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Michael Klein, Diana Moesgen u.a.: Ein Elterntraining für drogenabhängige Mütter und Väter

Cover Michael Klein, Diana Moesgen, Janina Dyba: SHIFT - Ein Elterntraining für drogenabhängige Mütter und Väter von Kindern zwischen 0 und 8 Jahren. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2019. 115 Seiten. ISBN 978-3-8017-2964-6. 39,95 EUR, CH: 48,50 sFr.

Reihe: Therapeutische Praxis - 92.
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Thema

Das von Michael Klein, Diana Moesgen und und Janina Dyba verfasste Buch stellt das Elterntraining „SHIFT“ vor, ein standardisiertes Behandlungs- und Präventionsmanual für die Gruppenarbeit mit Eltern, die von illegalen Drogen abhängig waren oder sind. SHIFT steht für „Suchthilfe Familientraining“.

Autor*innen

Prof. Dr. Michael Klein lehrt als Professor für Klinische Psychologie sowie Sucht- und Präventionsforschung an der Katholischen Hochschule Köln. Er ist Leiter des dortigen Deutschen Instituts für Sucht- und Präventionsforschung (DISiP) und des Master-Studiengangs Suchthilfe/​Suchttherapie.

Dr. rer. nat. Diana Moesgen arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISiP) in Köln und ist als Psychologische Psychotherapeutin mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie auch in eigener Praxis tätig.

Die Psychologin Janina Dyba arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Institut für Sucht- und Präventionsforschung (DISiP) in Köln.

Entstehungshintergrund

Das SHIFT-Elterntraining entstand im Rahmen des Forschungsprojektes „Chrystal Meth und Familie II – Konzeption und Evaluation einer Intervention für methamphetaminabhängige Eltern zur Förderung der Familienresilienz und Elternkompetenz“, welches 2016 bis 2018 durchgeführt wurde. In der ersten Erprobungsphase des Projektes wurden nur Eltern einbezogen, die entweder metamphetaminabhängig waren oder kristallines Metamphetamin („Chrystal Meth“) zumindest regelmäßig konsumierten oder konsumiert hatten.

Das entwickelte und wissenschaftlich evaluierte Elterntraining für drogenabhängige Eltern ist bisher einmalig in Deutschland.

Zielgruppe

Mit dem Buch wird ein Manual vorgelegt, dass sich an Metamphetamin oder kristallines Metamphetamin („Chrystal Meth“) konsumierende sowie andere illegale Drogen (v.a. Opiode – inklusive Substitutionsbehandlung – aber auch Cannabis und Kokain) konsumierende Eltern richtet.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst sieben Kapitel und einen umfangreichen Anhang. Eine CD-ROM enthält die Arbeitsblätter für das Elterntraining, die im Anhang abgebildet sind.

Im ersten Kapitel „Einleitung“ führen die Autor*innen in die Thematik ein und erläutern kurz den Entstehungshintergrund des Buches. Hierbei machen sie deutlich, dass das ursprünglich entwickelte und erprobte Elterntraining sich zwar an Metamphetamin oder kristallines Metamphetamin („Chrystal Meth“) konsumierende Eltern gerichtet hat, das vorgelegte SHIFT-Elterntraining sich aber auch an andere illegale Drogen (v.a. Opioide, Cannabis und Kokain) konsumierende Eltern wendet.

Kapitel 2 thematisiert den Stand der Forschung zu Suchterkrankungen in Deutschland, insbesondere zu den Auswirkungen für Kinder, die in suchtbelasteten Elternhäusern aufwachsen. Sie gehen dabei auch auf die Besonderheiten der Lebenswelten von Kindern ein, die mit illegale Drogen konsumierenden Eltern aufwachsen. Anhand epidemiologischer Kennziffern können die Autor*innen zeigen, dass der Konsum von Metamphetaminen regional unterschiedlich ausfällt und insbesondere Sachsen und Thüringen deutlich höhere Prävalenzen aufweisen. Das Kapitel thematisiert auch Unterstützungsangebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien und verdeutlicht, dass entsprechende, wissenschaftlich evaluierte Programme für Eltern bislang in Deutschland fehlen.

Kapitel 3 stellt das SHIFT-Elterntraining vor. Es werden die Ziele und die zugrundeliegenden theoretischen Modelle behandelt. Bei den theoretischen Modellen handelt es sich um das Konzept der Familienresilienz, das Risiko- und Schutzfaktoren-Modell, die sozial-kognitive Lerntheorie, das Erziehungskonzept „Freiheit in Grenzen“, das Transaktionale Modell der Stressreaktion und das Phasenmodell der Gruppenarbeit.

