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Monika Alisch (Hrsg.): Sozialraumentwicklung in der Migrations­gesellschaft

Cover Monika Alisch (Hrsg.): Zwischenräume - Sozialraumentwicklung in der Migrationsgesellschaft. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 204 Seiten. ISBN 978-3-8474-2276-1.

Reihe: Beiträge zur Sozialraumforschung - Band 20.
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Thema

Viele Sozialräume in Deutschland erfahren in den letzten Jahren durch Einwanderung insbesondere von Menschen, die aus Kriegs- und Krisenregionen der Erde zugewandert sind, eine Veränderung, die Fragen nach neuen Ansätzen von Sozialraumentwicklung und -organisation aufwirft.

Die vorliegende Publikation ist das Ergebnis der Auseinandersetzungen von Praktiker*innen, Lehrenden und Forschenden der Hochschulen von Fulda und Kassel in diesem Kontext „mit den Beziehungen zwischen Fluchtmigrant*innen, freiwillig Engagierten und Akteuren der Sozialen Arbeit und den dabei sichtbar werdenden sozialen ‚Zwischenräumen‘“ (rückwertiges Deckblatt).

Herausgeberin

Prof. Dr. Monika Alisch ist als Professorin in Lehre und Forschung am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda tätig.

Aufbau und Inhalt

Der Band gliedert sich in drei Teile mit je drei Beiträgen: Sozialraumentwicklungsprozesse von Geflüchteten, Sozialraumorganisation durch freiwilliges Engagement und Zivilgesellschaftliche Zwischenräume der Migrationsgesellschaft.

Vor Teil 1 ist ein einführender Beitrag von Monika Alisch mit dem Titel Sozialraumentwicklung und -organisation in Zwischenräumen der Migrationsgesellschaft. Hier geht die Autorin auf die relevanten Begriffe Einwanderung, Migration, postmigrantische Gesellschaft sowie Grenz- und Zwischenräume ein, die „für Migrant*innen, die in den letzten Jahren auf der Flucht nach Deutschland gekommen sind, entstehen“ (S. 9). Sie beschreibt dann drei Diskussionsstränge über den Zwischenraumbegriff: 1. Durch die Akte des Asylverfahrens formal begrenzte Möglichkeiten Geflüchteter zur Ausprägung einer Identität zwischen den Erwartungen der Institutionen im Aufnahmeland und der subjektiven Identität. 2. Seit 2014 Entwicklung eines zivilgesellschaftlichen Engagements in großem Ausmaß und mit hoher Bereitschaft zur Unterstützung Geflüchteter und 3. Durch Versammlungsorte hergestellte Zwischenräume, „an denen eigene und gemeinsame Interessen formuliert und ausgehandelt werden können“ (S. 10). Im Weiteren wird unter Bezugnahme auf aktuelle Veröffentlichungen Soziale Arbeit im Zusammenhang mit Fluchtmigration thematisiert, bevor im letzten Teil die Beiträge in dem Band skizziert werden.

Mit den Beiträgen in den folgenden drei Abschnitten sollen drei Akteursperspektiven im Handlungsfeld Sozialer Arbeit mit Geflüchteten zusammengeführt werden. Die Herausgeberin schreibt hierzu: „Dabei werden die von Michael May und mir entwickelten Konzepte von Sozialraumentwicklung und Sozialraumorganisation als strukturierende Rahmungen verwendet, um zum einen Prozesse raumbezogener Interessensorientierungen von Zugewanderten zu beschreiben und deren Motive und Begrenzungen, soziale Ressourcen zu mobilisieren, um sich eigener Identität(en) zu vergewissern herauszuarbeiten. Zum anderen wird hier das Konzept von Sozialraumorganisation bezogen auf institutionelle Arrangements der Sozialverwaltung, in der Akteure professionell und ehrenamtlich organisierter Tätigkeiten Sozialer Arbeit an der Hervorbringung und Verwirklichung raumbezogener Interessensorientierungen beteiligt sind.“ (S. 13)

Teil 1: Sozialraumentwicklungsprozesse von Geflüchteten

In ihrem Beitrag „Ein Ankommen ohne Abschied: Herausforderungen unbegleiteter minderjähriger Geflüchteter im Umgang mit transnationalen Sozialräumen“ geht Andrea Hilger, Mitarbeiterin am Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Fulda, anhand von leifadengestützten Interviews mit unbegleiteten, minderjährigen Geflüchteten der Frage nach der Bedeutung des Abschieds im Herkunftsland für das Ankommen im Aufnahmeland nach der Flucht. Abschiedssituationen werden hierbei unterschieden in vollzogenen und fehlenden Abschied jeweils mit und ohne familiäre Unterstützung. In den Interviews wird besonders das Leben in Deutschland von den Jugendlichen als eine gewisse Zwischenraumsituation des Wechsels von einem in den anderen Kulturkreis beschrieben. Die Autorin sieht ihre These bestätigt, dass ein fehlender Abschied eine sehr große Belastung sei und das Ankommen in der Aufnahmegesellschaft behindere, wenn er nicht verarbeitet wird. Im Schlussteil des Beitrags wird zusammengefasst, wie Fachkräfte in ihrer Arbeit mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten die Abschiedssituationen in ihre Arbeit einbeziehen und die jungen Menschen nicht allein als Opfer betrachten sollten.

In dem zweiten Beitrag mit dem Titel Engagierte Geflüchtete – Beziehungsräume und Teilhabemöglichkeiten durch zivilgesellschaftliches Engagement befasst sich Cordelia Scherwitz, Sozialarbeiterin in den Bereichen Flüchtlingssozialarbeit, Sozialraumentwicklung und Mieterkonfliktberatung, im Rahmen eines Praxisforschungsprojekts mit freiwillig engagierten syrischen männlichen Geflüchteten in einer Erstaufnahmeeinrichtung. Sie fragt nach den subjektiven, mit dem Engagement verbundenen Perspektiven und Motiven. Ihr Ziel ist es, durch ihr Engagement entstandene Lern- und Entwicklungsprozesse der Befragten zu „rekonstruieren und hierüber die lebensweltliche Perspektive hinsichtlich ihrer Zugänge zur Aufnahmegesellschaft herauszuarbeiten.“ (S. 42) Als Erkenntnis aus ihrer Praxisforschung zeigt die Autorin, dass sich Teilhabechancen durch ein Engagement wie den Bundesfreiwilligendienst, erhöhen lassen. Im Rahmen ihres Engagements können „Orientierungswissen und Verhaltenssicherheit erworben, selbstverständliche Kontakte zu unterschiedlichsten Menschen, Gruppen, Institutionen und Milieus aufgebaut sowie Erfahrungen von Selbstwirksamkeit und Kompetenz gemacht werden. Die ergänzende Erfahrung einer gelebten Zivilgesellschaft mit ihrem sozialen Zusammenhalt, ihren politischen Bildungsformaten und kreativen Zugängen … trägt darüber hinaus wesentlich dazu bei, sich selbstverständliche(er) im neuen Lebens- und Gesellschaftskontext zu bewegen.“ (S 57)

Der dritte Beitrag in diesem Abschnitt hat den Fokus auf Bildungsteilhabe von jungen Erwachsenen mit Fluchterfahrung – Potenziale, Herausforderungen und Grenzen von zivilgesellschaftlichen, sozialräumlichen Projekten. Die Autorinnen Sina Motzeg-Öz und Manuela Westphal, beide tätig am Institut Sozialwesen an der Universität Kassel, stellen das Bildungsprojekt „Meine Chance“ exemplarisch vor, das von ihnen über mehrere Jahre begleitet und nach Potenzialen, Herausforderungen und Grenzen von zivilgesellschaftlichen sozialräumlichen Projekten untersucht wurde. Das Projekt bereitet junge erwachsene Geflüchtete in der Region Kassel auf die Teilnahme an der (externen) Nichtschülerprüfung zur Erlangung des Hauptschulabschlusses in Hessen vor und unterstützt sie dabei sprachlich, fachlich und sozialpädagogisch. Nach einer Einlassung über die Relevanz formaler Bildung für Zugänge in Bildung und Erwerbsarbeit umreißen die Autorinnen die Möglichkeiten, die junge erwachsene Geflüchtete als Randgruppe des Bildungssystems für den Bildungserwerb haben. Sie verweisen auf die besondere Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für die informellen Bildungsprozesse der jungen Zugewanderten sowie auf die Bedeutung zertifizierter Bildungsangebote, die dann den Übergang zu regulären (Aus-)Bildungsprojekten ermöglichten. Aus der wissenschaftlichen Begleitung wird resümiert, dass das Projekt „Meine Chance“ sich insgesamt bewährt habe und dass sich zwar die Ziele solcher Bildungsprojekte erreichen lassen und ein hoher Anteil der Teilnehmenden den Schulabschluss geschafft habe. Über zeitlich und finanziell begrenzte Projekte ließe sich aber das strukturelle Defizit in der Bildungsteilhabe von jungen Erwachsenen mit Fluchthintergrund nicht aufheben.

Teil II: Sozialraumorganisation durch freiwilliges Engagement

Sozialräumliche Aneignungs- und Ordnungsprozesse von Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe in München lautet der Titel des ersten Beitrags in diesem Abschnitt. Die Autorin Hannah Jüngst, Sozialarbeiterin in der Jugend- und Straffälligenhilfe in München, hat in einem Praxisforschungsprojekt mit Aktiven der Flüchtlingshilfe in München die sozialräumlichen Entwicklungsprozesse im Engagement untersucht und stellt die Ergebnisse ihrer Untersuchung in diesem Beitrag vor. Ihre Ergebnisse fasst sie in zwei sozialräumlichen Perspektiven zusammen: „Raumaneignung als Bildungsprozess oder Engagement als Lernort“ und „Engagierte als Akteure von Raumordnungsprozessen“. Die von ihr befragten engagierten Freiwilligen in der Flüchtlingshilfe bewegen sich durch ihr Engagement in unterschiedlichen sozialen Räumen und wollen diese auch mitgestalten. Sie sehen dabei zivilgesellschaftliche Räume der Selbstentfaltung und Selbstverwirklichung durch wachsende Bürokratisierung, Strukturierung und Verrechtlichung sowie durch eine wohlfahrtsstaatlich dominierte Raumordnung begrenzt und halten ein demokratisches Miteinander für schwierig umsetzbar. Demnach müsste eine künftige Engagementförderung stärker auf solche lokalen Raumordnungsprozesse in der Flüchtlingshilfe ausgerichtet sein und auch die Perspektive der Geflüchteten einbeziehen.

In dem zweiten Beitrag Zwischenräume professionell und zivilgesellschaftlich organisierter Sozialer Arbeit mit Zugewanderten von Monika Alisch und Manuela Westphal geht es um den Wandel der Sozialen Arbeit in der Migrationsgesellschaft durch die Wechselwirkungen zwischen professionellen und freiwilligen zivilgesellschaftlichen Akteuren. Der Ausgangspunkt des Beitrags ist das Praxisforschungsprojekt ProZiS, dessen zentrale Frage ist, „ob und wie der Umgang mit Diversität im sozialräumlichen Kontext überhaupt gelingt und welcher institutionelle Wandel von Sozialer Arbeit damit einhergeht bzw. einhergehen sollte“ (S. 100). In dem Beitrag fassen die Autorinnen das Ziel, die Konzeption und erste Prozesserfahrungen des Projektes zusammen. Sie gehen dabei davon aus, dass über Erkenntnisse aus folgenden zwei Perspektiven Lerneffekte für die Akteure der relevanten Handlungsfelder der Soziale Arbeit abgeleitet werden können: einerseits nehmen sie das Verhältnis zwischen professionell und zivilgesellschaftlich organisierten Tätigkeiten Sozialer Arbeit mit und von Zugewanderten und die Rekonstruktion der Handlungsmuster der Arbeitsteilungen, Selbstverständnisse und Hilfekonzepte in den Blick; andererseits untersuchen sie Beziehungsformen, Selbstverständnisse und Hilfekonzepte im Verhältnis zwischen Zugewanderten und Engagierten im Hinblick auf die Aufnahme und Intensivierung interethnischer, freundschaftlicher Kontakte.

In dem Beitrag von Linda Kalb-Müller, Gemeinwesenkoordinatorin im Landkreis Fulda, geht es um Herausforderungen ehrenamtlicher Flüchtlingshilfe im ländlichen Raum.

