socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Max Nicolai Appenroth, María do Mar Castro Varela (Hrsg.): Trans & Care

Cover Max Nicolai Appenroth, María do Mar Castro Varela (Hrsg.): Trans & Care. Trans Personen zwischen Selbstsorge, Fürsorge und Versorgung. transcript (Bielefeld) 2019. 312 Seiten. ISBN 978-3-8376-4599-6. D: 29,99 EUR, A: 29,99 EUR, CH: 36,80 sFr.

Reihe: Gender Studies.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK

Besprochenes Werk kaufen
über socialnet Buchversand


Thema

Im vorliegenden Band geht es um das Recht auf eine gute Gesundheitsversorgung, Pflege und Sorgearbeit von trans Menschen. Die Beiträge dieses Buches beschäftigen sich mit der aktuellen Lage von trans Personen in den diversen Versorgungssystemen und fokussieren dabei auf das Konzept der „Selbstsorge“. Der Band will einen Weg bereiten für Handlungsoptionen, die zu einer verbesserten pflegerischen, medizinischen, therapeutischen und sozialen Versorgung von trans Personen führen. Wie die Herausgeber_innen in der Einleitung betonen, ist es „ein strategisch-politisches Buch“ (S. 20), in dem zum einen Kritik geübt wird „an staatlichen Verordnungen und institutioneller Ignoranz und Engstirnigkeit, in deren Folge in vielfacher Hinsicht Leid produziert wird. Zum anderen werden Wege aufgezeigt, wie die Sorgearbeit, die Versorgung und die allgemeinen Perspektiven bezüglich trans Menschen affirmativ und inklusiv zu gestalten sind“ (S. 20). Die Beiträge wollen dazu anregen, „trans Care weiterzudenken, Kritik an den hegemonialen Care-Strukturen zu üben und aktiv zu werden gegen eine verletzende und weitgehend unhinterfragte Cis-Normativität in den Sorge- und Versorgungsstrukturen und -praxen“ (S. 30).

Autoren

Max Nicolai Appenroth (M.A. Soziokulturelle Studien, B. A. Soziale Arbeit) promovierte am Institut für Public Health der Charité Universitätsmedizin Berlin zum Zugang zur medizinischen Versorgung von trans Personen. Er ist freier Bildungstrainer und forscht und lehrt im In- und Ausland.

Maria do Mar Castro Varela (Dipl.-Psychologin und Dipl.-Pädagogin) promovierte in Politikwissenschaften und ist Professorin an der Alice Salomon Hochschule für Allgemeine Pädagogik und Soziale Arbeit in Berlin. Schwerpunkte u.a. Gender und Queer Studies.

Die Autor_innen der 15 Kapitel sind zum großen Teil Fachpersonen, die ihre Beiträge aus einer gelebten trans Perspektive heraus verfasst haben.

Entstehungshintergrund

Es besteht im Hinblick auf trans Gesundheit und Pflege ein großes Defizit an Reflexion und wissenschaftlicher Aufarbeitung dieser Themen. So ist das Menschenrecht auf trans Gesundheit nicht eingelöst, die Versorgungslage von trans Personen ist eine große Unbekannte, es fehlt vielfach an Sensibilität für eine transinklusive Sprache, und es bestehen gravierende Wissenslücken und vielfältige Hürden, die trans Menschen in ihrem Transitionsprozess zu überwinden haben. Die Beiträge dieses Buches wollen zur Verbesserung dieser Situation beitragen, indem sie dem medizinischen wie auch dem pflegerischen und therapeutisch-unterstützenden Fachpersonal wichtige Einblicke in die verschiedenen Berufsfelder eröffnen. Trans Menschen selbst soll durch die hier vermittelten Informationen die Möglichkeit geboten werden, gezielte Maßnahmen zur Selbstsorge ergreifen zu können.

Aufbau und Inhalt

An den Beginn des Buches haben die Herausgeberin und der Herausgeber ein Glossar der wichtigsten in der LGBTIQ-Welt verwendeten Begriffe gestellt, sodass auch Leser_innen, die wenig mit diesem Vokabular vertraut sind, keine Probleme bei der Lektüre haben. Die Stichworte reichen von „Angleichung“, „Cis-geschlechtlich“ und „Cis-Normativität“ über „Heteronormativität“, „Inter“ und „Transidentität“ bis zu „Transsexuellengesetz“.

In den 15 Kapiteln dieses Sammelbandes stellen die Autor_innen verschiedene Aspekte der Gesundheitsversorgung, Pflege und Sorgearbeit von trans Menschen dar. Eine große Zahl von Beiträgen stützt sich dabei auf empirische Untersuchungen. An das Ende jedes Beitrags ist ein Literaturverzeichnis gestellt.

