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Björn Redmann, Ulrike von Wölfel (Hrsg.): Bildung am Rande

Cover Björn Redmann, Ulrike von Wölfel (Hrsg.): Bildung am Rande. Warum nur gemeinsam mit Adressat_innen in der Jugendhilfe Bemächtigungsprozesse initiiert werden können. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 231 Seiten. ISBN 978-3-7799-3975-7. D: 29,95 EUR, A: 30,80 EUR, CH: 40,10 sFr.
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Thema

Der im Titel der vorliegenden Publikation verwendete Grundbegriff Bildung ist immerzu Gegenstand von gesellschafts- und bildungspolitischen Debatten, in denen sich alle Beteiligten meist über dessen besondere Bedeutung einig sind, aber zugleich vielfältige, sich teilweise diametral gegenüberstehende Deutungen des Begriffs aufeinandertreffen. Auch die im wissenschaftlichen Feld zu Bildung Forschenden und Lehrenden sowie die in den pädagogischen Praxisfeldern Tätigen würden die Fragen „Was ist Bildung und wer ist gebildet?“ wohl sehr unterschiedlich beantworten. Ist es die Vermittlung von alltagspraktischen Kompetenzen oder das Erlernen von demokratischen Werten, Normen und Aushandlungen? Ist gebildet, wer ein Höchstmaß an aus Büchern, Kunstwerken, usw. entnommenen Bildungsinhalten geschickt präsentieren kann oder durch die Ausbildung individueller Fähigkeiten die Herausforderungen des alltäglichen Lebens meisterhaft bestreitet?

Die Herausgeber*innen wollen anhand des praktischen Beispiels der Bildungsarbeit mit Adressat*innen der Kinder- und Jugendhilfe in dem Sammelband eine Reihe von Antworten zur Bedeutung von Bildung im Kontext einer kritischen Pädagogik zusammentragen. Die zwei Projekte des Kinder- und Jugendhilferechtsvereins e.V., „Muskepeer“ und „Löweneltern“, die weiter unten noch ausführlicher thematisiert werden, waren für die Herausgeber*innen Anlass und Motivation sich dem Thema in Form eines Sammelbandes zuzuwenden. In den Vorbemerkungen der Herausgeber*innen bestimmen sie drei Grundpfeiler, die aus ihrer Sicht zu einer angemessenen Begleitung von Kindern und Jugendlichen im Hilfesystem beitragen: „Aus unserer Sicht ist es dafür notwendig, dass die Kinder- und Jugendhilfe die Menschen (1.) über die Rechte, die ihnen innerhalb der Kinder- und Jugendhilfe zustehen, ebenso informiert wie über die Verpflichtungen, die sie damit eingehen, sie (2.) mit Kenntnissen über die inneren Logiken und Widersprüchlichkeiten von Verwaltungshandeln ausstattet und sie (3.) damit stärkt, ihre Anliegen selbst und durchsetzungsmächtig vorzutragen“ (S. 7). Dabei klingt bereits unterschwellig der schon erwähnte Kontextbezug zur kritischen Pädagogik mit an, nämlich „die grundlegende Frage nach dem Verhältnis von Macht und Bildung zu stellen“ (Bernhard 2001: 69).

Herausgeber*in

Ulrike von Wölfel, Dipl.-Sozialarbeiterin/-pädagogin (FH), ist seit 2006 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Evangelischen Hochschule Dresden und in der Jugendhilfe tätig. Sie promoviert in Dresden und arbeitet als Koordinatorin der ombudschaftlichen Arbeit im Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. in Dresden.

Björn Redmann, Dipl.-Sozialarbeiter/-pädagoge (FH), Master of Arts, ist seit 2002 in der Jugendhilfe tätig, u.a. in den Hilfen zur Erziehung, in der Straffälligenhilfe und als Bildungsreferent. Seit 2014 arbeitet er als Gesamtprojektkoordinator im Kinder- und Jugendhilferechtsverein e.V. in Dresden.