Die Autorin untersucht darin am Beispiel einer Kleinstadt in der hessischen Rhön anhand eines Praxisforschungsprojektes den Beitrag Ehrenamtlicher bei der Stabilisierung einer Bleibeperspektive von Geflüchteten in diesem ländlichen Raum. Ihr Erkenntnisinteresse ist auf die Weiterentwicklung der Gemeinwesenarbeit im ländlichen Raum gerichtet. Es geht um die Frage nach den Möglichkeiten und Grenzen des Engagements aus der Sicht der Ehrenamtlichen und um die Frage, an welcher Stelle das Engagement Unterstützung braucht, „damit ein gemeinsam gestaltetes Zusammenleben zwischen einheimischer Bevölkerung und Geflüchteten trotz kultureller, sprachlicher und individueller Unterschiede gelingen kann“ (S. 116). Die Ergebnisse einer Zukunftswerkstatt mit einheimischen und zugewanderten Ehrenamtlichen und der Teilnehmenden Beobachtung weisen u.a. darauf hin, dass mit dem Zuzug von jungen Geflüchteten Probleme junger Menschen in ländlichen Räumen wieder stärker in den Blick kommen, die in den vergangenen Jahren etwas in den Hintergrund geraten waren. Kalb-Müller verdeutlicht die Notwendigkeit einer durchdachten Regionalplanung und Bildungspolitik, „damit sich für die Geflüchteten im ländlichen Raum weitere Bleibeperspektiven eröffnen“ (S. 131).

Teil III: Zivilgesellschaftliche Zwischenräume der Migrationsgesellschaft

In ihrem Beitrag Ein bisschen Berlin in Bautzen – Die Bedeutung zivilgesellschaftlicher Angebote als sozialräumlich-alternativer Schutzraum für Geflüchtete untersucht Ina Schäfer, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fachbereich Humanwissenschaften der Universität Kassel(ihr Name fehlt zwar unter dem Titel, der Rezensent geht aber davon aus, dass der Name im Inhaltsverzeichnis richtig zugeordnet ist), die wachsende öffentliche Zustimmung zu Gewalttaten gegen Geflüchtete und die damit verbundene Verschiebung des Diskurses am Beispiel der Stadt Bautzen. Sie setzt sich mit der „normative(n) Kraft der Zivilgesellschaft und ihre(n) dunklen Seiten“ sowie mit der Notwendigkeit eines zivilgesellschaftlichen Engagements für Geflüchtete, eines friedlichen Miteinanders und vor allem einer zivilgesellschaftlichen Positionierung gegen Fremdenfeindlichkeit auseinander und plädiert dafür, entsprechende zivilgesellschaftliche Gegenstrategien zu entwickeln. Ihre Forschungsfrage lautet: „Welche Folgen von GMF ('Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit') werden für die Geflüchteten und die Zivilgesellschaft beschrieben und welche Potenziale hat die Zivilgesellschaft (…), sozialräumlich unterstützend für Geflüchtete und auf den Abbau von Fremdenfeindlichkeit zu wirken?“ (S. 140) In ihrer Ergebnisdarstellung hält Schäfer fest, dass dies im lokalen Kontext durchaus gelingt (Beispiel Steinhaus e.V.), Potenziale durch die zivilgesellschaftlichen sozialräumlichen Möglichkeiten vorhanden sind und mit einer klaren Positionierung und öffentlichen Aufklärung schutzgebende Sozialräume geschaffen sowie „die Ausformung von vermehrtem exklusivem Kapital“ abgeschwächt werden.

Sozialarbeiterinnen aus Fulda Birgit Bernhard, Julian Freisein, Julia Koruz und Johanna Scholz schreiben in ihrem Beitrag überAsyl-Theater und „Dialog im Dialog“ – Wie Engagement methodisch zur Integration Geflüchteter beitragen kann. Sie nehmen dabei die Aufgabe Sozialer Arbeit als zivilgesellschaftlichen Akteur in den Blick, die an den Rand gedrängten oder gar ausgegrenzten Menschen in belasteten Lebenslagen zu integrieren und gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation zu befördern. Sie beschreiben das dokumentarische Theaterstück „Asyl-Dialoge“ als methodisches Experiment, in dem die Bühne als Auslöser für einen zivilgesellschaftlichen Dialog über Menschenrechte genutzt wird. Die Autorinnen haben mit diesem „Dialog im Dialog“ eine Methode der Partizipation entwickelt und erprobt, „die in der Durchführung kompatibel ist mit den Arbeitsabläufen und Ressourcen von Gemeinwesen- und Sozialraumarbeit“ (S. 157). Die Diskussionen, die im Anschluss an eine Aufführung der Asyldialoge mit dem Publikum entstanden sind, haben die Autorinnen als Datenmaterial für eine sozialwissenschaftliche Analyse genutzt und Erkenntnisse gewonnen: „Im Dialog zu gesellschaftlichen Verantwortungen“ in Hinblick auf freiwilliges Engagement, „Das ‚Wir‘ und die ‚Anderen‘“ (S. 165) als Konstruktionen in beruflichen Kontexten sowie „Schlussfolgerungen: Wissen eröffnet Perspektiven und Handlungsräume“ (S. 168).