In der Einleitung „Trans & Care: Das Recht auf eine gute Gesundheitsversorgung, Pflege und Sorgearbeit“ stecken Max Nicolai Appenroth und Maria do Mar Castro Varela den Rahmen dieses Sammelbandes „als ein strategisch-politisches Buch“ ab. „Es wird zum einen Kritik geübt an staatlichen Verordnungen und institutioneller Ignoranz und Engstirnigkeit, in deren Folge in vielfacher Hinsicht Leid produziert wird. Zum anderen werden Wege aufgezeigt, wie die Sorgearbeit, die Versorgung und die allgemeinen Perspektiven bezüglich trans Menschen affirmativ und inklusiv zu gestalten sind“ (S. 20). Dem Thema „Trans & Care“ kommt eine besondere Bedeutung zu, da das Menschenrecht auf „den höchsten erreichbaren Stand an körperlicher und geistiger Gesundheit“, wie es von der UN im Sozialpakt 1966, Art. 12 formuliert und von der Bundesrepublik Deutschland ratifiziert worden ist, im Hinblick auf trans Gesundheit nicht eingelöst worden ist. Zudem ist die Versorgungslage von trans Personen eine „große Unbekannte“, und es bestehen in Deutschland erhebliche Wissenslücken und große Hürden für trans Menschen. Anschließend werden die folgenden 14 Beiträge kurz skizziert. Ziel dieses Sammelbandes ist, „trans Care weiterzudenken, Kritik an den hegemonialen Care-Strukturen zu üben und aktiv zu werden gegen eine verletzende und weitgehend unhinterfragte Cis-Normativität in den Sorge- und Versorgungsstrukturen und -praxen“ (S. 30).

Unter dem Titel „Die Transition des Medizinsystems: Vom Cis-Heterozentrismus zur Affirmation der Geschlechtervarianz“ stellen David Garcia Nunez, Christian Meier und Dirk Johannes Schaefer die in den vergangenen Jahren feststellbare Veränderung der Beziehung des Medizinsystems zum Phänomen Trans dar. Sie zeichnen den Weg von einem die trans Menschen pathologisierenden Ansatz (etwa durch die Diagnose „Transsexualismus“ der ICD-10) zu einer Ent-Psychiatrisierung durch die Diagnosen der „Genderdysphorie“ (DSM-5) und der „gender incongruence“ (ICD-11) nach. Am Beispiel des „Schwerpunkts für Geschlechtervarianz“ (SPGV) des Universitätsspitals Basel exemplifizieren die Autoren ihren Weg zur Garantie eines „konfliktresistenten, interdisziplinären Behandlungssettings“ (S. 42). Die Mitarbeitenden im SPGV verstehen ihre Tätigkeit nicht mehr als „Geschlechterkontrollinstanz“ (S. 45), sondern verfolgen mit dem informed consent „ein partizipatives Modell, worin die Behandlungssuchenden jede medizinische Entscheidung auf Augenhöhe mit ihren Behandelnden mitgestalten können. Das heißt allerdings nicht, dass jeder geschlechtsvarianten Person zu jedem Zeitpunkt sämtliche diagnostische und oder therapeutische Maßnahmen zur Verfügung stehen“ (S. 47). Die Autoren räumen ein, dass man darin eine Wiederholung der Gate-Keeping-Logik sehen könne. Sie halten dieser Kritik jedoch entgegen, dass die SPGV-Mitglieder jegliche paternalistisch-medizinische Haltung ablehnen, dass aber aufgrund der dem Medizinsystem inhärenten „multiplen trans unspezifischen Kontrollmechanismen“ jede medizinische Behandlung „zwingend zum diagnostischen Kontrollverlust und zu therapeutischer Ohnmacht“ führe (S. 47). Das Fazit dieser Überlegungen lautet: „Mit diesen Gegensätzen müssen die Behandlungssuchenden, aber auch die SPGV-Mitglieder, möglichst bewusst umzugehen versuchen. Die Frage nach Überwindung der medizinischen Kontrollmacht, wenn auch für die geschlechtervariante Bevölkerung relevant (…), sprengt aber zweifellos den SPGV-Aktionsrahmen“ (S. 47).

Dem Thema „Medizinische Trans Konzepte im Wandel: Ambivalenzen von Entpathologisierung und Liberalisierung“ widmet sich Katharina Jacke im folgenden Kapitel. Die Autorin sieht zwar im medizinischen Feld Trans einen „Trend zur Liberalisierung“ (S. 56). Zugleich lassen sich nach Beobachtung der Autorin in den medizinischen Debatten jedoch auch widersprüchliche Entwicklungen der aktuellen Veränderungen feststellen. Dabei zeige sich ein „medizinischer Entwicklungsmodus, den ich als regressive Liberalität bezeichne“ (S. 56). Ziel ihres Beitrags sei es, „die entstehenden Widersprüche einer zunehmend liberal agierenden Medizin, die doch weiterhin den Zugriff auf Trans-Konzepte anstrebt, exemplarisch aufzuarbeiten“ (S. 56). Nach Ansicht der Autorin stellt die trans Behandlung einen „medizinischen Widerspruch“ dar, denn nach wie vor erfüllen die psychologischen und psychiatrischen Fachleute „die Türsteherfunktion für endokrinologische und chirurgische Behandlungsmaßnahmen (…). So stellen sie weiterhin Diagnosen und verfassen Empfehlungsschreiben zur Indikation für Behandlungen“ (S. 58). Der Krankheitsbegriff sei zwar von der ICD-10 zum DSM5 bis zur ICD-11 entpathologisiert worden. Die Medizin habe aber „in der Absicht der Fürsorge die Wünsche von trans Menschen nach einer Streichung der Diagnosekategorie maßgeblich ignoriert“ (S. 63). Die Autorin bringt es auf den Punkt, indem sie darauf hinweist, die medizinischen Exptert_innen übernähmen „genügsam die Aufgaben der Politik, allerdings ohne den medizinischen Paternalismus zu brechen, der trans Menschen im neuen Diagnosesystem normiert und Entscheidungen über ihre Köpfe hinweg an Behandelnde weitergibt“ (S. 63/64). In überzeugender Weise verweist Katharina Jacke in ihrer Kritik an der 2018 veröffentlichten S3-Leitlinie darauf, dass die Formulierung, die Entscheidungen über die Notwendigkeit und die Reihenfolge der Behandlungsschritte erfolge „partizipativ im Sinne einer Übereinstimmung zwischen Behandlungssuchenden und Behandelnden“, nicht klar sage, wer letztlich die Entscheidung treffe. „Dass die Entscheidungshoheit weiterhin bei den Behandelnden liegt, wird nicht hervorgehoben, scheint aber unumstößlich“ (S. 65) (vgl. die oben zitierten Ausführungen von Garcia Nunez et. al. in diesem Band). Trotz aller Fortschritte in Gestalt einer Entpathologisierung und im Hinblick auf die Flexibilisierung der Behandlungsschritte bleibt Trans gemäß Katharina Jacke „ein Krankheitskonzept. Liberalität ist der Motor, der die Deutungshoheit der Medizin festschreibt, mit dem sie sich ihrem Gegenstand annähert und ihn erneut in ihre Klassifikationen integriert. Das liberale Moment der Möglichkeitenvielfalt für Diagnose- und Behandlungsverläufe wirkt so zusammen mit dem regressiven Moment des sozialen Ausschlusses von trans Menschen, die weiterhin gezwungen sind, ihre Lebensentscheidungen einem Diagnosekatalog und medizinischen Expert_innen zu überlassen“ (S. 70). Das Fazit der Autorin überzeugt: „Gerade Liberalität zementiert also den Mangel an Autonomie für trans Menschen und führt dazu, dass ihre Subjektivität weitgehend von Fremden verhandelt wird. (…) Die Billigung der Autonomie von trans Menschen in allen Lebensentscheidungen ist dabei überfällig“ (S. 70).

Arn T. Sauer und Timo O. Nieder befassen sich in ihrem Beitrag „We care: Überlegungen zu einer bedarfsgerechten, transitionsunterstützenden Gesundheitsversorgung“ mit der Frage, wie die Gesundheitsversorgung von trans Menschen in Zukunft ihrer wortimmanenten Aufgabe nachkommen kann. Durch die Entpathologisierung des Phänomens Trans sehen die Autoren den Weg geöffnet „von paternalistischer Fürsorge zur bedarfsgerechten Versorgung“ (S. 78). Dabei heben sie die positive Rolle hervor, die nach ihrer Einschätzung in diesem Prozess die S3-Leitlinie spielt. Sie sind sich jedoch der Tatsache bewusst, dass die DSM5- und ICD-Diagnose „als Voraussetzung für eine Indikationsstellung für somatische Behandlungen im Zuge einer Geschlechtsangleichung weiterhin erforderlich“ ist (S. 84). Die Autoren sehen in ihrer Diskussion des in der S3-Leitlinie verwendeten „informed consent“ die Möglichkeit zu einer weitgehenden geschlechtlichen Selbstbestimmung. Allerdings müssen auch sie, wie Garcia Nunez et al. in diesem Band, einräumen, dass damit kein wirklich autonomiebetonender Ansatz besteht, der die Mündigkeit der behandlungssuchenden trans Person in den Mittelpunkt rückt. Die neue Leitlinie positioniere sich „vorsichtiger und wählt das gemeinsame Entscheidungsmodell“ (S. 87). Auch im Hinblick auf eine zukünftige überarbeitete, an die ICD-11-Diagnose angepasste Version der S3-Leitlinie ist die Rede lediglich davon, dass hier partizipative Ansätze „wünschenswert“ seien. Eine ehrliche, aber keineswegs optimistisch stimmende Aussage!

