socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Ruth Enzler Denzler, Edgar Schuler: Krisen erfolgreich bewältigen

Cover Ruth Enzler Denzler, Edgar Schuler: Krisen erfolgreich bewältigen. Wie Führungskräfte in Wirtschaft und Politik Schicksalsschläge überwinden. Springer (Berlin) 2018. 287 Seiten. ISBN 978-3-662-54705-2.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK


Thema

Die Autor*innen präsentieren Krisengeschichten von zehn Personen von öffentlichem Interesse. Anhand dessen erläutern sie geeignete Bewältigungsstrategien. Dabei gehen sie davon aus, dass Menschen jeweils einem bestimmten Persönlichkeitstypus zuzuordnen sind, also etwa zum sozialen, zum Ordnungsstruktur- oder zum Erkenntnistyp gehören. Daraus leiten sie ab, dass es für jeden Persönlichkeitstyp passende Strategien gibt, um mit Konflikten adäquat umzugehen.

AutorIn

Ruth Enzler Denzler (1966) absolvierte das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Zürich und arbeitete anschließend vier Jahre in der wirtschafts-politischen Kommunikation auf nationaler Ebene (economiesuisse). Dann folgten neun Jahre in verschiedenen Führungsfunktionen und Aufgabenbereichen bei einer Schweizer Großbank im Firmenkundengeschäft. 2001 nahm sie das Studium der Psychologie an der Universität Zürich auf und vertiefte es im Fach Gerontopsychologie. Anfang 2006 schloss Ruth Enzler Denzler das Studium mit einer Promotion ab.

Edgar Schuler (1962) studierte an der Universität Zürich Publizistikwissenschaft, Germanistik und Philosophie. Anschließend arbeitete er bei der Neuen Zürcher Zeitungzehn Jahren lang als Lokalredakteur. 2001 absolvierte er an der Universität Harvard in Cambridge, USA, ein Nachdiplomstudium in Betriebswirtschaft. Seither arbeitet er bei einer Tageszeitungals Ressortleiter (Selbstangaben der Autor*innen im Buch).

Aufbau

Das Buch präsentiert 10 Kapitel auf 200 Seiten:

  1. Der Anfang einer Krise
  2. Was die Krise ausmacht
  3. Die fünf Phasen der Krise
  4. Die drei Persönlichkeitstypen
  5. Wie Menschen des Erkenntnistyps mit Krisen umgehen
  6. Wie Menschen des sozialen Typs mit Krisen umgehen
  7. Wie Menschen des Ordnungsstrukturtyps mit Krisen umgehen
  8. Wann ist die Krise bewältigt?
  9. Das Ende einer Krise
  10. Die Interviews.

Ein Nachwort, das Literaturverzeichnis und Hinweise auf hilfreiche Adressen und Links schließen das Buch ab.

Inhalt

Grundannahme der Autor*innen ist es, „dass Menschen sich selbst befähigen können, Krisen besser zu bewältigen. Nämlich, indem sie auf die Erfahrungen anderer zurückgreifen, eigenes Erleben und individuelle Verhaltensmuster bewusster wahrnehmen und einordnen und mit den ihnen zugrundeliegenden psychologischen Konzepten und Prozessen in Verbindung bringen können.“ (7)

Unter einer Krise verstehen die Autor*innen analog zur Dudendefinition eine schwierige Lage, den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung und allgemeiner eine Zeit der Gefährdung, für die konstitutiv der Übergangscharakter ist. Eine Krise ist also nicht als Dauerzustand zu betrachten, vielmehr zeichnet sie aus, dass sie als Wendepunkt von einem Zustand in einen anderen überleitet. Neben entwicklungspsychologisch bedingten Krisen in Form von Übergangsphasen können Krisen durch äußere Ereignisse ausgelöst werden (19). Derartige Krisen stehen im Mittelpunkt des Buches. Krisen können schwere Auswirkungen auf Seele und Körper haben (19) und mit einem – individuell unterschiedlich erlebten – Gefühl des Kontrollverlusts beim Eintreten einer Krise verbunden sein (19). Sie lösen häufig auch unmittelbar Angst aus und findet ihren Ausdruck in körperlichen Reaktionen wie: Kurzatmigkeit, Herzrasen, starkes Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit und Muskelverspannungen (21). Was als Krise erlebt wird, unterscheidet sich subjektiv (24). So formulieren die Autor*innen: „Eine Krise ist allein dann eine Krise, wenn sie von den Betroffenen selbst als solche erlebt wird. Das Urteil anderer über diese Situation spielt keine Rolle. Ob ein Geschehen als Krise wahrgenommen wird oder nicht, hängt unter anderem von den individuellen Wertvorstellungen und vom Persönlichkeitstyp der Betroffenen ab.“ (24).

Die Autor*innen gehen davon aus, dass sich der Umgang mit Krisen erlernen und trainieren lässt, wobei es zu berücksichtigen gilt, dass sich Menschen hinsichtlich ihrer Resilienzressourcen unterscheiden. Manche Menschen also in besonderem Maße über Fähigkeiten verfügen, die von zentraler Bedeutung sind, wenn es darum geht, Krisen zu meistern und als Katalysator für Entwicklung zu nutzen (29). Unabhängig davon halten die Autor*innen für alle Menschen einen besseren Umgang mit Krisen für erlernbar.

Fünf Phasen sind typisch für den Krisenverlauf:

  1. Akutphase
  2. Phase der inneren Krisenarbeit
  3. Phase der Akzeptanz und Einsicht
  4. Phase der Kreativität und Evaluation
  5. Phase der Integration und Anwendung (34-35).

Die Autor*innen gehen von der Annahme aus, dass verschiedene Persönlichkeitstypen Krisen nicht nur unterschiedlich wahrnehmen, sondern auch versuchen, sie auf verschiedene Weise zu bewältigen (67). Die drei Typen differieren im Wesentlichen in den Werten, die für sie jeweils wichtig sind. Dies ist insofern für die Thematik von Relevanz, als dass Krisen die Wertesysteme der Betroffenen bedrohen (67).

  • Zunächst beschreiben die Autor*innen den sogenannten Erkenntnistypen. Ihn/sie scheint eine diffuse Existenzangst vor Entwicklungsstillstand und Blockaden eines Geschehens – der Angst vor Irreversibilität eines Ereignisses – zu kennzeichnen. Um diese Angst zu reduzieren, werden die inneren Werte Erkenntnis, Weiterentwicklung und Autonomie hochgehalten und große Lern- und Leistungsbereitschaft demonstriert.
  • Einen zweiten Persönlichkeitstyp stellt der soziale Typ dar. Ihn/Sie prägt eine diffus bestehende existenzielle Angst vor Ausschluss aus der Gemeinschaft. Diese wird kompensiert durch ein Streben nach sozialem Anschluss, Zugehörigkeit, Harmonie, Vertrautheit und Zuwendung.
  • Als dritter Persönlichkeitstyp wird der Ordnungsstrukturtypeingeführt. Seine/ihre Existenzangst fokussiert auf Status- oder Positionsverlust. Daher strebt er/sie nach Einfluss und Kontrolle und damit nach Erhalt seiner/​ihrer Stellung im jeweiligen System.

Es schließen sich 10 Interviews mit 5 Frauen und 5 Männern an, die sehr unterschiedliche Krisengeschichten zu berichten haben und auch ihre Bewältigungsstrategien teilen.

  • Der Bankier Konrad Hummler war von 1991 bis 2011 Teilhaber einer Schweizer Privatbank.
  • Der Manager Hans Künzle war von 2005 bis 2014 CEO eines Schweizer Versicherungskonzerns.
  • Eric Sarasin war 26 Jahre als Teilhaber und Geschäftsführer in einer Schweizer Familienbank tätig.
  • Der Sportmanager Sepp Blatter war Präsident des Weltfußballverbandes Fifa.
  • Die Juristin Monisha Kaltenborn leitete bis Mitte 2017 die Sauber Motorsport AG und war damit die erste Teamchefin der Formel 1.
  • Der Industriemanager Rolf Soiron war und ist CEO und/oder Verwaltungsratspräsident (Aufsichtsratsvorsitzender) zahlreicher Schweizer Großunternehmen.
  • Die promovierte Kriminologin und Juristin Silvia Steiner ist seit 2015 Mitglied der Regierung des Kantons Zürich.
  • Die Sozialwissenschaftlerin und Politikerin Monika Stocker war von 1994 bis 2008 Mitglied der Zürcher Stadtregierung mit dem Ressort Soziales.
  • Die Journalistin und Politikerin Susanne Hochuli war von 2009 bis 2016 Mitglied der Regierung im Kanton Aargau.
  • Die Juristin Franziska Tschudi Sauber ist seit 2001 CEO eines Schweizer Industrieunternehmens.

Diskussion

Das vorliegende Buch will „ein praktischer Ratgeber für Menschen sein, die sich in Krisensituationen befinden, sich darauf vorbereiten oder nach einer Krise verstehen wollen, was die Krise mit ihnen gemacht hat – und was sie beim nächsten Mal besser machen könnten.“ (5). Mithilfe der Interviews und der entsprechenden Kontextualisierungen wollen sie „eine Landkarte für einen bewussteren und auf den eigenen Stärken aufbauenden Umgang mit Krisensituationen und Schicksalsschlägen“ darstellen (16). Diesen Anspruch lösen die Autor*innen ein! Die Interviews bieten authentische Beispiele für krisenhafte Lebensereignisse und deren Bewältigungsversuche. Auch Ruth Enzler Denzler bringt immer wieder Beispiele für Krisen aus ihren ehren- und hauptamtlichen Erleben ein.

Fazit

Ein gut lesbares, interessantes Buch, das vielfältige Impulse alldenjenigen Menschen bieten kann, die sich mit einem ressourcenorientierten Blick auf Krisen und deren Bewältigung beschäftigen.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
E-Mail Mailformular


Alle 162 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden anzeigen.


Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 13.03.2020 zu: Ruth Enzler Denzler, Edgar Schuler: Krisen erfolgreich bewältigen. Wie Führungskräfte in Wirtschaft und Politik Schicksalsschläge überwinden. Springer (Berlin) 2018. ISBN 978-3-662-54705-2. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26217.php, Datum des Zugriffs 11.08.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung