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Helmwart Hierdeis (Hrsg.): Fleiß und Faulheit

Cover Helmwart Hierdeis (Hrsg.): Fleiß und Faulheit. Interdisziplinäre Beobachtungen, Erfahrungen und Reflexionen. Asanger Verlag (Kröning) 2019. 168 Seiten. ISBN 978-3-89334-636-3. D: 19,00 EUR, A: 19,60 EUR.

Reihe: Interkulturelle Handlungskompetenz.
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Herausgeber

Mit diesem Jahr hat der Pädagoge und Psychoanalytiker Helmwart Hierdeis den Soziologen Dieter Korcak als Herausgeber der Publikationsreihe der Interdisziplinären Studiengesellschaft abgelöst. Er ist profilierter Autor und Herausgeber interdisziplinär angelegter Aufsatzsammlungen, die von der Psychoanalyse aus Verknüpfungsmöglichkeiten mit anderen Humanwissenschaften (Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Germanistik, Medizin usw.) ausloten.

Entstehungshintergrund

Der Band über „Fleiß und Faulheit“ präsentiert die Inhalte von Vorträgen, die auf der diesem Thema gewidmeten Tagung der Interdisziplinären Studiengesellschaft 2018 in Würzburg gehalten wurden. Er steht in der Diskussionstradition der ISG, die sich der gesellschaftlich-politischen Reflexion verpflichtet sieht. Das machen auch die seit 1977 erschienenen Tagungsbände deutlich, in denen es zum Beispiel um Manipulation, Nanotechnologien oder Medienmacht ebenso geht wie um Toleranz, Schamlosigkeit oder Erfahrungen von Fremdheit. Und die Inhaltsverzeichnisse zeugen von einer faszinierenden Verbindung von wissenschaftlich-akademischen Sichtweisen mit lebenspraktischen und subjektorientierten Perspektiven.

Aufbau und Inhalt

Der vorliegende Sammelband präsentiert nach dem Vorwort des Herausgebers acht Aufsätze, deren Vielfalt der Schwerpunktsetzungen keine weitere Gliederung nahelegt, weshalb der folgende Inhaltsüberblick der Reihenfolge der Texte entspricht. 

Zunächst beleuchtet Hierdeis in seinen einleitenden Bemerkungen die Wertungen, die sich mit dem Begriffspaar Fleiß und Faulheit verknüpfen, und zeichnet in Kürze nach, welche Bedeutungsverschiebungen sich historisch zeigen. Einstimmend auf die folgenden Beiträge kennzeichnet er den Impuls, dem sie folgen: Es gehe darum, die „unwissenschaftlichen Begriffe“ als „heuristische Köder“ zu nutzen, „um zu sehen, welche Hypothesen sie anlocken“ (S. 9). Hierdeis regt mit dieser Formulierung dazu an, die Aufsätze „locker“ zu lesen, fast assoziativ, von keinem Beitrag eine umfassende Argumentation zu erwarten, sondern – fast möchte man von der Thematik verführt sagen – mußevoll zu lesen.

So eingestellt, konfrontiert der Beitrag von Michael Rasche den Leser mit einem Überblick über die Ideengeschichte, die sich mit dem Begriffspaar Fleiß und Faulheit verknüpft. Er arbeitet heraus, wie die Wertschätzung von Muße in der Antike verbunden war mit dem Verständnis von Muße als einer dem Menschen eigenen geistigen Tätigkeit. Diese zielte zunächst allgemein auf Selbsterkenntnis. Im Christentum verengte sich die Perspektive auf eine Erkenntnis des Verhältnisses des Menschen zu Gott. In der Moderne treten Tätigkeit und Arbeit immer mehr in den Mittelpunkt der Identitätsvergewisserung des Menschen. Es entsteht eine „Arbeitssucht“, die geistige Verödung zur Folge hat, wie Rasche mit Bezug auf Hannah Arendt erläutert. Im Zeichen der technischen und digitalen Verdrängung von Arbeit werde jedoch, so prognostiziert der Autor, Muße im Sinne von „existenziellem Denken“ (S. 22), von Kreativität und Kunst möglich. Diese Tätigkeiten könnten durch die sogenannte künstliche Intelligenz nicht ersetzt werden, weil sie weder moralische Urteilskraft besitze noch Bedeutungen erschließen könne.

