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David Goeßmann, Fabian Scheidler (Hrsg.): Der Kampf um soziale Gerechtigkeit

Cover David Goeßmann, Fabian Scheidler (Hrsg.): Der Kampf um soziale Gerechtigkeit. Gespräche mit Noam Chomsky, Vandana Shiva, Immanuel Wallerstein, Amy Goodman u.a. Promedia Verlagsgesellschaft (Wien) 2019. 240 Seiten. ISBN 978-3-85371-458-4. D: 19,90 EUR, A: 19,90 EUR.
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Ist die Welt noch zu retten?

Der Diskurs über die menschheitsgefährdenden Entwicklungen auf der Erde vollzieht sich janusköpfig. Während auf der einen Seite die vielfältigen, menschengemachten Katastrophen wie Artensterben, Klimaveränderungen, Energie- und Migrationsprobleme, Kapitalismusentwicklung hoffnungsvoll und optimistisch als lösbar betrachtet werden (u.a.: Jeremy Rifkin 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​26178.php), gibt es andererseits Zweifel, ob die Menschheit willens und in der Lage ist, den notwendigen grundlegenden Perspektivenwechsel vollziehen zu können, wie ihn 1995 die Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ gefordert hat: „Die Menschheit steht vor der Herausforderung umzudenken, sich umzuorientieren und gesellschaftlich umzuorganisieren, kurz: neue Lebensformen zu finden“ (Wolfram Malte Fues 2018, www.socialnet.de/rezensionen/​25265.php). Weil Fatalismus, Weltuntergangsstimmung und Kassandrarufe keine Antworten auf die Lage der Welt sein können, bleibt nur die Hoffnung, dass es gelingen möge, die Menschen davon zu überzeugen, dass sie informiert, gebildet, aufgeklärt und überzeugt sein wollen: Die menschengemachten, zerstörerischen Entwicklungen auf dem Lebensraum Erde und im Kosmos können nur von Menschen beendet werden (vgl. dazu auch: Jos Schnurer, Die Menschen motivieren, dass sie aufgeklärt und gebildet sein wollen! In: Pädagogische Rundschau, 3/2018, S. 363ff).

Entstehungshintergrund

Es gibt lokal- und globalgesellschaftliche Initiativen, die sich mit dem desaströsen Zustand der Welt nicht zufrieden geben wollen, sondern ökonomisch, ökologisch, medial und ethisch Theorien und praktische Modelle entwickeln, die Welt gerechter, also humaner und menschenwürdiger zu gestalten. Es sind Überzeugungen, dass nur die Verwirklichung einer „globalen Ethik“ dies ermöglicht, wie es in der Präambel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte zum Ausdruck kommt: „Die Anerkennung der allen Mitgliedern der menschlichen Familie innewohnenden Würde und ihrer gleichen und unveräußerlichen Rechte bildet die Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt“ (vgl. dazu auch: Marc Engelhardt, Weltgemeinschaft am Abgrund. Warum wir eine starke UNO brauchen, 2018, www.socialnet.de/rezensionen/​24143.php). Seit 2009 strahlt der Berliner unabhängige Internet-TV-Sender Kontext TV Nachrichten aus und übermittelt Informationen und Berichte „zu drängenden Gegenwarts- und Zukunftsthemen wie Klimawandel, Krieg und Frieden, Finanzkrise, soziale Gerechtigkeit und Migration“. Dabei gelingt es, zahlreiche prominente kritische EINE-WELT-AktivistInnen und DenkerInnen zu Wort kommen zu lassen.

Aufbau und Inhalt

Aus der mittlerweile 1ojährigen Informations- und Aufklärungsarbeit des Senders haben die Journalisten und Autoren David Goeßmann und Fabian Scheidler Interviews und Gesprächsnotizen mit 27 Expertinnen und Experten aus aller Welt ausgewählt und in einem Sammelband vorgelegt. Die ins Deutsche übersetzten Texte vermitteln einen bedeutsamen Überblick über den inter-, transnationalen, interkulturellen und interdisziplinären Diskurs zu Fragen, Herausforderungen und Modellen zur globalen Gerechtigkeit. In Weblinks wird auf die Originaltexte verwiesen.

