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Susanne Mayer: Die Dinge unseres Lebens

Cover Susanne Mayer: Die Dinge unseres Lebens. Und was sie über uns erzählen. Berlin Verlag (Berlin) 2019. 292 Seiten. ISBN 978-3-8270-1397-2.
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Autorin

Susanne Mayer, Jg. 1952, wurde nach Studien im In- und englischsprachigen Ausland, 1985 an der Universität Freiburg i.Br. im Fach Anglistik promoviert. Ihr erstes Buch, offensichtlich auf der Dissertationsschrift beruhend, erschien 1986 als 35. Band der „Neuen Studien zur Anglistik und Amerikanistik“ und trägt den Titel „Die Sehnsucht nach den anderen. Eine Studie zum Verhältnis von Subjekt und Gesellschaft in den Autobiographien von Lillian Hellman, Maya Angelou und Maxine Hong Kingston (Bern: Lang). Das klingt nach bildungsbürgerlichem Buch einer Tochter aus gutem Hause – mit einem Schuss linksalternativer Denk- und Lebensart der bundesrepublikanischen 1970er, von der den Nachgeborenen Sven Reichardt in „Authentizität und Gemeinschaft“ (Berlin: Suhrkamp, 2014; vgl. Heekerens 2014) meisterlich berichtet.

Im Erscheinungsjahr ihres ersten Buches, 1986, wechselte die Autorin zur ZEIT, nachdem sie seit 1983 zunächst als Volontärin, dann als Redakteurin der Stuttgarter Zeitung gearbeitet hatte. Mit überraschend schnellem Erfolg gearbeitet hatte: Schon 1985 wurde sie mit dem Journalistenpreis der (bundes-)deutschen Zeitungen, dem Theodor-Wolff-Preis geehrt – was in der zweimaligen Verleihung des Emma-Journalistinnen-Preises 1990 und 1994 seine Fortsetzung fand. Seit 1986 habe ich Bücher und ZEIT-Beiträge von Susanne Mayer immer wieder gelesen. Von den Büchern so Verschiedenes, aber in gleichem Maße Kluges wie „Deutschland armes Kinderland. Wie die Egogesellschaft unsere Zukunft verspielt. Plädoyer für eine neue Familienkultur“ (Frankfurt a.M.: Eichborn, 2005) oder „Die Kunst, stilvoll älter zu werden. Erfahrungen aus der Vintage-Zone“ (Berlin/München: Berlin-Verlag, 2016).

Und 2017:„Männer!“ (Berlin/München: Berlin Verlag), eine Sammlung von ZEIT-Kolumnen-Notizen früherer Jahre. In dessen Einleitung lesen wir (auf S. 12–13): „Dieses Buch ist jedenfalls ein Versuch, Männer durch Beobachtung von außen zu erfassen, durch Beäugung. Gesucht wurde einmal für eine Kolumne ‚Männer!‘ im Feuilleton der Zeit der ethnologische, etwas distanzierte, gleichwohl wohlwollende Blick auf dieses Geschlecht. Als Autorin kam also nur eine Feministin in Frage. Ich. Ich fand Männer immer toll.Schon als kleines Mädchen fand ich, dass es zu wenig davon gäbe. Mein Lieblingswunsch war nicht die berühmte Schildkrötenpuppe, sondern ein Bruder. Möglichst zwei. Bitte älter. So lernte ich, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können, jedenfalls nicht, soweit sie Männer betreffen.“ Von wenigen Frauen, meiner Ehefrau und guten Freundinnen aus alten Zeiten habe ich mich als Mann, besser „beäugt“ gesehen, als von Susanne Mayer. Und Gott sei Dank betreibt sie dieses Geschäft weiter. Ihr „Männer!“-Kolumnenbeitrag „Gesten von Gestern“ in der ZEIT 39/2019 vom 18.9.2019 (https://www.zeit.de/2019/39/maenner-frauen-bar-rollenbilder-kniefall; 22.11.2019) ist ein Artikel zum Niederknien.

Und dann ist da neben der „Männer!-Kolumne“ eine zweite, die mich tief beeindruckt hat. Die elfteilige über Kambodscha nach der Jahrtausendwende („Khmer Route. Kambodschanisches Tagebuch“). Was mir als Ostasienreisendem imponiert, ist ihr zugleich empathischer und scharfer Blick. Ich gebe davon eine Kostprobe aus dem dritten Bericht (https://www.zeit.de/online/2006/13/kambodscha3/​komplettansicht; 22.11.2019), der in Phnom Penh spielt: „Ab und zu ein Schluck. Hurley trinkt Budweiser, ich trinke Angkor, Allan schüttet Cola in sein Bierglas. Wir beobachten, wie ein Rikscha-Fahrer sechs Kinder absetzt, jedes mit einem Plastikkörbchen vor dem Bauch, in dem Raubdrucke von Büchern sind, in denen Kinder ihre Alpträume aus der Pol-Pot-Zeit erzählen. Die Kinder setzen sich auf die Ufermauer und warten. Es sind Kinder in jeder Größe, Mädchen wie Jungen. Ein dicklicher weißer junger Mann kommt und spricht sie an, er fährt ihnen über die Haare, er knuddelt sie, er nimmt einen kleinen mageren Kerl, packt ihn an Arm und Bein und wirbelt ihn herum. Er legt den Arm um seine Schultern. Jetzt sieht er genauso aus wie der Mann auf der Annonce von Unicef auf dem Stadtführer von Phnom Penh, wo eine Warnung in roter Schrift zu lesen ist: ‚Sex with Children is a crime‘.“

Thema

Die Frage des Themas eines Buches hängt – nicht logisch zwingend, aber doch faktisch relevant – zusammen mit einer ganz anderen Frage: Was für eine Art von Buch haben wir denn hier vor uns? Die Frage nach der literarischen Gattung des vorliegenden Buches scheint auf den ersten Blick und die Grundunterscheidung von fact and fiction zu Grunde legend, einfach: es ist ein Sachbuch. Damit ist Einiges gewonnen, aber wie Vieles? Ich sehe drei Möglichkeiten, das Buch – und damit sein Thema – zu begreifen:

  • Man kann es erstens als (ein Stück) Autobiographie auffassen. Susanne Mayer hat in allem, was ich von ihr gelesen habe, ihre persönliche Note eingebracht. Hier aber geht dieses Persönliche doch weiter und tiefer. Hier berichtet die Autorin über weite Teile ihrer frühen Lebensgeschichte.
  • Sie spricht als Tochter über sich und ihre Eltern. Man könnte das Buch daher als „Familienbiographie“ ansehen. Davon gibt es viele Spielarten. Familienpsycholog(inn)en haben dazu wissenschaftliche Abhandlungen publiziert; etwa Peter Kaiser mit „Familien-Erinnerungen“ (Heidelberg: Asanger, 1989). Kinder prominenter Nazis haben öffentlich mit ihren Eltern abgerechnet – beispielsweise Niklas Frank (1987, 2005) mit seinem Vater, dem „Schlächter von Polen“ und seiner Mutter, der „Königin von Polen“. Und da ist dann noch das weit über tausend Buchseiten lange Werk „Die unerhörte Geschichte meiner Familie“ von Miljenko Jergović (Frankfurt a.M.: Schöffling & Co, 2017), der sich auf die Spuren seiner Familie begeben hat, „weil in jeder Familiengeschichte alles Wichtige der Weltgeschichte steckt“ (ebd. S. 2).
  • Die hier berichtete Familiengeschichte, die tatsächlich alles Wichtige der für sie relevanten Weltgeschichte enthält, spielt in den letzten Jahren des Hitlerreichs und den ersten Jahrzehnten der Bonner Republik. Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, kann man (und Frau) das Buch ansehen als einen besonderen und spezifischen Beitrag zur Geschichtsschreibung jener Übergangszeit. Damit ist das vorliegende Buch in eine Reihe gestellt mit Harald Jähners „Wolfszeit“ (Berlin: rowohlt Berlin; vgl. Heekerens, 2019a) und Willi Winklers „Das braune Netz“ (Berlin: rowohlt Berlin; vgl. Heekerens 2019b).

Aufbau und Inhalt

Das Buch besteht neben einem knappen Verzeichnis der verwendeten Literatur am Ende aus 22 Teilen, von denen 7 nochmals unterteilt sind. Etwa der Buchteil „Beutestücke“ in 3 Abschnitte mit den Titeln „Kleiner Brillantring“, „Chopin etc.“ und „Bild“. Die Teile-Überschriften sind ebenso nichts- wie vielsagend: Eingangs stehen da „Hausaufgabe“, „Ding-Freude“ und „Überwältigung“, am Ende „Poesiealbum“, „Das Unerträgliche, das Letzte“ und „Transformationen“.

Susanne Mayer hatte im September in der ZEIT (Nr. 37/2019, S. 21) Gelegenheit, ihr Buch vorzustellen. Ihre Einleitung dazu kann man als „Inhaltsangabe“ lesen: „Ein Elternhaus wird ausgeräumt. Alles will noch einmal berührt sein: Bilder und Gegenstände, Vertrautes, Verstörendes – eine Inventur der Vergangenheit. Am Ende ist das Haus leer und der Kopf voller Fragen, die nur die Toten noch beantworten könnten.“

Wie sie ihre Arbeit bewerkstelligt, davon mögen zwei Kostproben aus dem Buchteil „Beutestücke“, in dem von einem kleinen Brillantring, Chopin und einem Bild erzählt wird, zeugen. Zunächst Auszüge aus dem, die Mutter betreffenden Abschnitt zum kleinen Brillantring:

„Die Erzählungen von den Bombennächten waren unter uns Kindern in der Regel nicht sehr beliebt, es waren diese Erwachsenen-Storys im Endlos-Loop, die man bis zum Gähnen kannte, aber diese hatte doch Charme. Thema: Wie sich ein kleines Glück aus dieser Feuer- und Rußhölle ergab. Wenn mein Blick auf ihre Hand mit dem Ring fiel, war sie wieder da, diese immer wieder atemlos, mit großen Augen und ungläubigem Kopfschütteln vorgetragene Erzählung aus der Gattung ‚Es gibt doch Wunder‘. Besser als alles, was der Pfarrer zu bieten hatte, Brotvermehrung oder so.

Als meine Mutter tot war, bat ich darum, diesen Ring nehmen zu können, den sie selber schon lange nicht mehr getragen hatte, er wäre ihr von den Fingern gerutscht. Er war auch für mich zu weit, deshalb trug ich ihn zum Juwelier, um ihn enger machen zu lassen, und ich konnte mich nicht bremsen, ich musste diese unglaubliche Begebenheit, die uns den Ring zugetragen hatte, ebenfalls über den Tresen reichen. Die Hanseatin auf der anderen Seite sagte in dieser hanseatisch kühlen Art: ‚Ach. Wirklich?‘

Wirklich? Sie meinte es nicht böse, es war vielleicht sogar ein Ausruf der Bewunderung, aber etwas hakte sich in mir fest. Ach. Wirklich? War es wirklich so gewesen, auch nur wahrscheinlich, dass sich der Fund des Ringes so zugetragen hatte, dass er meiner Mutter in diesem Klumpen aus Ruß und Dreck vor die Füße gerollt war, wirklich so? Oder doch nicht?

Ein Verdacht stieg auf und ließ sich nicht mehr wegwedeln, er nistete sich ein, der Zweifel, nicht ohne zu schmerzen, er führte zu bohrenden Fragen, etwa dieser: ob es überhaupt wahrscheinlich war, dass sich im Tumult der Bombennacht ein Ring von einem Finger löste, rumkugelte und wie ein Schneeball in einem Klumpen Dreck verschwand. Um dann wie ein winziger Phönix blinkend aus der Asche wieder aufzuerstehen. Oder ob, eine Variante, die kaum zu denken war, für die man seinen ganzen Mut zusammennehmen musste, ob sie nicht vielleicht einmal den Blick nicht abgewandt hatte von den klein geschmolzenen Leichen und an einem der zur Unkenntlichkeit verbrannten Leiber, an der Hand einer Toten, diesen kleinen dünnen Reif entdeckt hatte.

Schnelles Bücken. Abziehen. Einstecken. Und, vielleicht im Bemühen, die Wahrheit auch vor sich selbst zu verdecken, diese detaillierte, immer wieder neu glatt gezogene Erzählung darübergelegt. Noch mal und noch mal. Meine Mutter.“ (S. 157–159)

Und jetzt zum, den Vater ins Auge fassenden, Abschnitt „Chopin etc,“ (S. 160–167), aus dem ausschnittsweise diese Passage wiedergegeben sei:

„Das Album ist in ein rehbraunes, fein genarbtes Leder gebunden. Auf dem Rücken ist ein Rechteck eingesetzt, gerade so lang wie ein kleiner Finger, es ist schmal in Gold gerahmt und trägt einen geprägten Schriftsatz: CHOPIN. Das Album ist so heftig benutzt worden, dass das dünne Leder an den Kanten abgeschubbert ist und einen Blick auf ein darunterliegendes Gewebe erlaubt. Man schlägt es auf und sieht: gelockerte Fadenbindung. Das Deckblatt hat einen Schmuckkranz aus orangefarbenen Ornamenten, die an stilisierte Tulpen erinnern. In der Mitte steht: F.Chopin – OEuvres Completes (Ch. Klindworth), Vol 1. Der Verlag: ‚P. Jurgenson a Moscou, St. Pétersbourg, chez Jurgensen/​Varsovie, che E.Wende & Co/Kiew, che L. Idzikowki‘. Der Preis: ‚Prix 2 Rbl. 25 c.‘

… Auf der ersten Seite gibt es eine Widmung, mit dunkelbrauner Tinte, zarte Anstriche, schwungvoll in den Abstrichen. Die Abschrift besagt, dass es sich um ein Geschenk an den Wladimir Sofronizki handelt, ‚aus Dankbarkeit für die Beteiligung am Konzert am 14. Dezember 1914 zugunsten heldenhafter russischer Soldaten‘.

An solchem Heldentum gab es großen Bedarf. Seit der deutschen Kriegserklärung am 1. August 1914 warf sich die russische Jugend dem deutschen Feind in einem hoffnungslosen Widerstand entgegen, in einem Krieg, in dem 1,8 Millionen russische Soldaten fallen würden und der als die große Katastrophe Russlands gilt. Dazu also, zum Auftakt, dieses Konzert. Und der schöne Band Chopin als großzügige Geste der Anerkennung an diesen jungen Wladimir Sofronizki, der im Dezember 1914 erst dreizehn Jahre alt war, wenn auch schon Klavierschüler seit seinem sechsten Lebensjahr und der später Professor am Konservatorium in Moskau sein würde. Er kam aus Leningrad, der Stadt, die ab September 1941 von der Wehrmacht belagert werden würde bis zum Januar 1944 und in der mehr als eine Million Menschen·starben – mehr als eine Million von den 26 Millionen russischen Toten im Zweiten Weltkrieg. Sofronizki gehörte zu denen, die man evakuiert hatte. Dieser Band kam also in dem ersten Krieg gegen die Deutschen zu Wladimir Sofronizki und ging ihm in diesem zweiten Krieg gegen die Deutschen verloren, weil er in den Besitz des deutschen Gefreiten Mayer [der Autorin Vater] geriet. Wie? Wie soll man das erfahren, sie sind ja beide tot. Der Chopin-Band wurde jedenfalls so heftig bespielt, dass sich einige Seiten aus der Fadenbindung gelöst haben und jetzt lose einliegen. Wer es wohl war? Sofronizki? Wladimir Sofronizki war für einige Musikliebhaber Russlands der größte Pianist seiner Zeit. Für Swjatoslaw Richter war Sofronizki ‚ein Gott‘. Er spiele die ‚Sarkasmen‘ besser, als er sie geschrieben habe, sagte Prokofjew.(…) Mein Vater jedenfalls kann es nicht gewesen sein, der diesen Band so heftig nutzte, wenn auch er Chopin mit Leidenschaft liebte, so viel ist klar.“ (S. 160–162)

Diskussion

Man kann, wie oben erläutert, das Buch unter (mindestens) drei Perspektiven lesen: als Autobiographie, als Familienbiographie und als Beitrag zur Geschichtsschreibung der Umbruchzeit zwischen Hitlerreich und Bonner Republik. Das sind keine sich wechselseitig ausschließenden Betrachtungsweisen. Vielmehr ist es so, dass mal zwar die eine dominieren kann, die anderen deshalb aber nicht aus ausgeschlossen werden. Und: Dass bei jeder Leserin und jedem Leser je nach Interessens- und Kenntnislage mal die eine oder die andere vorherrschen kann. Ich selbst konnte das unter allen drei Perspektiven lesen. Als Hinterbliebener habe ich Wohnungen leer räumen müssen und als Familientherapeut an eigenen und fremden Familienerinnerungen arbeiten dürfen. Und ich bin, fünf Jahre älter als die Autorin, wie sie eines der deutschen Nachkriegskinder.

Und unter dieser Betrachtungsweise hat das Buch bei mir den meisten Anklang und lange währenden Nachhall gefunden. Den größten Eindruck machte ein Erlebnis, von dem die Autorin im schon genannten ZEIT-Artikel (Nr. 37/2019, S. 21) zum Ende in folgenden Worten berichtet:

„Ein Zeugnis. Gelobt werden Verdienste in der Entwicklung neuer Methoden der Kinotheodolitvermessung im Auftrag der Heeresversuchsanstalt Peenemünde – Bestimmung der Raum-Zeit-Koordination von Flugkörpern. Der Vater hatte sich damit gebrüstet, an der Entwicklung der Aggregat 4 beteiligt gewesen zu sein, besser bekannt als V2, der sogenannten Vergeltungswaffe, mit der Hitler hoffte, den Untergang seines Reiches zu stoppen. Fertigung im südlichen Harz. Was genau war die Arbeit des Vaters, wo stand sein Schreibtisch? In Bleicherode, einem idyllischen Fachwerkstädtchen? In Mittelbau-Dora, neben dem KZ, dessen Gefangene das Wunderding montieren mussten? Unter Bedingungen, die so grausam waren, dass von mehr als 60.000 Häftlingen mehr als 20.000 starben, wusste er das? War er in den berüchtigten Stollen? Die Frage führt zu einer Exkursion, es ist ein Abstieg in die Hölle. Einer meiner Söhne begleitet mich. Danach betrachten wir stumm das liebliche Tal, in dem die Grundrisse der Baracken des KZs Dora mit weiß gekalkten Steinen ausgelegt sind. Wir fühlen uns sehr nahe. So springen die Schrecken der Vergangenheit von Generation zu Generation über.

Blättern in einem winzigen Kalender aus dem Jahr 1945, in dem für die Tage des Zusammenbruchs mehrmals ‚Abmarsch‘ vermerkt ist, für den 7., den 8., den 9. April, Tage, an denen die amerikanischen Panzer im Harz anrückten. Meint ‚Abmarsch‘ die Todesmärsche, auf denen noch einmal ein Drittel der KZ-Häftlinge starb? Ein Freund rät, mit dem Wühlen mal aufzuhören. Es mache unglücklich, egal, ob es Antworten gebe oder nicht. Mag schon sein. Aber wie geht Aufhören? Und was würde es helfen? ‚Die Vergangenheit ist nie tot. Sie ist nicht einmal vergangen‘, hat William Faulkner geschrieben. So ist es.“

Fazit

So ist es. Und wer dem zustimmen mag, findet im vorliegenden Buch eine Hilfe beim Erinnern. Es ist keine „Pflicht“-Lektüre. Jede Form von „Verpflichtung“ schadet dem Erinnern.

Literatur

Frank, N. (1987). Der Vater. Eine Abrechnung. München: Bertelsmann. Frank, N. (2005). Meine deutsche Mutter. München: Bertelsmann. Heekerens, H.-P. (2014). Rezension vom 17.07.2014 zu Reichardt, S. (2014). Authentizität und Gemeinschaft. Berlin: Suhrkamp. socialnet Rezensionen (http://www.socialnet.de/rezensionen/​16987.php; 22.11.2019). Heekerens, H.-P. (2019a). Rezension vom 13.06.2019 zu Jähner, H. (2019). Wolfszeit. Deutschland und die Deutschen 1945–1955. Berlin: rowohlt Berlin Verlag. socialnet Rezensionen (https://www.socialnet.de/rezensionen/​25615.php; 22.11.2019). Heekerens, H.-P. (2019b). Rezension vom 04.07.2019 zu Winkler, W. (2019). Das braune Netz. Wie die Bundesrepublik von früheren Nazis zum Erfolg geführt wurde. Berlin: rowohlt Berlin Verlag. socialnet Rezensionen (https://www.socialnet.de/rezensionen/​25788.php; 22.11.2019). Reichardt, S. (2014). Authentizität und Gemeinschaft. Berlin: Suhrkamp (socialnet Rezensionen http://www.socialnet.de/rezensionen/​16987.php; 22.11.2019).


Rezension von
Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Heekerens
Hochschullehrer i.R. für Sozialarbeit/Sozialpädagogik und Pädagogik an der Hochschule München
Homepage de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter_Heekerens
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Zitiervorschlag
Hans-Peter Heekerens. Rezension vom 03.01.2020 zu: Susanne Mayer: Die Dinge unseres Lebens. Und was sie über uns erzählen. Berlin Verlag (Berlin) 2019. ISBN 978-3-8270-1397-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26198.php, Datum des Zugriffs 25.01.2020.


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ISSN 2190-9245

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