socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Barbara Messer: Seminare designen

Barbara Messer: Seminare designen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. 140 Seiten.

60 Impulskarten und 20-seitiges Booklet. EAN: 401-917230008-1

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand

Thema

Barbara Messer stellt in dieser Box mit 60 Impulskarten und 20-seitiges Booklet Tipps und Ideen vor, wie Trainings und Seminare konzipert und geplant werden können. Auch werden konkrete Maßnahmen für die verschiedenen Phasen vorgeschlagen. Im beiliegenden Booklet beschreibt die Autorin den Einsatz der Karten, wie das Design erstellt und Lernziele definiert werden können und wie der Transfer gelingen kann.

Autorin

Barbara Messer hat einen Bachelor of Business Administration, ist NLP-Master und NLP-Trainerin, Ausbildungstrainerin und gründete das »institut für ungewöhnliches lernen« in Berlin. Sie ist Fachbuchautorin, Unternehmensberaterin und Coach. (Verlagsangaben)

Aufbau und Inhalt

Das Booklet umfasst sechs Kapitel:

  1. Einstieg
  2. Vor dem Start
  3. Das Seminardesign selbst
  4. Dramaturgie: der Schlüssel des Seminardesigns
  5. Das ZIM-Prinzip (gemeint ist das Ziele-Inhalte-Methoden-Prinzip)
  6. Die Impulskarten im Einzelnen.

Bereits der Input im Booklet ist sehr praxisorientiert gestaltet und orientiert sich weniger an theoretischen Konzepten, lediglich auf das entwicklungspsychologische Modell der vier Kompetenzebenen von O’Connor und Seymor wird hier Bezug genommen:

  1. Unbewußte Inkomptenez
  2. Bewußte Inkompetenz
  3. Bewußte Kompetenz
  4. Unbewußte Kompetenz.

Es werden – exemplarisch – verschiedene Methoden eingeführt und kommentiert.

Eine Übersicht über die Impulskarten schließt das Booklet ab. Alle Impulskarten sind beidseitig bedruckt. Auf der Vorderseite ist jeweils ein Foto abgedruckt, auf der Rückseite eine laufende Nummer, ein Titel, eine Kurzinformation, Vorschläge, wie die Methode oder Technik eingesetzt werden kann und konkrete Impulse für den Einsatz. Einige Karten gehören inhaltlich zusammen und ergänzen einander, manche stehen als Einzelimpulse für sich. Folgende Schwerpunkte sind erkennbar:

  • Karte 1: Startsituation
  • Karten 2–5: zur Rolle/​Optimierung des/der Trainer*in
  • Karten 6–7: Format- und Auftragsklärung im Vorfeld
  • Karte 8: Check-up vor dem Semianr doer Training
  • Karten 10–14: Lernziele und ihre Planung
  • Karten 15–18: Inhalte sortieren und strukturieren
  • Karten 19–20: Lernziele erlebbar machen
  • Karten 21–22: Methodenwechsel und Inszenierung
  • Karte 23: Didaktik
  • Karten 24–27: Methodeneinsatz- und -auswahl
  • Karten 28–30: Sozialformen
  • Karten 31–32: Lernen mit den Sinnen
  • Karte 33: Der Rote Faden
  • Karten 34–35: Seminarvorbereitung und Angebote im Vorfeld
  • Karten 36–37: Mind Opener
  • Karten 38–40: Anfangen – Vertiefen – Verankern
  • Karte 41: Die Impulskarten im Einsatz: Die Karten als praktische Arbeisthilfe nutzen
  • Karten 42–50: Plane Dein Seminar
  • Karten 51–53: Semianrbausteine kreieren
  • Karten 54–56: Inhalte erarbeiten, bearbeiten und wiederholen
  • Karten 57–58: Entspannung im Training und Lernen in Bewegung
  • Karten 59–60: Ungewöhnlcihes im Seminar,

Exemplarisch sollen hier die Karten Sozialformen I bis III vorgestellt werden.

Drei Sozialformen werden erwähnt:

  • Einzelarbeit,
  • Kleingruppen und
  • Plenum.

Wofür sich welche Sozialform besonders eigenet oder auch nicht, wird nicht erörtert. Die Hinweise bleiben auf eienr eher allgmeinen Ebene, wie Hinweisen, dass Qualität wichtig ist oder das intensive Kommunikation und das Erleben gefördert werden soll. Wie das genau geschehen soll, bleibt offen oder wird nur allgemein ausgeführt: „Fördere das Erleben: Die Teilnehmer erleben sich und die anderen unterschiedlich. Auf diese Weise machen sie sehr viele Erfahrungen“ (Sozialform I). Da drängt sich die Frage danach auf, worin genau die Qualität eines solchen Hinweises bestehen soll? Für einen Profi in der Weiterbildung oder Seminar- oder Trainingsgeschäft sind solche Hinweise überflüssig, für einen Neuling so allgemein, dass er/sie damit überhaupt nichts anfangen kann, vor allem, weil sich keine Umsetzungsvorschläge oder Querverweise anschließen. Es werden auch hier häufig Begriffe miteinander verquickt oder synonym verwendet, z.B. Sozialformen und Aktivitäten. Klassischerweise unterscheidet die Pädagogik zwischen Sozial- und Aktionsformen, auch das ist nicht synonym mit Aktionen zu verwenden. Hier wäre etwas mehr Begriffsschärfe und -stringenz wünschenswert gewesen. Auch die konkreten Impulse, die die Karten zu den Sozialformen anbieten, lassen dann letztendlich an Konkretion doch zu wünschen übrig, wie die folgenden Beispiele der Karten I und II zeigen:

So raten die konkreten Impulse der zweiten Karte dazu: „In der heutigen schnelllebigen Zeit tut es vielen Menschen gut, zwischendrin eine konzentrierte Arbeitsphase für sich selbst zu haben. Und genauso gut ist, wenn sie eine gute Zeit in der Gruppe erleben.“ (Sozialform II). Diese Einschätzung ist völlig richtig, aber auch hier fragt sich Leser*in sicherlich, was mache ich mit einer solchen Aussage? Welche Sozialform eignet sich für welche Phase im Seminar beosnders gut, für welchen Kreis von Teilnehmenden, für welchen Inhalt oder welche Intention? Wann solche ich besser Einzelarbeit einplanen und warum und wann welche Form der Kleingruppenarbeit und warum? Mit all diesen Fragen scheint der/die Leser/in allein zu bleiben.

Diskussion und Fazit

Die vorliegende Box enthält eine Sammlung vielfältiger Ideen und Anregungen, interessant sicherlich für Menschen, die sich der Thematik vor allem aus einer neiderschwelligen oder sehr praktisch anwendungsorientierten Perspektive annähern möchten. Die Autorin erhebt zwar keinen wissenschaftlichen Anspruch, aber eine stärkere Bezugnahme auf einen andragogischen Referenzrahmen hätte den Karten und dem Booklet durchaus gut getan, da viele Vorschläge doch sehr spontan-assoziativ anmuten und eine Einbettung in ein „größeres Ganzes“ im Sinne einer pädagogischen Begründung an vielen Stellen im Sinne einer didaktischen Verortung und methodischen Einortnung gut getan hätte. Wobei hier zugegebenermaßen auch das Kartenformat in Postkartengößen eine große Herausforderung darstellt, wenn es um Tiefenschärfe geht.


Rezensentin
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
E-Mail
Mailformular


Alle 153 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden anzeigen.


Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 29.11.2019 zu: Barbara Messer: Seminare designen. Beltz Verlag (Weinheim, Basel) 2019. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26215.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung