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Svenja Hofert, Claudia Thonet: Der agile Kulturwandel

Cover Svenja Hofert, Claudia Thonet: Der agile Kulturwandel. 33 Lösungen für Veränderungen in Organisationen. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. 218 Seiten. ISBN 978-3-658-22171-3.
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Thema

Das Verständnis von Kultur ist ebenso vielfältig, wie die zahlreichen Manifestationen der Kultur selbst. In der Literatur finden sich etwas 150 verschiedene Definitionen von Kultur (vgl. Martz-Irngartinger 2010).

Unternehmenskultur ist ein System von gemeinsam Werten sowie Normen und Denkhaltungen, die die Entscheidungen sowie das Handeln der Mitarbeiter auf allen Ebenen prägen und die sich als „gemeinsames mentales Modell erweist“ (nach Schein 2010, Kap. 1.3).

Die Kultur ist dabei die Summe aller gemeinsamen, selbstverständlichen Annahmen, die eine Gruppe in ihrer Geschichte erlernt hat. Die Mitarbeiter leben in ihrer Unternehmenskultur, reflektieren sie aber oftmals nicht. Konkretisiert wird die Unternehmenskultur letztendlich in den Handlungen, die sich aus den Werten der Mitarbeiter ableiten.

Wenn die Arbeitswelt zunehmend agil wird, dann muss auch die Unternehmenskultur agil werden. Was bedeutet dies aber konkret?

Agilität ist mehr als nur eine Ansammlung von Methoden. Im Kern geht es viel mehr um eine Haltung bzw. ein Mindset welches durch agile Praktiken unterstützt und gefördert wird. Agilität basiert damit auf einem Gerüst an interiorisierten, agilen Werten, die wiederum erst den Kompetenzaufbau ermöglichen. Agile Mitarbeiterentwicklung hat somit zum Ziel, es den Mitarbeitern zu ermöglichen, selbstorganisiert die Werte und Kompetenzen aufzubauen, um sich kontinuierlich an ihre komplexe, turbulente und unsichere Zukunft anzupassen.

Veränderungsprojekte, die nur auf die Ausformulierung von hehren Leitbildern und Grundsätzen beruhen, können allein keine Veränderung auslösen. Die Mitarbeiter sehen, dass auf die proklamierten Wertelisten keine Taten folgen und es macht sich Zynismus breit. Deshalb schaden solche Kulturinitiativen oft mehr, als dass sie nutzen. (vgl. Ibold et. a. 2018). Seminare zur Kulturveränderung sind ebenfalls sinnlos, weil dadurch keine Verinnerlichung von Werten stattfindet. Es werden deshalb bedarfsbezogene Veränderungsprojekte benötigt, die einen Wandel der Kultur in der Organisation bewirken.

Autoren

Svenja Hofert ist Fachbuchautorin, Managementcoach, Ausbilderin, Rednerin und Geschäftsführerin eines Beratungsunternehmens.Se gestaltet Ausbildungen und Seminare mit dem Ziel, die Brücke zwischen der alten und neuen Arbeitswelt zu gestalten.

Claudia Thonet besitzt Erfahrungen in der Organisaitons- und Teamentwicklung. Sie ist weiterhin Lehrtrainerin und Managementcoach, ausserdem bildet sie agile Coaches und Moderatoren aus.

Entstehungshintergrund

Die Anpassung des Systems „Organisation“ erfordert ganzheitliche Konzepte, die nicht einseitige, isolierte Lösungen anstreben. In diesem Zusammenhang muss insbesondere die Selbstorganisation der Organisationsmitglieder, die ihre Potenziale und ihr Wissen einbringen, gefördert werden.

Die Digitalisierung erfordert anderes Arbeiten, neues Denken und einen frischen Blick auf Führung. Unternehmen, die digitaler und agiler werden wollen, haben es immer mit ähnlichen Problemen und Fragestellungen zu tun.

Veränderung braucht Orientierung. Dabei helfen Modelle, die die vielen Puzzlesteine ordnen und in einen Zusammenhang bringen. Die Autorinnen haben deshalb für 33 typische Herausforderungen im Bereich des agilen Kulturwandels in den Unternehmen Lösungen entwickelt.

