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Markus Horneber, Rupert Püllen u.a.: Das demenzsensible Krankenhaus

Cover Markus Horneber, Rupert Püllen, Janine Hübner: Das demenzsensible Krankenhaus. Grundlagen und Praxis einer patientenorientierten Betreuung und Versorgung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. 403 Seiten. ISBN 978-3-17-033435-9. 45,00 EUR.
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Autoren

Herausgeber dieses Fachbuchs sind Markus Horneber, Rupert Püllen und Janine Hübner

  • Dr. rer. pol. M. Horneber, Vorstandsvorsitzender von AGAPLESION seit April 2012, ist erfahrener Gestalter im Gesundheitswesen
  • PD Dr. med. R. Püllen, Chefarzt der Medizinisch-Geriatrischen Klinik am AGAPLESION MARKUS KRANKENHAUS in Frankfurt am Main, ist unter anderem für den Querschnittsbereich Medizin des Alterns und des alten Menschen in Frankfurt zuständig
  • J. Hübner ist für die Unternehmensentwicklung bei AGAPLESION verantwortlich

Nachdem dieses Thema von einer inter- und multidisziplinären Ausrichtung lebt, werden die einzelnen Beiträge von Experten aus den Bereichen Pflege, Geriatrie, Demenz, Architektur, Medizin, Psychiatrie und Technologie ergänzt.

Die primäre Zielgruppe umfasst Führungs- und Fachkräfte aus den Bereichen Medizin und Management sowie Berater im Gesundheitswesen. Zusätzlich richtet es sich auch an alle Beteiligte im Krankenhaussektor, wie Ärzte, Mitarbeiter und Führungskräfte.

Aufbau

Dieses Kompendium gliedert sich in fünf Hauptkapitel, die wiederum in mehrere Unterkapitel aufgeteilt sind

  1. Demenz braucht bereits Denken und Handeln
  2. Strukturen und Rahmenbedingungen für kognitive Beeinträchtigungen schaffen
  3. Und das passiert im Krankenhaus
  4. Haltung, Handeln und Führen
  5. Die Zukunft ist schon da

Generell ist dieses Buch so aufgebaut, dass je nach persönlicher Vorliebe die einzelnen Kapitel separat gelesen werden können, ohne dass der Gesamtzusammenhang verloren geht. Jedes Kapitel beginnt mit einer kurzen Zusammenfassung und Einleitung in die jeweilige Thematik. Durch Schlüsselwörter am Seitenrand kann der Inhalt der einzelnen Sinnabschnitte prägnant erfasst werden. Die Auflistung der im Fließtext genannten Literaturverweise finden sich am Ende jedes Kapitels. 

Die Struktur der Buchkapitel wird zum einen durch die Aufteilung in Führungs-, Kern und Unterstützungsprozessen ersichtlich. Zum andern orientiert es sich im Aufbau an die DIN EN ISO 90001:2015 (Qualitätsmanagement). Kapitel 1 schafft einen Rahmen und Einstieg in die Erkrankungen Demenz und Delir. Im nachfolgenden Kapitel wird der Fokus auf die Architektur, Kommunikation und die Rolle der Mitarbeiter gelenkt. Das dritte Kapitel widmet sich dem Prozess eines Krankenhauses mit Informationen zur Aufnahme, Diagnose, Behandlung und Entlassung. Das vorletzte Kapitel betrachtet in diesem Kontext die Spiritualität und Ethik in Verbindung mit Recht und Finanzierung. Im letzten Kapitel werden Beispiele von existierenden Projekten im Handlungsfeld Demenz und in der ambulanten Versorgung sowie Chancen der Digitalisierung präsentiert.

Inhalt

Das erste Kapitel bietet einen thematischen Zugang zu den Krankheitsbildern Demenz und Delir, die dem klinischen Bild der Verwirrtheit zuzuordnen sind. Die Empfehlungen des Buches richten sie an mobil und körperlich aktive Menschen, die kognitiv leicht bis schwer demenzerkrankt sind. Die Maßnahmen im Krankenhaus müssen dabei die Krankheitsausprägung berücksichtigen.

Im darauffolgenden zweiten Kapitel werden Unterstützungsprozesse beschrieben, die die Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Gelingen eines demenzsensiblen Krankenhauses setzen. Die spezielle Architektur des Krankenhauses, insbesondere der Patientenzimmer, sorgt dafür, dass sich eine demenzsensible Bauweise positiv auf die Behandlung von Menschen mit Demenz, aber auch auf die Zufriedenheit der Mitarbeiter auswirkt. Durch eine spezielle bauliche und räumliche Gestaltung soll beispielsweise bei den Patienten ein Gefühl der Sicherheit und Geborgenheit erzeugt werden. Die Professionalität, Fachlichkeit und Kommunikation der Mitarbeiter gelten als Schlüsselfaktor für eine erfolgreiche Behandlung, sodass auf deren Gesundheit geachtet werden muss. Durch das Konzept der Resilienz als Burn-Out-Prävention, kann diese verbessert werden und wirkt sich wiederum positiv auf die Adhärenz und den damit verbundenen Therapieerfolg aus. Zur Entlastung der Mitarbeiter wird die Möglichkeit von ehrenamtlichen Besuchen aufgezeigt und ein Ehrenamtskonzept aufgestellt.

Im dritten Kapitel wird der Kernprozess eines Krankenhausaufenthaltes beleuchtet, der sich von der (Not-)Aufnahme über die Diagnostik und Behandlung bis hin zur Entlassung erstreckt. Dabei betrachten einzelne Teilprozesse mögliche kritische Situationen für einen Menschen mit Demenz mit entsprechenden Gestaltungsmöglichkeiten. Gleich zu Beginn der Aufnahme ist das Screening einer Demenz oder eines Delirs wichtig, damit beim Vorliegen einer dieser Erkrankungen die Behandlung und das Entlassmanagement angepasst werden können. Ebenso wird in diesem Kapitel auf das Medikamenten-, Schmerz- und Ernährungsmanagement eingegangen.

Das vorletzte vierte Kapitel widmet sich der Führungsebene, deren Leitbild und Wertevorstellungen die Grundlage der strategischen Ausrichtung bilden. Besonders in Unternehmen einer christlichen Trägerschaft stellt die Spiritualität eine besondere Ressource dar, die sich positiv auf das Krankheitserleben auswirkt. Gleichermaßen sollte die Behandlung am Patienten auch unter der Reflexion ethischer Gesichtspunkte erfolgen. Gerade im Bereich von Recht und Finanzierung entsteht ein Spannungsfeld zwischen ethischen und rechtlichen Aspekten, beispielsweise in der Fragestellung, wie die Rechte von Menschen mit Demenz gewahrt werden können. Ein Krankenhaus muss zudem immer auf der Grundlage von gesundheitspolitischen und finanziellen Aspekten agieren, um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu garantieren. Nur so können auch weiterhin Investitionen in die Mitarbeiter und neuen Technologien sichergestellt werden.

Im fünften Kapitel wird der Blick auf die Zukunft gerichtet und gleichzeitig bereits bestehende Projekte einer demenzsensiblen Versorgungsmöglichkeit in Österreich vorgestellt. In Bezug auf die Digitalisierung wird „SimPat“ vorgestellt, das Potenziale bezogen auf ein Case-Management im ganzheitlichen Versorgungsnetz aufzeigt. Eine gesicherte ambulante Versorgung ist unerlässlich, um so lange wie möglich einen stationären Aufenthalt für Menschen mit Demenz zu verhindern. In diesem Zusammenhang wird das Projekt „PORT – Patientenorientierte Zentren zur Primär- und Langzeitversorgung“ beschrieben, durch das lokale Gesundheitszentren neue Maßstäbe in der Qualität bewirken.

Diskussion

Im Zuge des demografischen Wandels leben immer mehr ältere Menschen in der Bevölkerung. Parallel zu dieser Entwicklung wird die Inzidenz der altersassoziierten Erkrankung Demenz zunehmen. Ein Krankenhausaufenthalt sollte für Menschen mit Demenz vermieden werden, da dieser meist nicht auf die spezifischen Bedürfnisse und Anforderungen ausgerichtet ist und sich somit negativ auf den Krankheitsverlauf auswirkt. Infolgedessen ist ein Umdenken wichtig, inwieweit ein Krankenhaus demenzsensibel gestaltet werden kann. In diesem Buch werden viele Anregungen unterbreitet, die nicht nur die Architektur und den Prozess eines Krankenhauses beleuchten, sondern auch die Perspektive der Mitarbeiter und der Führungsebene miteinschließen. Allerdings wird auch ersichtlich, dass die Etablierung eines demenzsensiblen Krankenhauses aufgrund der vorhandenen Rahmenbedingungen, wie etwa Personalmangel oder Zeitdruck, schwierig zu erreichen ist.

Fazit

„Das demenzsensible Krankenhaus“ bietet einen umfassenden Blick auf die beteiligten Stakeholder und Rahmenbedingungen eines Krankenhauses und wie sich diese mittels gezielter Anpassungen positiv auf eine Demenzerkrankung auswirken können. Wie bereits auch die Autoren erwähnen, kann dieses Buch als Werkzeugkoffer gesehen werden, um ein Krankenhaus demenzsensibel zu gestalten. Je nach individuellem Schwerpunkt kann man sich diesen als Ganzes oder nur mit ausgewählten Elementen bedienen. Anmerkungen in den einzelnen Kapiteln verweisen auf einen Zusammenhang zu verwandten Themen, was eine multidisziplinäre Arbeitsweise fördern kann. Durch die einzelnen Beiträge der verschiedenen Autoren wird eine Vielzahl von Inspirationen gewährleistet, die jeder einzelne je nach seinem beruflichen oder persönlichen Schwerpunkt aufgreifen kann.

Durch die Zusammenfassung und Einleitung in jedem Kapitel kann der Zweck des Themenbereiches schnell erfasst werden. Jedoch hätte in meinen Augen die Einleitung weggelassen werden können, da sich diese in der Zusammenfassung widerspiegelt und somit Redundanzen entstehen. Die Literaturangaben der im Text genannten Quellen ermöglichen eine Verifizierung der einzelnen Aussagen.


Rezension von
Alisa Hemberger
Studentin
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Zitiervorschlag
Alisa Hemberger. Rezension vom 28.01.2020 zu: Markus Horneber, Rupert Püllen, Janine Hübner: Das demenzsensible Krankenhaus. Grundlagen und Praxis einer patientenorientierten Betreuung und Versorgung. Verlag W. Kohlhammer (Stuttgart) 2019. ISBN 978-3-17-033435-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26235.php, Datum des Zugriffs 24.11.2020.


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