Egon Garstick: Väter in der psychodynamischen Psychotherapie
Rezensiert von Prof. Ulrich Paetzold, 10.12.2019
Egon Garstick: Väter in der psychodynamischen Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen. Die Triangulierung und das väterliche Prinzip.
Kohlhammer Verlag
(Stuttgart) 2019.
165 Seiten.
ISBN 978-3-17-030834-3.
24,00 EUR.
Reihe: Psychodynamische Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen.
Thema
Das Buch behandelt die verschiedenen Bedeutungen von Vätern in einer Psychotherapie mit Kindern.
Autor
Der Autor ist Psychotherapeut in eigener Praxis, Dozent und Supervisor am Psychoanalytischen Seminar in Zürich
Aufbau
Das Buch gliedert sich in 15 Abschnitte, die jeweils prägnant spezifische Aspekte in der Psychotherapie mit Kindern beleuchten. Jeder Abschnitt ist mit weiterführenden Fragen und Literaturhinweisen versehen.
Inhalt
In den ersten Abschnitten werden grundlegende Ansätze behandelt. Zunächst wird auf Freud eingegangen, „Leuchttürme“ in der Psychotherapie werden als Referenzsysteme für Väterarbeit hinterfragt und es wird auf Storck und Vertreter der französischen Psychoanalyse eingegangen. Alle weiteren Kapitel befassen sich jeweils mit spezifischen Aspekten in der Therapie mit Kindern und beleuchten dabei die besondere Rolle des Vaters. Inhalte sind
- Kinderpsychotherapie ohne Mitarbeit des Vaters,
- Umgang mit Widerständen des Vaters,
- die alleinerziehende Mutter und der abwesende biologische Vater,
- psychisch kranke Väter,
- Scheidung mit der möglichen Folge eines Vaterverlustes und
- einer Gefährdung der reifen Elternschaft sowie der Triangulierung,
- Vaterschaft und männliche Identität.
Die letzten Kapitel betonen inhaltlich eher präventive Aspekte, beispielsweise psychische Geburtshilfe im Kinderkrankenhaus oder Sozialarbeit als Anwältin des väterlichen Prinzips oder kreative und emanzipierte Väter- und Elternarbeit.
Diskussion
Das Buch beeindruckt aus vielen Gründen. Es ist dem Autor eine vertiefte und prägnante Analyse verschiedener Aspekte der Bedeutungen von Vätern in der Kinderpsychotherapie gelungen, die in dieser Fundierung meines Wissens noch nicht vorliegt. Durchgängig sind dazu Fallbeispiele enthalten, die unterschiedliche Aspekte greifbar machen und auch für Nicht-Analytiker die Thematik eröffnen. Hier merkt man eindrucksvoll, dass der Autor auf langjährige Erfahrungen in der Therapie von Kindern zurückgreifen kann und stets einen sensiblen Blick auf die gesunde Entwicklung von Kindern und Eltern hat. Gleichzeitig – unter dem Motto „Mut zum Erweitern der Theorie und der Technik“ – wird pragmatisch eine Öffnung des psychotherapeutischen Settings hin zu Elternschaftstherapie und „Vaterschaftsentwicklungshilfe“ durch die Kooperation verschiedener Berufsgruppen als Chance vorgestellt.
Fazit
Das Buch ist für alle, die therapeutisch oder pädagogisch mit Kindern arbeiten, eine Bereicherung, da es ganz wesentliche Aspekte für eine gesunde Entwicklung von Kindern in ihrer Beziehung zum Vater bzw. zu den Eltern vertieft beleuchtet. In allen Ausbildungen zum Kinder- und Jugendpsycho-therapeuten sollte es Pflichtlektüre sein, da es auch zum „Weiterdenken“ gängiger Psychotherapiemodelle und Techniken anregt.
Rezension von
Prof. Ulrich Paetzold
Professor für Psychologie an der Hochschule Lausitz, Fachbereich Sozialwesen in Cottbus. Neben interkulturellen Fragen sind Schwerpunkte in der Lehre: sexueller Missbrauch, Klinische Psychologie, Beratung. Zusatzqualifikationen: Approbation zum Psychologischen Psychotherapeuten sowie verschiedene kognitive Therapieverfahren.
Mailformular
Es gibt 51 Rezensionen von Ulrich Paetzold.





