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Theo Hartogh, Hans Hermann Wickel (Hrsg.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit

Cover Theo Hartogh, Hans Hermann Wickel (Hrsg.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. 474 Seiten. ISBN 978-3-7799-3136-2. D: 39,95 EUR, A: 41,10 EUR, CH: 51,90 sFr.
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Thema

Das „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ begreift Musik vor allem als ein Medium, um die Ziele Sozialer Arbeit (besser) erreichen zu können. Das Buch fasst Musik als nicht wegzudenkenden „Bestandteil der menschlichen Kultur und unseres Alltags“ (S. 5) auf. Musik habe durch ihre beträchtliche emotionale Wirkung „über alle Alters- und gesellschaftlichen Grenzen hinweg eine hohe Attraktivität“ (S. 5). Zusätzlich diene sie als Medium des Beziehungsaufbaus und der Kommunikation. Im Kontext Sozialer Arbeit ist Musik insbesondere deswegen als Methode geeignet, weil sie die Möglichkeit des non-verbalen Beziehungsaufbaus bietet.

Herausgeber und AutorInnen

Die beiden Herausgeber Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel gehören im deutschsprachigen Kulturraum zu den führenden Vertretern des Bereichs Musik in der Sozialen Arbeit; gemeinsam haben sie bereits die Erstausgabe des „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ im Jahr 2004 herausgegeben. Die beiden Wissenschaftler verfügen über vielfältige Praxiserfahrung, sowie über ein umfassendes Netzwerk aus Wissenschaftler*innen und Musikpraktiker*innen. Beide sind seit mehreren Jahrzehnten in der Hochschullehre tätig (Universität Vechta/​Fachhochschule Münster).

Von den insgesamt 29 Fachaufsätzen haben die Herausgeber vier Aufsätze selbst verfasst. Für die übrigen 25 Aufsätze konnten sie insgesamt 26 Kolleginnen und Kollegen gewinnen: Alicia de Bánffy-Hall, Johannes Beck-Neckermann, Werner Buxot, Marion Gerards, Juliane Gerland, Burkhard Hill, Bernward Hoffmann, Elke Josties, Kai Koch, Wolfgang Krieger, Renate Kühnel, Petra Paula Marquardt, Ulrich Martini, Mona-Sabine Meis, Hubert Minkenberg, Wolfhelm Ostendarp, Andreas Panitz, Ulrike Pfeifer, Christine Plahl, Günter Pleiner, Ralf Probst, Kai Marius Schabram, Matthias Schwabe, Manuela Widmer, Michel Widmer sowie Robert Wittbrodt.

Entstehungshintergrund

Die vorliegende Neuausgabe des „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ knüpft an die erste Ausgabe unter demselben Titel teilweise an; die Struktur der Erstausgabe beispielsweise wurde überwiegend beibehalten. Darüber hinaus aber erklären die beiden Herausgebenden in ihrem Vorwort, dass nach „15 Jahren neuer Entwicklungen in den theoretischen Diskursen und Handlungsfeldern sowie der Profilierung von Querschnittsthemen wie Diversität, Transkulturalität und Gender“ (S. 5) eine erneute Standortbestimmung notwendig geworden sei. Der Bereich Musik und (Neue) Medien etwa wurde ausgeweitet; im Vergleich zu dem informationsreichen Aufsatz „Musik und neue Medien“ (Bernward Hoffmann) in der Erstausgabe enthält die vorliegende Neuausgabe „Musikproduktion, Auflegen und App-Musik“ sowie „Musik und Medien“ (beides Bernward Hoffmann).

Auch insgesamt lassen sich im Vergleich zur Erstausgabe Veränderungen erkennen, die aus den aktuellen Entwicklungen des Fachs Musik in der Sozialen Arbeit resultierten: Es wurden einige Aufsätze aus der ersten Ausgabe durch andere ersetzt und viele Aufsätze umfassend überarbeitet und aktualisiert.

Aufbau

Das „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ gliedert sich nach dem Vorwort durch die beiden Herausgeber in insgesamt fünf Themenblöcke:

  • „I. Grundlagen“,
  • „II. Methoden und Medien“,
  • „III. Multimodale und multimediale Bezüge“,
  • „IV. Arbeitsfelder“,
  • „V. Berufliche Qualifizierung“.

