socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Mathias Berg: Die Wirksamkeit systemischer Beratung

Cover Mathias Berg: Die Wirksamkeit systemischer Beratung. Erhöht Erziehungs- und Familienberatung die Bindungssicherheit von verhaltensauffälligen Kindern? V&R unipress (Göttingen) 2019. 270 Seiten. ISBN 978-3-8471-0983-9. D: 40,00 EUR, A: 42,00 EUR.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK


Thema

Prof. Dr. Mathias Berg präsentiert in seinem Buch seine mehrjährige Interventionsstudie, die die Auswirkungen von systemischer Familienberatung und Therapie auf die Bindungssicherheit und Verhaltensprobleme von Kindern sowie das Erziehungsverhalten der Eltern erforscht. Dabei plante er die Studie als Dissertation an der Fakultät II der Universität Siegen.

Autor

Prof. Dr. Mathias Berg ist als ausgebildeter systemischer Therapeut bzw. Familientherapeut sowie als Teilhaber einer Gemeinschaftspraxis tätig. Zusätzlich arbeitet er am Kölner Institut für systemische Beratung und Therapie (KIS) als Lehrtherapeut und leitet stellvertretend seit 2008 die Caritas Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Kerpen. Von 2012 bis 2018 hatte er eine Professur für Theorien und Konzepte Sozialer Arbeit an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen inne. Neben seinen beruflichen Tätigkeiten ist Mathias Berg Vorstandsvorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft für Erziehungsberatung (LAG) in NRW sowie Mitglied des Vorstands der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). 2019 gewann er den systemischen Forschungspreis der Deutschen Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und der systemischen Gesellschaft (SG).

Entstehungshintergrund

Die Studie zu den „Auswirkungen von systemischer Beratung und Therapie in einer Erziehungs- und Familienberatungsstelle auf die Bindungssicherheit verhaltensauffälliger Kinder im Grundschulalter“ wurde durch die Deutsche Gesellschaft für Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie (DGSF) und den Diözesan-Caritasverband für das Erzbistum Köln e.V. (DiCV) gefördert und an der Fakultät II der Universität Siegen als Dissertation angenommen.

Aufbau

Das Buch beginnt mit einem überblicksartigen Inhaltsverzeichnis. Anschließend beschreibt der Autor in insgesamt sechs Kapiteln das Forschungsvorhaben und diskutiert die Ergebnisse. Im Anschluss daran folgen ein Literatur-sowie ein Tabellen- und Abbildungsverzeichnis. 

Inhalt

Im ersten Kapitel führt Herr Berg mit Hilfe der Einleitung in das Thema der Forschungsstudie ein, indem er die Höhen und Tiefen der kindlichen Entwicklung im Grundschulalter beschreibt, explizit auf die Bedeutung der Bindung in dieser Lebensphase eingeht und kurz den aktuellen Forschungsstand zur systemischen Beratung und Therapie von Kindern und Jugendlichen betrachtet. Anschließend beschreibt er in knappen Sätzen sein Forschungsvorhaben und die Inhalte der folgenden Kapitel: Abschließend richtet er einen Dank an alle Studienteilnehmer, Unterstützer und Mitwirkende am Forschungsvorhaben.

Im zweiten Kapitel geht der Autor auf Erziehungs- und Familienberatungen bzw. Beratungsinstitutionen ein. In diesem Zusammenhang beschreibt er sowohl deren historische Entwicklung, ihre gesetzlichen Grundlagen, als auch die Adressaten und die Beratungsanlässe. Zudem beschäftigt sich der Autor im Zusammenhang mit der vorherrschenden Sozialstruktur, lokalen Problemdefinitionen, den möglichen Ressourcen und der Arbeitsteilung verschiedener psychosozialer Einrichtungen mit dem Profil sowie den möglichen Angeboten und Leistungen von Erziehungs- und Familienberatungsstellen. In diesem Zusammenhang geht er detailliert auf die systemische Beratung und Therapie, mit ihren theoretischen Positionen und Haltungen ein, beschreibt ihren Einsatz am verhaltensauffälligen Kind sowie ihre bindungstheoretischen Interventionsmöglichkeiten. In einem weiteren Unterkapitel greift Prof. Dr. Berg die pädagogischen Fachkräfte mit ihren Profilen und ihren Zusatzqualifikationen auf. Abschließend widmet er sich der Evaluations- und Beratungsforschung. Dazu klärt er einleitend verschiedene Begriffe und Arten der Evaluationsforschung, bevor er sich den Bedeutungen und Ergebnissen zur Wirksamkeit von Erziehungs- und Familienberatung widmet. Daran anlehnend schließt er mit der Vorstellung der Erziehungs- und Familienberatungsstelle in Kerpen ab, deren Klientel die Stichprobengrundlage seines Forschungsprojektes darstellt.

Im dritten Kapitel widmet sich Mathias Berg den Bindungstheorien und der Bindungsforschung. Zur Einführung gibt er diesbezüglich einen Überblick über die grundsätzlichen Annahmen und Postulate der Bindungstheorie. Im Anschluss daran stellt er die grundlegenden Befunde der Bindungsforschung zusammen. Da das Forschungsprojekt sich mit Kindern im Grundschulalter beschäftigt, geht der Autor in einem weiteren Teilkapitel explizit auf die Bindung im Vor- und Grundschulalter ein. In diesem Zusammenhang beschreibt er Bindungsstrategien der Kinder, ebenso wie Erhebungsverfahren zur Bindung im Vor- und Grundschulalter. Anlehnend daran stellt er das Bindungsverhalten im Erwachsenenalter vor und stellt einen Zusammenhang zwischen Bindung und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern her. Dabei differenziert er die Erscheinungsformen bzw. die Genese von Verhaltensauffälligkeiten, er stellt die Bedeutung der Bindung als Schutz- und Risikofaktor dar und er bringt spezifische kindliche Verhaltensauffälligkeiten mit einer unsicheren Bindung in Verbindung. Anschließend stellt Berg Forschungsergebnisse zum Zusammenhang zwischen Bindung und dem elterlichen Erziehungsverhalten dar und zeigt die Bedeutung der Bindungstheorie in der Psychotherapieforschung sowie in der Erforschung psychosozialer Beratungsstellen auf. Anlehnend daran fasst er die wesentlichen theoretischen Grundlagen des dritten Kapitels nochmal zusammen, bevor seine daraus abgeleiteten Forschungsfragen und Hypothesen für die empirische Untersuchung anbringt. 

Die Forschungsfragen und Hypothesen aus dem dritten Kapitel leiten das vierte Kapitel ein, indem die Empirie und Methodik des Forschungsprojektes beschrieben wird. Zunächst geht der Autor auf seinen Forschungskontext, bzw. sein Forschungsdesign und den Ablauf der Studie ein, während er in den drei darauffolgenden Teilkapiteln die Stichprobe, die Datenerhebung sowie die dafür eingesetzten Verfahren der Untersuchung darstellt. Im weiteren Verlauf beschreibt er das Interventionskonzept der Studie und die systemische Beratung und Therapie im Zusammenhang mit der bindungstheoretischen Perspektive. Das Kapitel schließt mit der Erläuterung der statistischen Datenauswertung.

Anknüpfend daran stellt Mathias Berg im fünften Kapitel die Ergebnisse seiner Untersuchung vor. Der Autor orientiert sich dabei an der Reihenfolge der Forschungsfragen. In den ersten beiden Teilkapiteln geht er auf die verlaufsabhängigen Prozessdaten sowie die Intelligenzmaße der Kinder ein. Während er in den folgenden vier Abschnitten die Ergebnisse aus den eingesetzten Erhebungsverfahren zum Bindungsverhalten, zu den Verhaltensauffälligkeiten und Kompetenzen der Kinder sowie zum Erziehungsverhalten und zur Beratungsevaluation darstellt. Abschließenden fasst er die wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung nochmal in ihren wesentlichsten Punkten zusammen.

Im sechsten und letzten Kapitel des Buches diskutiert der Autor die empirischen Befunde und zeigt die Grenzen seiner Studie auf. Die Struktur und Diskussion der Studie folgt dabei ebenso wie die Ergebnisdarstellung der Reihenfolge der formulierten Forschungsfragen. Er stellt die Ergebnisse in einen Vorher-Nachher-Vergleich und schließt mit der Limitation und dem Verwertungszusammenhang im Hinblick auf das Forschungsdesign, die Stichprobe, die Methodik der Erhebung sowie die Durchführungsmodalitäten ab. Das Kapitel endet mit einer Schlussfolgerung und Implikation für die Beratungspraxis.

Diskussion und Fazit

Mathias Berg beschreibt besonders detailliert die Arbeit und den Aufbau von Erziehungs- und Familienberatungsstellen sowie den Zusammenhang zwischen Bindungsverhalten und Verhaltensauffälligkeiten bzw. Erziehungsverhalten. Im Vergleich dazu erwähnt er, anders als der Titel des Buches vermuten lässt, die Interventionsform der systemischen Beratung und Therapie mit ihren Wirkfaktoren lediglich am Rande.

Dennoch stellt das Buch im Rahmen des Forschungsprojektes sehr aufschlussreich die Wirksamkeit der systemischen Beratung und Therapie im Hinblick auf das Bindungsverhalten verhaltensauffälliger Kinder dar und leistet für diesen noch relativ unerforschten Untersuchungsbereich einen wichtigen Beitrag, auf dessen Grundlage weitere Zusammenhänge und Hypothesen entwickelt werden können.

In diesem Sinne kann das Buch als bereichernd für alle therapeutischen und studentischen Fachkräfte dienen, die sich mit der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen in der systemischen Beratung und Therapie befassen.


Rezension von
Britta Gauding
Bachelor of Science Psychologie, staatlich geprüfte Ergotherapeutin
E-Mail Mailformular


Alle 4 Rezensionen von Britta Gauding anzeigen.


Zitiervorschlag
Britta Gauding. Rezension vom 27.02.2020 zu: Mathias Berg: Die Wirksamkeit systemischer Beratung. Erhöht Erziehungs- und Familienberatung die Bindungssicherheit von verhaltensauffälligen Kindern? V&R unipress (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-8471-0983-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26111.php, Datum des Zugriffs 07.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung