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Antje Bostelmann: Das Spiel der Kleinkinder

Cover Antje Bostelmann: Das Spiel der Kleinkinder. Frühes Lernen verstehen, begleiten und fördern. Bananenblau UG (Berlin) 2019. 1 . Auflage. 123 Seiten. ISBN 978-3-942334-65-5. D: 17,80 EUR, A: 18,30 EUR.

Reihe: Klax Pädagogik.
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Thema

Das Fachbuch „Das Spiel der Kleinkinder“ trägt den Untertitel „Frühes Lernen verstehen, begleiten und fördern“ und wird inklusive einer DVD mit einem Film zum Thema und einem Poster mit zusammengefassten Beobachtungshilfen ausgeliefert.

Autorin

Frau Antje Bostelmann ist Begründerin der Klax Pädagogik, Autorin, bildende Künstlerin und Erzieherin. Sie hat entscheidend dazu beigetragen, selbstorganisiertes Lernen und Portfolioarbeit in Deutschland zu etablieren. Frau Bostelmann entwickelt neben der Veröffentlichung der zahlreichen Fachbücher Lern- und Spielmaterialien für die Arbeit in Krippen und Kindergärten.

Aufbau und Inhalt

Das Fachbuch im DIN A4 Format umfasst 124 Seiten. Vielfältige Farbfotos unterstützen die Texte. Dem Buch liegt eine DVD (Laufzeit 48 Minuten) mit dem Film „Das Spiel der Kleinkinder“ bei. Ein Plakat gibt übersichtlich Beobachtungshilfen zu elementaren Spielhandlungen.

Das Fachbuch ist in zwei Abschnitte gegliedert:

  1. Die Entwicklung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren –Ein Überblick
  2. Die Entwicklung des Spiels im Krippenalter

Unterkapitel strukturieren den Buchaufbau zusätzlich und geben eine Übersicht über Spielformen, alterstypische Entwicklungsschritte und praxisorientierte Angebote.

Im Vorwort ermuntert Antje Bostelmann, die Welt mit den Augen der Krippenkinder zu betrachten. Dazu ist detailliertes Wissen über die Entwicklung der Kleinkinder erforderlich. Geduldige Beobachtung und Einfühlungsvermögen helfen dabei, die Herausforderungen anzunehmen und den Kindern zuzutrauen immer mehr Tätigkeiten selbst zu tun. Das vorliegende Buch befasst sich schwerpunktmäßig mit dem kindlichen Spiel der Kleinkinder.

Die Entwicklung des Kindes in den ersten drei Lebensjahren – Ein Überblick

Das erste Lebensjahr ist geprägt vom Entdecken und Erkunden der Welt. Babys lernen, zwischen verschieden Menschen zu unterscheiden. Sie probieren aus, wie weit sie sich von ihnen räumlich entfernen können. Diese Erfahrungen helfen beim Herausbilden des Urvertrauens und einer elementaren Identität. Ratschläge für das erste Lebensjahr geben Tipps, worauf Eltern und Erzieher einen besonderen Fokus richten sollten.

  • Kuckuckspiel
  • Spiegelneuronentraining
  • Eigene Handlungen erleben lassen
  • Reden, Reden, Reden

Im zweiten Lebensjahr steht bei den Kindern Nachahmung und symbolisches Handeln im Vordergrund. In diesem Alter kommt es häufig zu Wutausbrüchen, da die Diskrepanz vom Wunsch alles alleine zu tun und den tatsächlichen Fähigkeiten frustrierend erlebt wird. Kurz vor dem zweiten Geburtstag gelingt es den Kindern für gewöhnlich, zwischen „ich“ und „du“ zu unterscheiden. Die Differenzierung zwischen dem sozialen Umfeld und der eigenen Person ist ein bedeutsamer Entwicklungsschritt. Die Ratschläge für das zweite Lebensjahr beziehen sich auf die Themen:

  • Alltagsmaterial
  • Ausräumen und Ordnen
  • Kleinen Beißern helfen
  • Nicht überfordern
  • Ordnung und Rituale schaffen

Das dritte Lebensjahr startet mit der „Sprachexplosion“. Es werden täglich neue Worte gelernt und aus den Zweiwortsätzen entwickeln sich Dreiwortsätze. Kinder haben nun die Möglichkeit sich sprachlich mit ihrem Umfeld auseinanderzusetzen und mit „Warum-Fragen“ die Welt besser kennenzulernen. Die beginnende Autonomiephase löst Trotzanfälle aus. Diese anstrengende Phase ist für die kindliche Entwicklung bedeutsam. Gegen Ende des dritten Lebensjahres entdeckt das Kind seine individuelle Persönlichkeit. Unterschiede zu anderen werden bewusst wahrgenommen. Tipps für das dritte Lebensjahr geben Hinweise für die Alltagsgestaltung.

  • Geduldig antworten
  • Richtig und viel sprechen
  • Rollenspiel trainieren
  • Helfen lassen

Die Entwicklung des Spiels im Krippenalter

Dieses Kapitel stellt die Spielformen vor und zeigt auf welches Material und welche Unterstützung Kinder hier benötigen. Frau Bostelmann erläutert die für das Krippenalter typischen Spielarten:

Das Funktionsspiel

Mit Hilfe des Funktionsspiels gelingt es den Kindern, die Funktionen der Umwelt zu erforschen. Säuglinge erforschen mit ihrem Körper die Welt. Hieraus entwickelt sich schrittweise das gegenstandsbezogene Funktionsspiel. Dinge werden hin und her bewegt, geworfen, aneinandergeschlagen, versteckt oder herumgetragen. Es werden Materialien wie der gehäkelte Babyball, die Kramkiste und Alltagsgegenstände vorgestellt. Die Aufgabe des Erwachsens ist es, das Umfeld so zu gestalten, dass Babys und Kleinkinder die Welt erkunden können. Hierbei ist es bedeutsam, dass Kinder beobachten können wie ihre Bezugspersonen mit Dingen umgehen.

Das heuristische Spiel

Das entdeckende Lernen hilft bei der Erkundung und dem Verstehen der Welt. Der Tastsinn, der Geruchssinn, der Gehörsinn und der Sehsinn werden durch unterschiedliche bewusst zusammengestellte Materialien angeregt. Frau Bostelmann spricht hier vom „Schatzkorb“ der individuell mit Gegenständen wie zum Beispiel Schwämmen, Schachteln, Dosen, Papprollen, Bürsten und vielen anderen Dingen bestückt werden kann. Auch der Raum wird so vorbereitet, dass er zum Entdecken einlädt.

Als-ob Spiel

In der Regel beginnen Kinder zwischen dem 12. und dem 18. Lebensmonat damit Dinge „als ob“ zu benutzen. Ein Baustein kann zum Beispiel zum Löffel werden, mit dem die Puppe gefüttert wird. Durch Nachahmen und Wiederholen von Tätigkeiten entdecken Kinder den Sinn, der hinter diesen Handlungen steht.

Symbolisches Spiel

Das Als-Ob-Spiel geht über in das Symbolspiel über. Kinder geben Dingen fantasievolle Bedeutungen, die häufig über die Realität hinausgehen. Aus einem kleinen Holzstöckchen kann zum Beispiel eine Person werden, die im Sandkasten Abenteuer erlebt. Die Spielhandlungen der Kinder orientieren sich am kulturellen Umfeld. Das symbolische Spiel unterstützt die soziale Entwicklung, die künstlerisch/ästhetische Entwicklung, die musikalische Entwicklung, die Sprachentwicklung und die motorische Entwicklung. Benötigt wird strukturiertes (Puppen, Autos) und unstrukturiertes (Naturmaterialien, Haushaltsgegenstände) Material. Die Erzieherin plant die Spielsituation vor und stellt das benötigte Material zur Verfügung. Sie lädt die Kinder durch eigene Handlungen zum Nachmachen und mitspielen ein. Das Spiel mit der Sandwanne bietet hier viele unterschiedliche Möglichkeiten. Frau Bostelmann stellt in ihrem Fachbuch die Möglichkeit des Spielens mit narrativen Hilfsmitteln vor. Den Kindern werden mit Hilfe verschiedener Gegenstände und Methoden (z.B. Geschichtensäckchen, Geschichtenboxen, einer Erzählwand, Bilderbüchern) Geschichten erzählt.

Das frühe Rollenspiel

Im dritten Lebensjahr beginnen die Kinder Rollen einzunehmen und in der Puppenecke oder auf dem Bauteppich zu spielen. Sie fühlen sich in die Handlungen einer Mutter oder eines Bauarbeiters ein und erweitern das Als-ob-Spiel. Das frühe Rollenspiel unterscheidet sich jedoch noch wesentlich vom späteren Rollenspiel. Die Krippenkinder benötigen einen gut strukturierten Raum und liebevolle Begleitung bei ihrem Tun. Es gelingt ihnen noch nicht, Regeln für das Spiel aufzustellen und Rollen an die anderen Kinder zu verteilen.

Antje Bostelmann stellt in ihrem Werk zum Abschluss Beispiele für das Spiel im ersten, zweiten und dritten Lebensjahr vor. Sie beschreibt Situationen und zeigt mit Bildern welche Möglichkeiten sich mit welchen Angeboten ergeben. Bei jeder Altersgruppe werden drei Aspekte beschrieben: Material, Raumgestaltung und Begleitung durch die Erzieherin. Das Buch schließt mit Hinweisen zur Sicherheit und Literaturempfehlungen.

Die DVD mit einer Laufzeit von 48 Minuten zeigt einen Film, den man sich im ganzen oder in Abschnitten ansehen kann. Die Kapitel der DVD: Das Funktionsspiel, elementare Spielhandlungen, Transport, Objektpermanenz, Transformation, Perspektivenwechsel, Falllinie, Balance, Sortieren, Rotation, Lernförderung in der Krippe, Schatzkorb, das heuristische Spiel, Aktionswannen, das symbolische Spiel, das Spiel an der Sandwanne, Geschichtensäckchen, narrative Boxen und Wände, Räume, Material und Pädagogen, zeigen wie vielfältig der Film gestaltet ist. Das Bonusmaterial zeigt zusätzlich verschiedene Spielsituationen, die sich zum Beobachten eignen und beispielhaft aufzeigen wie spielerische Betätigungen gegliedert und begleitet werden können.

