socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Sebastian Hausendorf: Humor im Arbeitskontext

Cover Sebastian Hausendorf: Humor im Arbeitskontext. Über den Einsatz von konstruktivem und destruktivem Humor in der Arbeitswelt. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. 127 Seiten. ISBN 978-3-658-26031-6. D: 44,99 EUR, A: 46,06 EUR, CH: 48,50 sFr.
Recherche bei DNB KVK GVK


Thema

Hausendorfs Buch widmet sich dem komplexen Thema Humor am Arbeitsplatz und beleuchtet dabei sowohl negative wie positive Implikationen von Humor im Arbeitskontext. Es wird ein wissenschaftlicher Bezugsrahmen hergestellt, zugleich jedoch auch immer wieder Transferbezüge zum Arbeitsalltag angeboten. Auch legt der Autor ein eigenes Humormodel vor.

Autor

Sebastian Hausendorf arbeitet nach seinem Studium der Geschichte und Personalentwicklung als Ausbildungsleiter und Personalentwickler (Verlagsangaben).

Entstehungshintergrund

Das vorliegende Buch ist die überarbeitete und erweiterte Fassung der Masterarbeit, die der Autor an der Technischen Universität Kaiserslautern eingereicht hat.

Aufbau

Das Buch setzt sechs inhaltliche Schwerpunkte

  1. Einleitung
  2. Überblick zum Forschungsstand
  3. Was ist Humor
  4. Humor am Arbeitsplatz
  5. Tipps für Führungskräfte/Personalentwickler? Ein Praxisausblick
  6. Zusammenfassung/​Fazit

Inhalt

Der Autor setzt sich zu Beginn seines Buches kritisch mit dem aktuellen Forschungsstand und den gängigen Humordefinitionen auseinander. Dabei macht er deutlich, dass es im deutschsprachigen Raum bislang noch kaum Forschungen zum Thema Humor und Arbeit gibt und sich die Forschung mehrheitlich auf die USA, aber auch in Australien und Neuseeland beziehen. Er merkt kritisch an, dass sich die Forschungen überwiegend empirisch und oft aus funktionalistischer Perspektive nähern.

Er stellt einige wichtige Humordefinitionen vor und grenzt Humor von Lachen bzw. Lächeln ab und stellt die wichtigsten Humortheorien vor:

  • Überlegenheitstheorie
  • Entlastungstheorie
  • Inkongruenztheorie.

Im dritten Kapitel folgt eine Präsentation wichtiger Humordefinitionen, z.B. aus Perspektive der Positiven Psychologie oder aus philosophischer oder kommunikationstheoretischer Perspektive. Zurecht verweist er insbesondere auf die Kontextabhängigkeit von Humor und darauf, dass „Humor nicht zu verstehen ist, wenn man die konkrete soziale Situation, die gegebenen sozialen Strukturen und die Kultur außen vor lässt – vice versa ist ‚Humor ein Schlüssel zu den kulturellen Codes‘ einer Gesellschaft … Humor ist deshalb solch ein ‚mächtiges Werkzeug zum Verständnis kulturell geformter Denkweisen und Gefühle‘ …, weil es deren sozial gewünschte Ausprägungen konterkariert und damit einen Schlüssel zu kulturellen Normen und Tabus, zu kulturellen Aushandlungsprozessen von Sinn bereitstellt.“ (28).

Besonders wichtig ist dem Autor auch, nicht nur die positiven Implikation von Humor hervorzuheben, sondern auch auf die destruktiven Seiten hinzuweisen, denn „über Humor können Feindschaften ausgetragen werden, Grenzen gezogen und gesellschaftliche Konventionen mit Füßen getreten werden …jeweils graduell unterschiedlich ausgeprägt vom sarkastischen 'Angriff auf die soziale Ordnung bis zur humorvoll verpackten Kritik'“ (31)

Hausendorf skizziert die vier Humorstile nach Martin et. al.

  • der selbstaufwertende Humor
  • der verbindende Humorstil
  • der selbstabwertende Humor
  • der aggressive Humor.

Er beschreibt wichtige Auswirkungen auf Psyche und Physis und setzt sich kritisch mit populärwissenschaftlichen Ratgebern auseinander, die Humor ohne empirische Nachweise oder zweifelhafter Methodik zum Allheilmittel gegen Stress proklamieren. Er diskutiert kritisch die klassischen Humordefinitionen und schlägt im Anschluss eine eigene Definition vor: „Humor ist eine Perspektive auf etwas, aus der heraus Belustigung wahrgenommen wird.“ (46). Dabei ist ihm wichtig, dass sie gleichermaßen für intendierten und unbeabsichtigten Humor Gültigkeit hat und in der sozialen Situation alle Beteiligten in den Blick nimmt, was aus seiner Sicht viele landläufige Definitionen nicht tun; Er fügt erläuternd hinzu: „Zentrales Merkmal dieser Definition ist die Perspektive: Humor wird nicht als Handlung, Ereignis, Fähigkeit oder Eigenschaft bestimmt, sondern als Blickwinkel, der von allen Menschen auf alle Themen mit allen Graden der Belustigung höchst individuell angewendet werden kann. Jeder Mensch findet unterschiedliche Dinge belustigend, je nach Tagesform mal mehr, mal weniger. Individuen mit einem guten 'Sinn für Humor' nehmen eine humorvolle Perspektive häufiger ein, Personen, die 'zum Lachen in den Keller gehen', weniger. Für manchen ist Schadenfreude ein hohes Gut, manche lachen am liebsten über die eigenen Unzulänglichkeiten. Entscheidend ist, wie der Mensch die Dinge wahrnimmt und ob ihn dieser Blickwinkel, der entweder Mainstream ist oder eine alternative Sicht anbietet, gemäß den Humortheorien belustigt.“ (47).

Kapitel vier widmet sich dem Humor im Arbeitsumfeld. Zurecht verweist der Autor darauf, dass Humor ein kontextsensitives Phänomen ist, das u.a. stark in Abhängigkeit von Rollenerwartungen und -normen funktioniert, zugleich aber, wie Hausendorf betont „eine archaische Natur“ besitzt (59), woraus sich bestimmte Ambivalenzen ergeben können. Der Autor beschäftigt sich zunächst mit den kulturellen Implikationen des Humors. Dabei nimmt er an, dass „Eine Organisation von der Kultur, der Geschichte, der politischen Ideologie, gegebenenfalls auch der Religion und der aktuellen Lage des Landes bzw. der Region beeinflusst wird, in dem bzw. der sie situiert ist.“ (60).

Im fünften Kapitel gibt der Autor einen Praxisausblick, der sich insbesondere an Führungskräfte und Personalentwickler*innen richtet und geht vor allem der Frage nach, ob sich Humor mangen läßt, ob Humor erlernbar ist und wie er eingesetzt werden kann. In Bezug auf die erste Frage kommt der Autor zu der Einschätzung, dass Humor einerseits als sozialer Schmierstoff fungiert, andererseits als codierter Ausdruck von Normen verstanden werden muss- das setzt einen sozialen Aushandlungsprozess darüber voraus, welcher Humor als gut und angemessen betrachtet wird. Dies entscheidet darüber, ob der Einsatz von Humor als erfolgreich oder nicht bewertet wird. In Bezug auf die Erlernbarkeit von Humor stellt Hausendorf einige relevante grundlegende und aktuelle Studienergebnisse vor und reflektiert sie kritisch. Auch hinsichtlich der Einsatzmöglichkeiten von Humor bleibt der Autor seiner Strategie treu, die Ambivalenz des Humors im Blich zu behalten und betont sowohl positive und negative Implikationen und rät zu besonderer Achtsamkeit im Hinblick auf die folgenden Dimensionen

  1. Die handelnden Personen
  2. Die Bühne
  3. Das Publikum
  4. Die Bedeutung
  5. Die Funktionen.

Eine Zusammenfassung und ein Fazit runden das Buch ab.

Diskussion

Sebastian Hausendorf hat ein spannendes und kenntnisreiches Buch zum Thema Humor im Arbeitskontext vorgelegt. Er kennt die aktuelle Literatur, nimmt Bezug auf relevante Studien, behält dabei stets den Praxisbezug im Blick und verbindet all dies durch kritische Reflexion und eigene Positionierung.

Positiv fällt auf, dass er immer wieder zu einem achtsamen Umgang mit Humor auffordert, weil er sich der Kontextabhängigkeit, aber auch der Implikationen auf der Machtebene bewusst ist, und dazu anregt, dies auch entsprechend zu berücksichtigen, z.B. in Bezug auf Geschlechterdifferenzen, diverse ethnische oder religiöse Hintergründe oder Hierarchieunterschiede in Organisationen.

Fazit

Dieses Buch bietet spannende Impulse für alle Führungskräfte, Ausbilder*innen, aber auch Lehrende in Jugend- und Erwachsenenbildung und Berater*innen und Coaches. Unbedingt empfehlenswert!


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
E-Mail Mailformular


Alle 158 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden anzeigen.


Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 04.02.2020 zu: Sebastian Hausendorf: Humor im Arbeitskontext. Über den Einsatz von konstruktivem und destruktivem Humor in der Arbeitswelt. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. ISBN 978-3-658-26031-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25940.php, Datum des Zugriffs 28.03.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Stellenangebote

Geschäftsführer (w/m/d), München

Stellvertretende/r Direktor/in (m/w/d), Freiburg im Breisgau

Weitere Anzeigen im socialnet Stellenmarkt.

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung