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Paul Fuchs-Frohnhofen, Michael Isfort u.a. (Hrsg.): PflegeWert

Cover Paul Fuchs-Frohnhofen, Michael Isfort, Ellen Wappenschmidt-Krommus, Malte Duisberg, Andrea von der Malsburg u.a. (Hrsg.): PflegeWert. Wertschätzung erkennen-fördern-erleben. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. 2. durchgesehene Auflage. 387 Seiten. ISBN 978-3-86216-569-8. D: 49,99 EUR, A: 51,40 EUR.

Reihe: ProAlter PraxisWissen.
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Thema

Wertschätzung und gegenseitige Achtung von Pflegekräften in Zusammenarbeit mit Gepflegten und deren Angehörigen führen nicht nur zu einer hohen Arbeitszufriedenheit und zu Arbeitsstolz, sondern auch zu einer befriedigenden Tätigkeit im Arbeitsalltag. Die Publikation ist eine Arbeitshilfe für jene, die in strukturierten Dienstleistungsprozessen eingebunden sind. Es wurden die Kernelemente eines wertschätzenden Arbeitsumfeldes analysiert und die Ergebnisse zu sieben zentralen Handlungsanleitungen zusammengefasst.

Autor_innen

Die Autor_innen des Fachbuches sind Claudia Bessin, Arbeits- und Orgnisationspsychologin an der MA&T Sell und Partner GmbH, Arno Brauckman ist examinierter Krankenpfleger, Ali Celik fungiert als selbstständiger Pflegeunternehmer in Krefeld und Malte Duisberg ist ebenfalls examinierter Krankenpfleger und Geschäftsführer der Stiftung Evangelisches Alten- und Pflegeheim in Gemünd. Dr. Paul Fuchs-Fronhofen ist der Pflegekoordinator des Verbundprojektes PflegeWert und Prof. Dr. Michael Isfort ist als Mitglied des Vorstands des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. in Köln tätig.

Mitherausgeberinnen sind des Weiteren Ruth Rottländer, Diplom Berufspädagogin und wissenschaftliche Mitarbeiterin im Vebundprojekt, Ellen Wappenschmidt-Kromnus zeichnet sich verantwortlich für den Geschäftsbereich Innovation der CBT – Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft sowie Andrea von der Malsburg, Soziologin, ebenfalls als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist in ein Vorwort zur zweiten Auflage, einem weiteren Vorwort des KDA und einem Geleitwort in vier Teile gegliedert und vereint darunter Kapitel differenzierter Länge von unterschiedlichen Autoren.

Im Teil A „PflegeWert – eine Einleitung“ werden von den Herausgeber_innen das Anliegen der Publikation verdeutlicht und das Projekt kurz vorgestellt. Das Buch gäbe wertvolle und praktikable Hinweise, wie Pflegende wertgeschätzt werden können und zwar in allen Bereichen der Altenhilfe. Der Titel „PflegeWert – Optimierung und Innovation in der Altenpflege durch systematische Wertschätzung“ beruht auf einem Forschungsprojekt, das von 2009 bis 2012 von zwei wissenschaftlichen Instituten und zwei Praxiseinrichtungen durchgeführt wurde. Es ging darum, die Situation in der stationären Altenhilfe zur Wertschätzung der Mitarbeiter_innen zu analysieren und Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der Wertschätzung zu entwickeln.

Kapitel zwei „Herausforderungen an Sozialunternehmen – heute und morgen – am Beispiel der CBT – Caritas-Betriebsführungs- und Trägergesellschaft mbH, Köln“ steht zunächst das genannte Unternehmen im Blickpunkt. Mit der Veränderung der Rahmenbedingungen im Sozial- und Gesundheitswesen würden marktähnliche Strukturen das Handeln auch in Unternehmen der freien Wohlfahrtspflege maßgeblich mitbestimmen und durch ein Dreiecksverhältnis zwischen Leistungsanbietern und Kostenträgern gekennzeichnet sein.

Das dritte Kapitel ist der „Wertschätzung in der Stiftung EvA Gemünd als mittelgroßer ländlicher Altenpflegeeinrichtung“ gewidmet. In diesem Unternehmen wurde festgestellt, dass im Bereich der Selbst-Wertschätzung keine belastbaren und nachvollziehbaren Maßnahmen mit und von den Mitarbeitern durchgeführt wurden.

Das nächste Kapitel „Von der Wertschätzung zum Arbeitsstolz – Bezugspunkte und Grundüberlegungen zum PflegeWert-Projekt“ greift die Problematik auf, wie die Wertschätzung auf verschiedenen Ebenen verbessert werden könne, ebenso wird ein Modell dafür entwickelt. Es wird versucht, das Konzept des Produzentenstolzes auf den Dienstleistungsbereich zu übertragen. So könne sich Arbeitsstolz aus einer guten Interaktionsarbeit in Verbindung mit positiver Rückmeldung der Kundinnen ergeben und wenn ein Abgleich der Erwartungen und Leistungen auf der individuellen, beruflich-professionellen und gesellschaftlichen Ebene positiv verlaufe (S. 73).

Die „Berufliche Altenpflege in Deutschland – das Selbstbewusstsein der Altenpflege zwischen Wissenschaft und Praxis“ wird in Kapitel fünf aufgegriffen. Es wird das Untersuchungsfeld der stationären Altenhilfe mit ihren komplexen Herausforderungen vorgestellt und zur gesellschaftlichen Anerkennung der Pflegearbeit Stellung bezogen. Ein Problem läge auch im Uno-actu-Prinzip, wo Produktion einer Dienstleistung und Konsumtion zeitlich und räumlich zusammen fallen, wodurch die Leistungserbringung unkalkulierbaren Schwankungen unterläge.

Im folgenden Kapitel sechs werden „Empirische Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt PflegeWert“ vorgestellt. Der Fokus lag auf der praktischen Entwicklung von Handlungsanregungen. Es wurde eine Mitarbeiter_innenbefragung und Interviews mit der Leitungsebene durchgeführt.

Teil B „PflegeWert – die Empirie als Basis für die Entwicklung von praxisorientierten Handlungsanregungen“ wird mit Kapitel sechs „Ableitung von Handlungsanregungen zur Förderung der Wertschätzung“ eingeleitet. Es beschäftigt sich mit den fünf Handlungsanregungen – die Selbst-Wertschätzung, die Wertschätzung durch Kund_innen und Angehörige, die Wertschätzung durch Team und Vorgesetzte, die Wertschätzung als Bestandteil der Organisation und die Wertschätzung durch Gesellschaft und Umwelt (S. 132 ff).

Teil C „Handlungsanregungen zur Förderung der Wertschätzung“ umfasst die Kapitel sieben bis 14. Das Kapitel sieben ist der „Ableitung von Handlungsanregungen zur Förderung von Wertschätzung“ vorbehalten.

Die weiteren Kapitel setzen sich dann mit den sieben Handlungsanregungen im Einzelnen auseinander:

  1. Handlungsanregung Pflege-Erfolgsbesprechungen,
  2. Sprache in der Pflege,
  3. wertschätzendes Rückmeldemanagement,
  4. wertschätzende Mitarbeiterentwicklungsgespräche,
  5. wertschätzendes Führen,
  6. wertschätzendes Gesundheitsmanagement und
  7. wertschätzungsfördernde Öffentlichkeitsarbeit als Leitungsaufgabe.

Teil D „Übertragbarkeit und Ausblick“ wird mit dem letzten Kapitel 15 „Zu den Perspektiven und offenen Fragen des PflegeWert-Projekts im Spannungsfeld von Praxis, Forschung und Politik“ beendet. Es habe sich eindrucksvoll erwiesen, dass alle definierten Ebenen der Wertschätzung (siehe Kapitel sieben) wichtig seien, damit die Mitarbeitenden ihre Anerkennung annehmen und Arbeitsstolz entwickeln können. Es sollte zukünftig auf mehr gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufes geachtet werden und Bedingungen geschaffen werden, die diese Achtung ermöglichen.

Fazit

Es ist eine Publikation, die den Leser recht schnell ermüden dürfte, denn die plakativen Forderungen nach höherer Wertschätzung der in der Pflege Beschäftigten und deren Arbeitsstolz bleibt bei bestimmten Forderungen, die erfüllt werden müssen, stehen. Vorschläge diese Forderungen durchzusetzen, wie die sieben entwickelten Handlungsanregungen, könnten zwar ein praktisches Rüstzeug für den Alltag sein, aber es dürfte schwierig sein, diese dann auch zu realisieren. Die Ausführungen sind auch deshalb ermüdend, weil die Lektüre mit geringem wissenschaftlichem Tiefgang sehr ausschweifend geschrieben ist und ständigen Wiederholungen der immer gleichen Forderungen anheimfällt.


Rezensentin
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 04.11.2019 zu: Paul Fuchs-Frohnhofen, Michael Isfort, Ellen Wappenschmidt-Krommus, Malte Duisberg, Andrea von der Malsburg u.a. (Hrsg.): PflegeWert. Wertschätzung erkennen-fördern-erleben. medhochzwei Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. 2. durchgesehene Auflage. ISBN 978-3-86216-569-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26011.php, Datum des Zugriffs 22.11.2019.


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