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Klaus-Peter Horn: Connected to the unknown

Cover Klaus-Peter Horn: Connected to the unknown. Mit Systemaufstellungen die digitale Transformation meistern. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. 199 Seiten. ISBN 978-3-525-40674-8. D: 30,00 EUR, A: 31,00 EUR.
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Thema

Das Buch geht der Frage nach, wie Aufstellungsarbeit in Unternehmenszusammenhängen dazu beitragen kann, die Digitalisierung konstruktiv zu meistern. Dazu führt Klaus P. Horn in systemische Prinzipien und ihre praktische Anwendung ein und stellt ausführliche Fallstudien vor. Ein eigenes Kapitel widmet sich Fragen und Antworten zur Systemaufstellung im Digitalisierungskontext.

Autor

Klaus P. Horn ist Psychologe und Managementtrainer, Unternehmensberater und Coach. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählen systemische Organisationsberatung, systemisches Coaching, Konfliktmanagement, Führungstraining, Teamentwicklung und Coachingausbildung (Verlagsangaben).

Aufbau

Das Buch setzt sechs inhaltliche Schwerpunkte

  1. Einleitung
  2. Die digitale Welle und ihre systemischen Wirkungen
  3. Die Frequenz des Erfolgs: Systemaufstellung in der digitalen Transformation
  4. Fallbeispiele
  5. How to deal with unknown? Frage und Antworten zur Systemaufstellung im Systematisierungskontext
  6. Veränderungen in Echtzeit – Was Sie jetzt für Ihr Unternehmen und sich selbst tun können.

Inhalt

Beispielhaft sollen hier das zweite und fünfte Kapitel genauer betrachtet werden.

Der Autor beschreibt zu Beginn des zweiten Kapitels zunächst die besonderen Charakteristika systemischen Denkens:

  • „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.
  • Der Beobachter beeinflusst das Beobachtete.
  • Teile und Prozesse sind miteinander vernetzt und beeinflussen sich wechselseitig.
  • System und ihre Subsysteme steuern und regulieren sich selbst.
  • Veränderungen an einem Teil haben Auswirkungen auf das Ganze.
  • Symptome zu 'beheben' kann neue Störungen auslösen.
  • Wirkungen folgen nicht nur Ursachen, sondern Ursachen auch Wirkung“ (37).

Der Autor geht davon aus, dass gerade Immaterialität, die mit vielen Bereichen von Digitalisierung einhergeht, Verunsicherung auslösen kannund betrachtet von daher Aufstellungsarbeit als besonders geeignet, weil Systemaufstellung auch eine Übung im Umgang mit dem Nichtwissen sind und mit noch unbekannten Qualitäten. Er spricht sich in besonderer Weise dafür aus, die „menschliche Perspektive“ einzubeziehen und betont die besondere Notwendigkeit einer Atmosphäre von Wertschätzung, Leichtigkeit, Anerkennung, Optimismus und Selbstvertrauen für ein Team bzw. eine Organisation. Seiner Erfahrung nach lässt sich in Aufstellungen Unternehmenskultur wahrnehmen, erfahren und auch transformieren (45). Sie bieten zudem die Chance, verborgene Dynamik in einer Organisation aufzudecken und sichtbar werden zu lassen (47). Im weiteren Verlauf des Kapitels stellt der Autor den typischen Verlauf einer systemischen Aufstellung vor und präsentiert eine Checkliste für Aufstellungen im Digitalisierungskontext, innerhalb derer er zum Beispiel typische Fragestellungen vorstellt, die sich als hilfreich erweisen können, um entsprechende Transformationsprozesse einzuleiten oder zu bearbeiten. Er schlägt vor, zwischen Makro und Mikroaufstellungen zu unterscheiden. Makroaufstellungen würden sich für ein System aus mehreren Menschen eignen, ebenso für einen Team wie für ein multinationales Unternehmen (55), eine Aufstellung für ein Mikrosystem würde sich auf ein Individuum beziehen. Mikroaufstellungen eignen sich in besonderer Weise, wenn es um ein persönliches Thema geht, um Fragen Selbstmanagement oder der Work-Life-Balance oder eine Diagnose gewünscht ist.

Im fünften Kapitel gibt der Autor Impulse, wie sich Organisationen aus systemischer Perspektive auf den digitalen Wandel vorbereiten können. Dazu schlägt er verschiedene Übungen vor und präsentiert unterstützende Checklisten. So wird beispielsweise eine System-Checkliste für Teams und Unternehmen in der digitalen Transformation eingeführt. Der Autor präsentiert im Anschluss einige Übungen, die die Leser*innen einzeln oder als Partnerübungen durchführen können. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um Fokussierungs- oder Achtsamkeitsübungen. Dann folgen 9 praktische Tipps, die sich auf die Überwindung (ungesunder) Gewohnheiten und negativer Einstellungen beziehen und Anregungen für einer veränderte Haltung oder Verhaltensweise geben. Explizit geht es um die Aufforderung zu mehr Bewegung, geringerem Zigaretten- und Kaffeekonsum, der Befreiung von schlechten Gewohnheiten, einem anderen Umgang mit schwierigen Situationen und Problemen, einer anderen Haltung in Bezug auf schlechtes Wetter oder ärgerlichen Situationen, einer Einladung zu einem häufigeren Lachen und einer Aufforderung zu einer Verhaltensänderung im Jetzt. Wobei sich hier der Zusammenhang zur Aufstellungsarbeit im Kontext der Digitalisierung nicht unmittelbar erschließt.

Diskussion und Fazit

Klaus-Peter Horn hat in seinem Buch einige spannende Fälle aus seiner internationalen Aufstellungsarbeit zusammengestellt und nimmt wichtige Fragen auf, die sich für Menschen und Organisationen im Kontext der Digitalisierung stellen bzw. stellen werden. Es wird in den Fallbeispielen jeweils der Kontext beschrieben, das Aufstellungsthema andeutet, es werden Schwerpunkte des Lagers nach Gesprächs dokumentiert und besondere Dynamik in der Aufstellung illustriert.

Eine fundierte theoretische Einordnung erfolgt allerdings weder in das Thema systemisches Aufstellen noch in das Thema Digitalisierung. Auch die Zusammenstellung der Fragen und Antwortversuche in Kapitel vier erscheint doch recht willkürlich und eher individuell-spontan. Dennoch enthalten sicherlich gerade die Checklisten, die der Autor zur Verfügung stellt, für Organisationen, die sich aus systemischer Sicht auf den Prozess der Digitalisierung einlassen wollen, einige interessante Impulse.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
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Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 04.02.2020 zu: Klaus-Peter Horn: Connected to the unknown. Mit Systemaufstellungen die digitale Transformation meistern. Vandenhoeck & Ruprecht (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-525-40674-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26246.php, Datum des Zugriffs 04.04.2020.


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