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Dieter Kreft, C. Wolfgang Müller: Methodenlehre in der Sozialen Arbeit

Cover Dieter Kreft, C. Wolfgang Müller: Methodenlehre in der Sozialen Arbeit. Konzepte, Methoden, Verfahren, Techniken. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2019. 3. überarbeitete Auflage. 192 Seiten. ISBN 978-3-8252-5290-8. D: 22,99 EUR, A: 23,70 EUR, CH: 29,90 sFr.
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Thema

Das Taschenbuch stellt für Studierende und Praktizierende im Feld der Sozialarbeit eine Einführung in methodisches Arbeiten dar. Dabei werden sowohl theoretische Grundlagen als auch einzelne Vorgehensweisen behandelt und ein Güte-Standard benannt, der allgemein für angemessenes, planvolles, fachliches Handeln der in der Sozialen Arbeit Tätigen steht. Der Band wurde von den Herausgebern nun in seiner 3. Auflage erneut überarbeitet und aktualisiert vorgelegt.

Herausgeber und Entstehungshintergrund

Dieter Kreft und C. Wolfgang Müller verfolgen mit ihrem Band von der 1. Auflage an das Ziel, ein „Basis-Studienbuch“ zur Verfügung zu stellen, das auf zentrale Fragen zum Vorgehen in der Sozialen Arbeit orientierende Antworten geben und das professionelle Handeln im Einzelfall mit strukturierenden Handlungsvorschlägen unterstützen kann. Das Buch wurde aus einer Reihe von Lehrveranstaltungen heraus entwickelt und konnte so in Aufbau und Formulierung von den Lehr-, Forschungs- und Berufserfahrungen seiner Herausgeber profitieren. 

Aufbau und Inhalt

Die Neuauflage gliedert sich wie die vorherige 2. Auflage in vier Kapitel: Grundlagen, Methoden, Verfahren und Techniken.

Grundlagen für methodisches Handeln

Kreft/Müller blicken unter 1.1 in ihrem Ordnungsversuch für das Handeln nach den Regeln der Kunst zunächst in die Geschichte. Soziale Arbeit musste in den Anfängen ihre Professionalität aus der karitativen Armenfürsorge entwickeln und erst im vergangenen Jahrhundert wurde diese Praxis als Berufsausbildung auf wissenschaftlicher Grundlage installiert. Die Autoren berichten im weiteren über die Entwicklung der drei klassischen Methoden der Sozialen Arbeit: Einzelfallhilfe, Gruppenpädagogik und Gemeinwesenarbeit und zeigen auf, wie aus den Diskussionen der 68er Jahre und den u.a. in den USA gesammelten wissenschaftlichen Erkenntnissen z.B. zur menschlichen Kommunikation und zur Beziehung zwischen Menschen und ihrem Lebensraum ein größerer Wissensbestand angesammelt wurde. Dieses Wissen konnte wesentlich zur Fundierung einer professionellen Grundhaltung und eines gesicherten methodischen Vorgehens genutzt werden und ist auch heute dafür bedeutsam.

Im Abschnitt 1.2 beschreibt Maykus den Handlungsablauf in der Fallarbeit als Beobachten, Bewerten und Beurteilen und zeigt an einer Beispielsituation aus dem Bereich der Familienhilfe, welche klärenden Schritte eine Sozialarbeiterin, die mit dem Phänomen der Kindeswohlgefährdung konfrontiert ist, gehen sollte und was methodisches Handeln in diesem Beispiel konkret heißt. Dabei wird der Bezug von Reflexion und Handeln ebenso erläutert wie die Bedeutung des Konzeptes der Adressatenorientierung oder des praktischen Handelns in Organisationen bzw. in Teams.

In 1.3 beschreibt Kreft das, was die einzelne Fachkraft können muss, um diese Schritte zu gehen, als Handlungskompetenz in der Sozialen Arbeit.

Im Abschnitt 1.4 stellt v. Spiegel Methodisches Handeln schließlich auch in ihren Kontextbedingungen dar. Die Autorin schlägt in dieser Anleihe an ihr Lehrbuch von 2013 gekonnt einen Bogen vom situativen, pragmatischen Alltagshandeln zum systematisch reflektierten und institutionell gestützten Einsetzen der „eigenen Person als Werkzeug“ (S. 61). Behandelt werden ferner Charakteristika des Handlungsfeldes wie das doppelte Mandat von Hilfe und Kontrolle und die Bedingung der Koproduktion, d.h. die Abhängigkeit einer wirkungsvollen sozialpädagogischen Intervention von der Mitarbeit ihrer Adressaten. v. Spiegel fragt dabei immer, was diese Bedingungen für das methodisch fundierte praktische Handeln bedeuten.