Im Zusammenhang mit seinem Blick auf die Antike erwähnt Rasche, dass sich das griechische Wort für Muße, nämlich „schole“, im modernen Begriff Schule wiederfinde. An diesen Begriffszusammenhang lässt sich die folgende „literarisch-historische Promenade“ anschließen, zu der Irmgard und Helmwart Hierdeis unter dem Titel „Über Schulzeiten“ aufbrechen. Entlang von literarischen Zitaten (Th. Mann, H. Hesse, S. Zweig, H. Canossa, B. Brecht und P. Weiss) veranschaulichen sie, wie Schule als Verschwendung von Zeit erlebt wird. Die Zeit werde in der Schule einer Taktung unterworfen, die vom klösterlichen Leben übernommen worden sei. Sie entspreche bis heute nicht dem Lebensgefühl der Schüler und sei letztlich ein wesentliches Moment von Disziplinierung. Diese habe zunächst der Einpassung in kirchliche, später in staatliche Herrschaftslogiken gedient, seit der Aufklärung gehe es zunehmend um Wissensakkumulation entsprechend der Prinzipien Verwertbarkeit und Nützlichkeit. Im künstlichen Milieu der Schule dominiere trotz reformpädagogischer Bemühungen nach wie vor Entfremdung und Langeweile. Im Anschluss an v. Hentig sehen die Autorin/der Autor Veränderungsperspektiven nicht in reformpädagogischen Detailänderungen, sondern in einer radikalen „Entschulung der Schule“.

Zu einem ähnlichen Schluss gelangt Marianne Soff, wenn sie, bezugnehmend auf gestalttherapeutische Annahmen, der Frage „Kindheit ohne Muße?“ nachgeht. Das Erziehungs- bzw. Bildungsziel „selbstständiges, freies Denken, Sachlichkeit im Umgang mit Problemen und Gemeinschaftsfähigkeit“ (S. 60) müsse „auf eine für die Beteiligten unmittelbar und persönlich erfahrbare Weise gefördert“ (S. 60) werden. Mit Heymann und Siewert (2015) sieht sie hierzu Muße als notwendige Voraussetzung und erläutert im Anschluss an Überlegungen von M. Metzger und K. Lewin: Die „Anziehungskraft eines Ziels“, eine „Beweglichkeit im Umgang mit einer Aufgabe“ sowie ein hoher „Grad an Freiheit von inneren und äußeren Hindernissen (…), mechanischen Bahnen und festen Vorgaben im Bewegungsraum“ seien Grundlagen eines förderlichen Lernens, das in der aktuellen Schul- und Unterrichtspraxis häufig blockiert werde. Darüber hinaus behinderten andere „mächtig gewordene Rahmenbedingungen des Aufwachsens, der allgegenwärtigen Medienverfügbarkeit, Mediennutzung und ihren Auswirkungen“ (S. 58), mußevolles Lernen. In der Schule, so Soff im Hinblick auf eine förderliche Schulkultur, sei die Fähigkeit der Lehr- und Betreuungspersonen ausschlaggebend, „sich im Rahmen ihres eigenen Lebens, ihrer eigenen gesellschaftlichen, beruflichen und familiären Verpflichtungen und Bindungen, bewusst gestaltete Zeit für das Erleben von und mit Kindern zu nehmen“ (S. 60), wozu eine „hinreichende Selbstfürsorge (…), die im hektischen Schulsystem oft unterzugehen droht“ (S. 60), notwendig sei.

