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Institut für den Situationsansatz/ Fachstelle Kinderwelten (Hrsg.): Inklusion in der Fortbildungspraxis

Cover Institut für den Situationsansatz/ Fachstelle Kinderwelten (Hrsg.): Inklusion in der Fortbildungspraxis. Ein Methodenhandbuch : Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten. Was mit Kindern GmbH (Berlin) 2018. 160 Seiten. ISBN 978-3-945810-40-8. D: 29,90 EUR, A: 30,80 EUR.

Reihe: Inklusion in der Kita-Praxis. - 6.
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Thema

Das Methodenhandbuch -„Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten“ beschäftigt sich mit Inklusion in der Fortbildungspraxis und basiert auf dem Situationsansatz. Die Ziele, Methoden und Prinzipien des Buches fokussieren die Wertschätzung der Heterogenität mit dem Ziel Lernbarrieren durch Benachteiligungen abzubauen. Praktische Hinweise und Übungen sollen Teams helfen vorurteilsbewusstes Handeln und Kommunizieren in der pädagogischen Praxis zu verinnerlichen und umzusetzen. Das Methodenhandbuch berücksichtigt hierbei alle Identitätsmerkmale, durch die Kinder Benachteiligung oder Abwertung erleben können. Teams werden gestärkt vielfältigen Lebensverhältnissen von Kindern und Familien aufgeklärt und sensibilisiert sowie respektvoll zu begegnen. Die Kompetenz gegenüber Feindseligkeiten, undemokratischem Verhalten und Äußerungen zu intervenieren sowie Betroffene zu bestärken, wird durch die praktischen Übungen, Fallbeispiele und Hinweise im Buch gefestigt. 