Der Sammelband wird in vier Teile gegliedert:

  • Im ersten Teil geht es um die „Erde: Klimakrise, Ressourcenraubbau und Preis des Wachstums“.
  • Der zweite Teil setzt sich auseinander mit dem „Globalen Norden: Soziale Spaltung, Demokratieverfall und die Krise des Kapitalismus“.
  • Im dritten Teil geht es um den „Globalen Süden: Forcierte Ausbeutung, Kriege und Widerstand“.
  • Der vierte Teil thematisiert „Ausblicke“, und zeigt Perspektiven und Lösungsansätze auf.

Der Leiter der Abteilung Erdsystemanalyse beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, Stefan Rahmstorf, verweist in dem Interview darauf, dass die bisher diskutierten und vorgelegten Klimamodelle Ursachen, Wirkungen und Folgen des Klimawandels unterschätzen: „Arktis und Antarktis schmelzen deutlich schneller als bisher angenommen. (…) Wenn der Gletscher dann weg ist, ist es vorbei mit der Wasserzufuhr“.

Die Klimawissenschaftler von der Universität in Manchester, Alice Bows-Larkin und Kevin Anderson, zeigen die „Kipppunkte im Erdsystem“ auf und plädieren für den notwendigen Umbau der lokalen und globalen Gesellschaften. Es sind die unüberseh- und unkalkulierbaren Kettenreaktionen: „Wir haben nur diesen einen, einzigen Planeten und sollten mit ihm keine Experimente anstellen“.

Der Journalist von der britischen Tageszeitung „The Guardian“, George Monbiot, warnt vor dem „Kollaps der Natur und der drohenden Nahrungsmittelkrise“. Er sieht im Begriff „Klimawandel“ eine Verharmlosung der Welt- und Menschheitsbedrohung. „Es besteht die akute Gefahr, dass das Erdsystem von einem grundsätzlich bewohnbaren Zustand in einen unbewohnbaren umschlägt“.

Die indische Physikerin, Frauenrechtlerin und ökologische Aktivistin Vandana Shiva plädiert dafür, den wahren „Preis des Wachstums“ zu benennen. Es sind die Ärmsten der Welt, die die Zeche des Wachstums bezahlen. „Weil Wachstum nur die kommerziellen Transaktionen misst und dabei die Abnutzung der Natur, die Zerstörung von Leben und von Lebensräumen der Armen außer Acht lässt und externalisiert, ist Wachstum … ein Prozess, der Armut herstellt und vertieft, statt Armut zu bekämpfen“.

Der Chemiker von der Universität Florenz, Ugo Bardi, hat 2013 den Bericht „Der geplünderte Planet“ vorgelegt. Er setzte damit die vom Club of Rome seit 1972 formulierten Warnungen fort, dass die Grenzen des Wachstums erreicht seien. Im Interview plädiert er für „Ressourcenverknappung und die Grenzen fossiler Energien“. Abfälle als Ressourcenquelle statt Ausbeutung und Erschöpfung der Rohstoffe und Umweltzerstörung ist ein Lösungsweg.

Der kanadischen Publizistin und Umweltaktivistin Maude Barlow geht es um den „Kampf ums Wasser“. Sie warnt davor, dass unserer Erde das saubere Wasser ausgeht. Sie zeigt auf, wie der agrarindustrielle Wasserverbrauch Seen verschwinden und den Grundwasserspiegel sinken lässt. Die Vereinten Nationen haben das Menschenrecht auf gesundes, sauberes Wasser und Sanitätsversorgung proklamiert. Das globale Wasserforum tritt dafür ein, dass das Menschenrecht auch umgesetzt wird.

Der kanadische Entwicklungsexperte und Technikkritiker Pat Mooney warnt vor „Russischem Roulette mit dem Planeten“, indem er sich mit den Folgen von Nanotechnologie, Geo-Engineering und anderen Risikotechniken auseinandersetzt. Die von der Wirtschaft, der Politik und sogar von der Wissenschaft ausgegebenen und wiederholten beruhigenden Parolen: „Seid unbesorgt, wir kümmern uns…“, führen nicht zu den grundlegenden Fragen, welche Technologien nützlich sind für den notwendigen Perspektivenwechsel.

Den zweiten Teil „Der globale Norden“ beginnt der US-amerikanische politische Aktivist und Wissenschaftler Noam Chomsky mit der Erklärung: „Wie die Kürzungspolitik der EU die Zukunft einer ganzen Generation zerstört“. Er sieht in der „Fragmentierung der Demokratie unter der Herrschaft der neoliberalen Programme“ die Macht einer dominanten Wachstumspolitik. Mit Fragen, „Wer beherrscht die Welt?“, „Hegemonie oder Untergang“ und „Kampf oder Untergang“ meldet sich Chomsky eindrucksvoll und auffordernd zu Wort (2016, www.socialnet.de/rezensionen/22197.php; 2017, www.socialnet.de/rezensionen/22142.php; Noam Chomsky 2018, www.socialnet.de/rezensionen/​25009.php).

Der Journalist und Mitglied des Rechercheteams „Investigate Europe“, Harald Schumann, stellt fest: „Wir erzeugen künstlich einen gescheiterten Staat“, indem er über den Fall Griechenland und die Zukunft Europas spricht. Er zeigt auf, dass die europäische Politik der Austerität und Krisenbewältigung auf neoliberalen Grundlagen beruht und sozialstaatliche Prinzipien negiert.

Der ehemalige griechische Finanzminister, Wirtschaftswissenschaftler und Mitbegründer von „Democracy in Europe Movement 2025“, Yanis Varoufakis, stellt die Alternative „Demokratie oder Kollaps der EU“ zur Disposition. Er moniert, dass Europa zwischen Autoritarismus und Inkompetenz gefangen ist. Die politischen Entscheidungen werden in informellen Zirkeln getroffen, und es fehlen die notwendige Transparenz und die demokratische Legitimation.

Der kroatische politische Aktivist und Philosoph Srećko Horvat befürchtet, dass der EU ein Zerfall in widerstreitende Nationalismen drohe: „Der Zerfall Jugoslawiens und die Krise der EU“. Er ist besorgt über die Entwicklung, dass Teil der EU-Bevölkerung nationalistischem, rechtsradikalem und populistischem Gedankengut anhängen. Es gilt, diesen Tendenzen zu widerstehen und sich daran zu erinnern: „Auch wenn der Sozialstaat aus kapitalismuskritischer Sicht immer ein Kompromiss war, ist ein funktionierender Sozialstaat eine klare Verbesserung für die Arbeiter“.

Die Wirtschaftsjournalistin bei der Tageszeitung taz, Ulrike Herrmann, zeigt auf, „wie der Selbstbetrug der Mittelschicht Krisen beschleunigt“. Sie betont, dass sich „… die Mittelschicht gegen ihre eigenen Interessen zum Komplizen einer Politik gemacht hat, die vor allem der Oberschicht dient“. Sie will mit den Irrtümern und Versuchungen aufräumen, dass „man in einer endlichen Welt nicht unendlich wachsen kann“. Und sie verweist darauf, dass „nur Gesellschaften …, wo der Abstand zwischen Arm und Reich relativ gering ist, (…) fähig zum Umweltschutz sind“.

Der Journalist und Pulitzer-Preisträger Chris Hedges klagt an: „Der Staatsstreich der Konzerne – Die USA auf dem Weg in eine neofeudale Gesellschaft“. In dem 2013 geführtem Interview beschreibt er den Verfall von ehemaligen Industrieorten in den USA, wenn die jeweiligen kapitalistischen und neoliberalen Bedingungen nicht mehr stimmen. Es sind „geopferte Zonen“, die auch unter der Politik Obamas – und erst recht heute – keine Chance für eine menschenwürdige Entwicklung haben. Doch die Verlierer werden aufstehen und sich dagegen wehren.

Die TV.-Journalistin Amy Goodman ist Gründerin der Sendereihe „Democracy Now“. In kritischen Beiträgen weist sie darauf hin, dass Medien mächtiger als Bomben seien, wenn sie Mehrheitsmeinungen unterdrücken: „Die Medien könnten die größte Friedensmacht der Welt sein, stattdessen werden sie als Kriegswaffen eingesetzt“. Es sind die Medienmonopole der global agierenden Wirtschafts- und Interessenunternehmungen, die die Mehrheit zum Schweigen bringen und Meinungsvielfalt verhindern. „Unser Land wird von Tag zu Tag ungerechter und ist weltweit eines der Länder mit der geringsten Gleichbehandlung“, so beschreibt sie den gesellschaftspolitischen Zustand in den USA. Und sie überträgt diese Entwicklung auf viele andere Länder und Regionen in der Welt. „Medien sollten Andersdenkenden einen Zufluchtsort bieten“.

Der Ökonom und Sozialwissenschaftler von der Universität Massachusetts, Richard D. Wolff, spricht in dem 2017 geführtem Interview von der „Wut der Arbeiter und der Suche nach einer neuen Wirtschaftsordnung“. Es sind die strukturellen, lokalen und globalen Krisen, die zu einem Paradigmenwechsel hin zu einem demokratischen Wirtschaftssystem auffordern: „Das Problem ist der Kapitalismus selbst, ob er in Gestalt des Neoliberalismus oder der alten sozialdemokratischen Form oder dem Keynesianismus auftritt  (…)“.

