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Katharina Zweig: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl

Cover Katharina Zweig: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können. Heyne Verlag (München) 2019. 320 Seiten. ISBN 978-3-453-20730-1. D: 18,00 EUR, A: 18,50 EUR, CH: 25,90 sFr.
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Thema und Entstehungshintergrund

Künstliche Intelligenz (KI) hält in nahezu allen Bereichen des Lebens Einzug. Höchste Zeit, sich mit dem, was KI ausmacht, auseinanderzusetzen, auch wenn es auf den ersten Blick vielleicht zu mathematisch erscheint. Sogenannte Algorithmen sind dabei grundlegend für die Kreation von KI und in vielen Bereichen längst im Einsatz, sei es zum Beispiel beim Streamen, der Wohnungs- oder Jobsuche oder auch der Kreditvergabe. Diese Algorithmen, die zunächst einmal nichts anders als wertfreie Handlungsanweisungen sind, in ihrem Grundsatz zu verstehen, ist notwendig, um das komplexe Gesamtsystem KI zu erfassen und damit Handlungsmöglichkeiten zu gewinnen. Genau hier setzt die Autorin an, denn sie zeigt auf, wie Algorithmen funktionieren und dass bei deren Kreation und Einsatz immer Entscheidungen von Menschen gefragt und notwendig sind. Katharina Zweig bietet zum Verständnisgewinn ihre Fachkompetenz in Kombination mit hoher Vermittlungsfähigkeit an.

Autorin

Prof. Dr. Katharina Zweig ist Informatikprofessorin an der TU Kaiserslautern. Dort hat sie den Studiengang „Sozioinformatik“, der bislang einmalig in Deutschland ist, ins Leben gerufen. Sie ist als Expertin für verschiedene Bundesministerien tätig, Mitglied der Enquete-Kommission des Bundestages zum Thema »Künstliche Intelligenz«, Trägerin verschiedener hochrangiger Auszeichnungen und gefragte öffentliche Rednerin, da sie Kompetenz und Vermittlungsfähigkeit brillant vereint.

Aufbau und Inhalte

Das Buch ist in allen drei Teilen wissenschaftlich, d.h. systematisch aufgebaut. Im ersten Teil geht es unter dem Titel „Der Werkzeugkoffer“ um die Werkzeuge, mit denen es der KI gelingen kann, kognitive Fähigkeiten nachzubilden. Dazu werden die entsprechenden Werkzeuge wie der Algorithmus (d.h. die Handlungsanweisung für die Bearbeitung der Daten), die Operationalisierung (d.h. die Messbarmachung von Konstrukten wie etwa Intelligenz) das OMA-Prinzip (d.h. die Prüfung ob die Messbarmachung und der Algorithmus zusammen passen), das Algoskop (d.h. die Konzentration auf ethisch relevante Entscheidungssysteme nach einem Algorithmus) sowie der Unterschied zwischen Korrelationen (d.h. Zusammenhänge) und Kausalitäten (d.h. hier: die Ursachen von Zusammenhänge) anschaulich erläutert. Mit der Kenntnis dieser Werkzeuge geht es im zweiten Teil mit der Überschrift „Das kleine ABC der Informatik“ in den sogenannten Maschinenraum. In fünf Punkten werden dort Bedeutung und Einsatz von Algorithmen aufgezeigt, Big Data und Data Mining analysiert und die Entwicklung der Computerintelligenz, des maschinelles Lernens versus das menschliche Lernen aufgezeigt, um abschließend der Frage nachzugehen, ob die Erklärungen beim Lesenden auch angekommen sind. Im dritten Teil des Buches geht es in vier Teilen um Erklärungen, wie Ideologien in Algorithmen eingehen können und dies auch geschieht. Daran anschließend wird umfänglich und verständlich erläutert, welche Möglichkeiten der Kontrolle bestehen und wie Menschen Maschinen kontrollieren können. Im Schlusswort schließlich werden für die lange Kette der Verantwortlichkeiten ethische Fragen aufgezeigt, die es im Rahmen eines verantwortungsvollen Umgangs mit der KI von Menschen zu beantworten gilt.

Zielgruppen

Angesprochen sind alle, die KI verstehen wollen. Sie sind eingeladen, sich der anspruchsvollen Materie mit gut verständlichen Erklärungen zu widmen. Gerade Menschen, die nicht in informatiknahen Bereichen arbeiten, kann das Buch gut dabei unterstützen, Verständnis und Souveränität gegenüber einer unaufhaltsamen Entwicklung, nämlich der des Einzugs von KI, zu gewinnen.

Diskussion

Mit dem wissenschaftlich gut verständlichen Praxishandbuch wird das Ziel, Entscheidungshilfen bez. des Gesamtkomplexes KI zu vermitteln, erreicht. Die Widmung Katharina Zweigs an ihre Mutter zu Beginn des Buches weist dabei auf das, was Frauen in der Computergeschichte beginnend mit der wahrscheinlich ersten Programmierung Ada Lovelaces stets ausgezeichnet hat: Kompetenz und Vermittlungsfähigkeit. Katharina Zweig ist quasi interaktiv im gesamten Buchverlauf mit dem interessierten Lesenden in Kontakt. Die Verbindung hoher Fachkompetenz mit einer motivierend wirkenden Vermittlungsfähigkeit sowie Humor lässt einen das Buch kaum aus der Hand legen. Es ist spannend, mit dem bestens erklärten Werkzeug gemeinsam mit Katharina Zweig in den Maschinenraum der Informatik zu steigen und dort vorgeführt zu bekommen, wie in dieser Welt die Dinge zusammenhängen. Dabei wird das ganze Spektrum der Nutzung von der Faszination bis zum Schrecken aufgezeigt. Zum Ende des Buches sind Werkzeuge, Zusammenhänge und Entscheidungsnotwendigkeiten für einen verantwortungsvollen Umgang geklärt. Die notwendige „Alphabetisierung“ im Hinblick auf die KI ist damit gelungen.

Fazit

Unbedingt lesen! Gerade dann, wenn einem die KI fremd und oftmals auch suspekt ist.


Rezension von
Barbara Eifert
Institut für Gerontologie an der TU Dortmund
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Zitiervorschlag
Barbara Eifert. Rezension vom 20.05.2020 zu: Katharina Zweig: Ein Algorithmus hat kein Taktgefühl. Wo künstliche Intelligenz sich irrt, warum uns das betrifft und was wir dagegen tun können. Heyne Verlag (München) 2019. ISBN 978-3-453-20730-1. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26339.php, Datum des Zugriffs 26.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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