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Michael Schrader: Kita-Qualität im Team gestalten

Cover Michael Schrader: Kita-Qualität im Team gestalten. Wege und Methoden für ein maßgeschneidertes QM mit dem pragma-indikatoren-modell®. Carl Link (Kronach) 2019. 305 Seiten. ISBN 978-3-556-07385-8. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR.
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Thema

Das Buch geht aus von den in den letzten Jahren intensivierten gesetzlichen Vorschriften zur Qualitätsentwicklung insbesondere im Bereich der Kindertagesstätten. Es zeigt einen Weg auf, wie diesen Anforderungen in einer Weise Genüge getan werden kann, die das Ziel, „gute Arbeit“ zu leisten, tatsächlich unterstützt. Das vorgestellte „pragma-indikatoren-modell ®“ wird konkret vorgestellt und es wird die Kompatibilität des Modells mit Zertifizierungsanforderungen begründet – allerdings durchaus mit kritischen Hinweisen zum Gebrauchswert solcher Verfahren.

Autor

In kurzen biographischen Anmerkungen (S. 215-217) stellt Michael Schrader seinen Erfahrungshintergrund zum Thema Kita selbst vor: von seinen Kindergartenerfahrungen, über das Erleben der Kinderladen- und Eltern-Selbsthilfe-Bewegungen hin zu seiner Arbeit als Pädagoge in einem „Kinderhaus“. Hieraus hat sich eine mittlerweile 40-jährige Tätigkeit als Organisationsberater mit dem Schwerpunkt Kindertageseinrichtungen entwickelt. Aus dieser Tätigkeit heraus hat er die „pragma GmbH“ als soziales Dienstleistungsunternehmen entwickelt und das hier vorgestellte Konzept eines Qualitätsmanagements für Kitas.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in fünf Kapitel und enthält 15 Anhänge. In einem Vorwort würdigt Jochen Merchel die vorgelegte Arbeit.

Die Kapitel sind:

  1. Warum ist Qualitätsentwicklung nötig und sinnvoll? ( 32 Seiten)
  2. Das pragma-indikatoren-modell® im Überblick (26 Seiten)
  3. Wie führt man ein Qualitätsmanagementsystem ein und wie gestaltet man die Qualitätsentwicklung? (90 Seiten)
  4. Welchen Nutzen haben externe Qualitätsüberprüfungen (23 Seiten)
  5. Wie stellt man Kontinuität in der Qualitätsentwicklung her? (21 Seiten)

Jedes Kapitel beginnt mit einem knappen „Das Kapitel im Überblick“ und endet mit einem das Kapitel in geraffter Form zusammenfassenden Rückblick. Ein weiteres didaktisches Moment sind 15 Abbildungen und 58 Tabellen (zum Überblick s. S. 221-226)

Inhalt

Im ersten Kapitel werden zunächst die Vorgaben des § 79 a SGB VIII zum Thema Qualitätsmanagement vorgestellt. Danach werden die Spezifika sozialpädagogischer Dienstleistungen als „Vertrauensgut“ herausgearbeitet, das nur in Koproduktionen mit Kindern und Eltern entstehen kann. Hierzu brauchen die Fachkräfte „fachliche Autonomie“, Reflexionsfähigkeit, Beziehungsfähigkeit und Wissen.

Anschließend werden die verschiedenen Rollen und Verantwortlichkeiten von Fachkräften, Teams, Leitungen und Trägern im „System Kita“ skizziert und sieben zentrale Anforderungen an ein QM-System formuliert:

  1. Fachliche Fundierung und ständige Weiterentwicklung
  2. Gestaltungsspielraum bei der Erbringung der Dienstleistung
  3. Fachkraft als Garant der Qualität
  4. Qualität als Gemeinschaftsaufgabe
  5. Alltagsnähe und Leistbarkeit
  6. Unterschiedliche Rollen
  7. Trägerverantwortung (s. S. 29 ff.)