Malin Houben, Gabriele Dennert, Muriel Gonzalez Athenas und Constanze Ohms behandeln in ihrem Beitrag das Thema „Gesundheit – jenseits der Mann/Frau-Binarismen. Bedarfe an eine nicht-normative Versorgung in Bezug auf Körper, Geschlecht und sexuelle Orientierung“. Die Humanmedizin und die psychotherapeutischen Disziplinen stehen schon länger in der Kritik dafür, „dass sie aktiv daran beteiligt sind, Menschen in geschlechterbinäre, heterosexistische und anderweitig normative Verhältnisse einzupassen und damit selbst negativ auf das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Integrität einer Person einzuwirken“ (S. 105). Die Autorinnen legen ihren Ausführungen die Resultate der Queergesund*-Studie (2014 bis 2017) zugrunde, die der Gesundheit und der Gesundheitsförderung für lesbische, bisexuelle und queere Frauen galt. Im Rahmen dieser Studie wurden eine partizipative Bedarfsanalyse durchgeführt, Handlungsansätze entwickelt und diese auf einer Transfertagung zur Diskussion gestellt. Ziel war es, „Impulse zu geben, die richtungsweisend für verschiedene Akteur_innen aus Politik, Gesundheitsversorgung und LSBQTI Communities und weitere Forschungsprojekte sein können“ (S. 105). Für den Beitrag in diesem Sammelband wurden die Daten noch einmal sekundäranalytisch zu der Frage ausgewertet, welche Bedarfe sich spezifisch an eine nicht-normative Gesundheitsversorgung in Bezug auf Körper, Geschlecht und sexuelle Orientierung formulieren lassen. Diese Analyse verfolgt drei Ziele: erstens die Erscheinungsformen von Körper- und Geschlechternormativitäten in der Versorgung zu systematisieren, zweitens die spezifischen Auswirkungen für Personen, die in ihrem geschlechtlichen Selbstverständnis und in ihrer nicht-heterosexuellen Lebensweise marginalisiert und diskriminiert werden, besser zu verstehen und darauf aufbauend drittens Vorschläge abzuleiten, wie darin interveniert und die Gesundheitsversorgung verbessert werden kann. Die Erfahrungen der Studienteilnehmer_innen zeigen, dass ihr Zugang zur Versorgung und die Qualität der Angebote durch eine Reihe von normativen Praktiken beeinträchtigt wurden. Diese bezogen sich auf den nicht-normativen Körper, den nicht-normativen Lebenslauf und verschiedene normierende medizinische Praktiken. Die aus den Resultaten abgeleiteten Bedarfe und Empfehlungen für eine nicht-normative Gesundheitsversorgung zielen „auf eine Stärkung der Patient_innenrechte ab“ (S. 115).

Dabei gilt es,

  1. einen umfassenden Gesundheitsbegriff in der Versorgung weiterzuentwickeln, der die Diversität menschlicher Lebenserfahrungen akzeptiert,
  2. die Kritik an der Binarität von Körpergeschlecht als Grundlage medizinischer Diagnostik und Therapie weiterzuführen,
  3. das Gesundheitswesen konkret und messbar hin zu einer LSBQTI-akzeptierenden Versorgung zu verändern und
  4. Umgangsstrategien und Ressourcen von betroffenen Personen zu unterstützen.

Die Frage „Strukturell-organisatorische Diskriminierung von trans Menschen durch Kostenträger?“ ist aufgrund der von Klaus-Dieter Neander durchgeführten Analyse des bundesdeutschen Gesundheitswesens und der Entscheidungsgrundlagen von Kostenträgern und des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) eindeutig mit „Ja“ zu beantworten. Aufgrund der Erfahrungen des Autors entfalten „gerade diese Institutionen erhebliche diskriminierende Potenziale, allen voran – so scheint es – der MDK“ (S. 133). Das düstere Fazit lautet, dass die strukturellen Diskriminierungen, die durch die Kostenträger und vor allem durch den involvierten MDK und die Behörden ausgeübt werden, „ein hohes Maß an Unkenntnis über Transidentität und Geschlechtsvariationen“ zeigen (S. 138). Es fehlen den Mitarbeitenden dieser Institutionen oft queer- und gendertheoretische Grundlagen, die es ihnen „ermöglichen würden, sich wertschätzend und akzeptierend für die trans Personen einzusetzen, statt durch Prinzipienreiterei und Rückgriff auf längst überholte Konzepte jene Personen zu diskriminieren, die ohnehin schon massiven Stressbelastungen ausgesetzt sind“ (S. 139).

Der Beitrag „Komplizierte Strukturen und der Faktor Mensch. Erfahrungen und Ressourcen junger trans Menschen im Umgang mit dem Gesundheitssystem“ von Arn T. Sauer und Erik Meyer stützt sich auf eine auf Fokusgruppen-Interviews mit jungen trans Menschen basierende partizipative Studie, die 2015 im Rahmen des Jugend-Empowerment-Projekts „TRANS – JA UND?!“ für die Bundesvereinigung Trans* (BVT*) durchgeführt worden ist. Die Autoren gehen bei ihrem partizipativen Peer-Forschungsansatz, bei dem die sonst übliche Trennung zwischen Forschenden und Beforschten aufgehoben ist, vom Konzept der Salutogenese (Aaron Antonovsky) aus. Sie zeigen auf, dass diese Ansätze auch für trans Jugendliche und junge Erwachsene in der Auseinandersetzung mit ihrer Geschlechtsidentität vor dem Hintergrund des Zweigeschlechtersystems hilfreich sind. Die Resultate weisen auf Erfahrungen in verschiedenen Kontexten hin. Zum einen sind es Erfahrungen im Gesundheits- und Hilfesystem wie „institutionelle und strukturelle Bedingungen der Transition“, „der Faktor Mensch in Bezug auf Personen im Hilfesystem“ und „Erfahrungen mit dem Jugendhilfesystem“ und zum zweiten Ressourcen junger trans Menschen in der Selbstbeschreibung in Form interner und externer Ressourcen. Für viele der befragten Jugendlichen stand in den Interviews die soziale Transition und der Wunsch nach Akzeptanz des eigenen So-Seins im Mittelpunkt: „Aufgrund der Fremdbestimmung und der Abhängigkeit von Eltern oder Schule/​Ausbildung sind in Bezug auf die Existenzsicherung die psychosozialen Belastungen für junge trans Menschen besonders hoch“ (S. 157). Hinzu kommt, dass die rechtlichen und die Behandlungsperspektiven für trans Kinder und Jugendliche in Deutschland unklar sind und dass in Teilen der medizinischen Fachwelt gegenüber der geschlechtlichen Selbstbestimmungsfähigkeit von Kindern und Jugendlichen „nach wie vor hohe Skepsis“ besteht (S. 159).

