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Christiane Lüschen-Heimer, Uwe Michalak: Werkstattbuch systemische Supervision

Cover Christiane Lüschen-Heimer, Uwe Michalak: Werkstattbuch systemische Supervision. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. 208 Seiten. ISBN 978-3-8497-0311-0. D: 34,95 EUR, A: 36,00 EUR.
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Thema

Christiane Lüschen-Heimer und Uwe Michalak thematisieren in ihrem Buch Theorie, Praxis, Methodik, Didaktik und gesellschaftliche Orientierung systemischer Supervision. Sie ermöglichen Dozenten wie Kursteilnehmern eine Weiterbildung zur systemischen Supervision auf parallelen Ebenen zu erfahren: Angehende SupervisorInnen lernen, wie sie Beratungsprozesse mit ihren zukünftigen Supervisanden gestalten können und DozentInnen werden über die konzeptionell-didaktische Aufbereitung der Inhalte angeregt, den Teilnehmern ein Übungsfeld zu bieten.

Autoren

Christiane Lüschen-Heimer ist Ärztin, Krankengymnastin, Systemische Supervisorin, Coach, Beraterin und Therapeutin (SG), lehrende Supervisorin und lehrende Beraterin (SG). Seit 2005 arbeitet sie in eigener Praxis in den Bereichen Supervision, Coaching, Fort- und Weiterbildung.

Uwe Michalak ist Dipl.-Psychologe und ebenfalls tätig in der Fort- und Weiterbildung (in klientenzentrierter Psychotherapie (GWG), Systemischer Therapie und Beratung, Lösungsorientierter Kurztherapie, Gruppendynamik, Einstieg Klinischer Hypnose und PEP.)

Aufbau

Das Buch gliedert sich in zehn Kapitel und schließt mit dem Literaturverzeichnis und Angaben zu den AutorInnen. Der Aufbau des Buches spiegelt die Konzeption der von den AutorInnen durchgeführten Weiterbildungen in systemischer Supervision.

Inhalt

Im ersten Kapitel vermitteln die Autoren Grundlagen für eine systemische Weiterbildung und Supervision. Thematisiert wird u.a. das Einnehmen einer „Vogelperspektive, einer Beobachtung zweiter Ordnung“, d.h. die Beobachtung der Beobachtung, um Unterschiede vorzunehmen, die einer Beobachtung erster Ordnung nicht zugänglich sind. Anschließend werden verschiedene Perspektiven eingenommen, um sich einer systemischen Definition von Supervision anzunähern. Thematisiert werden zudem Methoden der Gesprächsführung in der Supervision, die Bedeutung des allgemeinen Fachwissens und Ziele und Funktionen einer Supervision. Im Unterkapitel 1.6 wird die Struktur der angebotenen Supervisionsweiterbildung vorgestellt. Hervorzuheben sind die bedeutsamen Ausführungen über Resonanzphänomene.

Im zweiten Kapitel stehen die Haltungen und die Rolle der SupervisorInnen im Mittelpunkt. Betont wird die Beziehung zwischen den geistigen und körperlichen Haltungen, da diese in einer engen Wechselwirkung stehen. Anschließend werden systemische Haltungen beschrieben. Hierzu gehören die Haltung des Nichtwissens, die Haltung des Nichtverstehens (um mich daran zu erinnern, Schilderungen meines Gegenübers nicht vorschnell zu verstehen), die Haltung des Eingebundenseins und die Haltung des Vertrauens. In diesem Kapitel finden sich auch Anmerkungen zur systemischen Haltung im Spannungsfeld zwischen Person, Rolle und Organisation. Thematisiert wird zudem die moralische Position des Supervisors.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit dem Beginn einer Supervision und hier insbesondere mit Überlegungen zur Kontraktgestaltung.

Im vierten Kapitel werden Christiane Lüschen-Heimer und Uwe Michalak wieder allgemeiner, sie thematisieren Veränderungsprozesse.

Im fünften Kapitel finden sich insbesondere allgemeine Anmerkungen über den Einsatz von Methoden.

Das sechste Kapitel beschäftigt sich mit den Settings der Einzel-, Gruppen- und Teamsupervision.