Autor*innen

  • Azun, Serap: Erziehungswissenschaftlerin/​Diplom-Pädagogin. Schwerpunkte: Inklusion, Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, inklusive Interaktion mit Persona Dolls, Zusammenarbeit mit Eltern, inklusive Medienentwicklung.
  • Boldaz-Hahn, Stefani: Diplom-Pädagogin und Erziehungswissenschaftlerin mit Schwerpunkt Kleinkindpädagogik, Externe Evaluatorin, Anti-Bias-Trainerin, Expertin für den Situationsansatz. Schwerpunkte: Kita – und Projektevaluation und die Entwicklung von Qualitätsstandards für die externe und interne Evaluation in Kitas. Gründerin und geschäftsführende Gesellschafterin der ektimo – Evaluation in Kindertagesstätten Stefani Boldaz-Hahn & Michael Priebe GbR.
  • Bovha, Cvetka: Diplom-Pädagogin und Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, freie Mitarbeiterin der Fachstelle Kinderwelten/ISTA, Multiplikatorin, Fortbildnerin, Beraterin und Prozessbegleiterin in Kooperation mit verschiedenen Vereinen und Organisationen mit den Schwerpunkten Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Anti-Bias, Globales Lernen, Interkulturalität, Betzavta etc. im Kontext von Kita, Schule, Sozialarbeit, internationale Freiwilligen – und Austauschprogrammen, Verwaltung, Ausbildung von Erzieher*innen und Zivilem Friedensdienst.
  • Bostanci, Seyran: Sozialwissenschaftlerin (M.A.), promoviert zum Thema „Inklusion in Theorie und Praxis in Kindertageseinrichtungen“. Referentin, Fortbildnerin und Praxisbegleiterin in der Fachstelle Kinderwelten/ISTA. Mitarbeit an verschiedenen Forschungsprojekten zum Thema Migration und Bildung. Forschungs – und Arbeitsschwerpunkte: Diversität, Bildungsbenachteiligung, Inklusion und Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung.
  • Enßlin, Ute: Diplompädagogin, Supervisorin, pädagogische Arbeit in Kitas, Fachberatung und Fortbildung für Fachkräfte in Kitas, Praxisberaterin im Projekt Kinderwelten im Institut für Situationsansatz und Kitaberaterin bei FiPP e.V., Fortbildungsinstitut für pädagogische Praxis.
  • Höhme, Evelyn: Erziehungswissenschaftlerin (M.A.), Psychodramaleiterin und Multiplikatorin für den Situationsansatz. Praxisbegleitung von Kitas, Fort – und Weiterbildung im Schwerpunkt Inklusion und Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Projektleitung ISTA-Projekt „Demokratie leben in Kindergarten und Schule“, Koordinatorin im Projekt „Inklusion in der Praxis von Kitas und Krippen“. Beratung, Supervision, Publikationen. Themenschwerpunkte: Partizipation, Zusammenarbeit mit Eltern, Situationsansatz, Gewaltfreie Kommunikation.
  • Krause, Anke: Erziehungswissenschaftlerin/​Diplom-Pädagogin. Schwerpunkte ihrer Arbeit: Fortbildung, Beratung, Vorträge, Publikationen zu den Themen: Inklusion und Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, inklusive Arbeit mit Kindern, Persona Dolls, Zusammenarbeit mit Eltern, Multiplikator*innen-Weiterbildungen und Gewaltfreie Kommunikation.
  • Kübler, Annette: Erziehungswissenschaftlerin/​Diplom-Pädagogin. Tätigkeiten/​Angebote: Entwicklung partizipativer Projekte mit Kindern und Jugendlichen, Fortbildung von Pädagog*innen, Beraterin von Schulen und Eltern, Erstellung neuer Lernmaterialien. Schwerpunkte: Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung/​Anti-Bias, rassismuskritische Ansätze, Menschenrechte und (De-)Kolonialität im Globalen Lernen, kritisches Lesen/​Kinderbücher.
  • Pascual Iglesias, Mercedes: Diplom-Journalistin und Redakteurin. Tätigkeiten/​Angebote: Multiplikatorin für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung und Moderatorin für inklusive Entwicklungsprozesse, Veranstalterin und Moderatorin sowie Fortbildungsleitung, Begleitung von Bildungseinrichtungen
  • Richter, Sandra: Frühpädagogin (B.A.). Tätigkeit/​Schwerpunkte: Leitungstätigkeit und Koordination von Projekten„KITA International“, Referentin und Autorin, Begleitung von Kitateams bei internen Evaluationen, externe Evaluationen zum Berliner Bildungsprogramm. Themenschwerpunkte: Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung, Inklusion, Adultismus, Rassismus-Arbeit sowie Kritische Weißseinsforschung.
  • Wagner, Petra: Diplom-Pädagogin. Tätigkeiten/​Schwerpunkte: Interkulturelle Bildung, Interkulturelle und bilinguale Erziehung im Elementar- und Grundschulbereich, Mitbegründerin und Leitung der Kinderwelten-Projekte für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung im Institut für den Situationsansatz ISTA/INA Berlin, Direktorin des ISTA.
  • Wolter, Berit: Soziologin (B.A.) und Multiplikatorin für den Ansatz Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung. Schwerpunkte: Geschlechterreflektierende Frühpädagogik, Adultismus, Vielfalt in Familienformen, Aufklärungsarbeit zu geschlechtlicher und sexueller Vielfalt.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist eine Weiterführung und Überarbeitung des 2006 von Petra Wagner, Stefani Hahn und Ute Enßlin herausgegebenen Buches „Macker, Zicke, Trampeltier – Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung in Kindertageseinrichtungen“. Es wurde schon vor einiger Zeit klar, dass viele Überlegungen, Methoden und Ideen des 2006 erschienenen Handbuches einer Neufassung bedürfen. Wichtige Impulse und Ideen sowie kritische Reflexionen kamen von pädagogischen Fachkräften aus der Praxis, die in das neue Methodenhandbuch aufgenommen werden konnten.

Das Buch reiht sich in eine Reihe von Handbüchern zum Thema Inklusion in der Fortbildungspraxis, die vom Institut für den Situationsansatz/​Fachstelle für Kinderwelten herausgegeben wurden. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurden 2012–2016 fünf Bände zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung mit den Schwerpunkten: Team, Eltern, Lernumgebung, Interaktion von Kindern und Kitaleitung herausgegeben. Das „Methodenhandbuch – Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten“ stellt Band sechs der Buchreihe dar. Die Inhalte sind inzwischen bundesweit gefragt, zudem auch in Italien, Tschechien und Österreich. Das Methodenhandbuch spiegelt den Anstieg des gestiegenen Interesses allen Kindern einen Zugang zu Bildung zu ermöglichen sowie Bildungsbenachteiligung aller Art zu konkretisieren und in Zusammenhang mit gesellschaftlichen Verhältnissen von Dominanz und Marginalisierung zu sehen.