Dem Thema „Heteronormative Biopolitik und die Verhinderung von trans Schwangerschaften“ ist der Beitrag von Annika Spahn gewidmet. Die Autorin verweist darauf, dass das Überschreiten von Geschlechterrollen durch die Schwangerschaft von trans Männern in der Gesellschaft vielfach Hass und Gewaltdrohungen auslösen und durch die Verwebung von Justiz und Medizin, die mit Foucault als „Biopolitik“ zu bezeichnen ist, verhindert wird. „Staatlich und medizinisch werden Schwangerschaften nur unterstützt, wenn sie in ein heteronormatives Bild passen, also die Schwangerschaften von heterosexuellen, cisgeschlechtlichen Personen in monogamen Beziehungen sind“ (S. 179). Die Autorin sieht darin eine „neue Eugenik“: „Es ist keine staatliche Eugenik, sondern staatliche Politik hat nur eugenische Effekte: Es pflanzen sich nur gewünschte Personengruppen fort“ (S. 181).

Eine nicht geringe Zahl von trans Menschen sind Eltern. Studien aus den USA und Kanada sprechen von 25 % bis 50 % aller trans Personen. In Bezug auf die Situation in Deutschland steht bisher keine Literatur zur Verfügung. Sascha Rewald diskutiert die „Elternschaften von trans Personen“ in seinem Beitrag „Trans Eltern zwischen rechtlicher Diskriminierung, gesundheitlicher Unterversorgung und alltäglicher Herausforderung“. Der Autor stützt sich auf die Studie „Was brauchen trans* Eltern? – Situation und Bedarf von trans* Personen, die Eltern sind oder werden wollen“. Die Datengrundlage der Studie ist eine Fokusgruppendiskussion mit sieben trans Eltern und trans Personen mit Kinderwunsch (Juli 2017). Bei aller Unterschiedlichkeit der an der Studie Teilnehmenden gibt es einige wichtige Gemeinsamkeiten: Eine große Hürde bei der Entwicklung eines Selbstkonzepts als Eltern stellen die fehlenden Vorbilder und die fehlende Selbstverständlichkeit von trans Elternschaften dar. Zudem brauchen trans Eltern diskriminierungssensible Fachleute sowie rechtliche Anerkennung.

Dem Thema der trans Gesundheit und der HIV Prävention und Versorgung ist der Beitrag von Laurette Rasch „Partizipatives Arbeiten am Beispiel der Präventionskampagne ’Schwul. Trans*. Teil der Szene!’ der Deutschen AIDS-Hilfe“ gewidmet. Im deutschsprachigen Bereich ist bisher wenig zum Thema „trans Männer, die Sex mit Männern haben (tMSM)“ geforscht und veröffentlicht worden. In dieser Hinsicht stellt die Kampagne „Schwul. Trans*. Teil der Szene!“ einen wichtigen Beitrag dar, da sie zur Sichtbarkeit von schwulen trans Männern und von trans Männern, die Sex mit Männern haben, beigetragen hat. Es besteht aber nach wie vor ein großer Bedarf an entsprechender Forschung und an Präventionskampagnen, die sich an diese Personen richten.

Den Anschluss an die Überlegungen von Laurette Rasch bildet der Beitrag von jana maria knoop zum Thema „Na klar, selbstverständlich haben wir Sex! Gedanken zu sexueller Gesundheit und struktureller HIV-Prävention für trans Menschen“. International liegen bisher kaum Daten zum Thema HIV und trans vor. Die Autorin führt aus einigen Ländern (Großbritannien, Schweiz, Schweden, Türkei und Deutschland) Beispiele von Präventionsaktivitäten an und leitet daraus Handlungsempfehlungen ab. Wichtig dabei sind die Partizipation von trans Organisationen im Themenfeld HIV und eine transinklusive Forschung. Um das Ziel einer inklusiven Gesundheitsversorgung für trans Menschen in Bezug auf HIV/Aids bzw. STIs erreichen zu können, so jana maria knoop, „ müssen permanent die binär-hierarchischen, heteronormativen Geschlechterdifferenzen im Blick behalten werden“ (S. 232). Als weitere zentrale Aufgabe für die Erreichung des Ziels einer inklusiven Gesundheitsversorgung für trans Menschen wird die Inanspruchnahme der von trans Organisationen angebotenen Fortbildungs- und Schulungsangebote zu den spezifischen Bedürfnissen in der Gesundheitsversorgung sowie zu den spezifischen Risikofaktoren von trans Menschen in Bezug auf HIV/Aids und STIs genannt.