Antje-Britta Mörstedt thematisiert die neuen Herausforderungen für Unternehmungen, die ihnen aus Haltungen der „Generation Z“ – gemeint ist die Generation der Geburtsjahrgänge nach 1995 - bezüglich der Einführung von jungen Mitarbeitern in das Berufsleben erwachsen. Sie geht nicht explizit auf die Begriffe Fleiß und Faulheit ein, dennoch lassen sich ihre Ausführungen in zweierlei Hinsicht damit verknüpfen: Wenn sie die Veränderungen der Sozialisationsbedingungen seit 1950 sowie die entsprechenden Auswirkungen beschreibt, so wird einerseits deutlich, wie es vor allem durch die Mediennutzung in den letzten etwa vierzig Jahren zunehmend zu dem Verlust von Muße kommt. Von dem Prinzip „Leben um zu arbeiten“, das für die „Baby-Boomer“, die in den fünfziger und sechziger Jahren geboren sind, gilt, unterscheidet sich die Haltung der Generation X, die durch die Maxime „Arbeiten, um zu leben“ geprägt ist. Für die folgenden Generationen Y und Z ist es kennzeichnend, dass die Priorität noch deutlicher auf dem Pol „Leben“ liegt: Der Beruf – so Mörstedts Fazit im Hinblick auf die Generation Z – muss zum Leben passen, nicht umgekehrt.

Den Fleiß von Obdachlosen thematisiert Kai Hauprich. Er widerlegt gängige Klischeevorstellungen, entsprechend denen das mangelnde Engagement der Betroffenen umstandslos für ihr Leben auf der Straße verantwortlich gemacht wird. Konkret zeigt er auf, welchen Fleiß es erfordert, Straßenzeitungen zu verkaufen, Straßenjobs wie z.B. Pfandflaschensammeln auszuüben oder sich im öffentlichen Raum einen privaten Ort im Sinne einer Intimsphäre zu organisieren. Selbst das Betteln, so wird anschaulich gemacht, „ist ein Handwerk, das gelernt sein will!“ (S. 94). Facettenreich stellt Hauprich dar, welch aufwändiger (Überlebens-) Kampf notwendig ist, um sich gegen eine drohende Identitätsauflösung inmitten einer „Welt der -losigkeiten“ zu wehren: „Namenslosigkeit, Machtlosigkeit, (…) Wohnungslosigkeit, Mittellosigkeit, Perspektivlosigkeit, Nutzlosigkeit und viele weitere“ (S. 97). Mit Foucault begreift Hauprich den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen, die auf der Straße leben, als eine besondere Form der sozialen Exklusion, die selbst da noch wirksam ist, wo es um Hilfsangebote geht. Die traditionelle Wohnungslosenhilfe sei in mancherlei Hinsicht eine „Verhinderungsverwaltung“, z.B. indem sie durch komplexe Antragsstellungen viele Obdachlosen überfordere oder durch problematische Regeln in Hilfeeinrichtungen – z.B. das Verbot von Hunden – die Nutzung erschweren bzw. von vornherein unmöglich machen. In Deutschland müssten Obdachlose zunächst in Notunterkünften und betreuten Wohngruppen zeigen, dass sie „wohnfähig“ sind, bevor die Vermittlung einer Wohnung erfolgt. Den damit verbunden Stress bewältigen nur wenige. Als positives Kontrastbeispiel nennt Hauprich solche Einrichtungen, die „an den Ressourcen und dem Wissen von Obdachlosen“ (S. 104) anknüpfen, sie nicht als Bittsteller ansprechen, sondern als „Experten der eigenen Lebenswelt“ (S. 104). Und er verweist auf Amerika und Finnland, wo Hilfe mit der Gewährleistung von gesichertem Wohnraum beginnt und sozialarbeiterische Angebote nachgelagert sind.

Tina Denninger widmet sich den sogenannten Ruheständlern und präsentiert Ergebnisse sowohl einer Diskursanalyse im Zeitraum 1983 - 2009 als auch einer aktuellen qualitativen Interviewstudie. Sie skizziert die Veränderungen der „Dispositive des Alter(n)s“ vom „wohlverdienten Ruhestand“ zum propagierten „Unruhestand“ bzw. zur Forderung nach einem Tätigsein, legitimiert zunächst mit Hinweis auf Gesundheit und Wohlbefinden, dann aber verknüpft mit moralisch geforderter Nützlichkeit: „Die Schuldverhältnisse werden (…) umgekehrt: War es vorher die Gesellschaft, die den Menschen im Alter zu Dank und materieller Sicherheit verpflichtet war, stehen nun die älteren Menschen in der Schuld, ihre Kompetenzen für die Allgemeinheit einzusetzen, der Gesellschaft etwas von dem zurück zu geben, was sie im Laufe ihres langen Lebens von ihr erhalten haben“ (S. 114). Die qualitativen Interviews bilden diesen Wandel ab: „Aktiv zu sein wird von den Interviewten als conditio humana begriffen“ (S. 121), Passivität und Faulheit dagegen werden als Identitätsgefährdung gefürchtet. Deutlich wird, wie eine „Verlängerung der (Lohn-) Arbeitsethik bis in den Ruhestand hinein“ (S. 123) dominiert. Entsprechend wird in den Interviews häufig Geschäftigkeit und unkonkrete Zeitknappheit hervorgehoben. Mit lediglich zwei Ausnahmen distanzieren sich alle Probanden radikal von Faulheit und sehen ein legitimes Gegenteil nicht in beliebigen Beschäftigungen, sondern in Tätigkeiten mit hohem Anspruch. Denninger zitiert Rammstedts Hinweis auf die Repressivität einer ständigen Selbstüberwachung im Hinblick auf Faulheit, und sie kommt zu dem Schluss: „Auch im Ruhestand ist das Faulsein keineswegs legitim, während (…) Muße eine friedliche Koexistenz mit der Aktivität und dem Fleiß“ (S. 127) eingehen könne.

Till Bastian plädiert für eine „Kultur der Pause“ und problematisiert das moderne Arbeitsethos, wie es sich seit dem Beginn der Neuzeit entwickelte. Er fokussiert insbesondere den Umgang mit Zeit und veranschaulicht unter Berücksichtigung von Zitaten einer ganzen Reihe literarischer und philosophischer Autoren die Tendenz, auch die von beruflicher Arbeit freie Zeit möglichst erlebnisintensiv zu gestalten. Gelinge es nicht, diesen Anspruch einzulösen, führe das zur Depression. Gegenüber den Normen der modernen „technischen Gesellschaft“ mit „ihrem Lebenselixier der Freisetzung und Entgrenzung“ (S. 134) plädiert Bastian für die Wertschätzung von Gegenwart und für das aktive Setzen von Pausen: „Durch die bewusst als Kontrapunkt in den mehr oder weniger hektischen Alltags-Ablauf gesetzte Pause werden wir wieder zum Souverän, der nach eigenem Gutdünken über seine Zeit verfügt“ (S. 136).

„Das Unbewusste kennt keine Muße“ lautet die These, die Helmwart Hierdeis stützt, indem er das Phänomen des Traumes erläutert. Er verknüpft eine konkrete Traumdeutung sowohl mit einer Darstellung der Freudschen Auffassung vom Traum als auch mit Ergebnissen neurophysiologischer bzw. empirischer Traumforschung. Traumarbeit wird transparent gemacht als ein komplexer und dynamischer Zusammenhang von Abwehr und Symbolisierung und Traumdeutung als diffiziler Entschlüsselungsprozess. Hierdeis betont, welch große Bedeutung der Traum im Hinblick auf die seelische und körperliche Gesundheit besitzt: „Seine quasi-therapeutische Leistung besteht darin, dass er Gefühle reguliert, Stress löst und entlastende Assoziationen produziert. Er ist an der Informationsverarbeitung und Wissenssicherung beteiligt und trägt zur psychischen Balance bei“ (S. 157). Und Hierdeis plädiert dafür, „genau hinzusehen, was uns im Traum gegeben wird“, und der „ruhelosen Dynamik“ (S. 157) des Unbewussten nachzuspüren.

Diskussion

Die von Hierdeis herausgebene Aufsatzsammlung über „Fleiß und Faulheit“ beeindruckt durch ihren Facettenreichtum und die Anregung, je nach eigener Perspektive einzelne Aufsätze besonders zu fokussieren: Eindrucksvoll beispielsweise, wie Hauprich in einer ideologiekritischen Weise gängige Klischeevorstellungen mit Untersuchungen zum Thema sowie mit der konkreten Darstellung der Lebenspraxis von Obdachlosen konfrontiert. Oder wie Hierdeis in seinem Aufsatz in erstaunlicher Kürze nicht nur einen profunden Überblick über die Traumforschung gibt, sondern zugleich am konkreten Beispiel anschaulich macht, was in theoretischer Abstraktheit blass bliebe.

