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Nilupama Wijewardena, Ramanie Samaratunge u.a.: Managing with Humor

Cover Nilupama Wijewardena, Ramanie Samaratunge, Charmine Hartel: A Novel Approach to Building Positive Employee Emotions and Psychological Resources. Springer International Publishing AG (Cham/Heidelberg/New York/Dordrecht/London) 2019. 153 Seiten. ISBN 978-981-13-3635-5. 96,29 EUR.

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Thema

Dieses englischsprachige Buch stellt ein neues Studiengebiet im Management in den Mittelpunkt, nämlich Humor von Führungskräften und dessen Einfluss auf die Ergebnisse der Mitarbeiter*innen. Das Buch basiert auf zwei Studien, die sich mit Humor als Führungsinstrument beschäftigen, ordnet sie in auf bestehende Theorien ein und untersucht, wie Manager*innen mit Humor die kurzfristigen emotionalen Zustände und langfristigen psychologischen Ressourcen der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz positiv beeinflussen können, um so die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass sie das Unternehmen verlassen.

AutorIn oder HerausgeberIn

  • Nilupama Wijewardena ist Research Fellow am Department of Management der Monash University, Australien. Ihre Forschungsinteressen umfassen Humor, Emotionen im Arbeitsleben und die Schaffung positiver Arbeitsumgebungen.
  • Ramanie Samaratunge ist Professorin an der Monash Business School der Monash University, Australien. Sie ist Managementwissenschaftlerin. Ihre Forschungsinteressen betreffen internationales Management, internationale öffentliche Ordnung und Management, interkulturelles Management, CSR, Unternehmertum und Einwanderung nach Australien.
  • Charmine Härtel ist Lehrstuhlinhaberin für Arbeitsmedizin und Arbeitspsychologie an der University of Queensland Business School, Australien. Sie ist Expertin in den Bereichen arbeitsbezogene Emotionen und Wohlbefinden, Vielfalt und Integration der Mitarbeiter, HRM-Innovation sowie Gesundheit und Sicherheit (Verlagsangaben).

Aufbau und Inhalt

Zunächst entwickelt das Buch einen theoretischen Rahmen für Humorereignisse am Arbeitsplatz und liefert evidenzbasierte Erkenntnisse über das Humorverhalten der Mitarbeitenden in realen Arbeitskontexten. Weiterhin wird untersucht, wie Humor genutzt werden kann, um die emotionalen Zustände der Mitarbeiter am Arbeitsplatz positiv zu beeinflussen. Besondere Berücksichtigung erfährt dabei der australische Kontext, in dem die vorliegenden Untersuchungen angesiedelt sind. Dabei verfolgt das Buch einem multidisziplinären Ansatz für Humor, indem es insbesondere die Theorien und Erkenntnisse aus der Emotionsforschungsliteratur und der Positiven organisationalen Verhaltensforschung und der Broaden-and-build-Theorie von Barbara Frederickson in die Humorliteratur integriert.

Die Autorinnen verstehen Humor als multidimensional und dynamisch (4), sie heben als überdisziplinären Konsens hervor, dass Humor eine Form der Kommunikation ist, die sich mit sozialer Interaktion beschäftigt, emotionale und kognitive Dimensionen hat und normalerweise zu Lachen und Freude führt (5). Im Zusammenhang mit ihren Forschungskontext definieren sie Humor am Arbeitsplatz als jede Form der verbalen oder nonverbalen Kommunikation, die beabsichtigt amüsant zu sein und von einem Organisationsmitglied für ein oder mehrere andere Organisationsmitglieder innerhalb der Arbeitsumgebung kreiert wird (5).

Davon unterscheiden sie den Humor von Manager*innen, der definiert wird als

  1. Jede Form der intentionalen amüsanten Kommunikation
  2. sowohl formell wie auch informell
  3. er wird kreiert durch den/die Manager*in und richtet sich an den/die Mitarbeitenden und resultiert
  4. in emotionalen Veränderungen (positiv oder negativ) für den/die Mitarbeitenden (36).

Die dunklen Seiten des Humors am Arbeitsplatz sind den Autorinnen durchaus bewußt (38-39), sie entscheiden sich aber, dafür, in ihrem Buch einen Schwerpunkt auf den positiven Impact von Humor als Managmenttool zu legen. Unter Managmenttool werden Instrumente, Hilfsmittel und Strategien verstanden, die ein bestimmtes Ergebnis im Arbeitsumfeld bewirken (40). In diesem Zusammenhang verstehen die Autorinnen Humor als Managementtool vor, der von Manager*innen absichtlich eingesetzt werden kann, um bei Mitarbeiter*innen und auf organisationaler Ebene eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Dabei sind sie sich dessen bewußt, dass dies kein einfaches Unterfangen ist, weil Humor durchaus komplex und ambivalent ist und „hundert Gesichter“ zu haben scheint (40); er ist außerdem äußert kontext-sensitiv und mißverstandener oder mißbräuchlicher Humor kann schwerwiegende Folgen haben. Die Autorinnen betten ihre Überlegungen in emotionstheoretische Überlegungen ein, dazu wird die Affektive Event Theory (AET) eingeführt.

Einen großen Schwerpunkt legen die Autorinnen auf die Vorstellung einer Studie, bei der sie für den australischen Kontext untersucht haben,

  1. wie oft Mitarbeitende Humor am Arbeitsplatz erleben,
  2. wie Mitarbeitende solches Verhalten bewerten
  3. im Zusammenhang mit dem jeweiligen Kontext, abhängig von dem Humorereignis, den Humorkanälen, -Funktionen, -intentionen etc.

Die Befragung wurde als Online-Fragebogen 2013–2014 (n=433) durchgeführt). Die Ergebnisse der Studie werden ausführlich in tabellarischer Form präsentiert und kommentiert.

In einem weiteren Kapitel wird eine zweite Studie präsentiert, deren Ziel es war, 2015 die Annahmen und Ergebnisse der ersten Studie in der Praxis des australischen Arbeitskontextes zu überprüfen. Dazu nutzten die Autorinnen die Experience Sampling Methododology (ESM) und führten Vorher-Nachher-Messungen durch. Auch diese Studie wurde als Online-Befragung durchgeführt, diesmal über 10 aufeinanderfolgende Werktage. Als Managerhumor wurde jedes verbale oder physische Verhalten eines/​einer Manager*in definiert, dass dazu führt, dass er/sie von Mitarbeitenden als witzig wahrgenommen wird (100 Die Wahrnehmung des Humors ihres unmittelbaren Vorgesetzten wurde von den Teilnehmern als das emotionale Ereignis empfunden, mit dem sie konfrontiert wurden und entsprechend positiv oder negativ konnotiert. Es wurden 2498 Menschen befragt.

In ihrem Schlußkapitel heben die Autorinnen hervor, dass Humor sehr relevant für den Arbeitskontext ist, und eine Reihe positiver Effekte hat, etwa auf die Entstehung und Festigung von Beziehungen, er führt zu erhöhter Arbeitsmoral und erleichtert die Erreichung organisationaler Zielvorgaben (141).

Die Autor*innen geben abschließend diverse Empfehlungen für den Einsatz von Humor als Managementtool. Es gilt zu beachten, dass eine Humor-unterstützende Organisationskultur geschaffen wird (142). Außerdem beschreiben sie, dass es besonderer Vertrauensbeziehungen bedarf, damit humorvolle Beziehungen zwischen Manger*innen und Mitarbeitenden gelingen (143), negative Formen des Humors sollten am Arbeitsplatz per se Tabu sein (144); Manager*innen sollten sich stets der Machtimplikationen bewußt sein, die mit Humor verbunden sind (145) und Humor mit Achtsamkeit und Bedacht ausgeführt und gelebt werden.

Diskussion und Fazit

Das englischsprachige Buch präsentiert die relevanten internationalen Forschungsergebnisse im Zusammenhang mit Humor am Arbeitsplatz und stellt zwei eigene Studien aus dem australischen Kontext vor. Es konzentriert sich auf die Formen, Rahmenbedingungen und Folgen des Humorgebrauchs von Führungskräften für die Mitarbeitenden. Es bietet praktische Richtlinien, wie Manager*innen Humor als effektives Werkzeug bei der Arbeit nutzen können, um die gewünschten Ergebnisse für die Mitarbeiter*innen zu erzielen, zeigt aber auch Grenzen auf.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 31.01.2020 zu: Nilupama Wijewardena, Ramanie Samaratunge, Charmine Hartel: A Novel Approach to Building Positive Employee Emotions and Psychological Resources. Springer International Publishing AG (Cham/Heidelberg/New York/Dordrecht/London) 2019. ISBN 978-981-13-3635-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/25944.php, Datum des Zugriffs 06.04.2020.


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ISSN 2190-9245

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