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Veronika Kotrba, Ralph Miarka: Agile Teams lösungsfokussiert coachen

Cover Veronika Kotrba, Ralph Miarka: Agile Teams lösungsfokussiert coachen. dpunkt.verlag (Heidelberg) 2019. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. 262 Seiten. ISBN 978-3-86490-614-5. D: 32,90 EUR, A: 33,90 EUR.
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Thema

Agile Teams lösungsfokussiert coachen ist eine Kombination aus der Thematik rund um die agile Organisation zusammen mit den Arbeiten rund um das lösungsorientierte Coaching wie „reteaming“ oder „Wege zur erfolgreichen Teamentwicklung“. Aus der Erkenntnis heraus, dass eine Zusammenarbeit ohne Führungskraft ein höheres Konfliktpotenzial mit sich bringt, bedarf es einer Befähigung der in agilen Teams arbeitenden Mitarbeiter im Hinblick auf Fähigkeiten der Konfliktlösung auf personeller Ebene genauso wie im Bereich der Teamentwicklung ausgehend von der lösungsfokussierten Sitzungsgestaltung bis hin zur Bewältigung von Konflikten. Eine durchaus interessante Kombination in der dritten Auflage für Führungskräfte und interessierte MitarbeiterInnen, aber auch StudentInnen.

Herausgeber und Autoren

  • Veronika Kotrba arbeitet seit 2006 mit Begeisterung als Coach, Trainerin für lösungsfokussiertes Coachen und Führen, Moderatorin in derartigen Veranstaltungen und als Beraterin. Sie ist auch Mitbegründerin des Austrian Solution Circle.
  • Ralph Miarka, arbeitet als Coach, Berater und Trainer. Er führt Unternehmen und Teams seit Jahren zu einer agilen Arbeitsweise. Er war vorher bei Siemens Österreich als Abteilungsleiter, Projektmanager und Projektberater beschäftigt. Er gibt sein Wissen und Erfahrungen in Konferenzen, Workshops und Trainings weiter.

Aufbau

Zum Einstieg wird die Kombination von lösungsorientierten Coaching und agiler Organisation dargestellt, anschließend der Fokus auf das lösungsorientierte Coaching gelegt, um dann auf die Fragen und Interventionen im Bereich der Gesprächsführung einzugehen. Anschließend beginnen die Autoren mit dem Einzelcoaching und gehen anschließend auf das Teamcoaching ein. Schließlich fokussieren sie noch auf die Konfliktlösung im Team sowie das Gestalten von lösungsfokussierten Meetings. Die Publikation endet mit Tipps für den Coach. Soweit zum Aufbau der Publikation.

Inhalte

Vor dem Hintergrund des lösungsorientierten Arbeitens und einer kurzen Einführung zum agilen Team gehen die Autoren auf die Grundhaltungen des Coachings und die Prinzipien des lösungsorientierten Coachings einzugehen. Es sind zunächst die sechs Grundhaltungen: Die Haltung des Nicht-Wissens, Jeder ist Experte für sich selbst, Geduld und Zuversicht, der Fokus auf die Ressourcen im Sinne der Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie im Sinne der Betrachtung, was bereits funktioniert. Dem schließen sich die acht Prinzipien des Coachings an:

  1. Der konsequente Fokus auf die bessere Zukunft
  2. Wenn etwas funktioniert, dann mache mehr davon!
  3. Wenn etwas nicht (mehr) funktioniert, mache etwas anderes!
  4. Kleine Schritte können große Veränderungen bewirken
  5. Der Lösung ist es (meist) egal, wie das Problem entstanden ist
  6. Lösungsgespräche schaffen Lösungen, Problemgespräch schaffen (weitere) Probleme!
  7. Kein Problem tritt ohne Unterbrechung auf. Nutzen sie Ausnahmen
  8. Repariere nichts, was nicht kaputt ist.

Anschließend laden die Autoren am Ende eines Kapitels jeweils zur Selbstreflexion und zu Übungen ein, bevor sie hier auf das nächste Modul der lösungsorientierten Fragen und die sprachlichen Interventionen eingehen. Es findet sich ein Kapitel zu den lösungsorientierten Coaching-Fragen beginnend bei den Skalierungsfragen (Schätzen Sie ein 1 bis 10 …), Bewältigungsfragen (wie haben Sie das geschafft?), Fragen nach Ausnahmen, der Wunderfrage, dem zirkulären Fragen, Zwischenfragen bis hin zu Metafragen („Was könnte ich noch fragen, damit ihr die bekannten Muster durchbrecht?“). Das zweite große Kapitel eröffnet unter dem Titel „sprachliche Interventionen“ 11 Aspekte, die fürs erste ganz banal klingen, deren Wirkung aber durchaus verblüffend sein kann: Wertschätzen, paraphrasieren oder zusammenfassen, normalisieren, umdeuten, verflüssigen, Metamonologe führen, Nicht und kein unbedingt vermeiden, und statt aber, Geduld und Mut zur Stille, Pausen, Experimente verschreiben. Anschließend bietet sich wieder Möglichkeit zur Selbstreflexion und zu Übungen.