Unter diesen Gliederungspunkten sind dann acht, neun, vier, sieben und ein Aufsätze/Aufsatz zu finden. Am Ende des Buchs finden sich Informationen über die Autorinnen und Autoren der verschiedenen Beiträge.

Inhalt

Das „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ enthält insgesamt 29 Fachaufsätze zu Themenfeldern rund um Musik in der Sozialen Arbeit. Im ersten Themenblock „I. Grundlagen“ wird unter anderem eine Einordnung des Fachs Musik in den Kontext Sozialer Arbeit angeboten („Ästhetische Praxis in der Sozialen Arbeit“ von Mona-Sabine Meis) und es werden zentrale Aspekte des Fachs Musik in der Sozialen Arbeit dargestellt („Potenziale von Musik in der Sozialen Arbeit“ von Petra Paula Marquardt und Wolfgang Krieger, „Musik im Studium der Sozialen Arbeit“ von Kai Marius Schabram, „Musik an Fachschulen und Fachakademien für Sozialpädagogik“ von Werner Buxot, „Musiktherapie und Musik in der Sozialen Arbeit“ von Christine Plahl sowie „Community Music“ von Alicia de Bánffy-Hall und Burkhard Hill). Darüber hinaus sind Aufsätze zu Querschnittsthemen zu finden wie etwa „Diversitätsbewusste Soziale Arbeit mit Musik in der (Welt-)Migrationsgesellschaft“ (Elke Josties/​Marion Gerards) oder „Genderreflexive Soziale Arbeit mit Musik“ (Marion Gerards).

Das zweite Großkapitel „II. Methoden und Medien“ vereint mehrere konkrete musikalische Möglichkeiten: Hierzu gehören „Singen“ (Hubert Minkenberg), „Gruppenimprovisation“ (Matthias Schwabe), „Percussion“ (Ralf Probst) aber auch „Musikproduktion, Auflegen und App-Musik“ (Bernward Hoffmann). Darüber hinaus sind in diesem Großkapitel weitere Einsatzmöglichkeiten von Musik zusammengefasst („Musicals und Verklanglichungen“ von Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel, „Musikmobile“ von Burkhard Hill und Günter Pleiner, „Bandworkshops“ von Burkhard Hill, „Hip-Hop-Workshops“ von Andreas Panitz und „Musikhören“ von Kai Koch).

„III. Multimodale und multimediale Bezüge“ erläutert verschiedene Möglichkeiten, Musik mit außermusikalischen Methoden zu verbinden („Musik und Bewegung/​Rhythmik“ von Renate Kühnel, „Musik, Spiel und Theater“ von Manuela Widmer und Michel Widmer, sowie „Musik und Medien“ von Bernward Hoffmann). Hinzu kommt Ulrich Martinis Aufsatz „Musik mit klingenden Materialien und Selbstbauinstrumenten“. Im Rahmen dieser Form von Beschäftigung mit Musik sind unter anderem auch handwerklich-motorische Kompetenzen gefragt.

Großkapitel „IV. Arbeitsfelder“ zeigt ausgewählte Einsatzmöglichkeiten von Musik auf („Musik in der frühkindlichen Bildung“ von Johannes Beck-Neckermann, „Musik in der Jugend(kultur)arbeit“ von Elke Josties, „Musik in der Sozialen Altenarbeit“ von Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel, „Musik in der Arbeit mit Menschen mit Behinderung“ von Juliane Gerland, „Musik in der stationären Erziehungshilfe“ von Wolfhelm Ostendarp und Robert Wittbrodt, „Musik in der Suchtprävention und Drogenarbeit“ von Ulrike Pfeifer, „Musik im Strafvollzug“ von Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel).

Zuletzt schließt das Buch mit einem Aufsatz der beiden Herausgeber unter „V. Berufliche Qualifizierung“ mit dem Titel „Zur musikalischen Professionalität in der Sozialen Arbeit“ (Theo Hartogh und Hans Hermann Wickel).