In Kapitel 4 werden die empfohlenen Rahmenbedingungen für die Durchführung des SHIFT-Elterntrainings beschrieben. Dabei werden z.B. Fragen zum Setting (Wo sollte das Elterntraining stattfinden? Wie viele Trainer*innen sind erforderlich?), zur Zielgruppe und wie diese rekrutiert werden könnte (Können sowohl aktiv konsumierende als auch abstinente Eltern einbezogen werden?) oder zur Dauer und Frequenz der Module thematisiert.

Im 5.Kapitel werden die Evaluationsergebnisse vorgestellt. Das SHIFT-Elterntraining wurde 2017 an sieben Projektstandorten in Sachsen und Thüringen erprobt und mit einem randomisiert-kontrollierten Forschungsdesign evaluiert. Die Evaluationsergebnisse zeigen, dass sowohl die Interventionsgruppe als auch die Kontrollgruppe (die das Training erst nach Ende der drei Datenerhebungen erhielt, von der Teilnahme am Elterntraining profitierten, wobei die Interventionsgruppe in einigen Bereichen etwas mehr profitieren konnte. Aus Trainiersicht ist die Akzeptanz des Programms durch die Eltern sehr hoch. Insgesamt kommt die Evaluation des Trainings zu einer zufriedenstellenden Wirksamkeit des Programms in Bezug auf die Förderung eines positiven Erziehungsverhaltens. Das Programm wird sowohl von den Eltern als auch von den Trainern gut angenommen.

Das 6.Kapitel stellt das Manual zur Klärungsphase vor. Dem eigentlichen Elterntraining ist eine Klärungsphase vorgeschaltet, die dazu dient, herauszufinden, ob potenzielle SHIFT-Teilnehmer*innen kognitiv und sozial in der Lage sind, am Elterntraining teilzunehmen. Es geht also darum im Vorfeld zu klären, ob ein Klient hinsichtlich seiner Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Gedächtnisfähigkeiten und seiner Team- und Kooperationsfähigkeit sowie Emotionsregulierung in einer Gruppe geeignet ist, das Elterntraining zu absolvieren.

Im 7.Kapitel wird das Manual zum SHIFT-Elterntraining vorgestellt. Es werden hier die acht Module des Trainings vorgestellt. In jeder der jeweils 90-minütigen Sitzungen wird ein Modul behandelt. Detailliert wird jeweils auf die Ziele des Moduls, den Ablauf (inklusive Zeitvorgaben) und die erforderlichen Arbeitsmaterialien eingegangen. Auch in dieses Kapitel fließen wieder Erfahrungen aus der Praxis ein.

Nach dem Literaturverzeichnis schließt sich ein umfangreicher Anhang an, der alle Arbeitsblätter enthält. Die dem Buch beiliegende CD-ROM enthält alle Arbeitsblätter als PDF-Datei.

Fazit

Das Buch gibt einen umfassenden und gut verständlichen Überblick über die Lebenssituation von Kindern in suchtbelasteten Familien, wobei der Schwerpunkt auf metamphetaminbelastete Familien gelegt wird. Das SHIFT-Elterntraining wird ebenfalls in der gebotenen Detailliertheit bei einer sehr gelungenen Übersichtlichkeit und Klarheit vorgestellt. Alle Aspekte, die für die Durchführung des Elterntrainings relevant sind, werden sehr übersichtlich behandelt. Zusätzlich findet sich bei jedem Aspekt ein gestalterisch abgesetzter kurzer Abschnitt „Erfahrungen aus der Praxis“, der auf Erfahrungen aus der Projektphase und der Prozessevaluation beruht und Tipps gibt, wie man am besten mit auftauchenden Problemen bei der Trainingsdurchführung umgeht. Für die Durchführung des Gruppenprogramms sind auch die Abschnitte zum Umgang mit herausfordernden Situationen, Rückfällen, mangelnder Mitwirkung an den Übungen und am Gruppengeschehen oder gar offenen Widerständen gegen die Übungsinhalte hilfreich. Die auf der Begleit-CD-ROM mitgelieferten Arbeitsblätter im PDF-Format, die für die Durchführung des Elternprogramms notwendig sind, stellen einen gelungenen Service für künftige Anwender*innen des SHIFT-Elterntrainings dar.


Rezension von
Dr. Anke Höhne
Freiberuflich tätig in eigener Praxis als Systemische Beraterin und Coach
Homepage www.anke-hoehne.de
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Zitiervorschlag
Anke Höhne. Rezension vom 27.01.2020 zu: Michael Klein, Diana Moesgen, Janina Dyba: SHIFT - Ein Elterntraining für drogenabhängige Mütter und Väter von Kindern zwischen 0 und 8 Jahren. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-8017-2964-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26090.php, Datum des Zugriffs 08.07.2020.


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