Kontext TV hat im März 2015 mit dem 2019 gestorbenen Sozialhistoriker und Weltsystemforscher Immanuel Wallerstein ein Interview geführt: „Die globale Systemkrise und der Kampf um eine postkapitalistische Welt“. Er zeigt auf, dass sich die Menschheit auf den Weg in eine immer größere globale Instabilität befindet. Die Gründe liegen in „der unaufhörlichen Anhäufung von Kapital“. Die lokalen und globalen Zielsetzungen, wie sie beim ersten Weltsozialforum in Porto Alegre 2001, dem „Geist von Porto Alegre“, und beim Weltwirtschaftsforum in Davos, dem „Geist von Davos“, formuliert und propagiert wurden, verdeutlicht die historische und aktuelle Wegkreuzung.

Der dritte Teil des Sammelbandes beginnt mit dem im Februar 2011 beim Weltsozialforum in Dakar geführten Gespräch mit der kenianischen Anwältin und Menschenrechtlerin Wangui Mbatia: „Die Plünderung des afrikanischen Kontinents“. Der globale Ressourcenhunger bewirkt, dass Industrieländer und Konzerne die Rohstoffe in Afrika ausbeuten, Land kaufen und die afrikanischen Länder in Schuldhaft nehmen. Die Folgen der Kolonialzeit und die neoliberalen, globalen ökonomischen Strukturen führen dazu, dass von einer gerechten und gleichberechtigten Entwicklung nicht gesprochen werden kann: „Unsere Regierungen sind in einer Kultur von Schulden, Entwicklungshilfe und Leid versklavt“.

Die senegalesische Präsidentin des Verbandes „Frauen gegen klandestine Migration“, Yayi Bayam Diouf, klagt: „Ich will den Leichnam meines Sohnes“, indem sie über die „Zerstörung der senegalesischen Fischerei und die tödliche Flucht in die EU“ spricht. Beim Weltsozialforum 2013 in Tunis fordert sie die Abschaffung der Organisation Frontex und eine andere Flüchtlingspolitik der EU. „Hätte die EU diese Gelder in unsere Jugend investiert für Bildung, Ausbildung und Umschulungen für die Landwirtschaft, Viehzucht, Fischerei, dann würden diese jungen Menschen nich5t mit Einbäumen nach Europa fahren, um zu sterben“.

Die malische Autorin, Politikerin und politische Aktivistin Aminata Traoré zeigt am Beispiel ihres Landes, dem westafrikanischen Mali, auf, „wie 30 Jahre Neoliberalismus den Boden für den Krieg bereiteten“. Der Bürgerkrieg im Land fußt auf zwei grundlegenden Entwicklungen: Den Folgen aus der Kolonialzeit und den neokolonialen Abhängigkeits- und Ausbeutungssituationen: „Die Welt hat uns belogen: Der IWF, die Weltbank und die EU haben uns angelogen, sie haben uns eine Entwicklung versprochen, die nicht eingetreten ist. Wir belügen uns selbst, indem wir glauben, das Geld, das uns gegeben wird, diene dieser Entwicklung“ (siehe z.B. dazu auch: Charlie English 2018, www.socialnet.de/rezensionen/​24649.php).

Noam Chomsky meldet sich erneut zu Wort: „Die Schurkenpolitik des Westens“. Es sind die Parteinahmen und militärischen Aufrüstungen, wie sie etwa die USA in der Nahost-Politik betreibt, wie sie in Lateinamerika und Südostasien von statten geht, die Macht zementiert, aber auch zerbröseln lässt. Die Rolle, die dabei Europa spielt, ist eher Anpassung denn Widerstand und eigenständiges Handeln.

Der US-amerikanische investigative Journalist Jeremy Scahill deckt auf: „Die Welt als Schlachtfeld – Die neuen Kriege der USA mit deutscher Unterstützung“. Es sind die „Dirty Wars“, die „schmutzigen Kriege“, die abseits der öffentlichen Wahrnehmungen und der demokratischen, parlamentarischen Kontrolle stattfinden: „Wir brauchen Menschen, die bereit sind, politische Risiken in ihren Gesellschaften einzugehen, um den Vorhang vor den Machenschaften ihrer Regierungen wegzuziehen“.