Aufbau und Inhalt

Im Anschluss an die Vorbemerkungen werden von Elsa Thurm die bereits oben genannten zwei Seminarreihen des Kinder- und Jugendhilferechtsvereins e.V. vorgestellt. Im Rahmen von „Muskepeer“ wurde eine Seminarreihe konzipiert, die sich an Jugendliche richtete, die in verschiedenen Wohngruppen der stationären Kinder- und Jugendhilfe lebten. Die „Löweneltern“-Seminarreihe richtete sich an Eltern, „die als Hilfesuchende langjährige Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendhilfe (gesammelt) haben“ (S. 7). Beide Seminarreihen folgten bei der inhaltlichen Ausrichtung dem eingangs beschriebenen Dreischritt: Adressat*innen über Rechte informieren und ihnen Möglichkeiten im System der Kinder- und Jugendhilfe aufzeigen, sodass sie selbst für die eigenen Anliegen eintreten können.

Daraufhin wird im ersten Teil des Sammelbandes in Anlehnung an Traditionen einer kritischen Pädagogik die Frage erläutert, „ob und wie es der Kinder- und Jugendhilfe gelungen ist bzw. gelingt, sich zu diesen Traditionen zu bekennen und sie tätig umzusetzen“ (S. 8):

  • Uwe Hirschfeld bespricht zum Einstieg in einer lebhaften Unterhaltung gemeinsam mit Gesprächspartner*innen die Schwierigkeiten von Kindheit zwischen romantisierenden Kindheitsbild und dem von Bildungsinstitutionen ausgehenden Anpassungsdruck auf ihre Adressat*innen. Anschließend spüren sie der Frage nach, wie Bildung anders gedacht werden kann und finden Anknüpfungspunkte bei einer dialogischen Praxis von Bildung in Anlehnung an Paulo Freire und kommen zu dem Schluss, dass Lehrende aus dem Bewusstsein für die eigene machtvolle Position heraus ihre Rolle dahingehend anpassen und „mit den Lernenden gemeinsam Untersuchungen starten“ (S. 27).
  • Adrian Groschwitz schließt daran mit einer Einführung in den theoretischen Ansatz der Hegemonie von Antonio Gramsci an. Dieser bezieht sich in seiner Analyse auf Machtverhältnisse und Herrschaftspraxen von gesellschaftlichen Verhältnissen und fragt nach, inwiefern Bildung Ermächtigungseffekte für Subjekte bedingen kann. Hierbei meint Bildung nicht nur die Vermittlung von „Ideen oder des formalen Wissens“, sondern der Bezug auf die konkreten „Praxen (hinter den Ideen) weitet vielmehr den Focus von Bildung und Bildungsgelegenheiten auf ein weites Feld aller Tätigkeiten – in denen Menschen sich mit der Welt auseinandersetzen, sich vergesellschaften und die gesellschaftlichen Verhältnisse (re)produzieren“ (S. 47).
  • Diana Düring weist in ihrem Beitrag auf eine Diskrepanz zwischen der Selbsterzählung einer Kinder- und Jugendhilfe, die sich mit der „Überwindung der ‚alten‘ Fürsorge- und Zwangserziehung“ (S. 50) modernisiert hätte, und den negativen Erfahrungen (demütigende, gewaltsame und unterdrückende Praktiken), die Adressat*innen mit und in der Kinder- und Jugendhilfe machen. Mit dem Verweis auf empirische Befunde zeigt sie auf, dass diese Erzählung Brüche und Leerstellen aufweist. Vor diesem Hintergrund hebt Düring hervor, dass „wir uns dieser Traditionslinie einer strafenden und kontrollierenden, einschränkenden und verletzenden Pädagogik bewusst sein (sollten), um überhaupt eine Chance zu haben, nicht immer wieder dieselben Fehler zu wiederholen“ (S. 67).
