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Sabine Kaiser-Röhrich: Wenn das Gehirn meines Kindes anders tickt

Cover Sabine Kaiser-Röhrich: Wenn das Gehirn meines Kindes anders tickt. ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie, Autismus und Co. : ein Mutmacher und praktischer Leitfaden für Eltern. sorriso Verlag (Radolfzell am Bodensee) 2019. 165 Seiten. ISBN 978-3-947702-05-3. D: 16,65 EUR, A: 17,20 EUR.
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Thema

Es tauchen viele Fragen auf, wenn die Diagnose ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Autismus im Raum steht und reflexartig wird die Frage gestellt, ob das eigene Kind „nicht normal“ ist. Eltern haben Ängste um die Zukunft des Kindes und fragen, ob aus ich noch etwas werden kann. Diese Situation stellt den Familienfrieden auf eine harte Probe. Aus persönlicher und beruflicher Erfahrung weiß die Autorin, dass es jetzt wichtig ist, Ruhe zu bewahren, nicht vorschnell an einzelnen Symptomen „herumzudoktern“, sondern sich zu informieren, um die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen und das eigene Kind liebevoll anzunehmen.

Autorin

Sabine Kaiser-Röhrich ist von Hause aus promovierte Chemikerin. Aktuell arbeitet sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie in einer Neurofeedbackpraxis in München und Poing. Sie ist zudem als Dyskalkulietrainerin (EÖDL) tätig. Neben dem fachlichen Wissen kommen in diesem Buch noch ihre Erfahrungen als Mutter eines autistischen Sohnes hinzu.

Aufbau und Inhalt

Das Buch ist im Din A 5 Softcover Format erschienen und hat einen Umfang von 165 Seiten, die sich in 12 Kapitel untergliedern. Zwischenüberschriften und Absätze lockern auf, zahlreiche selbst erstellte Zeichnungen und Abbildungen ergänzen und vereinfachen die Erklärungen und wirken entzerrend. Farblich hervorgehobene Textboxen enthalten Tipps, Zitate und kurze Hinweise. Es wurde hochwertiges Papier verwendet, welches allerdings beim Lesen mit einer Leselampe reflektiert, was mir das Lesen anstrengend gemacht hat.

  1. Vorwort
  2. Einleitung: Wie kann dieses Buch helfen?
  3. Unser Gehirn: Die Steuerungszentrale aller Abläufe
  4. Wie entstehen psychische Störungen? Und was ist „gesund“?
  5. Was ist Neuropsychologie?
  6. Botenstoffe: Wie Medikamente wirken (von Dr. Stephan de la Motte)
  7. Die innere Einstellung zählt!
  8. Was Lehrer wissen sollten: Hilfestellungen für den Unterricht mit Kindern mit Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS und Autismus.
  9. Buchtipps für Kinder mit LRS/Legasthenie.
  10. Alles in Maßen, nicht in Massen: Schalten wir unser Gehirn wieder ein!
  11. Hilfreiche Links und Anlaufstellen für Eltern und Lehrer
  12. Können wir Menschen frei sein auf dieser Erde? (von Brigitte W. Karasek)

Eröffnet wird mit einem Vorwort und der Einleitung, wie dieses Buch helfen kann, zudem wird eine kurze Standortbestimmung zu unserer heutigen Gesellschaft (Kapitel eins und zwei) gegeben.

Von dem Gehirn, als der Steuerungszentrale aller Abläufe, handelt das dritte Kapitel. Die Autorin zeigt kurz auf, was unser Gehirn ist und wie es aufgebaut ist. Anschließend wird erwähnt, wie es funktioniert gehirngerecht mithilfe von Mind-Maps zu denken. Der Autorin – das schreibt sie mehrfach – ist eine ganzheitliche Betrachtung sehr wichtig. Auch Wissen über das Gedächtnis an sich (Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis) sowie Erklärungen, wie es lernt und was überhaupt Lernen ist bleiben nicht unerwähnt (Lernen: „Langfristiger Zuwachs von Wissen, Können und Selbstbewusstsein“ (S. 31)). Beim Lernen sind Emotionen und das Lernen mit allen Sinnen zentral. Das Gehirn von Jugendlichen bezeichnet die Autorin als „Baustelle“ und sie erklärt, was sie damit meint. Das Kapitel endet mit dem Thema Stress nach Kaiser Röhrich der größte Feind und die „Geißel“ des 21. Jahrhunderts. Kurz wird beschrieben, was Stress mit dem Gehirn macht.

Kapitel vier widmet sich der Frage, wie psychische Störungen entstehen und was eigentlich genau „gesund“ ist. Einführend nutzt die Autorin einen „Mutmacher“, in dem sie von bekannten Persönlichkeiten berichtet, die unter den Bedingungen von den Diagnosen leben, die in diesem Buch genannt werden: da ist ein bekannter Surfer, der unter den Bedingungen von Autismus lebt und Millionen verdient oder der Gründer von IKEA, der selbst davon berichtete, dass er Legastheniker sei. An diesen Abschnitt anschließend benennt Kaiser-Röhrich Faktoren, die die mentale Gesundheit beeinflussen.

Es gilt zu verstehen, was der Begriff „Störung“ meint und anschließend wird reflektiert, ob ADHS ein „Hirngespinst“ oder real ist. Kaiser-Röhrich zeigt Möglichkeiten auf, was man tun kann, wenn der Verdacht auf ADHS im Raum steht. Sie regt an, nicht nur die Nachteile in den Fokus zu nehmen, sondern auch die „Vorteile“ zu sehen, die ADHS haben kann. Weitere Diagnosen wie Dyskalkulie und Legasthenie werden aufgegriffen und es wird die Frage gestellt, ob das Kind einfach nur unbegabt oder faul ist. Die Autorin beschreibt, was Eltern tun können, wenn der Verdacht auf Legasthenie oder Dyskalkulie im Raum steht. Geht es um Interventionen und Förderung? Dieses Kapitel schließt mit dem Thema Autismus und der Frage: „Fluch oder Segen?“ (S. 69)

Daran schließt sich in Kapitel fünf die Definition der Neuropsychologie an und in diesem Zusammenhang wird die Methode Neurofeedback vorgestellt: Was ist das Neurofeedback und wie funktioniert es? Ebenso wird die Photobiomodulationstherapie (PBMT) erläutert.

Kapitel sechs von Stephan de la Motte widmet sich dem Thema Medikamenten (Botenstoffe), der anhand von Bildern und wenig Schrift erklärt, wie diese wirken.

Um die eigene Haltung und die innere Einstellung dreht sich das siebte Kapitel. Sehr bedeutsam ist, weniger Druck bei Schul- und Berufswahl auszuüben. Das Umfeld sollte sich bewusst machen, dass Notengebung mit Stresserleben verbunden ist und wie wichtig in diesem Zusammenhang die qualitative Zeit, die sog. „Qualitätszeit“ ist, die man mit dem eigenen Kind verbringen sollte. Statt Menschen mit anderen zu vergleichen ist es hilfreicher, sich dem eigenen Kind hinzuwenden. Die Autorin spricht die Empfehlung aus, Lehrerpersonen gegenüber mit Selbstbewusstsein und Verständnis aufzutreten, sie reflektiert in diesem Kapitel auch, ob eine andere Schulform die richtige ist. Wichtig ist, dass „Gesamtpaket Kind“ zu sehen.

Um Wissenswertes für Lehrer*innen geht es im achten Kapitel. Angerissen werden Hilfestellungen für den Unterricht mit Kindern mit Legasthenie, Dyskalkulie, ADHS und Autismus.

Im neunten Kapitel werden Buchtipps für Kinder mit LRS/Legasthenie gegeben. Neben hilfreichen Links und Anlaufstellen für Eltern und Lehrer*innen findet man im vorletzten Kapitel des Buches folgendem Appell: „Alles in Maßen, nicht in Massen: Schalten wir unser Gehirn wieder ein!“

Mit einem Text der Künstlerin und Lebenskünstlerin, Kreativtrainerin und „Kreativnomadin“ (S. 157) Brigitte W. Karasek endet das Buch (12. Kapitel). Sie stellt darin die Frage, ob wir Menschen auf dieser Erde frei sein können (S. 147–157).

Diskussion

Es tauchen viele Fragen auf, wenn die Diagnose ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie oder Autismus im Raum steht und reflexartig wird die Frage gestellt, ob das eigene Kind „nicht normal“ ist. Die Autorin hat in diesem Büchlein versucht, Fragen zu beantworten. Leider sind diese überwiegend etwas kurz ausgefallen, sodass bei mir Fragen bleiben bzw. neue Fragen hinzugekommen sind. Ich hätte mir an der einen oder anderen Stelle statt dieser Breite an Themen mehr Tiefe gewünscht.

Die Autorin hat sich anders entschieden; das ist sicher auch dem Bemühen geschuldet, die Situation ganzheitlich bearbeiten zu wollen. Eltern haben Ängste um die Zukunft des Kindes und fragen, ob aus dem Kind noch etwas werden kann. Diese Situation stellt manchen Familienfrieden auf eine harte Probe. Das weiß Kaiser-Röhrich aus persönlicher und beruflicher Erfahrung. Sie weiß auch wie wichtig es dann ist, Ruhe zu bewahren, nicht vorschnell an einzelnen Symptomen „herumzudoktern“, sondern sich zu informieren, um die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen und das eigene Kind liebevoll anzunehmen.

Fazit

Sabine Kaiser-Röhrich, Spezialistin für Lern- und Gedächtnisstörungen, psychische „Störungen“ und deren Ursachen sowie Mutter eines autistischen Sohnes möchte Mut machen und Eltern helfen einzuschätzen, ob eine ärztlich verordnete Therapie wirklich sinnvoll ist und welche Hilfsmittel das Lernen erleichtern. Sie stellt methodische Ansätze z.B. TEACCH in Kurzform vor, großen Raum nimmt das Neurofeedback ein, eine Methode, mit der das Gehirn in Balance kommen soll, sodass die Konzentration und Merkfähigkeit gesteigert wird.

Das Büchlein gibt zahlreiche praktische Tipps und enthält hilfreiche Adressen. Das Layout hat eine fröhliche Ausstrahlung, die zahlreichen gezeichneten Abbildungen lockern auf.

Das Buch möchte „Mutmacher“ sein, das ist gelungen!


Rezensentin
Dipl.-Päd. Petra Steinborn
Tätig im Personal- und Qualitätsmanagement in einer großen Ev. Stiftung in Hamburg-Horn. Freiberuflich in eigener Praxis (Heilpraktikerin für Psychotherapie). Leitung von ABC Autismus (Akademie-Beratung-Coaching), Schwerpunkte: Autismus, TEACCH, herausforderndes Verhalten, Strategien der Deeskalation (systemisch), Autismus, TEACCH, erworbene Hirnschädigungen
Homepage www.abc-autismus.de
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Zitiervorschlag
Petra Steinborn. Rezension vom 07.10.2019 zu: Sabine Kaiser-Röhrich: Wenn das Gehirn meines Kindes anders tickt. ADHS, Legasthenie, Dyskalkulie, Autismus und Co. : ein Mutmacher und praktischer Leitfaden für Eltern. sorriso Verlag (Radolfzell am Bodensee) 2019. ISBN 978-3-947702-05-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26093.php, Datum des Zugriffs 14.10.2019.


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