Aufbau und Inhalt

Teil I des vorliegenden Titels gliedert sich in das Vorwort, die Einleitung sowie die methodischen Grundlagen für die Fortbildungsarbeit. Das Vorwort des Buches beschäftigt sich ausführlich mit der Entstehung des Buches und wie aktuelle Entwicklungen in der Forschung sowie in der Pädagogik berücksichtig wurden. Hier finden sich weiterhin kurze Erklärungen, zur verwendeten Sprache und Worten der Autor*innen sowie zu den Begriffen und Bezeichnungen sowie der geschlechtergerechten Schreibweise. In der darauffolgenden Einleitung wird beschrieben, an welche Zielgruppe sich das Buch richtet und welche Inhalte vertreten sind. Ebenso wird in der Einführung der Aufbau des Buches erklärt und ein kurzer inhaltlicher Einblick verschafft.

Grundlagen

Der Schwerpunkt des Buches ergibt sich aus den Methoden für die Fortbildungsarbeit der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung. Den Methodenbeschreibungen in den einzelnen Texten des Buches gehen wichtige Überlegungen voran, die verschiedene Ansätze und Entwicklungen der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung erläutern. Eine wichtige Grundlage bildet der Punkt Aufwachsen von Kindern in Verhältnissen sozialer Ungleichheit. Der Abschnitt erklärt, wie Kinder in ihren ersten Lebensjahren hierarchisierte Annahmen über sich und Andere entwickeln. Es wird deutlich, dass durch die Annahme einer,natürlichen“ Hierarchie Machtverhältnisse und somit Diskriminierung gegenüber Kindern durch Erwachsene stattfinden à Adultismus. Jedoch haben Erwachsene aufgrund ihrer Erfahrungen die Macht, Kinder zu informieren und Fragen zu beantworten Der Abschnitt Grundlagen bietet weiterhin eine Übersicht darüber, wie Vorurteile und Diskriminierung die Identität von Kindern beeinflusst, indem erklärt wird, wie Kinder eine Selbst-, Ich- sowie soziale Identität bilden. Hierdurch lerne Kinder unter anderem, wer scheinbar wichtig ist und wer es nicht ist. Abweichungen von bisherigen Erfahrungen können als,unnormal' oder,krank' eingestuft werden. Ebenso wird verdeutlicht, dass Kinder schon sehr früh in der Lage sind, wer eine soziale Mitgliedschaft erhält und was diese für Möglichkeiten birgt. Weitere Abschnitte der Grundlagen sind die Auswirkungen von Vorurteilen, Fehlinformationen und Stereotypen auf junge Kinder und der Einfluss von Machtdynamiken auf junge Kinder. Als nächster Abschnitt geht Olenka Bordo Bernavides nochmal genauer auf den Adultismus als Strukturprinzip in Bildungseinrichtungen ein und erläutert, wie ein unreflektierter Umgang von Erwachsenen mit dem Machtungleichgewicht sich auf Kinder und Jugendliche auswirkt sowie eine adultismuskritische Alltagsgestaltung in Bildungseinrichtungen aussehen kann. Am Ende des Kapitels der Grundlagen, finden sich Literaturverweise sowie Hinweise auf online bereitgestellte Ergänzungstexte zum Thema „Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung als inklusives Praxiskonzept“.

Vorurteilsbewusste/​inklusive Fortbildungsarbeit

Seyran Bostanci und Evelyn Höhme klären in ihrem Beitrag „Anti-Bias-Arbeit – ein lebenslanger, von Widerständen begleiteter Lernprozess“ darüber auf, dass das Auseinandersetzen mit Vorurteilsbewusster Bildung und Erziehung in der Anti-Bias-Arbeit eine anspruchsvolle Anforderung an pädagogische Fachkräfte ist, die unter anderem zu Widerstand führen kann, wenn die Auseinandersetzung mit bisherigen Vorstellungen und Verhaltensweisen beginnt. Fortbildner*innen sind also gefordert, eine Balance zwischen Auseinandersetzung und Widerstand zu schaffen. Der Lernprozess braucht Zeit und es benötigt freien Raum für Entscheidungen.

