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Menno Baumann: Impulse, Zugangswege und hilfreiche Settingbedingungen für Jugendhilfe und Schule

Cover Menno Baumann: Impulse, Zugangswege und hilfreiche Settingbedingungen für Jugendhilfe und Schule. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2019. 178 Seiten. ISBN 978-3-8340-1981-3. 18,00 EUR.

Reihe: Baumann, Menno: Kinder, die Systeme sprengen - Band 2.
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Thema

Spätestens seit dem Film „Systemsprenger“ von Nora Fingerscheid, an deren Drehbuch Menno Baumann beratend mitgearbeitet hat, besitzt auch eine breitere Öffentlichkeit eine Idee davon wie schwer es sein kann, traumatisierte und tief enttäuschte Kinder (und Jugendliche) zu erreichen, ihnen tragfähige Beziehungen anzubieten und einen zuverlässig verfügbaren Ort für sie zu organisieren. Baumann zeigt auf, mit welchen destruktiven Verwicklungen bei diesen Versuchen zu rechnen ist, welche Schwachstellen das Hilfesystem an vielen Orten aufweist, aber auch wie man es anders und besser machen kann, damit auch diese Kinder (Jugendlichen) Chancen bekommen, sich weiter zu entwickeln.

Autor

Dr. habil. Menno Baumann, geb. 1972, ist Professor für Intensivpädagogik an der Fliedner-Fachhochschule in Düsseldorf. Herr Baumann hat Sonderpädagogik stuidert und mehrere Jahre Kinder und Jugendliche selbst unterrichtet bzw. im Rahmen des Leinerstift e.V. sozialpädagogisch betreut. Er hat mehrere Jahre an der Universität Oldenburg im Bereich Sonderpädagogik gelehrt und geforscht. Heute leitet den Therapeutischen Fachdienst des Leinerstift e.V. und ist als Referent, Fortbildner und Gutachter bundesweit aktiv. Er hat die Regisseurin des Films „Systemsprenger“ während des Entstehungsprozesses fachlich beraten und damit erheblichen Einfluss auf das Drehbuch bzw. den fertigen Film gehabt

Entstehungshintergrund

Die meisten Leser*innen von „Kinder, die Systeme sprengen“, das 2010 erstmalig erschienen ist, werden wie ich schon längere Zeit darauf gewartet haben, dass endlich der zweite Band erscheint. Hier ist er nun! Der Autor verspricht sich auf eine „Spurensuche zu machen, um Theorieansätze und fachliche Impulse ausfindig zu machen, mit deren Hilfe es gelingen kann Kontinuität in Hilfeverläufe hineinzubringen- zum Schutz vor Scheitern, oft auch gerade trotz eines phasenweise scheiternden Hilfeverlaufs“ (S. 3). Insofern verspricht er uns gleichzeitig Fortsetzung und Vertiefung des Bandes 1. Wie ist ihm das meiner Einschätzung nach gelungen?

Inhalt

Im ersten Kapitel setzt sich Baumann mit Definitionen des Begriffs „Systemsprenger“ auseinander. Er hat diesen Begriff selbst nie empfohlen („Kinder, die Systeme sprengen“ beschreibt ein Tun und verleiht keinen Titel) und benutzt im Buch den Ausdruck „Hoch-Risiko-Klientel“. Dennoch hält er „Systemsprenger“ auch nicht für diffamierend, sondern erkennt die kraftvollen Assoziationen, die damit verbunden sind und den kommunikativen Wiedererkennungswert unter Professionellen durchaus an. Zur genaueren Beschreibung stützt er sich – wie noch an vielen anderen Stellen auch – auf ein konkretes Fallbeispiel (Florian), ohne die Heterogenität der Zielgruppe damit einzuschränken. Er beschreibt sie als junge Menschen, die mit Hinblick auf ihre Entwicklungschancen ein erhebliches Risikopotenzial aufgebürdet bekommen haben, aber auch für andere Menschen ein Risiko darstellen und nicht zu letzt auch für sich selbst, weil sie sich mit fortwährendem Agieren immer weiter von der Möglichkeit entfernen ihre Ressourcen und Potenziale in gesellschaftlich anerkannte Verhältnisse einzubringen und sich stattdesssen immer weiteren Gefährdungen aussetzen (S. 10). Insofern kann man sie in dreifacher Hinsicht als Opfer betrachten:

  • als Opfer gesellschaftlicher Ausgrenzungsprozesse
  • als Opfer familiärer Verhältnisse und
  • als Opfer des Hilfesystems (S. 10/11).