Besonders hervorzuheben sind die beiden Beiträge von Marion Gerards und Elke Josties; beide Beiträge sind in der Erstausgabe nicht zu finden. „Diversitätsbewusste Soziale Arbeit mit Musik in der (Welt-)Migrationsgesellschaft“ – verfasst von beiden Autorinnen – stellt zunächst die verbindenden Eigenschaften in Frage, die Musik im Allgemeinen zugeschrieben werden. Der Beitrag beschäftigt sich im weiteren Verlauf mit den vielfältigen Facetten des Kulturbegriffs und es wird einleuchtend dargestellt, auf welche Weise diversitätsbewusst musikalisch gearbeitet werden kann. Marion Gerards „Genderreflexive Soziale Arbeit mit Musik“ eröffnet mit „Gender matters“ (S. 138). Die Autorin stellt im weiteren Verlauf fest, dass Gender „ein relevantes Querschnittsthema in allen Feldern der Sozialen Arbeit mit Musik“ (S. 138) darstelle. Auf den folgenden Seiten beschreibt Marion Gerards dann überzeugend die Rolle von „Geschlecht/​Gender“ im Kontext von Musik.

Diskussion

Musik in der Sozialen Arbeit ist ein vergleichsweise junges Themenfeld. Erst seit den 1980er Jahren hat Musik in der Sozialen Arbeit durch erste überblicksgewährende Publikationen gewissermaßen eine Akademisierung erfahren. Nach wie vor hält sich die Anzahl Publikationen in überschaubarem Grenzen. Die Erstausgabe des „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ war im deutschsprachigen Kulturraum über viele Jahre das umfangreichste und vielfältigste Buch zum Themenfeld Musik in der Sozialen Arbeit. Nun hat diese Erstausgabe eine notwendige Aktualisierung erfahren.

Anders als das ausschließlich von Hans Hermann Wickel verfasste Buch „Musik in der Sozialen Arbeit“ (2018) etwa, vereint das „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ vielfältiges Fachwissen von ausgesprochen unterschiedlichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sowie Musikerinnen und Musikern. Auf diese Weise sind unterschiedliche Perspektiven auf das Themengebiet möglich und es werden unterschiedliche Aspekte aufgezeigt. Die Vielfalt an Autor*innen und Themenfeldern ergibt die Möglichkeit zu einem umfassenden Überblick über den Bereich Musik in der Sozialen Arbeit.

Diese Vielfalt birgt jedoch auch Nachteile: Die Beiträge weisen beispielsweise einen ausgesprochen individuellen Aufbau und Sprachgebrauch auf. Manche Grundlagenthemen finden sich nicht durchgängig in den Fachaufsätzen wieder: Während bei Marion Gerards von diversitätssensibler musikalischer Praxis die Rede ist, wird an anderer Stelle beispielsweise der Begriff „Naturvölker“ (S. 163) verwendet. Der Begriff ist einer diversitätssensiblen Gesellschaft nicht angemessen.

Im Vergleich zu der Erstausgabe ist diese Neuausgabe wesentlich robuster, der gebundene Einband macht das Buch widerstandsfähig. Im Rahmen der Aufsätze finden sich grau hinterlegte Informationskästen, die einen Überblick über einige Aspekte anbieten. Zudem sind die einzelnen Beiträge vergleichsweise lang und eignen sich aus diesem Grund nur bedingt dafür, sich einen raschen Überblick über einzelne Aspekte zu verschaffen.

Fazit

Das „Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit“ ist ein absolut zentrales Buch für das Themenfeld Musik in der Sozialen Arbeit. Führende Persönlichkeiten aus dem theoretisch-wissenschaftlichen sowie aus dem musikpraktischen Bereich wurden durch die beiden Herausgeber ausgewählt und ihr Fachwissen in einem umfangreichen Handbuch zusammengefasst. Das Handbuch beinhaltet somit bedeutende Informationen rund um das Themenfeld Musik in der Sozialen Arbeit. Es handelt sich folglich um ein absolut empfehlenswertes Buch!


Rezensentin
Dr. Raika Lätzer
Historische Musikwissenschaften, M.A.(Musikwissenschaften), Diplom-KA Künstlerische Ausbildung Gesang), Diplom-GP (Gesangspädagogik), B.Mus.(Gesang) Frühere Rezensionen siehe Raika Maier
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Zitiervorschlag
Raika Lätzer. Rezension vom 22.11.2019 zu: Theo Hartogh, Hans Hermann Wickel (Hrsg.): Handbuch Musik in der Sozialen Arbeit. Beltz Juventa (Weinheim und Basel) 2019. ISBN 978-3-7799-3136-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26156.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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