Die professionelle Begleitung von trans Menschen erfolgt zumeist über den sprachlichen Kanal. In Ergänzung zu diesem Ansatz berichten K*Stern und Alexander Hahne in ihrem Beitrag „Trans*Körper*Wahrnehmung. Körperpraktische Methoden als Ergänzung zu Gesprächstherapie und trans Beratung“ von ihren Erfahrungen mit körperpraktischen Angeboten, die „trans Menschen darin unterstützen, sich ihren Körper (wieder) anzueignen und eine positive Beziehung zu ihm aufzubauen“ (S. 243). Mit einem solchen körperorientierten Angebot wird eine eklatante Lücke der trans Selbsthilfe- und Fürsorgearbeit geschlossen. Wichtige Aspekte dabei sind das direkte Körpererleben und die Fokussierung auf die Gefühle, ein personenzentriertes Arbeiten mit bedingungsloser Wertschätzung und Akzeptanz, Empowerment, eine ganzheitliche Betrachtung der Lebenssituation der trans Person, ein niederschwelliges und inklusives Angebot, Gemeinschaftsstärkung und Ressourcen-Orientierung. K*Stern und Alexander Hahne betonen die Notwendigkeit, dass derartige Körpererfahrungsangebote in die vorhandenen Regelversorgungsstrukturen von trans Menschen aufgenommen werden. Dies kann beispielsweise in Form von Jahresgruppen im örtlichen Transgender-Versorgungszentrum, als individuelle Einzelsitzung ergänzend zur Beratung und Gesprächstherapie oder auch als thematische Wochenendseminare in (queeren) Seminarhäusern stattfinden. Damit einhergehen sollten Forschung und Evaluation der trans spezifischen körperpraktischen Arbeit und die Entwicklung von Qualitätskriterien.

In ihrem Beitrag „Trans Communities of Care – Eine kollaborative Reflektion von kollektiven trans Care-Praktiken“ berichten Francis Seeck und Sannik Ben Dehler von einer selbst erlebten Care-Erfahrung während der Mastektomie von Sannik Ben Dehler. Der Operation ging ein einjähriger zermürbender Beantragungsprozess bei der Krankenkasse voraus sowie ein Begutachtungsgespräch bei einer Psychiaterin beim Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK). In diesem Prozess zeigt sich deutlich, dass die gesetzlichen Regulierungen von medizinischen Transitionen in Deutschland von Pathologisierungen geprägt sind. Verletzend ist dabei die Tatsache, dass die trans Personen „nicht als Expert_innen ihres eigenen Lebens anerkannt“ werden (S. 259) und die Regularien von Cis-Normativität bestimmt werden. Um sich in diesem diskriminierenden Umfeld möglichst unbeschadet bewegen zu können, müssen trans Menschen eigene Strategien entwickeln. Francis Seeck und Sannik Ben Dehler diskutieren drei Herausforderungen, mit denen trans Menschen umgehen müssen: die verinnerlichte Trans-Diskriminierung und Scham, die Unsichtbarkeit von trans Community-Care und die Re-produktion von Normativitäten (in Form von trans-normativen Geschichten). Diesen Herausforderungen werden Aspekte gegenübergestellt, die bezüglich trans Community-Care unterstützend wirken: die Dichotomie von Care-Geben und -Nehmen auflösen, die trans Community als wichtigen Care-Support anerkennen und verinnerlichte Diskriminierungen überwinden.

Während in den bisher besprochenen Beiträgen die Situation der trans Menschen, die Pflege und Betreuung erhalten, thematisiert worden ist, beschäftigt sich Katrin Drevin in ihrem Artikel „Und die andere Seite? Die Pflege und Betreuung von trans Personen aus der Pflegeperspektive“ mit dem Thema „trans“ aus pflegerischer Sicht. Dabei stützt sich die Autorin auf die Ergebnisse von drei studentischen Forschungsprojekten. Ausgehend von Interviews mit trans Personen mit der Fragestellung „Wie erleben trans Personen die Pflege einer akut-stationären Klinik?“ wurden Pflegende zu ihrem Erleben in der Betreuung von trans Personen befragt. Die Auswertung der Resultate zeigte, dass sich etwa die Hälfte der Pflegenden unsicher mit trans Patient_innen fühlte, obwohl die Studienteilnehmer_innen seit zum Teil mehreren Jahren trans Personen betreuen. Kenntnisse über trans Personen mussten sie sich selbst im Umgang mit den trans Personen aneignen, da es an einer institutionellen Wissensvermittlung fehlte. Irritation bestand bei den Pflegenden nicht unbedingt im direkten Kontakt mit den Patient_innen, sondern beim Thema „Geschlechtlichkeit“. Häufig dominierte im Umgang mit den Patient_innen die Anatomie über die Selbstdefinition der trans Person. Katrin Drevin kommt zum Schluss: „Die transmisogyne Haltung der Pflegenden war auffällig, aber in einer allgemeinen patriarchalen Gesellschaft, in der Frauen strukturell benachteiligt werden und ein tendenziell abwertendes Frauenbild alltäglich ist, nicht verwunderlich oder gar pflegespezifisch“ (S. 282). Die Resultate weisen darauf hin, dass ein „Bedarf an Sensibilisierung zu Sexismus im Allgemeinen und transassoziiertem Sexismus im Speziellen“ besteht (S. 282).

