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Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch interkulturelle Mediation und Konfliktlösung

Cover Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch interkulturelle Mediation und Konfliktlösung. Didaktische Materialien zum Kompetenzerwerb. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2019. 3. aktualisierte, vollständig überarbeitete Auflage. 264 Seiten. ISBN 978-3-8309-4008-1. 32,90 EUR.
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Thema

Titel und Untertitel sind unmissverständlich, was Thema und Inhalte des Buches betrifft. Der Untertitel macht zudem das Ziel dieses Trainingshandbuchs deutlich: Hiermit sollte der Erwerb von Kompetenzen für Konfliktlösung und für Mediation im interkulturellen Kontext gefördert werden.

AutorIn

Claude-Hélène Mayer ist Professorin für Arbeits- und Organisationspsychologie, promovierte Ethnologin und Wirtschaftswissenschaftlerin, Mediatorin und Ausbilderin für Mediation, systemische Beraterin und Therapeutin sowie international tätige Trainerin und Unternehmensberaterin. Ihre Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen – laut Autorenprofil mit den Schwerpunkten interkulturelle Mediation und Konfliktmanagement, Frauen in Führungspositionen, Gesundheit in Organisationen und Scham – lässt sie in ihre Bücher einfließen.

Aufbau und Inhalte

Das Trainingshandbuch ist nach dem Baukastenprinzip gestaltet und besteht aus vier unterschiedlich umfangreichen Bausteinen, die logisch aufeinander aufbauen und mit einem kurzen Ausblick abgerundet werden:

  • Konflikt
  • Mediation
  • Interkulturelle Mediation
  • Lösungsoptionen

Die einzelnen Bausteine sind in Unterkapiteln aufgeteilt und verzahnen theoretischen Input mit praktischen Übungen, die auch in der Gliederung entsprechend – mit „I“ für Input/​Information beziehungsweise „Ü“ für Übung – kenntlich gemacht werden.

Der erste Baustein, Konflikt, setzt im ersten Abschnitt den übergreifenden Kontext mit dem Thema „Interkulturelle Konflikte“: Zunächst werden interkulturelle Konflikte definiert, um dann die kulturbedingten Realitätskonstruktionen zu betrachten. (Selbst-)Reflexionsübungen regen zum Nachdenken über persönliche Einstellungen und Erfahrungen zu und mit Konflikten an.

Die weiteren vier Abschnitte beschreiben Konflikte allgemein aus verschiedenen Perspektiven und unterscheiden zwischen Konfliktformen, -typen, -stilen und Konfliktursachen. Diese Differenzierung ist wesentlich für die Konfliktanalyse, die während der Mediation erfolgen soll.

Baustein II, Mediation, stellt im ersten Unterkapitel die Bedeutung und Philosophie der Mediation dar. Zwei Übungen sollen dazu beitragen, dass man sich in das grundlegende Prinzip der Mediation hineindenkt: Konflikte können Wandel und Fortschritt bewirken und im Mediationsprozess wird der Fokus auf den Fortschritt gelegt. Es geht hierbei darum, gemeinsam nach der besten Lösung für alle Beteiligten zu suchen – einer Win-Win-Lösung.

Der zweite Teil dieses Kapitels macht einen Ausflug in die Geschichte und zeigt auf, dass Mediation – als Prozess der Konfliktlösung durch eine neutrale bzw. unparteiische Person – weltweit Tradition hat, u.a. bei der Verhandlung des „Westfälischen Friedens“ mit dem der Dreißigjährige Krieg beendet wurde.

Die weiteren vier Teile des 2. Bausteins erläutern den Mediationsprozess in seiner systematischen, westlichen Form, die Rolle sowie die Haltungen der Mediatoren und legen abschließend die wichtigsten Mediationstechniken dar, die direkt geübt werden können.

Baustein III setzt sich ausführlich mit der Interkulturellen Mediation auseinander. In neun Unterabschnitten geht es darum, die Spezifika interkultureller Mediation zu verstehen und anhand theoretischer Modelle zu analysieren. Eine große Bandbreite an Fallbeispielen und Übungen regen Reflexion und fördern den Lerntransfer an. Aspekte wie Macht, Gender, Sprache, Vorurteile und Stereotype sowie das Phänomen der Kulturalisierung als mögliche Herausforderungen finden hier Beachtung. Ferner wird auf Emotionen, Werte und Wertorientierungen und auf kulturelle Orientierungen näher eingegangen.

Im Baustein IV werden Lösungsoptionen, Ansätze „zur Überwindung kultureller Grenzen“ angeboten. So wird die Rolle von Narrationen sowie von Versöhnung und Entschuldigung im interkulturellen Mediationskontext angesprochen. Bekannte Konzepte aus der Kommunikationswissenschaft wie das Wertequadrat, die Arbeit mit dem inneren Team sowie das Modell der Gewaltfreie Kommunikation von Marshall Rosenberg werden als Lösungsansätze für interkulturelle Konflikte dargestellt.

Im Ausblick wird die Bedeutung interkultureller und mediativer Kompetenzen vor dem Hintergrund der zunehmenden Diversität und Komplexität in allen gesellschaftlichen Bereichen hervorgehoben. Als flexibler mediativer Ansatz für eine multikulturelle Gesellschaft wird das kultur-synergetische Mediationsmodell nach Mayer empfohlen.

Diskussion

Drei Auflagen innerhalb von 13 Jahren sprechen für dieses Buch. Die neue, im April dieses Jahres erschienene Auflage wurde überarbeitet und aktualisiert: Die Literaturquellen, Forschungsbezüge und Fallbeispiele wurden an die neuesten Entwicklungen angepasst, Graphiken und Bilder aktualisiert und ergänzt. Die neue Aufmachung mit dem poppigen Cover vermittelt einen frischen, modernen Eindruck.

Das Trainingshandbuch beginnt mit einem Zitat von Johan Galtung, das dazu ermutigt, die positiven Aspekte von Konflikten zu erkennen. Galtung, der als Gründungsvater der Friedens- und Konfliktforschung gilt, schrieb: „(...) Why not try and see conflict/As the salt of life,/As a big energizer,/The tickler,/The tantalizer,/Rather than a bothersome nuisance,/[…] Particularly since we all know/that it is precisely during the periods in our lives/When we are exposed/To a conflict that really challenges us,/And we finally are able to master,/That we feel most alive.” Diese positive Botschaft ist programmatisch in Hinblick auf die Haltung, die durch die Buchinhalte vermittelt wird.

Das Trainingshandbuch verfolgt einen holistischen Ansatz. Der umfangreiche Überblick über die unterschiedlichen Aspekte, die in der interkulturellen Mediation und Konfliktlösung eine Rolle spielen können, entspricht der Komplexität dieses Themenbereichs. Zudem laden die Übungen zu Perspektivwechsel und Reflexion mit Blick auf Kulturen und Subkulturen bzw. Subgruppen innerhalb einer Gesellschaft ein und fördern somit eine differenzierte Betrachtung des Kulturkonzeptes.

Positiv hervorzuheben ist auch der große Anteil, den Claude-Hélène Mayer der Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit, den eigenen Einstellungen und inneren Welten einräumt, die durch Sozialisierung und persönliche Erfahrungen entstehen und bewusst gemacht werden sollen. Damit wird angedeutet, dass Persönlichkeit und Haltung der Mediatoren eine wesentliche Rolle für den Verlauf einer Mediation spielen können. Die Autorin regt an, eigene Positionen und Bedürfnisse wie auch die eigene Unparteilichkeit, stetig zu reflektieren und hinterfragen.

Fazit

Das Trainingshandbuch bietet eine wissenschaftlich fundierte und praxisorientierte Grundlage für alle, die sich mit interkultureller Kompetenz, Konfliktbearbeitung und Mediation im interkulturellen Kontext auseinandersetzen möchten. Es kann im Selbststudium und/oder von Trainern, Ausbildern und Hochschullehrenden eingesetzt werden, um interkulturelle und mediative Kompetenzen zu fördern bzw. um Inhalte und Handwerkszeug aufzufrischen.


Rezensentin
Lucia Mihali
Diplom-Soziologin und Diplom Arbeitswissenschaftlerin; wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule der Bundesagentur für Arbeit
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Zitiervorschlag
Lucia Mihali. Rezension vom 27.11.2019 zu: Claude-Hélène Mayer: Trainingshandbuch interkulturelle Mediation und Konfliktlösung. Didaktische Materialien zum Kompetenzerwerb. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2019. 3. aktualisierte, vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8309-4008-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26103.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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