Darüber hinaus werden bestimmte thematische Schwerpunkte sichtbar, die in verschiedenen Aufsätzen aufgegriffen werden und so eine Vertiefung erfahren: Da ist zum Beispiel der Zusammenhang zwischen der sozioökonomischen und der mit ihr verknüpften ideengeschichtlichen Entwicklung, der besonders bei Rasche, Mörstedt, Denninger und Bastian entfaltet wird. Oder die Problematik der Zeit, die bei I. und H. Hierdeis, Soff, Denninger und Bastian ausdifferenziert wird. Oder der Zusammenhang zwischen Muße und Bildung im Hinblick auf schulische Lernarrangements, der bei I. und H. Hierdeis und Soff in den Vordergrund tritt.

Der Lesbarkeit und der Anschaulichkeit zuträglich sind die mannigfaltigen Verknüpfungen der Argumentationen mit literarischen und philosophischen Kommentierungen sowie mit Auszügen aus Fallschilderungen und Zitaten aus Interviews und Gesprächen.

Gegenüber diesen Qualitäten fallen kritische Einwände kaum ins Gewicht, sie sollen aber nicht verschwiegen werden: Nicht immer ist der Bezug zur Thematik des Bandes ausreichend expliziert (Mörstedt, Hierdeis). Die kritischen Impulse im Hinblick auf den aktuellen Umgang mit Zeit und Muße werden nicht immer überzeugend mit Perspektiven verknüpft: Soffs Schulkritik mündet in Hinweise zu Verbesserungsmöglichkeiten, die weder der von I. und H. Hierdeis formulierten Notwendigkeit einer „Entschulung von Schule“ gerecht werden, noch beachtet sie, welche sozioökonomischen Hintergründe und welches Machtgefüge das Beharrungsvermögen der existierenden muße- und bildungsfeindlichen Strukturen bewirken. Denningers Interviewauswertung ist durch eine problematische Oberflächlichkeit gekennzeichnet, die durch die Grenzen ihres methodischen Zugangs verursacht scheint: Die Aussagen der Interviewten werden diskursanalytisch lediglich paraphrasiert und quantitativ erfasst, Irritationen jedoch werden weder wahrgenommen noch interpretiert. So fällt auf, dass Probleme wie Alter, körperlicher Abbau, Sterben und Todesängste von den Interviewten (soweit zitiert) nicht angesprochen werden, an sich relevante Aspekte der Ruhestandsproblematik, deren Bedeutung bereits in der Wortassoziation „Ruhestand“ mit „letzter Ruhe“ aufschimmert. Und Bastians überzeugendes Plädoyer für die Pause als Reflexionsraum verblasst, wenn er als Beispiele für konkrete Möglichkeiten, Pausen zu füllen, „Entspannungsübungen wie Autogenes Training, Progressive Relaxation“ nennt und sich damit in die Nähe von Selbstmanagment-Ratgebern begibt.

Fazit

Ein faszinierendes Buch, das eine konkrete alltagspraktische Problematik fundiert, facettenreich und gut leserlich behandelt. Es präsentiert in übersichtlicher Form historische, soziokulturelle, politische und psychologische Analysen. Die Aufsätze verraten in positiver Form ihre Abkunft von Vortragsmanuskripten, sind gut redigiert und angenehm zu lesen. So ist die Lektüre intellektuell ansprechend bzw. inspirierend und regt darüber hinaus dazu an, subjektiv und selbstreflexiv auf die eigene Erfahrung und Lebenspraxis im Zusammenhang mit Fleiß und Faulheit zu blicken.


Rezensent
Dr., Dr. Achim Würker
Promotionen in Sozialwissenschaft und in Pädagogik, Mitglied der Kommission psychoanalytische Pädagogik der DGfE und des Frankfurter Arbeitskreises für Tiefenhermeneutik und Sozialisationstheorie
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Zitiervorschlag
Achim Würker. Rezension vom 19.11.2019 zu: Helmwart Hierdeis (Hrsg.): Fleiß und Faulheit. Interdisziplinäre Beobachtungen, Erfahrungen und Reflexionen. Asanger Verlag (Kröning) 2019. ISBN 978-3-89334-636-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26114.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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ISSN 2190-9245

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