Evelyn Höhne beschäftigt sich in dem Abschnitt „Die vier Ziele der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung in der Fortbildungsarbeit“ mit der Frage, was pädagogische Fachkräfte für den Auseinandersetzungs- und Veränderungsprozess brauchen. Die vier Ziele sollen dabei eine Hilfestellung bieten.

  • Ziel 1: Ich-Identität und Bezugsgruppenidentität stärken
  • Ziel 2: Respekt für Vielfalt entwickeln
  • Ziel 3: Kritisches Denken über Vorurteile und Diskriminierung anregen
  • Ziel 4: Sich Diskriminierung und Vorurteilen widersetzen

In diesem Kapitel des Buches findet sich am Ende ein Hinweis zu dem Onlinetext Machtkritische Reflexion der Rolle der Fortbildungsleitung in der vorurteilsbewussten Arbeit“.

Evelyn Höhme erläutert im Abschnitt Pädagogische Praxis systematisch reflektieren – Das Vorgehen in der Fortbildungspraxis“ nun den systematischen Aufbau der Fortbildungsarbeit und verdeutlicht, dass es ein wichtiges Prinzip ist, mehrperspektivisch zu arbeiten und über diesen Weg Veränderungen anzubahnen. Die Methoden führen vom Persönlichen zum Allgemeinen oder vom Individuellen zum Gesellschaftlichen. Die Fortbildungen sind in vier unterschiedliche Elemente aufgeteilt:

  • Selbstreflexion: persönliche Perspektive „eigene Welt“ benennen können.
  • Wissen: Ergänzung und Vertiefung der Perspektive durch fachliche Auseinandersetzung.
  • Praxisreflexion: Reflexion der eigenen Praxis ermöglicht veränderte Perspektive.
  • Praxistransfer: Welche Schlussfolgerung kann aus der Praxisreflexion gezogen werden. Wie sollte der nächste Schritt aussehen?
  • Gesellschaftliche Positionen der Fortbildner*innen – intersektional betrachten

Berit Wolter legt dar, dass es wichtig ist die eigene Rolle als Fortbildner*in im Machtgefüge zu reflektieren, die Rollen innerhalb eines Teams zu beachten und die Gestaltung der Fortbildung intersektional auszurichten. Darüber hinaus wird erläutert was Intersektionalität überhaupt bedeutet und welche Entwicklung dahintersteckt. Ebenso erklärt Berit Wolter wie die Autor*innen versucht haben beim Schreiben des Buches intersektional zu denken und Transparenz zu schaffen. Das Kapitel schließt mit Literaturverweisen und einem Verweis zum Onlinetext „Diskriminierung und Sprache in der Fortbildung – Eine Frage der Entscheidung“ ab.

Vertiefungstexte

In diesem Kapitel werden gleich zu Beginn Onlinetexte empfohlen zum Thema Empowerment, inklusive Sprache und Inklusion & Partizipation

Seyran Bostanci und Cvetka Bovha beleuchten in diesem Abschnitt den Kulturbegriff und erklären, was Kultur ist und wie eine Einengung des Verständnisses dazu führen kann, dass Menschen in „Kulturkreise“, Nationen und Religionen eingeordnet werden. Es wird deutlich gemacht, dass die Verwendung eines totalitätsorientierten Kulturbegriff keinen Platz für Individualität der einzelnen Personen lässt und dazu führt Pauschalisierungen zu festigen. Der nächste Abschnitt dieses Kapitels beschäftigt sich mit dem Begriff Interkulturalität und kritisiert diesen, da er sich ausschließlich auf die „ethnische“ Herkunft bezieht und somit als starrer Kulturbegriff gilt. Die Verwendung des Begriffs der Familienkultur wird für die Fortbildungsarbeit in den Vordergrund gehoben und empfohlen, da so die Individualität einer Familie und jeder dazugehörigen Person gewahrt bleibt.

Nach dem theoretischen Teil des Buches folgt im zweiten Teil des Buches ein umfassender Praxisteil mit Methodenbeschreibungen, die in sechs Kapiteln zusammengefasst sind. Begonnen wird mit Methodenbeschreibungen, die als Einführung in die Thematik der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung dienen. Das zweite Kapitel beschäftigt sich mit Methoden, die dazu dienen gesellschaftliche Machtverhältnisse und die individuelle Eingebundenheit in diese, reflektieren und verstehen zu können. Die weiteren vier Kapitel widmen sich der Kitapraxis in Bezug auf ihre vorurteilsbewusste Gestaltung und folgen vier Handlungsfeldern:

  1. die Gestaltung der Lernumgebung,
  2. die Interaktion mit Kindern,
  3. die Zusammenarbeit mit Eltern/​Bezugspersonen,
  4. die Zusammenarbeit im Team.

Allen Methoden geht ein Text zu Einführung voran und bei Bedarf wird auf Vertiefungstexte verwiesen. Zur Orientierung wird auf die Schwerpunkte verwiesen, die den thematischen Überblick bieten. Weiterhin werden bei den einzelnen Methoden Hinweise erteilt, welche Ziele erreicht werden können und wie die Methode am besten in das Setting einzubeziehen ist. Darüber hinaus wird auf Verbindungen zu anderen Methoden im Buch hingewiesen und Kombinationsmöglichkeiten vorgeschlagen. Der zeitliche Rahmen und die benötigten Materialien werden zu den jeweiligen Methoden genannt und einzelne Phasen des Ablaufes sind detailliert erklärt. Literaturverweise und besondere Hinweise und Empfehlungen sowie Grafiken sind den Methoden nach Bedarf beigefügt. Am Ende der Methodenbeschreibungen findet der Leser eine Tabelle mit allen Methoden gesammelt. Hier verschaffen die Autor*innen einen Gesamtüberblick über die Ziele, Verwendung und Bezüge der einzelnen Methoden.

Teil III des vorliegenden Titels gliedert sich in ein Glossar, Literaturverzeichnis sowie Hinweise zu den Autoren.

Diskussion

Teil I des Methodenhandbuches bietet eine wichtige Einführung in die Thematik der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung. Die Autor*innen versuchen wichtiges Hintergrundwissen zu vermitteln und Entwicklungen zu erklären. Es fällt positiv auf, dass sensibel beim Schreiben des ersten Teiles des Buches vorgegangen wurde. Die Wahl von Worten, wie „Wir“ und die geschlechtergerechte Schreibweise wird begründet erklärt, zudem wird auf politische Korrektheit geachtet. Die Autor*innen achten und erklären zudem Intersektionalität, die in keinem solcher Bücher fehlen dürfte und beachten hierbei sogar ihre eigene Machtstellung. Auch ohne jegliches Vorwissen ist es möglich das Methodenhandbuch zu lesen und ein Verständnis zu entwickeln, was zum weiteren Nachdenken anregt. Trotz der Vielschichtigkeit des Inhaltes wirkt der erste Teil des Buches nicht überfordernd und spricht die Zielgruppe der pädagogischen Fachkräfte sehr gut an. Weiterführende Hinweise auf Onlinetexte laden ein weiter zu lesen und das Geschriebene zu vertiefen. Hier wurde wohl auch an die Nachhaltigkeit gedacht. Das Buch wird somit nicht zu dick und entsprechende Texte können je nach Bedarf zusätzlich ausgedruckt beziehungsweise gelesen werden. Teil I ist somit eine gute Grundlage und Hinführung für den methodischen Teil den Teil II bildet.