DIWAN – Versammlungsorte für ein gelingendes Zusammenleben in der ländlichen Einwanderungsgesellschaft lautet der Titel des letzten Beitrags dieses Bandes. Die Autorinnen Monika Alisch und Martina Ritter, Professorinnen an der Hochschule Fulda, befassen sich hierin mit der Politik der Integration in ländlichen Räumen, der Integration in ländlichen Räumen als Forschungsgegenstand sowie der „Wertebildung, Differenz und sozialen Öffentlichkeiten“, bevor sie die Konzeption und die Hintergründe des Praxisforschungsprojektes DIWAN vorstellen, dessen „Grundannahme ist, dass es Aufgabe und Herausforderung des Gemeinwesens ist, Teilhabe, Zugehörigkeit und Lebensqualität aller dort lebenden Menschen zu organisieren“ (S. 191). DIWAN ist einerseits ein Prozess in einem zweistufigen Verfahren – Zukunftswerkstätten und eine Ausstellung – und andererseits ein Akronym, das als Versammlungsort oder -saal in einer ländlichen Region zu verstehen ist, in dem „soziale Öffentlichkeiten“, d.h. Initiativen freiwillig Engagierter in der Geflüchtetenhilfe, Zugewanderte und die von der Zuwanderung betroffene Bevölkerung aus der Region sich versammeln. So entsteht in der Begegnung und im Dialog miteinander ein wechselseitiges Verstehen von Werten, Traditionen, Ängsten und Vorbehalten. Dadurch wird das Gemeinwesen neugestaltet, in dem das Zusammenleben gelingt – das Ziel des Projekts.

Fazit

Der Sammelband gibt wichtige Hinweise für ein erfolgreiches zivilgesellschaftliches Engagement und gelingendes Zusammenleben im ländlichen Raum. Die einzelnen Beiträge in drei Abschnitten zeigen drei Perspektiven von Akteuren im Bereich Sozialer Arbeit mit Geflüchteten auf. Im ersten Abschnitt stehen Prozesse von Sozialraumentwicklung der Geflüchteten im Vordergrund. Die drei Beiträge befassen sich mit den Erfahrungen junger geflüchteter Menschen bei der Situation des Ankommens im Aufnahmeland Deutschland. Im zweiten Abschnitt geht es um Möglichkeiten von Sozialraumorganisation durch freiwilliges Engagement in unterschiedlichen sozialräumlichen Kontexten, das für die Soziale Arbeit nicht nur eine Koordinationsaufgabe darstellt. Für die Autorinnen der Beiträge dieses Abschnittes zeigt sich Engagement für und mit Zugewanderten als Teil von Sozialraumorganisation im Bereich des Engagements in der Flüchtlingshilfe. In den Beiträgen des dritten und letzten Abschnitts geht es um die Perspektive divergierender zivilgesellschaftlicher Prozesse der Ermöglichung und Gestaltung von Zwischenräumen der Aushandlung von Interessen. Die Beiträge beschreiben, wie mit Selbstorganisation, Selbstbestimmtheit, Diskussion und Verständigung über kollektive Interessenslagen umgegangen wird bzw. werden soll.

Das Buch bietet zahlreiche Impulse für Personen, die an den Themen Sozialraumentwicklungsprozesse von Geflüchteten, Sozialraumorganisation durch freiwilliges Engagement sowie zivilgesellschaftliche Zwischenräume der Migrationsgesellschaft theoretisch und wissenschaftlich interessiert sind.


Rezensent
Prof. Dr. Süleyman Gögercin
Duale Hochschule BW Villingen-Schwenningen, Fakultät für Sozialwesen
Homepage www.dhbw-vs.de/hochschule/mitarbeitende/sueleyman-g ...
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Zitiervorschlag
Süleyman Gögercin. Rezension vom 11.09.2019 zu: Monika Alisch (Hrsg.): Zwischenräume - Sozialraumentwicklung in der Migrationsgesellschaft. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. ISBN 978-3-8474-2276-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25857.php, Datum des Zugriffs 23.09.2019.


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