Den Abschluss des Buches bildet der Beitrag „Altern Trans anders? Empirische Befunde internationaler Untersuchungen zu trans Identitäten, Gesundheit und Alter(n)“ von Max Nicolai Appenroth und Ralf Lottmann. Mit der gesamtgesellschaftlich steigenden Lebenserwartung stellt sich auch die Frage, ob das Älterwerden von trans Personen dem der Mehrheitsbevölkerung und auch dem der lesbisch-schwul-bisexuellen Community gleicht. Die Autoren verweisen darauf, dass unter dem Signum LSBTI vorschnell eine Homogenität suggeriert wird, die nicht gegeben ist. Hinzu kommt, dass sich die etablierte Alternsforschung so gut wie gar nicht für Fragestellungen zur geschlechtlichen Vielfalt interessiert. Im Beitrag werden die bestehenden Untersuchungen auf die Faktoren hin analysiert, die das psychosoziale und gesundheitliche Wohlbefinden und die sozioökonomische Situation von älteren trans Personen beeinflussen. In Bezug auf die sozioökonomische Situation zeigt sich, dass trotz der in der Schulzeit und im weiteren Leben vielfach erlittenen Diskriminierungen überdurchschnittlich viele trans Personen einen höheren Schulabschluss sowie weiterführende berufliche und/oder akademische Abschlüsse erreichen. Dass dennoch trans Personen gehäuft in niedrigen Einkommensgruppen zu finden sind oder in Armut leben, ist dadurch bedingt, dass sie trotz guter Qualifikation oft keine adäquate Anstellung bekommen. Im Hinblick auf Gesundheitsfaktoren weisen ältere trans Personen höhere Werte für Depressionen und Angstzustände auf als LGB-Personen. Andere Gesundheitsprobleme der älteren trans Personen betreffen Übergewicht, woraus ein größeres Risiko für Diabetes, koronare Herzerkrankungen und Arthrose resultiert. Insgesamt weisen die vorliegenden Studien bei älteren trans Personen auf eine stärkere Vernachlässigung von Gesundheitsvorsorgeuntersuchungen und auf die Beobachtung hin, dass trans Personen häufiger mit dem Risiko einer Ansteckung mit HIV konfrontiert sind. Gesundheitsbeeinträchtigend wirken sich auch die Stigmatisierungen und Diskriminierungen aus, die trans Personen, die in vielem von medizinischen Fachpersonen abhängig sind, durch Ärzt_innen und das weitere medizinische Fachpersonal erfahren. In Bezug auf die Familienverhältnisse bestehen eindeutige Unterschiede der trans Personen gegenüber den LGB-Personen und der Mehrheitsbevölkerung: wesentlich häufiger erhalten trans Personen keine Unterstützung durch ihre Familienangehörigen. Indes finden sich bei älteren trans Personen auch Hinweise darauf, dass sie ihre Lebenssituation als zufrieden bewerten. Die Autoren erklären dies „durch die persönliche Identitätsentwicklung und die Bewältigung der entwicklungspsychologischen Aufgabe der Ich-Integrität. Auch eine erhöhte Resilienz aufgrund überstandener Lebenskrisen und die positiven Erfahrungen von Selbstwirksamkeit in den eigenen sozialen Netzwerken scheinen auf eine positiv erlebte zweite Lebenshälfte hinzuwirken“ (S. 296). Wenn es um die Pflegesituation älterer trans Personen geht, besteht allerdings nach wie vor ein großes Defizit. „Die alternswissenschaftliche Forschung ignoriert die Situation von LSB und trans“ (S. 298). Es kommt in Zukunft darauf an, eine diversivitätssensible Pflege zu entwickeln, in die die LGBTIQ-Verbände und Organisationen einbezogen werden.