Die drei klassischen Methoden und ihre aktuellen Entwicklungen

In diesem Kapitel befindet sich die wichtige umfassende Aktualisierung des Bandes. Der Beitrag von Wendt Von der Einzelfallhilfe zum Case-Management wurde anstelle des früheren gleichnamigen Beitrags von Belardi neu aufgenommen. Wendt beginnt bei den Vorläufern des Case-Managements: der Einzelfallhilfe als Beratungsansatz unter Rückgriff auf psychoanalytische Theorien bzw. die klientenzentrierte Gesprächsführung nach Carl Rogers. Sehr deutlich macht er im Anschluss, dass sich die heutige Fallarbeit komplexen neuen Anforderungen stellen muss. So sind kultursensible Vorgehensweisen genauso erforderlich wie Informationsvermittlung oder „edukative“ Impulse. Insgesamt sei ein ganzes Spektrum an Aufgaben abzudecken, dem nur durch ein gut gemanagtes Zusammenwirken verschiedener Organisationen und Professionen begegnet werden kann. Dem Case-Management kommt somit die Aufgabe der Fallsteuerung mit Türöffner-, vermittelnden, anwaltschaftlichen und unterstützenden Funktionen zu. Der Arbeitsprozess reicht vom Erfassen der Problemlagen bis zur Evaluation. Ausführlich betrachtet werden auch einzelne Phasen des Arbeitsprozesses angefangen von einer Vorklärungsphase zur Feststellung der „Reichweite“ eines Falles bis zur Vermittlung von Hilfsangeboten und einem abschließenden Monitoring.

Im 2. Kap. befinden sich anschließend die bereits aus den Vorauflagen bekannten Beiträge von Müller zur Gruppenpädagogik und von Hinte zu Sozialräumlichem Handeln.

Verfahren

In diesem Kapitel werden 15 Verfahren von unterschiedlichen Autoren in Kurzform dargestellt. Die Themen reichen von „Beratung“ bis „Öffentlichkeitsarbeit“. Aktualisiert wurden in diesem Kapitel die Beiträge Kinderschutz und Kinderschutzauftrag und Hausbesuch von Maly.

Techniken

Kap. 4 stellt die aus den Vorauflagen ebenfalls bereits bekannten Techniken vor: u.a. „Fragen, Nachfragen, Zuhören“, „Erzähltes Leben“ und „Rollenspiel“.

Diskussion und Fazit

Der Titel von Kreft/Müller zur „Methodenlehre in der Sozialen Arbeit“ bietet für Anfangssemester wie für fortgeschrittene Studierende ein handliches Taschenbuch, das zur Orientierung im breit gefächerten und oftmals auch schwierigen Arbeitsfeld gut geeignet ist. Der Band enthält zahlreiche Empfehlungen zum weiterführenden Studium aber auch für die wechsel- und anspruchsvolle Praxis. Insgesamt werden sowohl Bezüge zur Entwicklung des Feldes als auch zu den aktuellen Anforderungen hergestellt. So erhalten alle diejenigen, die eine erste Einführung und Übersicht über methodisches Handeln in der Sozialen Arbeit benötigen, eine kompakte Arbeitshilfe, auch Praktiker finden wertvolle Hinweise.

Die 3. Auflage hat gerade durch den neuen Beitrag zum Case-Management – wie auch schon die 2. Auflage durch den Beitrag zum „Methodischen Handeln“ von v. Spiegel – erheblich gewonnen. Hilfreich und notwendig sind auch die Aktualisierungen zum Thema Kinderschutz und Hausbesuch.

Dem Literaturverzeichnis wurde aktuelle Literatur hinzugefügt, sodass Leserinnen und Lesern eine weiterführende Lektüre zum jeweiligen Stand der Betrachtungen erleichtert wird.

Zum Aufbau des Bandes wäre wie für die 2. Auflage anzumerken, dass die Klassifizierung in Verfahren und Techniken im Zusammenhang mit den übrigen Begriffsdefinitionen für Studierende vielleicht hilfreich aber auf Dauer vermutlich nicht tragfähig erscheint, gerade wenn man vom Anspruch eines übergreifenden Case-Managements ausgeht. Insofern wäre bei einer evtl. weiteren Aktualisierung auch diese Klassifizierung zu überdenken. Angesichts der wachsenden Komplexität der Management-Aufgabe insgesamt wird sich das Vorgehen vermutlich immer stärker auch sozialräumlich ausrichten, sodass Management-Techniken im Rahmen dieses Bandes besprochen werden sollten, die sozial-räumliches Denken repräsentieren.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der Reader „Methodenlehre in der Sozialen Arbeit“ auch in seiner 3. Auflage das Verhältnis von Konzepten, Methoden, Verfahren und Techniken Sozialer Arbeit verständlich beschreibt. Dabei sind historische Rückblicke zur Entstehung, theoretische Anknüpfungen und Erläuterungen mit Fallbeispielen in der Regel eingeschlossen. Herausgeber und AutorInnen machen deutlich, dass Soziale Arbeit nicht mehr situatives, eklektisches Handeln ist, sondern Qualitätskriterien definiert hat, die mit Hilfe eines planvollen, strategischen Vorgehens erfüll- und kontrollierbar sind. Nicht zuletzt machen die Aktualisierungen diesen Band im „Westentaschenformat“ für Studierende und Praktiker zu einem nützlichen Kompendium.

Literatur

Hiltrud von Spiegel: Methodisches Handeln in der sozialen Arbeit. Grundlagen und Arbeitshilfen für die Praxis. UTB (München) 2018, 6. Auflage.

 


Rezensentin
Dr. Vera Birtsch
Homepage www.mediation-birtsch.de
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Zitiervorschlag
Vera Birtsch. Rezension vom 07.11.2019 zu: Dieter Kreft, C. Wolfgang Müller: Methodenlehre in der Sozialen Arbeit. Konzepte, Methoden, Verfahren, Techniken. Ernst Reinhardt Verlag (München) 2019. 3. überarbeitete Auflage. ISBN 978-3-8252-5290-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26267.php, Datum des Zugriffs 12.11.2019.


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