  • Friedhelm Peters beschäftigt sich in seinem Beitrag mit dem Begriff der Partizipation im Kontext der Hilfen zur Erziehung. Er stellt fest, dass Partizipation an vielen Stellen nach außen hin kommuniziert, aber deren Gelingen nicht eingelöst werde. Des Weiteren gibt er zu bedenken, ob Bildung im Sinne einer emanzipativen Aneignung von Gestaltung eigenen lebensweltlichen Bezüge in diesem Handlungsfeld überhaupt stattfinde. Peters schließt damit ab, weiter der Frage nachzudenken, „wo und wie verlässliche Orte mit praktischen Potenzial für Bildungsprozesse und Partizipationshandeln geschaffen werden können und ob dies professionelle Strukturen mit inszenierten Alltagspraxen (Heimerziehung) braucht oder ob es nicht eher professionelle Hilfen im Alltag der jungen Menschen sein könnten“ (S. 10), sodass „die Kinder- und Jugendhilfe ihre Rolle als Kontrollinstanz in die des solidarischen Unterstützers verändern kann“ (S. 90).
  • Timm Kunstreich eröffnet seinen Beitrag mit der Forderung, die Heimerziehung komplett abzuschaffen. Er stellt die These auf, dass „Disziplinierungs- und Degradierungstechniken nicht abgeschafft, sondern nur verfeinert und modernisiert wurden“ (S. 94), wozu er u.a. den Vormarsch verhaltensmodifizierter Stufen- bzw. Phasenmodelle in Heimeinrichtungen zählt. Dafür verantwortlich sieht Kunstreich den Wandel von Fordismus zu Neoliberalismus, wodurch Strategien einer „neuen Sozialhygiene“ (S. 97) wirkmächtig würden. „Mit dem Aufbau genossenschaftlicher Projekte, so visioniert er, könnten Adressat*innen in konsequenter Weise an der Gestaltung von für sie selbst hilfreichen und geeigneten Unterstützungssettings beteiligt werden“ (S. 10 f.).
  • Die Herausgerber*innen Ulrike von Wölfel und Björn Redmann nehmen in ihrem Beitrag die ombudschaftliche Beratungsarbeit in den Blick. Ausgehend von einer kritischen Analyse „ungelöster Versprechungen“ (S. 11) und struktureller Arbeitsbedingungen wird Bezug auf Hannah Arendts Verständnis des Politischen genommen sowie zu Empowerment-Bewegung und Empowerment-Konzept hergestellt. Anschließend wollen sie die Verbindungslinien von diesen Überlegungen zu ombudschaftlicher Arbeit aufzeigen, „indem (sie) zunächst einen Einzelfall aus der ombudschaftlichen Beratung des Kinder- und Jugendhilferechtsvereins sprechen lassen“ (S. 119). Anhand dieses Beispiels verdeutlichen sie, dass ombudschaftliche Arbeit über die Beratung von Einzelpersonen hinausgehen und politisches Handeln gemeinsam mit den Adressat*innen miteinschließen sollte, „um nachhaltige Veränderungen in der Kinder- und Jugendhilfe einzuleiten – denn dafür haben sich die Ombudsinitiativen einstmals gegründet“ (S. 11).

Im zweiten Teil des Buches „werden die Muskepeer- und Löweneltern-Seminarreihen aus verschiedenen Perspektiven vorgestellt, gewürdigt und auch kritisch reflektiert“ (S. 11). Ergänzt wird dieser Teil durch vier Beiträge, deren Autor*innen sich kritisch mit ausgewählten Beispielen „aktueller Kinder- und Jugendhilfewirklichkeit“ (ebd.) auseinandersetzen:

  • In einem Gespräch der Herausgeber*innen mit Ullrich Gintzel blickt dieser auf die Anfänge seiner beruflichen Tätigkeit zurück und stellt ausgehend von seinen Erfahrungen zum Demokratisierungsprozess der Kinder- und Jugendhilfe fest, dass es nur mit tatsächlicher Beteiligung der Adressat*innen gelingen kann, diese in den Einrichtungen und mit den Diensten des Arbeitsfeldes angemessen unterstützen zu können. In der Folge wird Bezug zu den zwei Seminarreihen hergestellt, bei denen es darum ging, auf der Grundlage eines ernstgemeinten Subjektstatus gemeinsam mit Adressat*innen an „guten und hilfreichen Unterstützungsmöglichkeiten“ (S. 12) zu arbeiten.
  • Im Beitrag von Alina Peters, Durchführende der „Löweneltern“-Seminarreihe, kommen Eltern zu Wort, die an dieser Seminarreihe teilgenommen haben. Sie berichten von Erfahrungen, die alle durch Wertschätzung gekennzeichnet sind, wobei dies an ihrer belasteten Lebenssituation bis zu diesem Zeitpunkt nichts geändert habe, obwohl der Austausch der Seminarwochenenden als stärkend empfunden wurde. Peters meint abschließend, dass solche Formate widerstattfinden und weitergedacht werden sollten.
  • Der zweiten Seminarreihe „Muskepeer“ widmet sich Elsa Thurm in ihrem Beitrag. Aus ihrer Sicht ist die Aufklärung über Rechte von jungen Menschen in der Kinder- und Jugendhilfe entscheidend, damit einschränkende Praxen in den Hilfen zur Erziehung verändert werden können. Diese Einschätzung speist sich aus den Schilderungen der jungen Menschen zu Einschränkungen im und durch das Hilfesystem sowie das fehlende Wissen über ihre Rechte. Thurm konstatiert an die Erfahrungen junger Menschen in und mit der Kinder- und Jugendhilfe anschließend, dass sie „einen Überanpassungsdruck erleben und in ihm aufwachsen“, was sie lediglich dazu konditioniere, im „System zu funktionieren“ (S. 162).
  • Daniela Böhme und Tom Ott zeichnen die Position von Hilfesuchenden in den Hilfen zur Erziehung nach, die durch Machtverhältnisse gekennzeichnet ist, und stellen die strukturelle Unterlegenheit der jungen Menschen heraus. Anschließend widmen sie sich der Frage, wie „mit den Mitteln von (kritischer) Bildung dieser Machtüberhang abgebaut werden kann“ (S. 13). Im letzten Abschnitt werden einige Positionen einer ASD-Mitarbeiterin wiedergegeben, um „auch dieser Seite die Möglichkeit zu bieten, ihre Gedanken zu den Seminaren „Löweneltern“ und „Muskepeer“ vorzustellen“ (S. 174). Gerade mit der Einbeziehung des ASD in Projekte wie „Löweneltern“ und „Muskepeer“ könne ein Begegnungsraum geschaffen werden, „der zum gegenseitigen Verstehen und Lernen beiträgt“ (S. 179), wodurch eine Verstetigung von Mitbestimmung und Partizipation erleichtert werden könne.
  • Daran anschließend fokussiert Pauline Wild in ihrem Beitrag die Übergangsgestaltung von Kindern und Jugendlichen mit Partizipationserfahrungen in Kontexte mit weniger oder keinen Partizipationsmöglichkeiten. Dabei stellt sie heraus, „dass Partizipationsunterschiede langfristig negative Folgen für die Entwicklung der jungen Menschen haben können und spricht sich für eine bewusste Begleitung in diesem Übergang aus“ (S. 13).
  • Die Bedeutung von „Räumen“ in der pädagogischen Arbeit und deren Förderung bzw. Behinderung von Bemächtigungsprozessen beleuchtet der Beitrag von Ralph Moses näher. In Anlehnung an Ullrich Deinet könne durch „angemessene Impulse, Irritationen, Interventionen und der Schaffung einer angenehmen Atmosphäre“ (S. 205) Rahmenbedingungen für eine „Ermöglichungsdidaktik“ (Ullrich Deinet) geschaffen werden. Dabei liege es in der Verantwortung der Fachkräfte, „damit aus Orten Räume werden, die über Aneignung zu Bildungsorten werden können“ (S. 13). Abschließend werden die Überlegungen anhand der eigenen Praxis in Schule, Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit erläutert.
  • Jana Solveig Schweeren und Johannes Hogrebe untersuchen im abschließenden Beitrag des Bandes die strukturellen Voraussetzungen der ASD. Die Autor*innen nähern sich über die Klärung eines Beteiligungsbegriffs sowie die Betrachtung von Beteiligungsmodellen an die Anforderungen für eine gelingende Partizipation von jungen Menschen an. Dabei „wird jeweils diskutiert, ob und wenn ja, inwiefern diese Anforderungen in den ASD erfüllt werden“ (S. 219).

Diskussion

Neben eines sich kritischen Ansätzen verpflichteten Verständnisses von Bildung, welches Fragen nach dem Verhältnis von Bildung und Macht in den Blick nimmt, wird auch der im Untertitel der Publikation anklingende Begriff (Partizipation) im Sinne einer kritischen Pädagogik ausgeführt. Aus meiner Sicht trifft die Einschätzung von Friedhelm Peters zur praktischen Gestalt von Partizipation der Adressat*innen in der Kinder- und Jugendhilfe in vielen Fällen zu. Oftmals verbleiben Bemühungen Partizipation von jungen Menschen in der Kommune systematisch zu verstetigen, auf der Ebene von symbolischen Leuchtturmprojekten (z.B. das Erstellen und Vorhalten eines kommunalen Beteiligungskonzeptes für Kinder und Jugendliche, ohne dass sie Inhalte mitbestimmen können) stecken. Nicht nur dieses Beispiel legt offen, dass Partizipation oftmals von Erwachsenen in einem funktionellen und instrumentellen Sinn verstanden wird. Wenn Partizipation jedoch nicht nur in einem der Integration in die herrschenden Verhältnisse folgendem Verständnis gedacht wird, sondern in einem emanzipatorischen Sinn Gestalt annehmen soll, müssen Kinder und Jugendliche die Möglichkeit haben, Beteiligung nach ihren Vorstellungen handhaben zu können. Dieses Spannungsfeld aus Integration und Emanzipation in der praktischen Arbeit mit Adressat*innen ist nicht auflösbar, aber das asymmetrische Machtverhältnis eines professionellen Arbeitsbündnis ist immer wieder aufs Neue zu reflektieren, um ggf. auf dieser Erkenntnisgrundlage das eigene Handeln anzupassen.

Die Herausgeber*innen formulieren bereits in der Einleitung, dass sie sich nicht einbilden, mit ihrer Arbeit „die Ansätze kritischer Pädagogik erfunden zu haben“ (S. 8). Vielmehr stellen sie die Wichtigkeit einer ständigen kritischen Vergewisserung der praktischen Umsetzung einer „Tradition hart erkämpfter und immer wieder bedrohter Errungenschaften“ (ebd.) kritischer Pädagogik heraus. Diesem Anspruch wird der Sammelband durchaus gerecht, was bereits anhand des oben ausführlich beschriebenen Inhalts der einzelnen Beiträge deutlich geworden sein sollte. Jedoch kommen diejenigen, die sich von der Publikation (möglicherweise) eine Weiterentwicklung von Ansätzen kritischer Pädagogik erhofft haben, nicht auf ihre Kosten. So fehlt bspw. ein Schlussteil, in dem die Herausgeber*innen auf der Grundlage der gesammelten Beiträge selbst ein Fazit ziehen und weiterführende Überlegungen zumindest in dem Versuch einer Bilanzierung zum Thema münden lassen könnten. Dies würde für die Leser*innen eine über die in der Einleitung beschriebenen drei Grundprämissen hinausgehende Einordnung von Herausforderungen der Bildungsarbeit im Feld der Kinder- und Jugendhilfe ermöglichen und auch eine Art Ausblick geben, was im Kontext der Bildungsarbeit mit jungen Menschen zukünftig besondere Beachtung verdienen würde.

Fazit

Nichtsdestotrotz überzeugt der Band im ersten Teil durch die immer wieder zu aktualisierende Bewusstseinsbildung über die Widersprüchlichkeiten zwischen Norm und Realität in der Jugendhilfe und bei der Beteiligung von Adressat*innen. Im zweiten Teil zeichnet sich der Band durch die gut lesbaren Vorstellungen der Seminarreihen, die sicherlich Orientierung bei der Konzeption eigener Projekte bieten, und verschiedene, praktisch orientierte Blickwinkel (Bildungsräume, Übergänge in der Kinder- und Jugendhilfe, ASD) auf Bildung und Partizipation aus. Insofern bietet die Publikation einerseits Fachkräften, die im Feld der Kinder- und Jugendhilfe sowohl bei öffentlichen als auch freien Trägern tätig sind, und andererseits Interessierten, die sich bereits der Traditionen einer kritischen Pädagogik verbunden sehen oder sich damit näher beschäftigen möchten, eine spannende Lektüre.

Literatur

Bernhard, A.: Bildung; in: Bernhard, A., und Rothermel, L. (Hrsg.), Handbuch Kritische Pädagogik, 2. Aufl. Weinheim und Basel 2001, S. 62-74


Rezension von
Tilman Kloss
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Zitiervorschlag
Tilman Kloss. Rezension vom 12.06.2020 zu: Björn Redmann, Ulrike von Wölfel (Hrsg.): Bildung am Rande. Warum nur gemeinsam mit Adressat_innen in der Jugendhilfe Bemächtigungsprozesse initiiert werden können. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3975-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26068.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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ISSN 2190-9245

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