Teil II beschreibt Methoden in unterschiedlichen Bereichen. Hierdurch können pädagogische Fachkräfte sehr gut angeregt werden ihre bisherigen Vorstellungen und Handlungen zu reflektieren. Die Methoden dienen dazu einen Lernprozess anzustoßen und Widerstand gegebenenfalls zu überstehen und in Perspektivenänderung umzulenken. Nach Methoden zur Selbstreflektion und Reflektion der Praxis, bietet das Buch Fortbildungsmethoden zu vier wichtigen Kategorien: die Gestaltung der Lernumgebung, die Interaktion mit Kindern, die Zusammenarbeit mit Eltern/​Bezugspersonen und die Zusammenarbeit im Team. Die Autor*innen haben es geschafft, Aufschluss darüber zu geben, wofür die Methoden geeignet sind und welche Ziele jeweils verfolgt werden können. Ebenso wird ein Überblick verschafft, welche Methoden gut zusammenpassen und welche Vertiefungstexte ergänzend dazu passen. Durch Erfahrungen aus der Praxis ist es den Autor*innen möglich, zusätzlich zu den Methodenbeschreibungen, Hinweise anzufügen, worauf es möglicherweise zu achten gilt oder wir Methoden eventuell verändert werden können. Die Methoden sind lebensweltorientiert und geprägt von Offenheit und Sensibilität. So wird der Begriff „Kultur“ beispielsweise kritisch erläutert und davor gewarnt den aus den 80er Jahren entwickelte Begriff der Interkulturalität zu verwenden. Die Erklärungen hierzu sind logisch und beschreiben, dass es die Individualität jedes Menschen zu schützen und zu respektieren gilt, ungeachtet von geografischer Herkunft, Behinderung, Religion, Aussehen oder Sprache. In den Methoden wird somit, wenn überhaupt, über Familienkultur und eigene Kultur geschrieben, mit dem Hinweis und der Ermutigung an Fortbildner*innen aufmerksam zu sein sowie gegebenenfalls Nachfragen zu stellen, wenn Kulturbegriffe unklar verwendet werden. Durch die unterschiedlichen Methodenbereiche können alle Beteiligten einbezogen werden und es kann die Möglichkeit einer neuen Perspektive geschaffen werden.

Fazit

Das gut recherchierte, umfassende und verständliche Methodenhandbuch „Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten“ verdeutlicht, wie eine inklusive pädagogische Praxis mit dem Ansatz der Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung angestrebt werden kann. Praktische Hinweise helfen pädagogischen Teams in ihrer Arbeit sich auf den Weg der Inklusion zu begeben, indem das Ziel, Lernbarrieren abzubauen und Heterogenität wertzuschätzen, fokussiert wird. Der Ansatz hat sich bundesweit sowie im Ausland in pädagogischen Teams bewährt. Bildungseinrichtungen sind verpflichtet junge Menschen in ihrem Aufwachsen vor Diskriminierung jeglicher Art zu schützen und das Recht auf Bildung und Chancengleichheit zu wahren. Teams werden durch das Methodenhandbuch an den Ansatz der „Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung“ sowohl theoretisch als auch praktisch herangeführt und durch verschiedene Methoden gestärkt Inklusion zu leben und gegen Diskriminierung und Ausgrenzung zu intervenieren. Das beim Schreiben intersektional gedachte Buch versucht Machtgefüge jeder Art zu beachten und zeigt sowohl in der Auswahl der Methoden als auch bei der Zusammenarbeit der Autor*innen inklusive Perspektiven und Handlungsschritte. Vertiefungstexte im Buch als auch Onlineverweise bieten weitgehende Einblicke und Möglichkeiten zur Wissensaneignung, was das Methodenbuch zu einem umfassenden Instrument sowohl für die Fortbildungsarbeit als auch für Teams und pädagogische Fachkräfte werden lässt.

Diese Rezension ist als Studienleistung im Rahmen des weiterbilden Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften der Hochschule Koblenz entstanden.


Rezension von
Cathrin Weber
Studierende des Masterstudiengangs Kindheits- und Sozialwissenschaften an der Hochschule Koblenz
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Zitiervorschlag
Cathrin Weber. Rezension vom 13.12.2019 zu: Institut für den Situationsansatz/ Fachstelle Kinderwelten (Hrsg.): Inklusion in der Fortbildungspraxis. Ein Methodenhandbuch : Lernprozesse zur Vorurteilsbewussten Bildung und Erziehung begleiten. Was mit Kindern GmbH (Berlin) 2018. ISBN 978-3-945810-40-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25936.php, Datum des Zugriffs 05.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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