Gleichzeitig gesteht er den Akteuren – den männlichen und weiblichen Kindern und Jugendlichen, die Systeme sprengen – eine erhebliche Eigenaktivität zu, wenn er beschreibt wie sie sich ab einem bestimmten Moment ihrer Exklusionserfahrungen „mit Polizei und Justiz anlegen“ (S. 13) und „die Karriere ihres Scheiterns aktiv mit gestalten“ (S. 14).

Hier – wie an vielen anderen Stellen – zeigt sich Baumann als Fachmann, der die Zielgruppe der „für uns Schwierigen“ weder als Outlaws romantisiert, noch als Hilfe-resistente diffamiert, sie weder vor einer vermeintlich verständnislosen Jugendhilfe in Schutz nimmt, noch anprangert, sondern sie zugleich als Opfer und (Mit-)Täter betrachtet.

Kapitel 2 heißt „Kinder, die Systeme sprengen im aktuellen Entwicklungsprozess der pädagogischen Erziehungshilfen“. Kapitel 2 stellt das am stärksten theoretische Kapitel des Buches dar, welches die Aufgaben Kontinuität sichern und Entwicklungsimpulse geben mit Blick auf bestimmte Theorieströmungen präzisiert. Vor allem mit zwei Theoriebezüge setzt sich Menno Baumann kritisch auseinander:

  • mit der Inklusions-Rhetorik
  • mit der Evidenzbasierung
  • mit dem Spannungsfeld von Partizipation und Kontrolle

Mit Blick auf beide entwickelt er schlagkräftige Argumente, warum sie als Theorie- und Anspruchsrahmen nicht geeignet sind bzw. sogar hinderlich und schädlich sind.

Angesichts der massiver Gewalthandlungen oder auch nur Androhungen von Gewalt, die von der Zielgruppe ausgehen, das macht Baumann sehr klar, kann, darf und muss der Inklusionsanspruch ausgesetzt werden, da der Schutz der anderen Kinder und Jugendlichen im Vordergrund stehen muss (S. 18). Das macht Spezialangebote erforderlich, die besondere Schutzmaßnahmen für Betreute und Betreuer*innen bereitstellen, die durchgängig in der Jugendhilfe so nicht gebraucht werden, oder aber Settings, die jungen Menschen die sozialisatorisch positive Atmosphäre von Regelgruppen in Schule und Heim erhalten, aber sehr rasch und ausreichend lange Schutz und Sicherheit herstellen können, wenn Gewalt angewandt oder angedroht wird. Ohne jederzeit abrufbares und einsatzbereites Personal und/oder ohne zeitlich befristete Auszeiten, die man zur Aufarbeitung der Gewalttat und zur Ableistung von Wiedergutmachungen verwenden muss, wird es in solchen Systemen oft nicht gehen.

Gegen die im Bereich Kinder- und Jugendpsychiatrischer Forschung so hoch gehaltene Evidenzbasierung führt Baumann an, dass diese uns gerade für die hier besprochenen Kinder und Jugendliche nicht weiterhilft. Denn was nützt uns das Wissen, dass Maßnahme oder Training oder Therapieform A, B oder C zu 80 % nützlich ist (was tatsächlich phantastisch hoch wäre wie schon Baummann betont (S. 20), wenn unser Klientel eben zu den 20 % gehören, die sich davon nicht ansprechen lassen?

Kapitel 3 trägt den Titel „Impulse für den Umgang mit Hoch-Risiko-Klientel“. Hier wie auch in Kapitel 4 löst Baumann sein Versprechen ein, indem er sich breit in der deutschen und amerikanischen Fachliteratur umschaut und eine große Bandbreite an Impulsen einsammelt und immer verständlich, zugleich aber auch komplex und ausführlich genug darstellt. Für wahr eine Fundgrube, deren einzelne Fundstücke sich sehr gut ergänzen. Zu nennen sind hier seine eigenen Vorarbeiten, aber auch die Vorstellung der psychoanalytisch-systemischen Gedanken von Reiser, Müchers Erfahrungen aus dem Bereich Wohnungslosenhilfe, die Erkenntnisse von Ahrbeck, der lange in Berlin gelehrt hat, das sehr instruktive Modell des „Circle of Violence“ von Hardy & Lasloffy, die spannende Studie von Sutterlüti über Gewaltkarrieren bereits von 2003, aber auch die Hinweise zum Verständnis insbesondere institutioneller Eskalationsprozesse, die der Autor dieser Rezension gegeben hat (Schwabe Eskalation und De-Eskalation 2019 6. Auflage). Er bezieht sie konsequent auf zwei zentrale Fragen (S. 25): Wie muss eine Hilfe gestaltet sein

  • damit ein junger Mensch sie annehmen oder aushalten kann bzw. zumindest nicht dagegen kämpfen muss?
  • damit die Pädagog*innen die Arbeit mit dem jungen Menschen aushalten können?

