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Wibke Derboven: Elternschaft als Arbeit

Cover Wibke Derboven: Elternschaft als Arbeit. Familiales Care-Handeln für Kinder: eine arbeitssoziologische Analyse. transcript (Bielefeld) 2019. 177 Seiten. ISBN 978-3-8376-4941-3. D: 19,99 EUR, A: 19,99 EUR, CH: 25,30 sFr.

Reihe: Care - Forschung und Praxis.
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Thema

Kinder zu versorgen und zu erziehen ist harte und teilweise aufreibende Arbeit, die zunehmend unter ungenügenden sozio-ökonomischen Rahmenbedingungen realisiert werden müssen. Die Politik konzentriere sich fast ausschließlich auf die Erwerbsarbeit. Diese Studie will das ändern: Wibke Derboven blickt unter arbeitssoziologischer Perspektive tief hinein in die Arbeit von Eltern verschiedenster gesellschaftlicher Bereiche. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Eltern zum Teil höhere Anforderungen zu meistern haben als Erwerbsarbeitende.

Autorin

Autorin ist Wibke Derboven, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Hamburg. Eines ihres Arbeitsschwerpunkts ist die Analyse der in Familien verrichteten Sorgearbeit für Kinder.

Aufbau und Inhalt

Die Publikation ist neben einem Vorwort und einer Einleitung in weitere acht Kapitel differenzierter Länge gegliedert.

Im „Vorwort“ wird die zugrundeliegende Studie der Publikation kurz vorgestellt und es wird darauf verwiesen, dass Care Handeln einen Vergleich mit der Arbeit von Erwerbsarbeitenden nicht zu scheuen brauche.

In der „Einleitung“ als Erstes Kapitel wird betont, dass das Ziel der Studie sei, die Anforderungen an das Care Handeln in ihrer Vielfalt aufzuzeigen und zwar unter Berücksichtigung der sehr ungleichen familialen Rahmenbedingungen. Gegenwärtig würde Haus- und Sorgearbeit zunehmend als eine Säule gelingender Gesellschaft wertgeschätzt und sie werde auch als Arbeit bezeichnet.

Im zweiten Kapitel „Zu den Begriffen familiale Care-Arbeit und familiales Care-Handeln für Kinder“ werden zunächst die verwendeten Begrifflichkeiten benannt. Der Begriff familiales Care-Handeln für Kinder verweise auf drei wesentliche Kennzeichen dieser Arbeit: unentlohnt, auf sorgende Tätigkeiten zentriert und in familiale Organisationsformen eingebettet.

Im folgenden Kapitel wird auf den „Forschungsstand und struktureller Rahmen“ verwiesen. Care-Arbeit stelle aufgrund des hohen Anteils an Emotions- und Gefühlsarbeit andere Anforderungen an das Handeln als die Produktion von Gütern (S. 17). Das am häufigsten verbreitete Familienmodell sei heute noch immer die modernisierte männliche Versorgerehe, die aus einem männlichen Vollzeitarbeiter und einer weiblichen Teilzeitarbeiterin bestehe, die einen hohen Anteil bei der Care-Arbeit für Kinder leiste. Aufgabe der Familienpolitik sei es, Eltern mehr Zeitsouveränität zur Realisierung der Festigung der Familienbeziehungen zu ermöglichen.

Die „Theoretische Perspektive und Forschungsfragen“ werden im vierten Kapitel in den Blick genommen. In der Studie wurden in Anlehnung an ein arbeitssoziologisches Konzept die zentralen Dimensionen von familialer Care-Arbeit und Forschungsfragen herausgearbeitet.

Das „Sample und die Methoden“ sind Gegenstand des folgenden fünften Kapitels. Es wurden 16 problemzentrierte Interviews mit aktiven Eltern aus den vier Reproduktionsmodellen, die im vierten Kapitel benannt wurden, durchgeführt.

Im sechsten Kapitel werden die „Ergebnisse Teil I: Zentrale Dimensionen und Ausprägungen des familialen familiales Care-Handeln für Kinder“ dargestellt. Die meisten Eltern hätten das Leitbild der „verantwortenden Elternschaft“ verinnerlicht und manche von ihnen würden wegen der hohen Anforderungen keine Kinder haben wollen (S. 91). Wenn doch, sei es leichter Mädchen zu gebären, weil sie in der Regel anpassungsfähiger seien als Jungen.

Kapitel sieben steht unter dem Titel „Ergebnisse Teil II: Welche Care-Typen von Eltern lassen sich unterscheiden?“. Drei Typen des Arbeitshandelns werden vorgestellt:

  1. Der Gemeinschaftsgestalter – Gemeinschaft ist zentral. Ich achte sehr auf langfristige Beziehungen zu meinem Kind.
  2. Managerinnen: Ein funktionierendes System ist zentral. Ich gestalte sehr bewusst mein Unterstützungsnetzwerk.
  3. Tagesbezwinger: Mehr als schauen, was gerade geht, ist nicht möglich.

Eine deutlich höhere Unterstützung brauchten die Tagesbezwinger, die sich selbst nicht als Vorbild sehen würden.

Das letzte Kapitel ist mit „Fazit“ überschrieben. Alle befragten Eltern verfolgten die gleichen Ziele, dass ihre Kinder im Leben gut zurechtkommen und eine zufriedene Kindheit haben.

Fazit

Es ist eine Publikation, die ein soziologisch bisher wenig bearbeitetes Gebiet aufgreift – den Vergleich zwischen Anforderungen der Erwerbsarbeit und dem Care- Handeln für Kinder. Eltern agierten als Pfleger, Manager, Lehrer oder Führungskräfte und Personalentwickler, Tätigkeiten der oberen Hierarchieebenen der Erwerbsarbeitssphäre. Es lohnt sich, diese Ausführungen zu lesen, wird doch die hohe Belastung verdeutlicht, die Eltern bei der Erziehung ihrer Kinder tragen müssen.


Rezension von
Prof. Dr. habil. Gisela Thiele
Hochschule Zittau/Görlitz (FH)
Berufungsgebiete Soziologie, Empirische Sozialforschung und Gerontologie
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Zitiervorschlag
Gisela Thiele. Rezension vom 19.05.2020 zu: Wibke Derboven: Elternschaft als Arbeit. Familiales Care-Handeln für Kinder: eine arbeitssoziologische Analyse. transcript (Bielefeld) 2019. ISBN 978-3-8376-4941-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26291.php, Datum des Zugriffs 28.09.2020.


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ISSN 2190-9245

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