Mit der Veränderung der Arbeitswelt verändert sich die Art und Weise, wie Veränderungsprozesse in Organisationen gestaltet und begleitet werden. Mit zunehmender Agilität verstehen sich Unternehmen nicht mehr als statische Gebilde, deren Endzustand planbar ist. Sie werden fließender, selbst-aktualisierender. Agile Methoden ohne entsprechenden Mindset sind aber wertlos. Deshalb wird ein Kulturwandel benötigt, der das Mindset spezifisch für das jeweilige Unternehmen ausbildet. Diese Herausforderungen soll mit Hilfe eines geeigneten Modells – des „Kulturwandel-Hauses“ - gestaltet werden.

Aufbau und Inhalt

Die Autorinnen untersuchen zunächst, welche Konsequenzen die Arbeitswelt 4.0 für die Unternehmenskultur hat. Sie zeigen auf, dass sich Wandel in diesem Kontext zwar initiieren und begleiten lässt, aber nicht geplant werden kann.

Nach der Untersuchung der Frage, wie Unternehmen auf Veränderungen grundsätzlich reagieren, gehen die Autorinnen auf die Zeichen und Symbole der Kultur ein und leiten ab, dass Veränderungen bei der Struktur beginnen müssen, um etwas zu bewirken. Ausführlich beschreiben Sie, welchen Rahmen die Kulturveränderung benötigt und wie Organisationen einen agilen Kulturwandel durchführen können. Eine Auflistung der Best Practices agiler Unternehmen gibt dazu anschauliche Hinweise.

Im Kapitel Lösungen für den Kulturwandel entwickeln die Autorinnen ihr Konzept des „Kulturwandel-Hauses“, das auf Basis der Grundannahmen die Säulen Mindset, Verhalten sowie Architektur & Design verknüpft. Alle Säulen sind miteinander verzahnt, sollten aber für die Interventionsplanung getrennt betrachtet werden. Daraus leitet sich die Ebene der Vision und Kommunikation, inklusive der Metakommunikation über den Veränderungsprozess, ab.

Zu diesen Elementen des „Kultur-Wandelhauses“ stellen die Autorinnen insgesamt 33 Lösungen vor, die sie nach dem Prinzip Herausforderung, Analyse und Lösungsansätze einzeln beschreiben. Im Kapitel Fundament wird beispielsweise erläutert, wie mit dem Problem umgegangen wird, wenn das Projektteam feststeckt und nicht ins Handeln kommt. Im Kapitel Mindset wird u.a. der Fachkräftemangel oder das Problem der „verbrannten Erde“ des Vorgängers aufgegriffen, im Kapitel Führung und Verhalten werden Führungsherausforderungen, aber auch die Verweigerungshaltung von Mitarbeitern erörtert, im Kapitel Architektur und Framework werden Fragen wie Abbau von Hierarchien, optimale Teamstrukturen, aber auch der Rahmenbedingungen oder der Kooperation im Unternehmen aufgeworfen. Im Dach des „Kulturwandel-Hauses“ stehen vor allem Herausforderungen der Kommunikation im Vordergrund.

Fazit

Die Autorinnen vermitteln eine Vielzahl von praktikablen Anregungen und Methoden aus ihrer breiten Beratungspraxis. Dabei zeigen sie klar auf, dass es nicht darum geht, einen radikalen Wandel herbei zu führen, sondern bedarfsgerecht mit dem Ziel zu wandeln, mehr kulturelle Vielfalt und verzahnte Netzwerke in der Organisation zu ermöglichen. Viele Beispiele, Grafiken, Verlinkungen, Tabellen und Verweise auf Studien runden die Beschreibungen ab. Leser, die ein Handbuch suchen, das ihnen vielfältige praktische Tipps oder Rezepte zur Gestaltung des Kulturwandels liefert, finden hier eine Fülle von Lösungen. Das Buch ist flüssig und sehr verständlich geschrieben, so dass es als Leitfaden für die Initiierung und Begleitung von agilen Kultur-Veränderungsprozessen sehr zu empfehlen ist. Dass das Fachbuch teilweise wie ein Rezeptbuch wirkt, ist deshalb nicht störend.


Rezension von
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 24.03.2020 zu: Svenja Hofert, Claudia Thonet: Der agile Kulturwandel. 33 Lösungen für Veränderungen in Organisationen. Springer Gabler (Wiesbaden) 2019. ISBN 978-3-658-22171-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26183.php, Datum des Zugriffs 25.10.2020.


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ISSN 2190-9245

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