Der Londoner Friedensaktivist und Politikwissenschaftler Gilbert Achcar hat in seinem 2012 in Berlin geführtem Interview über „die arabische Welt zwischen Revolution und Chaos“ prognostiziert, dass die beim „Arabischen Frühling“ geweckten Freiheitsbestrebungen zur konkreten, aktuellen gesellschaftlichen Verwirklichung eines langfristigen revolutionären Prozesses bedürften: „Wir brauchen grundsätzliche soziale Veränderungen, um zu einer anderen Gesellschaft und Welt zu gelangen, die weit mehr Gleichheit und Gerechtigkeit als die herrschende bietet“.

Die Washingtoner Analystin des „Institute for Policy Studies“, Phyllis Bennis, äußert sich in dem 2016 in Berlin geführtem Interview zum „Syrien-Komplex“. Sie ist überzeugt, dass zur Lösung des komplizierten und verschränkten Konflikts nur eine Lösung möglich sei: Diplomatie. Einen langen Atem und ein Waffenembargo, damit erst einmal das Töten endet: „Eine Generation, die wie ihre Eltern und Großeltern in einem politisch und sozial sehr repressiven Umfeld aufgewachsen ist, erhebt sich und sagt: Es reicht. Kifaya“.

Im vierten Teil sollen gelingende Ideen und Projekte zu Wort kommen, wie das vom ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Alberto Acosta propagierte „Buen Vivir“: „Die Rechte der Natur und das ‚gute Leben‘ – Auswege aus dem Ressourcenfluch“ (vgl. dazu auch: Alberto Acosta, Buen Vivir 2015, www.socialnet.de/rezensionen/​20598.php).

Der Ökonom Michael Albert plädiert für eine „Partizipative Ökonomie“- Um den lokalen und globalen Herausforderungen gerecht werden zu können, braucht es eine Demokratisierung der Wirtschaft, die sich als Alternative zum (Raubtier-)Kapitalismus etabliert. Dass dies keine Phantastereien und Illusionen sind, sondern Visionen und Wirklichkeit werden können, zeigt er an konkreten Beispielen auf.

Die New Yorker politische Philosophin Silvia Federici nimmt Stellung zur „Krise der Reproduktion“, indem sie den Blick auf die Bedeutung der Gemeingüter lenkt. „Reproduktionskrise bedeutet, dass immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, für Grundbedürfnisse aller Art zu sorgen“. Sie zeigt auf, dass die „Idee der Commons“ ein Weg aus den kapitalistischen und neoliberalen, menschenunwürdigen Entwicklungen ist (vgl. dazu auch: Elinor Ostrom 2011, www.socialnet.de/rezensionen/​11224.php; sowie: Silke Helfrich/​David Bollier 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​25797.php).

Der neuseeländische Pazifist und Friedensaktivist, Mitglied des World Future Council, Alyn Ware, setzt sich dafür ein, dass das Urteil des Internationalen Gerichtshofs (1996) weltweit umgesetzt wird, „dass der Einsatz von Atomwaffen und die Drohung damit grundsätzlich völkerrechtswidrig sind und unverzüglich mit Verhandlungen über die vollständige Abschaffung dieser Waffen begonnen werden muss“. Dieser Völkerrechtsbeschluss ist heute dringlicher denn je, wie z.B. die Infragestellung und Ablehnung des Atomwaffensperrvertrags durch einige Staaten zeigt.

Fazit

Die von der Initiative Kontext TV in zehn Jahren aufgezeichneten Interviews mit ExpertInnen und Engagierten für globale Gerechtigkeit bieten einen guten Überblick darüber, welche Probleme und Defizite in der Welt Hier und Heute vorhanden sind, aber auch welche Initiativen und Exempel im lokalen und globalen Diskurs um Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie diskutiert und realisiert werden. Es sind Argumente, die den Menschen- und Demokratiefeinden entgegen gehalten werden und den Gutwilligen Kraft und Mut geben können, in Theorie und Praxis für globale Gerechtigkeit einzutreten.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 17.12.2019 zu: David Goeßmann, Fabian Scheidler (Hrsg.): Der Kampf um soziale Gerechtigkeit. Gespräche mit Noam Chomsky, Vandana Shiva, Immanuel Wallerstein, Amy Goodman u.a. Promedia Verlagsgesellschaft (Wien) 2019. ISBN 978-3-85371-458-4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26334.php, Datum des Zugriffs 21.01.2020.


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ISSN 2190-9245

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