Diskussion

Das vorliegende Buch ist ein praxisnahes Fachbuch zum Thema Spiel im Krippenalter. Frau Bostelmann informiert durch aussagekräftige Bilder. Die kurzen und verständlichen Texte erläutern und erklären. Die Fotoaufnahmen sind gezielt ausgewählt und nicht gestellt. Kinder und Erwachsene werden so abgebildet, als würde man sie aus einer Ecke oder durch eine Scheibe beobachten. Jedes Bild enthält eine wertvolle Botschaft und zeigt, wie konzentriert sich die Kinder mit der Umwelt auseinandersetzen. Das Spiel eine wahrhaftig ernst zu nehmende Tätigkeit ist, wird hier sehr deutlich. Der theoretische Teil des Buches ist verpackt in Praxisbeispiele. Es fällt leicht, Zusammenhänge zu erfassen und nachzuvollziehen wie kindliche Entwicklung verläuft. Hierbei ist der Teil zur allgemeinen Entwicklung der 0 bis 3 jährigen Kinder knapp gehalten. Dies ist beabsichtigt, da der Schwerpunkt des Buches auf dem Spiel liegt. Es ist wertvoll und hilfreich, dass es diesen Abschnitt gibt. Frau Bostelmann macht deutlich, wie wichtig es für das Beobachten und Verstehen des Spiels ist, Kenntnisse über die grundsätzlichen Entwicklungsverläufe zu haben. Die jeweiligen Ratschläge geben einen Einblick in die besondere Arbeitsweise von Frau Bostelmann. Die Autorin weist kontinuierlich auf Begebenheiten wie Beobachten und Begleiten, Materialauswahl und Materialzusammenstellung, Raumgestaltung und Situationsgestaltung hin. Bei allen Ideen wird an die Sicherheit der Kinder gedacht. Es ist faszinierend, wie ein Lernumfeld mit Spielmaterialien gestaltet werden kann. Ein Körbchen gefüllt mit allerlei Alltagsgegenständen erinnert nicht an übliches Kinderspielzeug. Kinder werden ernst genommen und ihr natürliches Interesse am Umfeld der Erwachsenen wird aufgegriffen. Deutlich wird bei jedem Spielangebot, das die Erzieherin/der Erzieher eine bedeutungsvolle Rolle haben. Nicht nur zurückhaltend beobachten, sondern konkret mitspielen, vormachen und unterstützen sind Aufgaben von Krippenpädagogen. Miteinander etwas tun, damit Krippenkinder beobachten und nachahmen können, ist von elementarer Bedeutung. Die Pädagogen werden durch dieses Fachbuch mit hineingenommen in eine spannende Welt der neuartigen Spielmaterialien. Deutlich wird, dass Krippenkinder keine kleinen Kindergartenkinder sind, sondern altersgemäße Entwicklungsschritte durchlaufen und andere Unterstützung benötigen. Durch die beiliegende DVD wird das gesamte Werk zu einen Lern- und Lehrinstrument, das ergänzt durch den Beobachtungsbogen in keiner Krippe fehlen sollte. Das Buch und die DVD eignen sich sehr gut, um Eltern Tipps für zu Hause zu geben und ihnen die Krippenarbeit zu verdeutlichen.

Das Fachbuch ist ein informatives Werk, mit Bildern und Erklärungen, die eindrücklich zeigen wie Kinder spielen und lernen.

Fazit

Das Fachbuch „Das Spiel der Kleinkinder“ zeigt, wie Kinder in der Krippe begleitet werden und hilft frühes Lernen zu verstehen. Zahlreiche Bilder und eine beiliegende DVD unterstützen die informativen und lehrreichen Texte. Frau Antje Bostelmann erklärt, wie kindliche Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren verläuft und welche Aspekte und Entwicklungsschritte für die Spielentwicklung prägend sind. Es gibt Tipps zur Raumgestaltung und zum Materialangebot in Krippen. Kinder beim Spielen zu beobachten, zu begleiten, anzuleiten und zu unterstützen ist ein Anliegen von Frau Bostelmann. Sie macht mit ihrem Buch Mut und weckt Interesse Neues auszuprobieren.


Rezensentin
Ulrike Ziemer
Dipl. Heilpädagogin (FH)
Homepage ziemer-celle.de/rikeswunderkiste
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Zitiervorschlag
Ulrike Ziemer. Rezension vom 16.10.2019 zu: Antje Bostelmann: Das Spiel der Kleinkinder. Frühes Lernen verstehen, begleiten und fördern. Bananenblau UG (Berlin) 2019. 1 . Auflage. ISBN 978-3-942334-65-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26120.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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