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Jutta Bender: Praxisbuch Trauerbegleitung

Cover Jutta Bender: Praxisbuch Trauerbegleitung. Trauerprozesse verstehen, begleiten, verwandeln. Springer (Berlin) 2019. 94 Seiten. ISBN 978-3-662-59099-7. D: 24,99 EUR, A: 25,58 EUR, CH: 27,00 sFr.
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Thema

Der Tod ist für jeden Menschen eine existentielle Grenzerfahrung, die Trauer darüber kann sich ganz unterschiedlich äußern. Wie können Trauernde begleitet werden? Was ist hilfreich? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt dieses Buchs, das besondere Augenmerk gilt also den praktischen Aspekten einer Trauerbegleitung. Es richtet sich explizit an haupt- und ehrenamtliche Praktiker aus den Bereichen kirchliche und soziale Dienste, Hospiz und Bestattung.

Autorin

Jutta Bender ist Psychologin und nahm an Weiterbildungen in Systemischer Familientherapie, Trauer- und Krisenbewältigung sowie Ritualgestaltung teil. Sie ist als Dozentin bei Schulungen und Vorträgen für Hospizmitarbeiter und in Seminaren für Trauernde tätig. Zudem arbeitet sie seit mehr als 20 Jahren als therapeutische Trauerbegleiterin und freie Trauerrednerin. In dem hier vorgestellten Buch nimmt sie Bezug auf all die Erfahrungen, die sie in der Begleitung von Trauernden gemacht hat und will Trauer und Trauerbegleitung in ihrer Gesamtheit genauer zu beleuchten.

Aufbau und Inhalt

Jutta Bender gliedert ihr Buch in vier Kapitel: eine Hinführung ins Thema, die Beschreibung unterschiedlicher Trauerphasen bzw. -reaktionen, Trauerbegleitung in der Praxis und die Vorstellung von Workshops und Seminaren in der Trauerbegleitung.

Im ersten Kapitel wird beschrieben, wie sich der Tod auf nahestehende Personen auswirkt, was Trauer ist, wie sich Trauer darstellen kann und welches Ziel eine gelungene Trauerbegleitung haben sollte, nämlich die Rückkehr ins Gleichgewicht bzw. die Anpassung an die neue Realität – ohne den geliebten Menschen. Sie geht dabei auf verschiedene Todesvorstellungen ein, gibt einen kurzen geschichtlichen Abriss über den Umgang mit Trauer und beschreibt aktuelle Entwicklungen (von „Event- Trauern“ bis Sterben dürfen in unserem hochtechnisierten Gesundheitswesen).

Der Titel des zweiten Kapitels „Trauerphasen erkennen und begleiten“ ist etwas missverständlich. Zu Beginn des Kapitels benennt die Autorin Merkmale bzw. Aufgaben, die für eine hilfreiche Trauerbegleitung entscheidend sind und geht auf systemische Veränderungen durch den Tod einer Person ein. Im Anschluss geht es kurz um komplizierte Trauer. Danach beschreibt Frau Bender die möglichen positiven Aspekte eines durchlaufenen Trauerprozesses. Im Kapitel 2.7 „Theorie und Praxis, Wissenschaft und Alltag“ schreibt die Autorin, dass es zahlreiche Forschungen zu dem Thema gibt, geht dann aber nicht weiter darauf ein. Am Ende des Kapitels beschäftigt sie sich mit der Frage, ob Trauer eine Krankheit ist und plädiert dafür nicht immer nur die negativen Aspekte der Trauer in den Fokus zu nehmen, sondern auch positive Aspekte. Dies unterfüttert sie mit Studienergebnissen und einem Fallbeispiel.

Das zentrale Kapitel drei des Buchs folgt nun mit dem Thema Trauerbegleitung in der Praxis. Zu Beginn werden die Phasenmodelle von Kübler-Ross und Kast genannt, im Anschluss wird erörtert, mit welchen Gefühlen und Reaktionen Trauerbegleiter konfrontiert werden können, was ihnen dabei Halt geben kann und welche Haltung und welche Rahmenbedingungen hilfreich sind. Im Folgenden werden Besonderheiten von mehrfachen Verlusten beschrieben, dazu werden Moderationshilfen als unterstützende Methode vorgestellt, um die unterschiedlichen Verluste im System sichtbar zu machen. Auf erschwerende Faktoren für das Durchlaufen des Trauerprozesses wird ebenso eingegangen wie auf unterstützende Voraussetzungen. Einzelprobleme in der Praxis (Wut, Zweifel, Sprachlosigkeit usw.) werden detailliert beleuchtet und mit vielen Fallbeispielen illustriert. Die Bedeutung des Bestattungs-Ortes und der Bestattungs-Art wird danach thematisiert. Hier geht es beispielsweise um die Auswirkungen von modernen Bestattungsformen, bei denen kein Grab existiert, um Erinnerungsstücke, die aus der Asche des Verstorbenen hergestellt wurden und auch um dem Umgang mit Schuldvorwürfen; auch hier finden sich wieder zahlreiche Fallbeispiele, die die Aussagen unterstreichen und bebildern. Als hilfreiche Strategien zur Trauerbewältigung nennt die Autorin schreiben, Ankerplätze und Rituale, positiv mobilisierende Aktionen und Entspannungsverfahren.

Im letzten Kapitel werden Seminare und Workshops in der Trauerbegleitung vorgestellt. Dabei werde anfangs Rahmenbedingungen beschrieben (Zielgruppe, zeitlicher Rahmen, Struktur,…), danach wird beispielhaft ein Wochenendseminar vorgestellt. Es wird nicht nur der Ablauf beschrieben, sondern auch die dabei eingesetzten Übungen, sodass dies tatsächlich als Grundlage zur Konzipierung eines eigenen Trauerseminars genutzt werden kann. Am Ende werden Ansätze kreativer Trauerarbeit vorgestellt.

Im Anhang finden sich noch die zuvor im Text erwähnten Texte und Arbeitsblätter.

Diskussion

Jutta Bender geht in ihrem Buch auf viele unterschiedliche Aspekte von Trauer und Trauerbegleitung ein. Die Beispiele aus ihrer eigenen Praxis machen das ganze sehr lebendig und abwechslungsreich. Auch wenn es sich um ein Praxisbuch handelt, hätte sich die Rezensentin gewünscht, dass an der ein oder anderen Stelle mehr auf wissenschaftliche Studien verwiesen worden wäre. Manche Unterkapitel erscheinen etwas knapp, was dann auf Kosten der inhaltlichen Tiefe geht, z.B. bei der Behandlung des Themas komplizierte Trauer. Die Rezensentin vermisst hierbei eine bessere Abgrenzung von „normaler“ zu komplizierter Trauer. Ein Hinweis darauf, dass kompliziert Trauernde psychotherapeutischer Behandlung bedürfen, wäre aus Sicht der Rezensentin wichtig. Für Trauerbegleiter sind nichtsdestotrotz die praktischen Tipps und Anleitungen in Kombination mit dem zur Verfügung stellen von Arbeitsmaterialien sicherlich sehr hilfreich im Umgang mit Trauernden.

Fazit

Für die Auseinandersetzung mit Trauer braucht man Mut, und zwar sowohl der Trauernde als auch der Trauerbegleiter. Trauer ist keine Krankheit, sondern ein komplexer Vorgang, in dem viele Gefühle und andere Aspekte zusammenspielen. Das Praxisbuch Trauerbegleitung ist für in der Trauer- und Sterbebegleitung tätige Personen eine praxisnahe Anleitung zur Begleitung Trauernder, wie die Gestaltung einer hilfreichen Begleitung, aber auch Strategien für Trauerbegleiter zum Umgang mit belastenden Gefühlen. Durch viele gut gewählte Fallbeispiele werden die Aussagen illustriert. Trauertheorien oder -modelle werden nur am Rande behandelt und auch wissenschaftliche Erkenntnisse wurden kaum eingearbeitet; dies war aber auch nicht der Anspruch der Autorin. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass Jutta Bender in ihrem Buch viele Facetten von Trauer und Trauerbegleitung darstellt und viele praktische Tipps dazu gibt. Ihr Buch zeugt von viel praktischer Erfahrung und Menschenkenntnis.


Rezension von
Prof. Dr. Maria Wasner
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Zitiervorschlag
Maria Wasner. Rezension vom 31.08.2020 zu: Jutta Bender: Praxisbuch Trauerbegleitung. Trauerprozesse verstehen, begleiten, verwandeln. Springer (Berlin) 2019. ISBN 978-3-662-59099-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26010.php, Datum des Zugriffs 23.09.2020.


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