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Petra Mund: Grundkurs Organisation(en) in der Sozialen Arbeit

Cover Petra Mund: Grundkurs Organisation(en) in der Sozialen Arbeit. UTB (Stuttgart) 2019. 202 Seiten. ISBN 978-3-8252-5256-4. 19,99 EUR, CH: 26,90 sFr.

Reihe: Soziale Arbeit studieren.
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Thema

Studierende der Sozialen Arbeit bekommen mit diesem „Grundkurs“ einen kompakten Band zum Selbststudium in die Hand, in dem die Systematik von Organisation allgemein aufgezeigt und die verschiedenen Organisationsformen nacheinander vorgestellt werden, die Soziale Arbeit in unserer Gesellschaft ermöglichen und leisten.

Autorin

Prof. Dr. Petra Mund lehrt Sozialarbeitswissenschaft und Sozialmanagement an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen, Berlin.

Entstehungshintergrund

Die Autorin möchte mit ihrem Buch Neugierde und Begeisterung für das Thema Organisation und Organisationen in der Sozialen Arbeit wecken. Sie hat in Diskussionen mit Studierenden festgestellt, dass organisationsbezogene Lehrveranstaltungen deutlich weniger beliebt sind als z.B. handlungsorientierte methodische Veranstaltungen. Da Studierende der Sozialen Arbeit aber nicht nur methodisches Vorgehen in oft komplexen Fallsituationen erlernen, sondern sich auch auf zukünftiges Handeln in Institutionen vorbereiten müssen, ist es erforderlich, sie mit der grundlegenden Systematik der Organisationsstrukturen und den zentralen Organisationen in der Sozialen Arbeit vertraut zu machen. Hierzu möchte Petra Mund unter Rückgriff auf ihre Lehrerfahrungen mit diesem Band beitragen.

Aufbau

Das Buch gliedert sich in:

  1. Die Doppelbedeutung von Organisation(en) in der Sozialen Arbeit
  2. Leistungen der Organisationen der Sozialen Arbeit
  3. Die Theorie: Organisation in der Sozialen Arbeit
  4. Die Praxis: Organisationen in der Sozialen Arbeit
  5. Finanzierung der Organisationen der Sozialen Arbeit
  6. Von der Theorie in die Praxis: Konsequenzen für das Handeln in Organisationen der Sozialen Arbeit
  7. Literatur und Sachregister.

Inhalt

Im Kapitel 1 wird zunächst genauer erläutert, warum es für Studierende der Sozialen Arbeit wichtig ist, sich neben allen Inhalten des Faches auch mit dem Thema Organisation auseinanderzusetzen. Unter der Überschrift „Organisationen sind allgegenwärtig“ werden verschiedene Perspektiven benannt, aus denen man als Bürgerin und Bürger auf Organisationen in unserer Gesellschaft trifft. Um sich den Besonderheiten der Sozialen Arbeit bei diesem Thema zu nähern, wird u.a. auf das Sozialstaatsprinzip eingegangen, das „den Gesetzgeber verpflichtet, die Prinzipien der sozialen Gerechtigkeit und Sicherheit zu beachten und soziale Gegensätze auszugleichen“ (S. 12). Hieraus leiten sich für die unterschiedlichen Sozialleistungsbereiche konkrete Aufgabenstellungen ab, für deren Erfüllung der Staat verlässliche und förderliche Rahmenbedingungen schaffen muss. Dieser Rahmen gewährleistet fachlich gute Soziale Arbeit – angefangen von der Kinder- und Jugendhilfe bis zur Betreuung und Versorgung pflegebedürftiger Menschen – und sorgt für eine ausreichende sachliche Ausstattung, auskömmliche Finanzen und geeignete Organisationsstrukturen. Diese Strukturmerkmale wiederum gewährleisten, dass die Fachkräfte ausreichende Kompetenz und Motivation entfalten können, um den Kriterien von Prozess- und Ergebnisqualität in ihrer Arbeit gerecht zu werden.

Zum besseren Verständnis dieses Gesamtzusammenhangs werden in der Einführung weitere wichtige Stichworte wie „organisationsbezogene Aufträge und Ziele“ oder das „doppelte Mandat“ behandelt. Das Letztere bedeutet, dass die professionellen Helfer sowohl sozialstaatlichen Vorgaben (wie z.B. dem Schutzauftrag bzgl. des Kindeswohls) folgen müssen, als auch den Wünschen und Bedürfnissen der hilfebedürftigen Klienten. Die besprochenen Begriffe und Anforderungen werden immer wieder an Beispielen konkretisiert und erläutert.

Im Kapitel 2 werden die Leistungen und Angebote der Sozialen Arbeit vorgestellt. Sie gliedern sich in Dienst-, Sach- und Geldleistungen. In der Darstellung stehen die personalen Dienstleistungen im Vordergrund. Hierzu werden auch Diskurslinien und Spannungsfelder skizziert wie etwa die zu den Themen „Ökonomisierung“ oder „Professionalisierung“.

Im Kapitel 3 folgen organisationsbezogene Grundlagen und Merkmale, die für das Verstehen und die Analyse von Organisationen wichtig sind. Skizziert werden unterschiedliche Organisationstheorien, angefangen mit denen von Max Weber oder Henry Ford, welche die Organisation von Arbeit allgemein in der Industrialisierung des frühen 20. Jahrhunderts behandeln. Es folgen modernere Organisationstheorien wie der Human-Relations-Ansatz oder systemtheoretische Ansätze. Theorien zur Gestaltung von Organisationen, Managementansätze werden, da die Autorin diese als eigenes Thema sieht, ausgeklammert. Dafür widmet sie sich der Beschreibung der „Basiselemente“ von Organisationen: den Zielen, Strukturen, den Mitgliedern, Programmen und den unterschiedlichen Organisationskulturen.

