt mit den gängigen Modellen der Medizin und Pflege nicht kompatibel ist („Aufarbeitungsphasen“ existieren weder in der Psychogeriatrie noch in der Demenzpflege), entsteht hierdurch geradezu eine Parallel-Welt der Validation, die sich aufgrund ihrer Eigentümlichkeit jedweder Überprüfung hinsichtlich ihrer Wirksamkeit und Effizienz entzieht.
Naomi Feil steht hier in der Tradition vieler psychotherapeutischer Verfahren, „neue“ Krankheitsbilder und Behandlungsstrategien mitsamt theoretischem Überbau und Bewertungskriterien zu entwickeln, anzuwenden und selbst zu evaluieren. Diese Vorgehensweisen hat mittlerweile dazu geführt, dass gegenwärtig fast 500 verschiedene Methoden, Therapien und Erklärungsmuster auf dem Feld seelischer Behandlungsverfahren existieren und miteinander konkurrieren, die fast alle bisher den Nachweis ihrer Wirksamkeit schuldig geblieben sind.
Es muss ausdrücklich davor gewarnt werden, dass diese Entwicklung (der so genannte „Psychoboom“) Einzug in die Altenpflege einschließlich der Pflege und Betreuung Demenzkranker erhält, denn Pflegen ist im stationären Bereich ein kollektiver Prozess, der ein Höchstmaß an fachlicher Übereinstimmung bezüglich Wahrnehmung, Handeln und Bewertung bei den Pflegekräften erforderlich macht. Angesichts der Tatsache, dass neben Validation bereits eine Vielzahl ebenso fragwürdiger Ansätze (Snoezelen, Basale Stimulierung, Mäeutik u.a.) auf den Markt der Altenpflege drängen, ist es m.E. angezeigt, die bisherigen, bereits umfangreichen Erfahrungen und Erkenntnisse aus dem In- und Ausland über die Pflege und Betreuung Demenzkranker zu verallgemeinern. Dieses Wissen böte dann u.a. den Orientierungsrahmen für die Beurteilung dieser äußerst eigenartigen Konzepte.
Rezension von
Dr. phil. Dipl.-Psychol. Sven Lind
Gerontologische Beratung Haan
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