Diskussion

Max Nicolai Appenroth und Maria Do Mar Castro Varela legen mit diesem Buch eine umfassende Darstellung der Probleme von „Trans & Care“ vor. Das Besondere der in diesem Band zusammengestellten Beiträge ist, dass hier nicht, wie sonst häufig, cis-heterosexuelle Menschen „über“ trans Personen sprechen, sondern dass eine große Zahl von Beiträgen aus einer gelebten trans Perspektive heraus verfasst ist. Es ist deprimierend, aber für alle im trans Bereich Arbeitenden eminent wichtig, sich mit der Tatsache zu konfrontieren, dass trans Personen durch die institutionellen und strukturellen Bedingungen der medizinischen und juristischen Transition umständlichen und sie verletzenden Prozessen ausgesetzt sind und dass das Menschenrecht auf eine optimale gesundheitliche Versorgung bei trans Personen nicht eingelöst ist. Das Buch beeindruckt durch die differenzierte Analyse der bestehenden Situation, zu einem großen Teil anhand aktueller eigener Studien der Autor_innen, und durch die Entwicklung von Zukunftsperspektiven für eine bessere trans Care. Schade, dass die drei Vertreter des Medizinsystems, David Garcia Nunez, Christian Meier und Dirk Johannes Schaefer, nicht den Mut haben, ein die jetzigen Grenzen sprengendes Konzept zu entwickeln, sondern die Ansicht vertreten, die „Überwindung der medizinischen Kontrollmacht“ (S. 47) sprenge angesichts der Tatsache, „dass das Medizinsystem (…) von multiplen trans unspezifischen Kontrollmechanismen umspannt wird“ (S. 47), den Aktionsradius ihres „Schwerpunkts für Geschlechtervarianz“ (SPGV). Sie geben sich damit zufrieden, dass in ihrem „partizipativen Modell“ mit einem „informed consent“ die Behandlungssuchenden die medizinischen Entscheidungen „mitgestalten“ können, was aber nicht heiße, „dass jeder geschlechtsvarianten Person zu jedem Zeitpunkt sämtliche diagnostische und therapeutische Maßnahmen zur Verfügung stehen“ (S. 47). Ähnlich zögernd äußern sich Arn T. Sauer und Timo O. Nieder in ihrem Beitrag „We care. Überlegungen zu einer bedarfsgerechten, transitionsunterstützenden Gesundheitsversorgung“. Auch an diese Autoren meine Frage: Warum nicht ein bisschen mutiger wie die andere Autor_innen dieses Bandes? Sollte hinter den vorsichtigen Formulierungen die Angst stehen, sich mit dem mächtigen offiziellen Medizinsystem anzulegen? Das wäre allerdings ein Armutszeugnis! Gerade die in diesem System Arbeitenden sollten meines Erachtens die Mutigsten sein und kraft ihrer Position und ihrer Fachkenntnisse entschieden für die Anliegen einer trans-care Gesundheitsversorgung eintreten. Fazit aufgrund dieser beiden Beiträge: Es bleibt zurzeit trotz aller Liberalisierungen bei der Fremdbestimmung von trans Menschen! Umso wichtiger deshalb die Ausführungen von Katarina Jacke, die ihre Sicht der „regressiven Liberalität“ darlegt und auf die nach wie vor bestehende Beschneidung der Entscheidungsautonomie von trans Menschen hinweist. Ich kann mich aufgrund meiner eigenen inzwischen 50jährigen Erfahrung in Begutachtung, Begleitung und Therapie von trans Menschen ihrer Kritik voll anschließen. Mut machend und positive Zukunftsperspektiven öffnend sind auch die anderen in diesem Buch enthaltenen Beiträge, welche – zum Teil sehr konkret – die Möglichkeiten einer kultursensiblen Pflege und Care von trans Menschen darstellen. Gerade wegen der nach wie vor bestehenden Fremdbestimmung von trans Menschen ist dieses von Max Nicolai Appenroth und Maria Do Mar Castro Varela herausgegebene Buch so wichtig, weil es konstruktive Kritik an der bestehenden medizinischen und juristischen Situation mit neuen Ideen und positiven Zukunftsperspektiven konfrontiert.

Ein Wunsch für eine neue Auflage: Da es kein Gesamtliteraturverzeichnis gibt, wäre es für die Leser_innen sehr hilfreich, am Ende des Buches ein Personenverzeichnis zu finden.

Fazit

Ein sehr informatives, ein breites Spektrum von Fragen und Problemen, die sich im Zusammenhang mit „trans Care“ stellen, umfassendes Buch, das ich allen, die sich als trans Personen mit dem Gesundheitssystem auseinandersetzen müssen, und allen, die in diesem Bereich tätig sind, unbedingt empfehle.


Rezension von
Prof. emer. Dr. rer. nat. Udo Rauchfleisch
Dipl.-Psych., Psychoanalytiker (DPG, DGPT). Ehem. Leitender Psychologe Psychiatrische Universitätspoliklinik Basel. In privater psychotherapeutischer Praxis.
E-Mail Mailformular


Alle 3 Rezensionen von Udo Rauchfleisch anzeigen.

Besprochenes Werk kaufen
Sie fördern den Rezensionsdienst, wenn Sie diesen Titel – in Deutschland versandkostenfrei – über den socialnet Buchversand bestellen.


Zitiervorschlag
Udo Rauchfleisch. Rezension vom 08.09.2020 zu: Max Nicolai Appenroth, María do Mar Castro Varela (Hrsg.): Trans & Care. Trans Personen zwischen Selbstsorge, Fürsorge und Versorgung. transcript (Bielefeld) 2019. ISBN 978-3-8376-4599-6. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26236.php, Datum des Zugriffs 18.09.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung