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Corinna Ehlers: Stärken neu denken

Cover Corinna Ehlers: Stärken neu denken. Die Kunst der stärkenfokussierten Zielarbeit in sozialen Handlungsfeldern. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. 208 Seiten. ISBN 978-3-8474-2205-1.
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Thema

Corinna Ehlers knüpft mit ihrem neuen Buch „Stärken neu denken“ an die Ansätze in ihren Büchern „Stärkenorientiertes Case Management“ aus dem Jahr 2017 (www.socialnet.de/rezensionen/22289.php) und „Case Management in der Sozialen Arbeit“ aus dem Jahr 2013 an. Ehlers versteht ihr neues Buch als Ergänzung und gleichzeitig als Vertiefung zum Stärkenorientierten Case Management. Viele neue Ideen und Methoden zur Stärkenerkundung und zur Zielarbeit werden beleuchtet.

Autorin

Corinna Ehlers arbeitet als Professorin für Theorien und Methoden Sozialer Arbeit mit dem Schwerpunkt Case Management an der Fakultät für Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim (HAWK). Sie ist Diplom Sozialarbeiterin/Sozialpädagogin (FH) und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Care und Case Management (DGCC). Schon ihre Promotion im Anschluss an ein Master-Studium Public Health/Gesundheitswissenschaften an der TU Berlin verfasste Ehlers zum Thema „Case-Management als strukturoptimierende Komponente im deutschen Gesundheitswesen“ (2009). Ihre umfassenden Kenntnisse und Erfahrungen in der Praxis und der Lehre, der Forschung und Weiterbildung in sozial- und gesundheitsbezogenen Diensten weisen sie als Expertin für Case Management aus.

Aufbau

Im ersten der drei Teile des Buches werden zunächst unter dem Teil „Stärkenperspektive“ (S. 11–81) die theoretischen Grundlagen, die Herausforderungen sowie der historische Kontext des Ansatzes in den Mittelpunkt gestellt. Der erste Teil mündet in das Kapitel „Selbstmanagement als Grundlage der Stärkenarbeit“.

Im zweiten Teil „Stärkenarbeit“ (S. 82–133) werden vor allem die methodischen Zugänge zur Stärkenerkundung (z.B. das Modell des Stärkenspektrums) und deren Entfaltungsmöglichkeiten dargestellt.

Der dritte Teil (S. 134–195) fokussiert dann die Zielearbeit vor allem auf dem Hintergrund einer ausdifferenzierten Selbstreflexion.

Inhalt

In ihrem Modell greift die Autorin die Stärkenmodelle von Saleebey (2009, 2013), Niemiec (2014, 2018) sowie von Rapp und Goscha (2012) auf. Dabei ist es ihr wichtig, zwischen Stärken und Ressourcen zu differenzieren. Stärken sind die inneren Kraftquellen des Menschen, während Ressourcen als die Dinge und Kontexte im Umfeld des Menschen dargestellt werden. In Auseinandersetzung mit anderen klassischen Modellen ressourcenorientierter Sozialer Arbeit können die Stärken des Individuums „als eine positive Erweiterung und Differenzierung des Ressourcenbegriffs“ (S. 30) verstanden werden und bilden den Motor der Aktivierung von Ressourcen.

Ehlers differenziert die Stärken des Individuums in die Bereiche der persönlichen Charakterstärken, der Fähigkeiten und Bedürfnisse. So kann über ein „Stärken-Sweetspot“ ein optimaler Wirkungsgrad der Entfaltungsmöglichkeiten ermittelt werden. Ehlers schreibt: „Wenn unsere Charakterstärken mit unseren Leidenschaften und Bedürfnissen im Einklang sind, kommen Fähigkeiten besonders gut zum Einsatz“ (S. 105). Um der inneren Bedürfnisstruktur näher zu kommen, sind bewusste empathische Wahrnehmungs- und Kommunikationsprozesse mit sich selbst und den anderen im Sinne der gewaltfreien Kommunikation (GFK) nach Marshall Rosenberg hilfreich.

Für die Arbeit an den Zielen greift die Autorin auf die Methoden des Züricher Ressourcen Modells (ZRM) und die Erkenntnisse der Theorie der Persönlichkeits-System-Interaktionen (PSI) von Kuhl (2001) zurück. Dabei stehen Fragen der intrinsischen Motivation unter Berücksichtigung eines angemessenen Prozesses der Regulation von Affekten, Emotionen und Gefühlen im Hinblick auf unerfüllte Bedürfnisse im Mittelpunkt der Arbeit. Bei den Methoden zur Zielformulierung wird Ehlers Innovationskraft Art deutlich. So erweitert sie z.B. das klassische SMART Modell um den ressourcenorientierten Blick und formuliert ihr SMARRT Modell (S. 160).

Diskussion

Die Autorin stellt mit ihrem eigenen Ansatz der „stärkenorientierten Zielearbeit“ ein Modell vor, das die Diskussion und wissenschaftliche Auseinandersetzung um die Ressourcenorientierung der Sozialen Arbeit vertieft und neue Perspektiven anbietet. Da dieses Modell viele grundlegende Überlegungen ausführt und zahlreiche praktische Anregungen für die Arbeit geboten werden, eignet sich das Buch auch für eine breite Zielgruppe von Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Fachkräften in der Sozialen Arbeit, der Gesundheits- und Bildungsarbeit.

Fazit

Angesichts der immer größeren Bedeutung ressourcenorientierter Ansätze in den Sozialen Diensten ist dieses Buch eine große Bereicherung, da in dem dargestellten Modell die Fokussierung auf die Stärken in eine klare und strukturierte Umsetzung der Zielearbeit eingebunden ist. Das Buch stellt einen großen Fundus an praktischen Methoden für den alltäglichen Gebrauch zur Verfügung und unterstützt Fachkräfte der Sozialen Arbeit und des Gesundheitswesens sowohl in der persönlichen Selbstreflexion als auch in der Arbeit mir der Klientel.


Rezension von
Dr. Georg Singe
Dipl.-Sozialarbeiter, Dipl.-Theologe Systemischer Familientherapeut, Supervisor und Lehrtherapeut (DGSF)
Dozent an der Fakultät I für Bildungs- und Gesellschaftswissenschaften, Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Vechta
Homepage www.uni-vechta.de/soziale-arbeit/mitglieder/georg-s ...
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Zitiervorschlag
Georg Singe. Rezension vom 12.12.2019 zu: Corinna Ehlers: Stärken neu denken. Die Kunst der stärkenfokussierten Zielarbeit in sozialen Handlungsfeldern. Verlag Barbara Budrich GmbH (Opladen, Berlin, Toronto) 2019. ISBN 978-3-8474-2205-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26160.php, Datum des Zugriffs 05.07.2020.


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