Kapitel 4 und 5 richten den Blick auf die Praxis der Organisationen und die Grundlagen der Finanzierung. Dabei wird im 4. Kapitel der Trägerbegriff ausführlich behandelt: Träger sind „verantwortliche Rechtspersonen“, d.h. sie verantworten fachlich, finanziell und personell die vielfältigen Dienstleistungen der Sozialen Arbeit, sie organisieren, kontrollieren oder finanzieren sie (S. 101ff). Es werden Merkmale öffentlicher, privater und gewerblicher Träger und vor allem auch deren formale Unterscheidungsmerkmale beschrieben. Dabei werden Bundes-, Landes- und die kommunale Ebene sowie deren jeweilige Zuständigkeiten beachtet. Einzeln werden im Folgenden die freien Träger der Sozialen Arbeit: die großen Wohlfahrtsverbände angefangen von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) bis zur Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST), die Jugendverbände und auch die Selbsthilfe- und Initiativgruppen mit ihrer Entstehungsgeschichte und ihren Zielen vorgestellt.

Das Kapitel 6 schließlich widmet sich dem Theorie-Praxis-Transfer und stellt exemplarisch Konsequenzen für das Handeln in der Praxis dar.

Diskussion und Fazit

Zu diesem eher spröden und, wie Petra Mund selbst schreibt, bei Studierenden „unbeliebten“ Thema ist der Autorin eine kompakte Zusammenstellung von Grundlagen, Definitionen und Charakterisierungen wichtiger Organisationsaspekte im Feld Sozialer Arbeit gelungen. Von der Beschreibung der Leistungen in diesem von der Kinder- und Jugend- bis zur Altenhilfe reichenden Spektrum wird über Theorie-Ansätze, die Praxis der verschiedenen Trägergruppen, ihre Rechtsformen, Aufträge und Entwicklungsgeschichten bis hin zu den verschiedenen Formen der Finanzierung nichts ausgeklammert. Definitionen, praktische Beispiele, Zusammenfassungen, Übungsaufgaben und Literatur- sowie Websiteempfehlungen sind in den Text eingefügt und jeweils optisch durch graphische Hervorhebungen und spezielle Icons abgesetzt, sodass sie auch wiederzufinden sind. Der Band bietet daher für Studierende des Faches ein praktisches Einführungs- und Nachschlagebuch, das vermutlich sehr hilfreich für das Verständnis des formalen Aufbaus ihres Arbeitsfeldes ist.

Auf eine kleine Informationslücke des Buches ist dennoch hinzuweisen. In Kapitel 2.4 werden sozialpolitische Aspekte als Diskurslinien und Spannungsfelder angesprochen. Hier wird auf einen Diskurs zu Beginn der 1990er Jahre eingegangen, wo vor dem Hintergrund schwindender finanzieller Handlungsspielräume unter dem Stichwort „New Public Management“ Konzepte zur Verwaltungsrationalisierung diskutiert und mit Ideen zur Einsparung verknüpft wurden (S. 36ff). Marktförmige und unternehmerische Prinzipien sollten auf die öffentliche Verwaltung und damit auch auf die Soziale Arbeit übertragen werden. Petra Mund folgt der verschiedentlich geäußerten Annahme, dass in diesem Feld keine Marktbedingungen herrschten und damit auch keine Nachfrageverhältnisse gegeben seien. Das trifft für wichtige Felder der Sozialen Arbeit sicherlich zu – z.B. auf die Praxis des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Betrachten wir aber die Entwicklung allein der Kinder- und Jugendhilfe nach 2000, so hat sich hier eher das Gegenteil herausgestellt. Durch die Einführung neuer Rechtsansprüche für Eltern auf Kindertagesbetreuung ist in diesem Bereich eine erhebliche Nachfrage entstanden, die zuvor kaum absehbar war. Des Weiteren hat die Einreise unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge dazu geführt, dass umfangreiche Kapazitäten geeigneter Unterbringung im Bereich der Heimerziehung erforderlich wurden. In beiden Fällen wurden von staatlicher Seite erhebliche Ressourcen bereitgestellt, und die Träger haben ihre Angebote in großem Umfang erweitern können. Der Prozess ist in der Kindertagesbetreuung noch nicht abgeschlossen und in der Altenpflege steht angesichts der demographischen Entwicklung ein vielleicht ähnlich umfangreicher Ausbau von Betreuungsangeboten noch bevor. Ein Blick auf diese Entwicklungen und den heutigen Stand der Diskussion hätte dieses Kapitel noch besser abgerundet.

Im letzten Teil fordert die Autorin studentische Leserinnen und Leser mit Übungsbeispielen verstärkt dazu auf, die eigenen Erfahrungen in und mit Organisationen unter bestimmten Blickwinkeln zu durchdenken. Solche „Annäherungen“ an die Praxis werden mithilfe von Online-Material unterstützt, das über die Website des Ernst-Reinhardt-Verlags erhältlich ist. Diese ausgesprochen sinnvolle praktische Übung unterstreicht noch einmal die didaktische Ausrichtung des Bandes. Der Grundkurs-Band von Petra Mund kann die Basisliteratur für Studierende der Sozialen Arbeit also sinnvoll ergänzen.


Rezension von
Dr. Vera Birtsch
Homepage www.mediation-birtsch.de
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Zitiervorschlag
Vera Birtsch. Rezension vom 16.12.2019 zu: Petra Mund: Grundkurs Organisation(en) in der Sozialen Arbeit. UTB (Stuttgart) 2019. ISBN 978-3-8252-5256-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26148.php, Datum des Zugriffs 16.07.2020.


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