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Matthias Gräßlin, Nicole Zielke (Hrsg.): Volxkultur

Cover Matthias Gräßlin, Nicole Zielke (Hrsg.): Volxkultur. Ein künstlerischer Ansatz für die offene Gesellschaft. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2019. 277 Seiten. ISBN 978-3-7455-1047-8. 24,00 EUR.
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Thema

Ein Volxtheater ist ein Theater welches aus der Bevölkerung entsteht und für die Bevölkerung ist. Es vereint Künstlerinnen und Künstler verschiedenster Lebensbereiche der Gesellschaft in einem kreativen Ausdruck. Das Volxtheater in Bethel ist nicht das Einzige seiner Art, jedoch mit seinem Verständnis als inklusives Theater ein Besonderes. Der vorliegende Band ist eine Festschrift anlässlich des 35jährigen Bestehens der Theaterwerkstatt in Bethel.

AutorInnen

Matthias Gräßlin ist seit 1994 Leiter der Theaterwerkstatt in Bethel. Nicole Zielke arbeitet dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin. Die anderen AutorInnen haben Bezugspunkte zur Arbeit, teilweise auch als Darsteller.

Inhalt

Das Buch beinhaltet neunzehn Beiträge, die zum Teil die Arbeit, den künstlerischen Ansatz oder die Praxis des Volxtheaters an der Theaterwerkstatt Bethel beschreiben.

Matthias Gräßlin schildert im ersten Beitrag die Entwicklung des Volxtheaters der Theaterwerkstatt in Bethel zur Volxkultur, indem sie weitere Formen der künstlerischen Gestaltung aufnahmen. Volxkultur sieht er als Labor für die Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Mißstände und der Bewusstmachung eigener Wirksamkeit für eine inklusive Gesellschaft. Juliane Gerland zeichnet im folgenden Beitrag die Kunst als Erfahrungsort für die pädagogische Praxis in der Auflösung der Dilemmata und Trilemmata der Inklusion.

Ingrid Hentschel beschreibt das Theater als Soziale Praxis jenseits der Darstellung auf der Bühne, in dem sie auf die Prozesshaftigkeit bei der Erarbeitung eines Stückes verweist.

Darauf folgend verschafft Jörg Albrecht dem Buch ein künstlerisches Zwischenspiel. Im zweiten Beitrag von Gräßlin schreibt der Autor über die ästhetische Praxis der Volxkultur und ihre Relevanz für das gesellschaftliche Leben. Nicole Zielke erzählt in ihrem ersten Beitrag von Ihrer praktischen Arbeit an der Theaterwerkstatt Bethel sowie in ihrem zweiten Beitrag von ihrer Tätigkeit als dramaturgischer Assistenz.

Benedikt Sturzenhecker hat eine Dankesrede mit der Herausstellung der Bedeutung des Volxtheaters verfasst, während Alfred Schultz ein Portrait zweier DarstellerInnen, Ingeborg Gagelmann und Martin Psiorz, angefertigt hat. Jonas Kramer beschreibt seine Arbeit als Darsteller in einem Stück. Alfred Schulz und Robert Jebumohakonzara erläutern das Wesen des Bühnenmenschens im performativen Akt. Jürgen Heinrich verfasst Gedankensplitter zum Thema des Versuchs.

In seinem dritten Beitrag zeigt Matthias Gräßlin die Möglichkeit der Schaffung offener Räume durch die Volxakademie, einer Weiterentwicklung des Volxtheaters mit Fortbildungen und Workshops auch räumlich außerhalb der Theaterwerkstatt. Laura Marleen Kreutz beschreibt die Arbeit im sogenannten „Project Unicorn“. Anja Hoffmann zeigt, wie das Volxtheater im Museum „Zeche Zollern“ inklusive Arbeit ermöglicht hat.

Ihr raumsoziologisches Forschungsobjekt zum Jugendvolxtheater mit der Fragestellung der Inklusion stellen Angela Quack und Nicole Zielke vor. Eben Nicole Zielke fragt in einem weiteren Beitrag gemeinsam mit Katrin Meyer und Mitja Brinkkötter nach dem Nutzen, der Wirkung und den Erwartungen bei den theaterspielenden TeilnehmerInnen. Pia Ringhoff beschreibt ebenfalls wie Marleen Kreutz zuvor das „Projekt Unicorn“ [sic!] mit jungen Mädchen und Frauen. Der letzte Beitrag besteht aus gezeichneten Impressionen aus dem Volxtheater von Lara Burgmann.

Diskussion

Eine wissenschaftliche Diskussion der Festschrift erübrigt sich qua ihrer Ausrichtung. Ansätze einer Theorie zum inklusiven Theater sind bei Matthias Gräßlin in seinen Beiträgen zu finden, doch das Gros der Texte sind Beschreibungen der Arbeit in der Theaterwerkstatt Bethel und dem daraus entstandenen Volxtheater, bzw. der Volxakademie. Viele Theaterfotografien begleiten die Texte, die einen Innenblick auf die Probenarbeit (kleinere Bilder in den Texten) sowie auf die Aufführungspraxis (große Bilder zwischen den Beiträgen) werfen. Die Texte zeugen vom Wert des inklusiven Theaters für die Gesellschaft.

Fazit

Die Antworten auf die sich selbst gestellten Fragen zum Wert des Volxtheaters in den Beiträgen sind allesamt positiv, aber das ist ja auch der Sinn einer Festschrift. Eine Institution, eine Person oder ein Ereignis wird gefeiert, alle applaudieren. Das ist okay. Für Theaterschaffende, die sich mit Inklusion beschäftigen ist das schön gestaltete Buch mit Sicherheit ein Gewinn.


Rezension von
Michael Christopher
Filmwissenschaftler, Theaterwissenschaftler und Mitherausgeber der Zeitschrift manycinemas
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Zitiervorschlag
Michael Christopher. Rezension vom 17.04.2020 zu: Matthias Gräßlin, Nicole Zielke (Hrsg.): Volxkultur. Ein künstlerischer Ansatz für die offene Gesellschaft. Athena-Verlag e.K. (Oberhausen) 2019. ISBN 978-3-7455-1047-8. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26315.php, Datum des Zugriffs 06.08.2020.


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