Kapitel 4 handelt davon „Stereotypie Konfliktmuster zu analysieren, zu verstehen und zu verändern“ S. 31 ff). Über die Reichhaltigkeit der dargelegten Theorie – und Methodenansätze schrieb ich bereits oben. Deshalb hier nur ein knapper Hinweis, auf das

Thema „Grenzen“, auf das Baumann hier eingeht (S. 48 f). Hier geißelt er nachvollziehbar die Erwartung vieler Pädagog*innen, dass sich Kinder und Jugendliche mit Eintritt in eine Erziehungshilfe an Regeln halten könnten und die das als Grenzverletzung sehen, wenn das nicht eintritt.

In Kapitel 5 geht es um „Wege des gemeinsamen Fallverstehens“. Alle hier aufgezeigten Wege ein angemessenes Verständnis der Dynamiken zu entwickeln – und es sind insgesamt sechs methodische Zugänge mit jeweils eigenen, sich ergänzenden Schwerpunkten – sind sinnvoll und führen weiter.

Kapitel 6 greift die A-B-C-Typologie des ersten Bandes wieder auf. Es handelt sich dabei um typische Handlungsformen, mit deren Hilfe die hier besprochenen Kinder und Jugendliche versuchen Kontrolle in Bezug auf ein zentrales Lebensthema herzustellen, das ihnen einerseits am Herzen liegt, von ihrer Umwelt aber zu wenig Beachtung erhält oder sogar – ohne dass diese das weiß oder bewusst tut – auf bedrohliche Weise verstärkt wird.

  • A = Kontrolle über Situationen, die so chaotisch erscheinen, dass man die Übersicht verliert und in innere Not gerät, weil alle Ordnungskoordinaten für die eigene Handlungsorganisation zusammenbrechen oder sich auflösen.
  • B = Kontrolle über Autonomiespielräume, die man für unverzichtbar hält und sprichwörtlich „bis aufs Messer“ zu verteidigen bereit ist
  • C = Kontrolle über Beziehungen, die einem einerseits wichtig sind, andererseits aber auch so brüchig und prekär erscheinen, sodass man ständig auf der Hut sein muss und immer der erste bleiben muss, der sie beenden kann.

Im Kapitel 7 steht die Frage im Mittelpunkt wie eine gute Mitarbeiter*innensicherung aussehen kann. Baumann macht sehr deutlich, dass man ohne Mitarbeiter*innen, die sich sicher fühlen und halbwegs gerne zur Arbeit kommen, keine Chancen hat Hoch-Risiko-Klientel zu erreichen und zu halten. Die Hinweise, die er dazu gibt, stellen Basics dar, deren Vorhanden- und Wirksam-Sein jede Institution überprüfen sollte. Freilich muss man dazu die Mitarbeiter*innen und deren Einschätzung hören und nicht nur die ihrer Chef*innen.

Kapitel 8 trägt mit „Hilfreiche Settingbedingungen für tragfähige Angebote“ eine m.E. irreführende Überschrift. Es zeigt tatsächlich eine erhebliche Bandbreite von sehr verschiedenen Settings auf, die von Intensivgruppen, über „Geschlossene Unterbringung“ zu „Therapeutischen Wohngemeinschaften“ und „niedrigschwelligen Angeboten“ (hier wird auf unsere Evaluation von NAlS hingewiesen = Niedrigschwellige Alternativen für sog. Systemsprenger*innen) reichen. Alle diese Möglichkeiten werden in ihren Möglichkeiten und Grenzen dargestellt und hinsichtlich ihrer Erfolge nur so weit verglichen, wie das seriöser Weise möglich ist. Zum Schluss weist Baumann auf eine neuere Entwicklung hin, den „Fallverbund“ d.h. die Möglichkeit, dass Jugendämter mehere Träger an einen Tisch rufen und mit diesen zusammen ein passende Setting entwickeln, zu dem mehrere spezifische Ressourcen beisteuern und sich die Verantwortung dadurch auch auf mehrere Schultern verteilt. Von solchen innovativen Ansätzen werden wir noch hören.

Diskussion

Wenn dem Buch etwas fehlt, dann sind es Konkretisierungen in Bezug auf Kapitel 2, da es hier erhebliche Gestaltungsspielräume gibt, die vom Einsatz von Security-Personal bis zu selbst organisierten Auszeiten in einer einsam gelegenen Hütte oder einem Campingplatz reichen, mit jeweils spezifischen Chancen und Risiken (Schwabe/​Stallmann/Vust 2008, S. 134 ff). Der Fall Alisha enthält dazu wichtige Hinweise (S. 157 ff), aber er wird im letzten Kapitel ganz zuletzt behandelt, was diesem zentralen Thema nicht gerecht wird.

Das Unterkapitel zum Spannungsfeld „Partizipation und Kontrolle“ enttäuscht. Hier hätte ich mir eine Auseinandersetzung mit den Positionen gewünscht, die behaupten, die jungen Menschen wären „Expert*innen für ihr eigenes Leben“ und es käme vor allem darauf an, sie zu fragen, was sie sich an Betreuung wünschen und was nicht, man müsste nur auf sie hören (so etwas überspitzt dargestellt z.B. Rätz-Heinisch oder Wolf oder Peters). Das mag für einige Wenige zutreffen. Aber die meisten Kinder und Jugendlichen, die dem Bereich Hoch-Risiko-Klientel zugeordnet werden können, sind von ihnen selbst undurchschaubaren Dynamiken getrieben und wechseln ihren Willen schneller als andere Menschen ihre Unterwäsche, weil sie zum einen stark Situationsverhaftet agieren und zum anderen eine komplexe Struktur wie einen eigenen Willen mit halbwegs stabilen Zielen noch gar nicht entwickeln konnten. Wie viel Partizipation und in welchen Formen für ein halbwegs gutes Auskommen mit ihnen trotzdem unverzichtbar sind, bleibt unbeleuchtet. Ebenso hätte hier eine Auseinandersetzung mit dezidierten Kontrollsettings wie mit Freiheitsentziehenden Maßnahmen stattfinden können. Freilich hat Baumann das an anderer Stelle in einer sehr akribischen und ertragsreichen Form geleistet (Baumann 2019). Dieser Aufsatz stellt einen Meilenstein in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit dem Thema dar.

Der von ihm als Alternative gedachte Grenz-Begriff der Membran im Kapitel 4 scheint mir insofern eine gute Idee als er eine organische Metapher einführt, die die Aufmerksamkeit auf „Verletzen“ und „Reparieren“ lenkt. Für eine vertiefte Auseinandersetzung empfehle ich das Themenheft „Innere und äußere Grenzen“ (Jahrbuch für psychoanalytische Pädagogik 2016) aus dem Psychosozialverlag, in dem sich u.a. Günther Bittner und der Rezensent an diesem Thema abarbeiten (Bittner 2016, S. 27 f; Schwabe 2016, S. 50 f und 2020, 15 ff).

In Band 2 gelingt es Baumann m.E. noch besser als in Band 1 die ABC-Typologie plausibel zu machen und mit treffenden Beispielen zu belegen. Alleine dafür lohnt es sich das Buch zur Hand zu nehmen. Ebenso plausibel erscheinen die drei damit verbundenen jeweils sehr unterschiedlichen Handlungsweisen und Settingcharakteristika für einen halbwegs gelingenden Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die sich A, B oder C zuordnen lassen.

Baumann behauptet seriöserweise nicht, dass sich das gesamte Spektrum von „Hoch-Risiko-Klientel“ in eine der drei Typen eingeordnen lässt. Aber es bietet vielen einen angemessenen Platz. Außerdem hat er in den vorangegangen Kapiteln – ich denke vor allem an das Stichwort „Re-inszenierungen“ jede Menge alternative Einordnungsversuche angeboten.

Manches aus dem Themenkreis im Kapitel 7 wünschte ich mir noch genauer und konkreter ausbuchstabiert, aber kein Buch kann alles in gleicher Tiefe und Ausführlichkeit leisten.

Fazit

Das Buch ist nicht nur schlüssig, sondern organisch aufgebaut. Es schreitet fort und enthüllt mit jedem Kapitel neue Facetten des Themas, bis sie geordnet und bunt vor einem stehen. Baumann hat sein anfangs gegebenes Versprechen mehr als gehalten: Es enthält eine große Fülle von wertvollen theoretischen Hinweisen, von differenzierten Erörterungen lebensnaher Fallbeispiele, von wohlbegründeten praktischen Handlungsempfehlungen und Anleitungen zur (Selbst-)Reflexion für Mitarbeiter*innen und Teams, aber auch für ganze Einrichtungen. Damit spricht es Praktiker*innen an, die in dem Feld Sozialpädagogik/​erzieherische Hilfen arbeiten, unabhängig davon, ob sie bereits mit sog. Hoch-Risiko-Klientel arbeiten und/oder sich darauf vorbereiten wollen oder müssen.

Es eignet sich aber auch für den Unterricht an Fachschulen und Hochschulen, um Auszubildenden vertiefte Einblicke auf Klienten und deren Lebensschicksale zu ermöglichen, die ihnen nicht begegnen müssen, aber durchaus können.

Aber dem Autor ist noch mehr gelungen: er schreibt in einem Stil, der den Leser/die Leserin, ansprechen und in einen Dialog hineinholen möchte. Bei mir ist ihm das durchwegs gelungen. Aber Achtung: Baumann möchte den/die Leser*in auch in die Pflicht nehmen. Denn nach der Lektüre dieses Buches kann man nicht mehr so leicht „Verlegen und Abschieben“ wie der Titel des Klassikers diese Praxis bezeichnet (Freigang 1986) und dabei hoffen, andere würden es anderswo besser können als dort, wo das Kind/der Jugendliche gerade lebt und Schwierigkeiten hat und macht. Bei dieser Aufgabe hilft, dass der Autor ein Mann ist, der offensichtlich über viel Humor verfügt und bei allem Ernst, der dem Thema zueigen ist, diesen auch immer wieder durchscheinen lässt. Nicht der schlechteste Umgang mit Hoch-Risiko-Klienten, aber auch mit dem eigenen Scheitern, ist es die unfreiwillig komischen Seiten ihres und unseres Handelns wahr zunehmen und darüber zu schmunzeln oder auch einmal laut zu lachen. Nicht zuletzt dazu regt dieses Buch an.

Literatur:

Baumann, M. (2019) Was wissen wir über Zwang in erzieherischer Absicht? In: ZJJ 3, S. 253 - 261

Bittner, G. (2016) Drama um einen Kaugummi: über äußere, verinnerlichte und wirklich innere Grenzen. In: (Hrsg): Ahrbeck, B./Dörr. M./Göppel. R./Krebs. H., Innere und äußere Grenzen, Psychosozialverlag Gießen, S. 14 – 34

Freigang, W. (1986) Verlegen und Abschieben. Weinheim

Rätz-Heinisch, R. (2000) Gelingende Jugendhilfe auch bei aussichtslosen Fällen?

Schwabe. M. (2016) Auf dem Bösen kann man nicht lange genug herumkauen. Gedanken zum Text von Günther Bittner. In: (Hrsg): Ahrbeck, B./Dörr. M./Göppel. R./Krebs. H., Innere und äußere Grenzen, Jahrbuch für psychoanalytische Pädagogik 24, Psychosozialverlag Gießen, S. 35 – 57 

Schwabe, M./Stallmann, M./Vust, D. (2010) Freiraum mit Risiko: niedrigschwellige Alternativen für sog. Systemsprenger*innen. Münstermann-Verlag, Ibbenbühren

Wolf, M./Hartig, S. (2013) Gelingende Beteiligung in der Heimerziehung: Gute Praxis beim Mitreden, Mitwirken und Mitbestimmen von Kindern und Jugendlichen im Heimalltag. Weinheim und München


Rezension von
Prof. Dr. phil. Mathias Schwabe
Diplompädoge, Professor für Methoden an der Evangelischen Hochschule Berlin, Systemischer Berater (IGST und SIT), Supervisor, Denkzeittrainer.
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Zitiervorschlag
Mathias Schwabe. Rezension vom 04.05.2020 zu: Menno Baumann: Impulse, Zugangswege und hilfreiche Settingbedingungen für Jugendhilfe und Schule. Schneider Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler) 2019. ISBN 978-3-8340-1981-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26303.php, Datum des Zugriffs 01.06.2020.


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ISSN 2190-9245

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