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Anja Centeno Garcia: Das Seminar als Denkschule

Cover Anja Centeno Garcia: Das Seminar als Denkschule. Eine diskursbasierte Didaktik für die Hochschule. UTB (Stuttgart) 2019. 120 Seiten. ISBN 978-3-8252-5265-6. 12,99 EUR, CH: 16,90 sFr.

Reihe: Kompetent lehren.
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Anlass

Das Buch richtet sich an Lehrende im Bereich der geistes- und sozialwissenschaftlichen Studiengänge. Die Autorin vertritt die Auffassung, dass das Seminar die Königsdisziplin der Lehre ist (und nicht die Vorlesung) und deshalb nicht nur didaktisch, sondern auch inhaltlich und strukturell besonderer Aufmerksamkeit bedarf.

Autorin

Anja Centeno García ist promovierte Sprach- und Kulturwissenschaftlerin und als freiberufliche Dozentin und Trainerin tätig. Sie verfügt über viel Erfahrung in der Seminargestaltung und in der Didaktik.

Aufbau und Inhalt

Eine kurze Einleitung mit einem Überblick über die jeweiligen Inhalte stellt das 1. Kapitel dar. Zentrale Position der Autorin ist folgende: “ Das Studium ist in seinem Kern eine Schulung des Denkens und ein Trainingsraum für die Auseinandersetzung mit fachlichen Handlungsfeldern und Problemen. Gleichzeitig werden die anfänglichen Novizinnen und Novizen im Laufe des Studiums Teil der Fachgemeinschaft. Lehrende fungieren dabei als Reiseleitung, die sie dabei unterstützen, Orientierung in unbekanntem Gelände zu finden, Sitten und Gebräuche zu verstehen, in die(Fach-) Kultur einzutauchen und zunehmend an der Kommunikation selbstständig teilzuhaben. Das setzt Fachwissen, Ortskenntnis und vor allem Kulturbewusstheit voraus“ (S. 10).

Das 2. Kapitel steigt gleich thematisch ein und setzt sich mit dem Begriff Diskurs als Kommunikation, aber auch als thematischen Überbau für eine Auseinandersetzung um Inhalte auseinander. Dabei lässt die Autorin auch nicht den Diskurs-Begriff von Foucault außer Acht und verweist auf Rollen – und Machtverhältnisse. Außerdem geht es um verschiedene Logiken (z.B. Schule, Praxis, Alltag, Wissenschaft) wie auch um studentisches Lernen. Lehre ist gut beraten, wenn sie sich als forschendes Fragen präsentiert. Gesellschaft und Wissenschaft brauchen den Diskurs als Impetus und kritische Auseinandersetzung.

Etwas polemisch beginnt das 3. Kapitel, indem die Autorin darauf verweist, dass erst durch Qualitätsmanagement das Seminar zum didaktischen Ort wurde. Dabei kommt dem Seminar als vermutlichem Prototyp von Humboldts Idee der Einheit von Forschung und Lehre eine besondere Rolle zu. „Lernen im Seminar ist das Erzeugen von Verstehensweisen, die im Diskurs abzusichern sind“ (S. 33). Dazu gehören Lehrende als Persönlichkeit, die die Entwicklung und Sozialisation von Studierenden (Studium als Teil der Lebensphase) im Blick behalten. Zu dem Lernort Seminar gehört auch als didaktische Voraussetzung die Bestimmung der Seminarform/-art.

Damit die Inhalte eines Seminars für die Studierenden gut vermittelbar sind, ist eine gut geplante Didaktik erforderlich. Das ist Inhalt des 4. Kapitels, wo es um die Zielsetzungen geht, um die Denkkultur und um die Textarbeit als Hauptquelle zur Erschließung von Lehr- und Lerninhalten. Studierende kooperativ einzubinden und sie in ihrer Eigenständigkeit zu bestätigen, ist aktive Didaktik und notwendig.

Kapitel 5 ist eine Ideenbörse, wo z.B. aufgezeigt wird, wie komplexe theoretische Zusammenhänge auf einer Hochschulplattform aufbereitet und nachvollziehbar hinterlegt werden können (Wikis). Auch geht es um das Training der Studierenden, sich schriftlich und mündlich auszudrücken und wie man sich lesend Inhalte aneignen kann. Ein anderes Beispiel ist, dass Studierende sich durch eigene Studien Inhalte erarbeiten und in das Seminar einbringen. Weiterhin gibt es ein Beispiel zu Beratung als wirtschaftspädagogische Handlungsform und schließlich wie man mittels eines Leitfadens zum wissenschaftlichen Arbeiten kommt. Alle diese Beispiele sind mit konkreter Seminarabfolge unterlegt.

Ein kurzes Schlusswort beendet das Buch als 6. Kapitel, in dem die Autorin Wert auf die Feststellung legt, dass das Seminar schon immer den Diskurs zum Inhalt hatte: „Wir sollten ihn pflegen, aber nicht überdidaktisieren“ (S. 113).

Diskussion

Das Buch plädiert (zu Recht) für das Seminar als Ort der kritischen Auseinandersetzung, um Studierende auf ihren Beruf, auf die Praxis und auch ein wenig auf ihr Leben vorzubereiten. Das gelingt der Autorin gut und schlüssig. In die jeweiligen Abschnitte hat sie kurze Nachfragen eingebaut, die den lesenden Hochschullehrenden noch einmal zum Nachdenken bringen sollen. Was dem Buch fehlt, ist der Einsatz von Medien: einerseits als didaktisches Element zur Gestaltung der Lehre und andererseits als Quelle zur Erschließung von Inhalten (z.B. Videos auf Youtube) neben dem Klassiker Text. Aber mit Hilfe dieses Buches sind genug Grundlagen gelegt, um für sich selber ein Konzept zu entwerfen.

Fazit

Ein gut gemachtes Buch, das in seiner Kürze einen guten Überblick bietet, gut strukturiert ist und mit den Beispielen gute Anregungen bietet. Das Buch ist sowohl für in der Lehre beginnende Kolleginnen und Kollegen als auch für langjährig Lehrende gleichermaßen gut geeignet und sowohl in der beruflichen Haupttätigkeit Lehre wie auch in der nebenberuflichen Tätigkeit als Lehrbeauftragte(r) ein Fundus an Inspiration für eine gute Seminarplanung.


Rezension von
Prof. Stefan Müller-Teusler
Homepage www.uelzen.paritaetischer.de
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Zitiervorschlag
Stefan Müller-Teusler. Rezension vom 30.12.2019 zu: Anja Centeno Garcia: Das Seminar als Denkschule. Eine diskursbasierte Didaktik für die Hochschule. UTB (Stuttgart) 2019. ISBN 978-3-8252-5265-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26072.php, Datum des Zugriffs 21.01.2020.


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