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Mark Lambertz: Die intelligente Organisation

Cover Mark Lambertz: Die intelligente Organisation. Das Playbook für organisatorische Komplexität. BusinessVillage (Göttingen) 2018. 281 Seiten. ISBN 978-3-86980-409-5. D: 24,95 EUR, A: 25,70 EUR, CH: 26,95 sFr.
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Thema

In Zeiten des zunehmenden finanziellen Drucks in der Sozialwirtschaft gepaart mit Personalmangel und zunehmenden Anforderungen seitens der KundInnen gelangt die funktionale Organisation endgültig an die Grenzen. Komplexer werdende Rahmenbedingungen und komplexer werdende Systeme machen das Steuern bei unvollkommenen Informationsständen immer schwieriger. Der Autor gibt mit dem VSM (Viable System Model) Antworten auf die Fragen, wie man die Übersicht behält und sich nicht in punktuellen Maßnahmen verzettelt. Mit dem Buch liefert er eine Sichtweise, wie man Organisationen (neu) verstehen und Normen, Strategien, Taktiken und Wertschöpfung im Zusammenhang verstehen kann. Es braucht ein (ausgewogenes) Zusammenspiel von notwendiger Selbstorganisation und Führung. Mit vielen praktischen Beispielen lädt der Autor die Leser dazu ein, das eigene VSM-Modell für die jeweilige Situation zu erstellen.

Das Buch wendet sich – spitz formuliert – nicht nur an Führungskräfte zum Um- und Weiterdenken, sondern auch an Lehrende zur persönlichen Weiterqualifizierung, aber auch StudentInnen, die auf der Suche nach einem neuen USP im Bereich der Organisationsentwicklung und des Transformationsmanagements sind.

Autor

Mark Lambertz arbeitet als Berater und Coach für Menschen und Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung nutzen wollen. Sein Fokus liegt auf der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Ergebnisse einer Organisation. Sein Repertoire umfasst die Themengebiete Organisation, Innovation sowie die Gestaltung von Marketing- und Lernkontexten. Der Autor ist Mitbegründer und Leiter der Digital Agentur „anyMOTION“ mit mittlerweile 60 Mitarbeitern. Er arbeitete mit Unternehmen in jeder Größenordnung.

Aufbau

Das Buch ist in vier große Kapitel aufgeteilt. Im ersten Teil werden die Grundlagen geschildert und eine Ausrichtung auf die Problemlösung vorgenommen. Im zweiten Teil wird am Beispiel der Fußballnationalmannschaft das VSM mit seinen Teilsystemen erklärt und anschließend die Leitideen des Viable System Model am praktischen Beispiel vorgestellt: Aussagen zu den Management-Prinzipien, Axiome und das Gesetz der Kohäsion ergänzen dieses Kapitel. Im dritten Teil geht der Autor auf das VSM in der Praxis ein, beginnend mit einem „quick check“. Schließlich wird im vierten und letzten Teil der Frage nachgegangen, wie man intelligente Organisationen (möglicherweise) gestaltet.

Inhalte

Nun zu den Inhalten im Detail. Fast schon erwartungsgemäß startet das Buch im ersten Kapitel mit den Prämissen und Grundannahmen: Kundenorientierung, Ziele, Kommunikation, Werte, Freiheit und Verantwortung sowie Logik und vernetztes Denken. Der Möglichkeitsraum wird um die Spiritualität erweitert – im Sinne der Person als „Freidenker“. Denken ist in der Folge ausdrücklich erwünscht: es gilt das VSM als Informationsnetzwerk zu verstehen, dessen Basis Freiheit und Verantwortung sind. Es geht um (planbares) Steuern, regeln im Sinne dynamischer Rückkoppelungsprozesse und lenken (sich selbst unter Kontrolle halten). Dazu braucht es auch unscharfes Denken insbesondere in komplexen Systemen und Umwelten. Anschließend geht der Autor der Frage nach, was denn ein System sei und versucht an Hand einer Frühform des St. Gallener Management Modells die Frage nach der Anzahl der Zwecke einer Organisation zu klären. Damit kommt er auch auf die Frage nach den Grenzen eines Systems sowie der Ko-Entwicklung zu sprechen. Die Frage der Komplexität und deren Messbarkeit ist ein Punkt bei der Bewältigung von Komplexität. Schließlich sind auch noch die Grundmuster des Problemlösens hier zu finden als Grundlage für Problemlösende. Es braucht Reflexionsräume, ein Denken das Lenken im System verteilt versteht und Führen als Anweisen, Beraten und Coachen begreift. Dazu braucht es auch Denktools wie etwa ein Causal Loop Diagramm.