Drei „Praxisbeispiele aus dem Kita-Alltag“ (S. 31) veranschaulichen dann die Komplexität der Aufgabe, „gute Arbeit“ in der Kita zu leisten. Sie machen deutlich: die Anforderungen sind nicht standardisierbar, ähnliche Situationen können ganz unterschiedliche Reaktionen erfordern, auch „Intuition“ hat im Rahmen fachlicher Autonomie einen Platz: „Insofern gibt es für das Verhalten einer Fachkraft bei der Erbringung einer sozialen Dienstleistung nicht immer die EINE perfekte Lösung, eine klare Orientierung im Sinne von >richtig< oder >falsch<.“ (S. 46)

Das zweite Kapitel stellt das pragma-indikatoren-modell® im Überblick vor. Es unterscheidet 4 Kernprozesse:

  1. Entwicklungsbegleitung und Förderung des einzelnen Kindes
  2. Bildungsarbeit mit den Kindern
  3. Zusammenarbeit mit den Eltern
  4. Zusammenarbeit mit der Schule und anderen Partnern

Jedem Kernprozess werden „Indikatoren“ zugeordnet. Diese Indikatoren können „verbindliche“, „variable“ oder auch „optionale“ sein. Zumeist sind sie als Aussagesatz formuliert, der mit „Wir…“ beginnt. (z.B. Indikator 1.4: „Wir beobachten jedes Kind regelmäßig und dokumentieren seine Entwicklung“ (S. 60)) Jedem Indikator sind sodann Qualitätskriterien zugeordnet. Diese Qualitätskriterien wiederum werden durch 5 Werte (von 0 bis 4) operationalisiert. Der Wert 0 bedeutet, dass ein Indikator in keiner Weise erfüllt wird, bei Wert 1 wird der Indikator teilweise erfüllt, bei Wert 2 wird er erfüllt, bei Wert 3 wird er gut erfüllt und bei Wert 4 schließlich wird er außerordentlich gut erfüllt.

Zweck der Sache: „Durch die Zuordnung der Qualitätskriterien zu den fünf Wertstufen, die einmal im Jahr im Rahmen der Bewertung (Qualitätseinschätzung) von den Fachkräften vorgenommen wird, werden der IST-Stand der Qualität der pädagogischen Arbeit, die Stärken und Schwächen der Einrichtungen sowie Qualitätsunterschiede zwischen den Einrichtungen abgebildet.“ (S. 71).

Das dritte Kapitel ist das Kernkapitel des Buches. Es befasst sich mit der Frage „Wie führt man ein Qualitätsmanagementsystem ein und wie gestaltet man die Qualitätsentwicklung?“ Dabei werden zwei Phasen unterschieden. In Phase 1 geht es um die „Erarbeitung der trägerbezogenen Systematik und Darstellung >guter Arbeit< und die Verständigung über die Qualitätspolitik“ (S. 77). Dabei werden sehr konkret die Punkte „Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“ (S. 80 ff), „Gestaltungsaufgaben und Mitwirkung des Trägers“ (S. 83 ff.) und „Leitung und Moderation der Projektgruppe QM“ (S. 86 ff.) angesprochen. Immer wieder werden dabei auch die notwendigen Rahmenbedingungen und der notwendige Zeitaufwand konkretisiert.

In der Phase 2 geht es dann um die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, um die jährliche Bewertung durch die Mitarbeiter*innen und deren Darstellung und vor allem um den Prozess der Auswertung, Reflexion und Weiterentwicklung >guter Arbeit<. Das Kapitel schließt mit Überlegungen zur sinnvollen Integration von Qualitätsentwicklung und Konzeptionsentwicklung, die sowohl sachlich wie auch zeitökonomisch begründet wird.

Das vierte Kapitel befasst sich mit der Frage, welchen Nutzen „Qualitätsüberprüfungen“ haben. Auch wenn Michael Schrader diesen Nutzen wohl eher skeptisch sieht, konstatiert er, dass einige Träger solche Qualitätsüberprüfungen für ihre Einrichtungen verbindlich fordern. Insofern belegt er, dass das von ihm vorgestellte pragma-indikatoren-modell® mit solchen Anforderungen ggf. problemlos kompatibel ist. Er erläutert dies konkret am Beispiel der Umsetzung der Anforderungen des BETA-Gütesiegels, die z.B. von den Evangelischen Kitas in Oldenburg bereits seit 10 Jahren praktiziert wird (s.S. 189).

Das fünfte Kapitel schließlich geht der Frage nach, wie man Qualitätsentwicklungsprozesse kontinuierlich gestalten kann. Voraussetzungen dafür sind Rollenklarheit, Transparenz des Gebrauchswerts von Qualitätsentwicklung und das Zur-Verfügung-Stellen der notwendigen Ressourcen. Z.B. im Hinblick auf die notwendigen Zeitressourcen werden ganz konkrete Berechnungen vorgestellt, durch die SOLL- und IST-Werte sich so darstellen lassen, dass sie für alle transparent sind.

Die 15 Anhänge decken ein breites Spektrum nützlicher Zusatzinformationen ab und zeigen Erweiterungsmöglichkeiten des vorgestellten Modells – etwa um einen Kernprozess „Religiöse Bildung“ für konfessionelle Kitas oder andere trägerspezifische Qualitätskriterien.

Diskussion

Das Buch besticht durch die gute Synthese von Systematisierung einerseits und Differenzierungen andererseits. Dadurch gelingt es immer wieder den fachlichen Gebrauchswert des intendierten QM-Verfahrens in den Vordergrund zu stellen und vor diesem Hintergrund die Machbarkeit und Sinnhaftigkeit des Vorgehens plausibel zu machen. In dieser Intention ist der Arbeitszusammenhang mit Jochen Merchel deutlich spürbar. „Gute Arbeit“ von Fachkräften in der Kita ist nicht das Abspulen standardisierter Programme und Verhaltensrichtlinien, sondern ein situationsangemessener Umgang mit Kindern und Eltern im Kontext Autonomie und Reflexion fördernder Rahmungen und Strukturierungen durch das vorgeschlagene QM-Verfahren, wenn Fachkräfte, Teams, Leitungen und Träger diesen Prozess gemeinsam rollenadäquat gestalten.

Fazit

Das in dem Buch vorgestellte QM-Verfahren „pragma-indikatoren-modell®“ ist ein ebenso strukturiertes wie flexibles Instrument der Reflexion auf „gute Arbeit“ in Kitas. Es erfüllt die aktuellen Anforderungen gesetzlicher und untergesetzlicher Anforderungen an Qualitäts- und Konzeptentwicklung von Kindertageseinrichtungen. Es erlaubt aber auch Anpassungen an verschiedene Gegebenheiten, Größen und fachliche Orientierungen der Einrichtungen. Das Verfahren ist kein Zertifizierungsverfahren, es ist aber – falls erforderlich – anschlussfähig an gängige Zertifizierungsverfahren und trägerspezifische Zertifizierungserfordernisse. Dies wird u.a. am Gütesiegel des Evangelischen Fachverbandes BETA verdeutlicht. Das Buch gibt eine strukturierte Orientierung über das QM-Verfahren, es enthält aber auch viele Materialien, die es zu einem Arbeitsbuch mit hohem Gebrauchswert für die verschiedenen Akteur*innen machen.


Rezensent
Norbert Struck
1991 bis 2018 Jugendhilfereferent beim Paritätischen Gesamtverband
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Zitiervorschlag
Norbert Struck. Rezension vom 03.07.2019 zu: Michael Schrader: Kita-Qualität im Team gestalten. Wege und Methoden für ein maßgeschneidertes QM mit dem pragma-indikatoren-modell®. Carl Link (Kronach) 2019. ISBN 978-3-556-07385-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25844.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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