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Martin Dempster, Donncha Hanna: Statistik und Forschungsmethoden für Psychologen und Sozialwissenschaftler

Cover Martin Dempster, Donncha Hanna: Statistik und Forschungsmethoden für Psychologen und Sozialwissenschaftler. Wiley-VCH Verlag (Weinheim) 2019. 732 Seiten. ISBN 978-3-527-71553-4. 34,99 EUR.
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Thema

Angewandte Statistik und der praktische Forschungsprozess sind zwei Kerngebiete der Psychologie und den Sozialwissenschaften. Sie durchziehen viele bis alle anderen Teildisziplinen der jeweiligen Studiengänge. Ein reflektierter Umgang mit den beiden ist insbesondere in der eigenen Forschung, die fester Bestandteil beider Curricula ist, unabdinglich.

Autoren und Übersetzer*innen

Dr. Martin Dempster doziert über Methodenlehre und quantitative Datenanalyse an der Queen‘s University in Belfast. Er forscht zum Thema „Quality of Life“ und dessen Messdiagnostik.

Dr. Donncha Hanna lehrt im breiteren Bereich der angewandten Forschung und der Diagnostik, ebenfalls an der Queen‘s University in Belfast. Psychischer Gesundheit, insbesondere Traumata, PTBS und Zwangsstörungen, und dessen Psychometrie widmet er seine Forschung.

Übersetzt wurde das Werk von Judith Muhr, die an zahlreichen Übersetzungen des Wiley Verlags zu Mathematik und Computerprogrammen beteiligt war, sowie Ulrike Walter-Lipow, Fachübersetzerin und Doktorin der Landbauwissenschaften. Prof. Dr. Stefan Hollenberg, Dozent u.a. für sozialwissenschaftliche Methoden und Statistik an der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung in Nordrhein-Westfalen, ist für die Fachkorrektur verantwortlich.

Entstehungshintergrund

Die Originalausgabe in englischer Sprache erschien 2015. In deutscher Sprache wurde Statistik und Forschungsmethoden für Psychologen und Sozialwissenschaftler für dummies 2019 aufgelegt. Ziel der Autoren ist es, die sonst eher „bittere Pille“ – Statistik – verdaulicher zu machen und Studierenden, insbesondere der ersten Semester, einen Leitfaden über den gesamten praktischen Forschungsprozess an die Hand zu geben.

Aufbau

43 Kapitel verteilen sich auf 732 Seiten und werden zwölf breiteren Themenbereichen zugeordnet, wobei sich die Kapitel ihrerseits noch weiter untergliedern. Es gibt eine kurze Inhaltsübersicht, in der nur die Themenbereiche und die Kapitel genannt werden und ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, bei dem dieser die feinere Gliederung hinzugefügt wird. Beide Versionen können unter folgendem Link angerufen werden, welcher sich auf der Seite des Wiley Verlags befindet (https://application.wiley-vch.de/books/​sample/​3527715533_ftoc.pdf). Ganz zu Anfang finden sich noch einige „Schummelseiten“ die im Kapitel „Darstellung & Stil“ näher beschrieben werden.

Inhalt

Da sich der Inhalt vollständig aus dem 16 seitigen Inhaltsverzeichnis ergibt, wird hier nur eine knappe Zusammenfassung gegeben. Inhaltliche Schwerpunkte, die das Werk setzt, werden in der Diskussion angesprochen.

Vom Recherchieren angemessener Forschungsliteratur über das praktische Auswerten von Daten mit dem Statistikprogramm „SPSS“ bis hin zum Schreiben und korrekten Zitieren nach APA-Standards (American Psychological Association) wird der praktische Forschungsprozess nahezu vollständig beschrieben. Ein Themenschwerpunkt, der in etwa die Hälfte des Werkes einnimmt, ist das Thema Statistik. Hier wird in erster Linie praxisnah, aber auch ergänzend über Formeln, das Grundrepertoire statistischer Kennwerte und Verfahren der Psychologie und Sozialwissenschaften beschrieben und erläutert. Zu jedem Verfahren finden sich Anleitungen zur Berechnung in SPSS.

Darstellung und Stil

Die außergewöhnliche Aufmachung des Werkes soll in diesem Kapitel kurz beschrieben werden, um dem Leser dieses Alleinstellungsmerkmal des Buches näherzubringen.

Gleich zu Anfang finden sich einige Schummelseiten, welche herausgetrennt werden sollen. Sie sollen eine Checkliste sein, an der man sich bei der eigenen Forschung orientieren kann. Das letzte Kapitel „Der Top-Ten-Teil“ knüpft an dieser Idee an, beschreibt dabei häufige Fehler und gibt Ratschläge bezüglich immer wieder aufkommender Fragestellungen gerade bei Forschungsneulingen.

Die beiden Abschnitte repräsentieren gut den sonstigen Charakter des Werkes, der mit seinen humoristischen Bemerkungen versucht, die behandelten „trockenen“ Themen etwas verdaulicher zu machen. Entfernte man diese Bemerkungen, bliebe ein relativ normales Lehrbuch übrig.

Der Seitenumfang von 732 Seiten kommt durch zweierlei zustande: Es befinden sich hier Themen, die sonst in zwei, drei oder sogar vier Büchern behandelt werden (deskriptive Statistik, inferentielle Statistik, Forschungsmethoden und ein Forschungsratgeber). Zudem nehmen Screenshots aus SPSS viel Platz in Anspruch. Das geht natürlich teilweise auf Kosten des inhaltlichen Umfangs. An einigen Stellen wird deshalb darauf verwiesen, sich in anderen Lehrbüchern spezifische Themen anzuschauen, leider jedoch ohne Literaturempfehlungen oder -Angaben, die auch sonst vollständig ausbleiben. Nichtsdestotrotz werden die meisten in der Psychologie interessierenden Themen aus den vier Bereichen behandelt.

Neben dem humoristischen Stil hebt sein ausgeprägter Ratgebercharakter das Werk wahrscheinlich am meisten von anderer Literatur mit denselben Themenbereichen ab. Kritische Betrachtungen in manualisierter Form, die sonst eigenständig erarbeitet werden müssten, sind ein permanenter Begleiter. Damit wird natürlich der Fähigkeit zum kritischen Denken weniger angeregt, als wenn man sich alleine beispielsweise durch theoretische Voraussetzungen statistischer Verfahren gekämpft werden müsste.

Die Kapitel und Unterkapitel bilden im Wesentlichen eigenständige Texteinheiten, wie es auch dem Anspruch der Autoren entspricht. Da die Themen aber stark aufeinander aufbauen, wird viel mit Querverweisen gearbeitet. Mit dem Stichwortverzeichnis am Ende ist es als Nachschlagewerk gut geeignet.

Diskussion

Auf relativ oberflächlichem Niveau werden aus dem für viele Psychologie- und Sozialwissenschaftsstudierende wenig interessanten Bereich der Statistik, ganz im Anspruch der Autoren, gezielte grundständige Inhalte ausgewählt und dargestellt. Auch wenn, je nach Themenbereich kritische Stimmen erklingen, mathematische Formeln auftauchen oder Bezüge unter statistischen Verfahren auftauchen und ein Aufbau der Inhalte prinzipiell erkennbar ist (oft sind jedoch Querverweise vonnöten), ist das Werk doch eher zum Nachschlagen geeignet, als dass es systematisch in die Statistik und Forschungsmethoden einführt. Auch hier liegt das Werk ganz im Anspruch der Autoren. Dadurch bleibt es zudem leicht verständlich und erfordert wenig Gehirnschmalz seitens des Rezipienten.

Die Anleitungen der quantitativen Datenauswertung mit SPSS sind sehr genau, sodass keine Lücken entstehen und alle Verfahren bis auf den Klick genau nachvollzogen werden können. Bei SPSS ist es möglich mit einer Syntax zu arbeiten oder über eine Benutzeroberfläche; die Beispiele sind ausschließlich für das Benutzeroberflächenformat angegeben. Teilweise treten dabei extreme Wiederholungen auf, die es aber ermöglichen auch einzelne Subkapitel ohne weiteres Nachblättern zu verwenden.

Mit dem letzten Begriff des letzten Absatzes drückt sich auch der breitere Anspruch des Buches aus – pragmatisch zu sein. Wie man es von Amerikanern erwartet, ist das Werk nicht eine passive nüchterne Darstellung des Themengebiets, die dem Leser viel abverlangt, sondern eine Grabbelkiste mit Anleitung. Der Titel der Reihe „… für dummies“ ist in höchstem Maße und jedem Fall unpassend.

PS: Besonders interessant war für mich als Heidelberger Studierender das Kapitel zu qualitativer Methodik, die bei uns (Psychologie) kaum bis gar nicht inhaltlich vertieft wurde. Hier finden sich interessante Ansätze, die über den quantitativen Kanon hinausgehen.

Fazit

Studierenden, die sich nicht wesentlich mit dem Thema Statistik und Forschungsmethoden auseinandersetzen wollen, aber es müssen, bietet das Werk einen geeigneten Begleiter für den Großteil des Studiums. Ergänzen könnte man es mit einem kleinen Lehrbuch über multivariate Verfahren und sollte damit, außer für Spezialfälle wie z.B. Meta-Analysen, gut ausgerüstet sein. Die Ratgeberkomponente befindet sich methodisch innerhalb des kritischen Mainstreams und gibt in Bezug auf Präsentieren, Recherchieren u.Ä. eine Struktur, die gerade am Anfang des Studiums, aber auch später, hilfreich sein kann.

Summary

Students of psychology and social sciences, who do not have a major interest in statistics and research methods, have in this book a (superficial) companion, that will guide them throughout their studies. Adding literature especially about multivariate statistics will ensure an almost full coverage of all topics included in their bachelor’s and master’s programmes. The title works in large parts as a manual, which gives guidance to beginners concerning even topics like literature research or presenting. It also gives critical comments and helpful suggestions to almost all topics included within the critical mainstream.


Rezension von
Karik Siemund
Stud. der Psychologie (B.Sc.) und der Mathematik und Philosophie (B.A) an der Universität Heidelberg
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Zitiervorschlag
Karik Siemund. Rezension vom 10.02.2020 zu: Martin Dempster, Donncha Hanna: Statistik und Forschungsmethoden für Psychologen und Sozialwissenschaftler. Wiley-VCH Verlag (Weinheim) 2019. ISBN 978-3-527-71553-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26195.php, Datum des Zugriffs 06.07.2020.


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