Mit diesen Grundlagen ausgerüstet kommt der Leser zum zweiten Teil, der an Hand der deutschen Fußballnationalmannschaft die Anwendung des VSM an Hand dieses Beispieles zeigt und dem Leser ein selbstständiges Weiterdenken ermöglicht. Die Informationen dazu hat Lambertz aus den öffentlich zugänglichen Informationen abgeleitet. Eingangs wird kurz auf die Umwelt mit ihren Anspruchsgruppen eingegangen, um dann auf die torschießende (wertschöpfende) Mannschaft auf dem Platz einzugehen. Er bezeichnet dies als das operative System 1 und weist im System Rollen zu: Torwart, Abwehr, Mittelfeld/​Sturm. Das System 2 geht es darum, dass die täglichen Routinen „wie geschmiert“ funktionieren, also die Unterstützungsprozesse des operativen Systems vom Catering über die Physio bis zur Administration. Trainer und Team-Manager werden als System 3 bezeichnet und sollen die Zusammenarbeit optimieren. Dazu gehört auch Kontrolle im klassischen Sinn, aber auch Audits verstanden als Lernchancen. Das System 4 ist dann er Blick in die Zukunft, damit wird das System 3 mit strategischen Informationen versorgt. Schließlich braucht es noch das System 5: Die Werte, Tugenden und die Identität. Damit wird der Handlungsrahmen des gesamten Systems bestimmt. Schließlich wird noch auf das Thema Schnittstellen eingegangen, um sie zu Nahtstellen zu entwickeln. Es braucht auch Transducer als eine Funktion, die das Weiterentwickeln in allen Teilbereichen vorantreibt, wobei das reine „Übersetzen“ nicht ausreicht. Schließlich geht er auch noch auf die Metasysteme am Beispiel von DFB, UEFA und FIFA ein. Dazu kommen die Leitideen des VSM: Prinzipien, Axiomen und dem Gesetz der Kohäsion. Ein Ausflug in die notwendige Theorie der vier Management-Prinzipen (Entropie, Übertragung von relevanten Informationen, Transduktion, zyklische Wartung ohne Auszeit), die drei Axiome des VSM (Vorgaben und Regeln in einem ausgeglichenem Verhältnis, ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Strategen und Machern, personaler Nutzen einer Maßnahme) sowie dem Gesetz der Kohäsion. Erst ein ausgeprägtes System 5 vermag die Bindekräfte zu entfalten und den Sinnzusammenhang zu entfachen.

Erst im dritten Teil beschreibt Lambertz das VSM in der Praxis beginnend mit einem Quick-Check bezüglich der Lebensfähigkeit des Systems, gefolgt von einer generischen Analyse mit einem Blick auf tieferliegende Strukturen. Schließlich geht Lambertz von einem problembezogenen Einsatz bzw. Anlass für eine Analyse aus. Im ersten Schritt überträgt man die Funktionen des Organigramms auf die VSM-Systeme, im zweiten Schritt ordnet man die Interaktionsmuster zu. Diese Schritte werden am Beispiel von anyMOTION durchgeführt, m.a.W. wird das Beispiel der Fußballnationalmannschaft übertragen – mit vielen Erkenntnissen für den jeweiligen Leser/in. Im Anschluss wird ein VSM-Quick Check für eine Federnfabrik vorgestellt, in dem der Entwicklungsstand des Unternehmens mit dem VSM abzugleichen war. Schließlich folgt dann noch ein Gastbeitrag von Alfred Doll zu einer Ordensgemeinschaft und ihrer Strategie. Hier wird ein Beispiel für ein VSM Canvas vorgestellt.

Der vierte Teil der Publikation beschäftigt sich mit der Frage, wie man intelligente Organisationen (möglicherweise) gestaltet. Ausgehend von der Frage, wer „wir“ sind und was „wir“ wollen werden die Umwelt mit ihren Anspruchsgruppen sowie die Systeme 1 bis 5 hinsichtlich einer Neugestaltung besprochen. Abschließend geht es noch um das Verständnis und das Gestalten von Meetings sowie Wahrnehmungsfilter, Trugschlüsse und Führung.

Fazit

Für Kenner des St.Gallener Management-Modells ist dieses Buch eine (fast) logische Erweiterung des Wissens und eine Möglichkeit die Erkenntnisse rund um die „agile Organisation“ einzuordnen. Der Aufbau ist mit dem rekurrieren auf die Fußballnationalmannschaft wohltuend praktisch gestaltet um dann auf die Praxis des VSM mit einem Quick Check einzugehen. Auch Fragen nach dem Weg zu intelligenten Organisationen werden abschließend nachgegangen. Ein Zweifel bleibt mir als älterem Leser: Wie lange wird es dauern, bis die sehr unterschiedlich qualifizierten und denkenden Arbeitskräfte in der Sozialwirtschaft nach diesem Modell arbeiten. Anyway: eine logische Entwicklung und eine anspruchsvolle, lohnenswerte Lektüre.


Rezension von
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 16.12.2019 zu: Mark Lambertz: Die intelligente Organisation. Das Playbook für organisatorische Komplexität. BusinessVillage (Göttingen) 2018. ISBN 978-3-86980-409-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26008.php, Datum des Zugriffs 03.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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