Im siebten Kapitel thematisieren Christiane Lüschen-Heimer und Uwe Michalak organisatorische Aspekte, damit im Kontext systemischer Weiterbildungssupervisionen ein Einverständnis hierfür entwickelt wird. Thematisiert werden beispielsweise explizite und implizite Regel in den Organisationen und Kommunikationsstrukturen.

Im achten Kapitel werden „Fachwissen und Prozesswissen“ fokussiert, es folgen Ausführungen über Verantwortung, Vertrauen und die Bedeutung der Fach- und Feldkompetenz. In Bezug auf den Supervisionsprozesses bedeutet Fachkompetenz für die AutorInnen das Wissen um das Feld der Berufstätigkeit, in das die Supervisoren berufen werden. Offen bleibt für mich, welche Feldkompetenz die Autorinnen erwarten. Das Kapitel schließt mit methodischen Angeboten, hier z.B. mit einer Methode der Selbstevaluation der supervisorischen Sitzungen.

Im neunten Kapitel beschäftigen sich die AutorInnen, um die Praxiskompetenz zu erweitern, mit Methoden der Livesupervision.

Im zehnten Kapitel stehen verschiedene Thematiken zum Bereich des „Abschließens“ im Fokus. Hierzu gehören das Auswerten, Bilanzieren und Evaluieren. Abschließend werden Formen des Abschlusses der Supervision thematisiert.

Im kurzen abschließenden elften Kapitel stellen Christiane Lüschen-Heimer und Uwe Michalak Supervision in den gesellschaftlichen Kontext. Wie sehen die Supervision in der Verantwortung Besonderheiten des Kontextes, wie Organisation, Arbeits- und Entscheidungsstrukturen und anderes mit einzubeziehen.

Diskussion

Die AutorInnen bieten einen guten Überblick über die Fortbildung systemischer Supervision. Die methodischen Angebote sind oftmals hilfreich.

Zwei kritisch zu sehende Aspekte sollen kurz angesprochen werden: In den Ausführungen über die moralische Position als Supervisor führen die AutorInnen aus, dass das Objekt vor der Aufgabe stehe, sich bewusst zu machen, das Entscheidungen getroffen werden, für die man verantwortlich sei. Meines Erachtens reichen diese Ausführungen nicht aus. Supervision steht immer wieder vor der Situation, sich eindeutiger positionieren zu müssen, indem beispielsweise Schädigungen von Klienten oder MitarbeiterInnen offensiv angesprochen werden müssen.

Im vierten Kapitel (S. 114) werden Probleme definiert als in der Supervision bearbeitbare und lösbare Bedingungen im Kontext der Arbeit. Diese Beschreibung greift meines Erachtens zu kurz. Längst nicht alle Probleme lassen sich in der konkreten Arbeit und in der Supervision lösen. Bedacht werden sollte, dass vermutlich auch in der Supervision, genauso wie in der Psychotherapie, und wohl auch in der Beratung, wir nur zu ca. 50 % wirksam sind (siehe Groß 2013). Zudem lassen diese Wirksamkeitsuntersuchungen für die Psychotherapie befürchten, dass auch Supervisionen ebenfalls zu ca. 10 % schädlich sind. Hierauf, d.h., insbesondere auf mögliche Risiken und Nebenwirkungen, wird im Buch leider nicht eingegangen.

Fazit

Das Buch richtet sich an Absolventen von Fortbildungen in systemischer Supervision und an Weiterbildungspraktiker zur Reflexion eigener Konzepte. Die Autorin und der Autor legen ihr umfangreiches Konzept einer Weiterbildung in systemischer Supervision dar. Sie beschreiben grundlegende relevante Theorieaspekte und fügen methodische und didaktische Tools an.

Literatur

Groß, L.J. (2013): Ressourcenaktivierung als Wirkfaktor in der stationären und teilstationären psychosomatischen Behandlung. Dissertation, Nürnberg, unter: DiseertationLisaGross-1.


Rezensent
Dr. Jürgen Beushausen
Hochschule Emden Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit (LfbA), Supervisor, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut
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Zitiervorschlag
Jürgen Beushausen. Rezension vom 09.10.2019 zu: Christiane Lüschen-Heimer, Uwe Michalak: Werkstattbuch systemische Supervision. Carl Auer Verlag GmbH (Heidelberg) 2019. ISBN 978-3-8497-0311-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26151.php, Datum des Zugriffs 06.12.2019.


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