Unter dem Titel „Lösungspyramide“ beginnen die Autoren beim Thema als Basis und Boden eines Gespräches und thematisieren bereits hier den Übergang vom Problemfokus zum Lösungsfokus. Auf der ersten Ebene werden bereits Ziele (positiv) formuliert, wobei dies möglichst konkret, detailliert und von außen wahrnehmbar beschrieben werden soll – in der Sprache dessen, der das Ziel erreichen möchte. Auf der zweiten Ebene wird nach Ressourcen gesucht, in dem etwa nach bereits Funktionierendem gefandet wird. Auf der dritten Ebene wird im Sinne der Lösungsorientierung danach gefragt, wie das Zielbild aus der ersten Ebene zusammen mit den vorhandenen Ressourcen erreicht werden kann. Auf der vierten Ebene wird danach gefragt, inwieweit es bereits Ergebnisse gibt und wie diese zu verstärken sein könnten. Dabei sind die Gesprächsbedürfnisse sinn-, ziel- und wegbezogen zu integrieren. Wiederum werden Möglichkeiten der Selbstreflexion und von Übungen angeboten.

Diesen Ausführungen schließt sich der Themenbereich „Einzelcoaching“ an. Was ist im Einzelcoaching zu beachten, Feedback-Gespräche mit den vier Schritten der gewaltfreien Kommunikation sowie die Fokussierung auf das Potenzial sowie das Begleiten der Weiterentwicklung sind die Fragen und Themen in diesem Abschnitt.

Eine Steigerung erfährt der Leser beim „Teamcoaching“ ausgehend von der Zielentwicklung incl. der Selbstorganisation in agilen Teams, über das E.R.F.O.L.G.-Modell (Erfolg, relativieren von Rückschlägen, Fehlversuche feiern, Ordnung(-srahmen) organisieren, Lösen lassen, Gutes erwarten) bis zu zahlreichen Werkzeugen, die hier naturgemäß nur angesprochen werden, führen die Autoren die LeserInnen zur lösungsfokussierten Timeline-Arbeit sowie zur Teamvisionsentwicklung. Auch hier bietet sich wieder die Möglichkeit der Selbstreflexion und von Übungen an.

Im Kapitel „Konflikte“ werden zunächst die 9 Stufen der Konflikteskalation von Friedrich Glasl dargestellt, ebenso der Nutzen sowie die nachvollziehbare Absicht von Konflikten. Dann stellen die Autoren das SCARF-Modell vor: Status – Certainty – Autonomy – Relatedness – Fairness. Diese fünf Faktoren wirken sich auf die Kooperationsbereitschaft von Menschen auch in Konflikten aus. Anschließend stellen die Autoren die lösungsfokussierte Bearbeitung von Konflikten entlang der Lösungspyramide vor, wobei sie abschließend wieder auf die Gesprächsbedürfnisse im Konflikt (Sinn, Ziel, Weg) eingehen.

Damit wären wir im Alltag von Teams angelangt, dem lösungsfokussierten Gestalten von Sitzungen, Meetings und Workshops. Nach allgemeinen Ratschlägen zum aktiven Einbeziehen der Anwesenden bis zum Umgang mit Dauerrednern und der Einwandbehandlung gehen die Ausführungen zur Vorbereitung, dem Planungsmeeting, den daily standups und dem Reviewmeeting zur lösungsorientierten Retrospektive. Auch finden sich die bekannten Elemente wie Ziele klären, Funktionierendes sammeln, Handlungen initiieren und Zuversicht prüfen sowie das Nachbereiten. Am Ende wiederum Möglichkeiten der Selbstreflexion und Übungen.

Im letzten Kapitel gibt es Tipps für den Coach von der Auftragsklärung, dem inhaltlich Raushalten, der Allparteilichkeit, der Unterstützung und Terminvereinbarung bis hin zum Coach als Gastgeber und dem Grenzen setzen. Der Scrum Master und seine spezielle Rolle bildet den Abschluss.

Fazit

Das lösungsorientierte Arbeiten sollte für MitarbeiterInnen in agilen Organisationen eine großartige Hilfestellung sein. Die differenzierte Darstellung durch die LeserIn kann auf Grund des umfangreichen Literaturverzeichnisses jederzeit weiter vertieft werden. Ein Stilbruch in der Kombination der beiden Ansätze muss einbezogen werden. Im Sinne des Transformationsmanagements ist das Arbeiten am Erstellen von Zielbildern und deren konsequente Umsetzung im Zuge von professioneller Teamarbeit zwingend notwendig. In jedem Fall ein Buch, das das Umdenken bei der Einführung der agilen Organisation und deren konsequenten Aufbau im Sinne der Selbstorganisation gut unterstützt.


Rezensent
Prof. Dr. Paul Brandl
Studiengang Sozial- und Verwaltungsmanagement (SVM). Masterstudiengang Services of General Interest (SGI). Koordinator des Studiengangs Sozialmanagement. FH OÖ-Studienbetriebs GmbH, Campus Linz
Homepage www.fh-ooe.at
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Zitiervorschlag
Paul Brandl. Rezension vom 20.11.2019 zu: Veronika Kotrba, Ralph Miarka: Agile Teams lösungsfokussiert coachen. dpunkt.verlag (Heidelberg) 2019. 3., überarbeitete und erweiterte Auflage. ISBN 978-3-86490-614-5. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26240.php, Datum des Zugriffs 13.12.2019.


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