socialnet - Das Netz für die Sozialwirtschaft

Melanie Hausler: Glückliche Kängurus springen höher

Cover Melanie Hausler: Glückliche Kängurus springen höher. Impulse aus Glücksforschung und Positiver Psychologie. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2019. 249 Seiten. ISBN 978-3-95571-874-9.

Reihe: aktive Lebensgestaltung - Positive Psychologie.
Inhaltsverzeichnis bei der DNB
Recherche bei DNB KVK GVK


Thema

Melanie Hausler will mit ihrem Buch Impulse aus der Glücksforschung und der Positiven Psychologie für Alltag, Coaching und Psychotherapie geben. Dazu geht sie Fragen nach wie: Was macht Menschen glücklich? Wie lassen sich die persönlichen Stärken für ein zufriedenes und erfolgreiches Leben nutzen? Wie lässt sich Stress effektiv bewältigen und was kann jeder selbst zu seinem Wohlbefinden beitragen? 

Sie nimmt auf die Ansätze der Positive Psychologie Bezug, die Menschen unterstützen, ihr Glücksniveau zu heben und die Lebenszufriedenheit zu steigern. Herausforderungen gut zu bewältigen und an ihnen zu wachsen. Positive Gefühle dienen in diesem Kontext als Schlüssel zum Wachstum, aber sie macht auch Vorschläge für einen positiveren Umgang mit negativen Gefühlen.

Ihr Anliegen ist es, mit konkreten Interventionen aus der Positiven Psychologie unmittelbare Anregungen für den Alltags- oder therapeutischen Gebrauch zu geben. Dazu stellt sie Arbeitsblätter zur Verfügung. Diese verbindet sie mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und zahlreichen Fallbeispielen.

Autorin

Dr. Melanie Hausler ist Klinische und Gesundheitspsychologin, sowie Trainerin für Positive Psychologie. Sie hat in Psychologie zum Thema „Wohlbefinden verstehen und fördern“ promoviert und ist als Glücksforscherin an der Medizinischen Universität Innsbruck und in freier Praxis tätig (Verlagsangaben).

Aufbau und Inhalt

In ihrem Buch setzt die Autorin fünf inhaltliche Schwerpunkte:

  1. Einleitung
  2. Positive Psychologie: Wissenschaft des gelingenden Lebens
  3. Glück und Wohlbefinden im Fokus
  4. An Krisen wachsen
  5. Wohlbefindens-Therapie

Als Grundanliegen ihres Buches beschreibt die Autorin zunächst, dass es ihr darum gehe, in die Welt des Glücks einzutauchen, somit die Leser*innen dabei zu unterstützen, einen persönlichen Bezug zum Thema herzustellen sowie für sich, individuelle Stellschrauben für die Förderung des Wohlbefindens zu entdecken. Dabei sollen in den einzelnen Kapiteln jeweils Verbindung zwischen kurzen theoretischen Inputs mit Fallbeispielen aus der psychologischen Praxis und fortlaufend sogenannte „Glücksrezepte“ in Form von Arbeitsblättern zur Verfügung gestellt werden.

Die Autorin definiert ihr Grundverständnis von Positiver Psychologie als der Wissenschaft des gelingenden Lebens. Die Positive Psychologie stellt und beantwortet zum Beispiel folgende Fragen:

  • Was erhält uns Menschen gesund?
  • Was macht uns glücklich und zufrieden?
  • Wie können wir unser Potenzial entfalten?
  • Was lässt uns Widerstände und Herausforderungen bewältigen?
  • Wie können wir an Krisen wachsen?
  • Wie finden wir Sinn im Leben?
  • Welche Umgebungsbedingungen tragen zu unserem Wohlbefinden bei? (21)

Somit werden zentrale Themen der menschlichen Existenz berührt. In der Regel werden dabei drei Säulen unterschieden

  1. Positives Erleben, also positive Gefühle, Zufriedenheit und Wohlbefinden.
  2. Positive Eigenschaften: dazu zählen Stärken und Werte, die die Basis für Wohlbefinden darstellen.
  3. Positive Institutionen z.B. Familien oder Organisationen, die das Aufblühen und das Wohlbefinden ihrer Mitglieder fördern.

Seit der Jahrtausendwende richten Forscher wie der Kanadier Paul Wong den Fokus zunehmend auf die Bedeutsamkeit der Integration bzw. Transformation negativer Gefühle für ein gelingendes Leben (Positive Psychologie 2.0).

Exemplarisch soll hier das vierte Kapitel „An Krisen wachsen“ genauer vorgestellt werden. Zunächst definiert die Autorin, was unter Krisen zu fassen ist: Damit werden einerseits traumatische Erfahrung beschrieben, also eine „außergewöhnliche Bedrohung oder eine Katastrophe, die bei fast jedem zu einer akuten Belastungsreaktion (z.B. Schock, Gefühlsausbrüche oder Starre, Albträume, Schuldgefühle…) führen würde. Die Situation lässt sich mit den eigenen Ressourcen nicht bewältigen – so ist die Wahrnehmung, was zu einem Gefühl der Hilflosigkeit führen kann. Es gibt einmalig auftretende traumatische Erlebnisse (z.B. Naturkatastrophen, Tod einer nahestehenden Person) oder solche, die mehrmals über einen längeren Zeitraum hinweg passieren (z.B. Gewalterfahrungen, Missbrauch, Vernachlässigung in der Kindheit). All diese Erfahrungen können zu einem Trauma bzw. einer Posttraumatischen Belastungsstörung führen, müssen es aber nicht.“ (106). Ebenso kann es sich dabei um ein oder sogar mehrere kritische Lebensereignisse handeln, also einschneidende Erlebnisse, die das Lebender Betroffenen stark verändern und sie zu einer Anpassung an die neue Situation zwingen, etwa. die Trennung vom Partner, der Verlust des Arbeitsplatzes, die Scheidung der Eltern oder schwere Erkrankungen (eigene oder von nahestehenden Personen). Abhängig davon, wie diese Situationen vom betroffenen Individuum erlebt werden, haben auch sie das Potenzial, traumatisierend zu wirken bzw. andere psychische Erkrankungen zu begünstigen. Das hängt unter anderem davon ab, inwieweit es ein Gefühl des Kontrollverlusts gibt und sich die Person als hilflos erlebt, aber auch vom Schweregrad, der Dauer, der Anzahl der erlebten Stressoren und den Folgen des Ereignisses bzw. der Ereignisse. Die Autorin macht deutlich, dass das Zusammentreffen mehrerer dieser kritischen Ereignisse in einem bestimmten Zeitraum das Risiko ansteigen lässt, dass die betroffene Person die aktuelle Situation als nicht mehr gut bewältigbar empfinden und mit möglichen negativen Folgen für die psychische oder körperliche Gesundheit reagieren (107). Die Autorin führt anschließend in das Resilienzkonzept ein und erläutert, welche Rolle Zuschreibungen und Attribuierungen in diesem Zusammenhang spielen. Sie stellt ein ABC-Modell zur Förderung von mehr Resilienz vor:

  • A wie Auslöser: Was stresst?
  • B wie Bewertung: Warum ist eine Person gestresst?
  • C wie Consequences: Wozu führt der Stress?

Zur Erläuterung und Konkretisierung präsentiert die Autorin ein Fallbeispiel und stellt konkrete Übungen und Arbeitsblätter vor.

Immer wieder bindet Hausler ihre Ausführungen in Forschungskontexte ein, wie im Zusammenhang des zweiten Schwerpunktes des Kapitels, das positive Gefühle als Schlüssel zum Wachstum beschreibt. Hier wird bespielsweise auf die Forschungsarbeiten der Emotionsforscherin Barbara Fredrickson Bezug genommen, die in Studien mit Michele Tugade nachweisen konnte, dass resiliente Menschen positive Gefühle zum einen dafür nutzen, sich schneller von Stress zu erholen, und zum anderen, um Sinn aus negativen Erlebnissen zu schöpfen (133). Zugleich haben Barbara Fredrickson Forschungsergebnisse im Kontext der „Broaden-and-Build-Theorie“ deutlich gemacht: „Negative Gefühle fokussieren unsere Aufmerksamkeit und die wahrgenommenen Handlungsmöglichkeiten verringern sich“. Konkret heißt das beispielsweise: Wenn wir Angst haben, haben wir nur ein Ziel, nämlich die Angst zu verringern (z.B. durch Flucht, Kampf oder Erstarren). Positive Gefühle hingegen bewirken das Gegenteil: Sie erweitern unsere Aufmerksamkeit (vgl. „broaden“). „Während wir in bedrohlichen Situationen oft automatisch reagieren (vgl. auch die Denkfallen und Reaktionsmuster, die wir gebildet haben), ermöglichen uns positive Gefühle hingegen ein flexibles, ungewöhnliches und kreatives Denken bzw. ein vielschichtiges Handlungsrepertoire, aus dem wir auswählen können.“ (137).

Einen weiteren inhaltlichen Akzent setzt Hausler darauf, wie das Erleben positiver Gefühle gefördert werden kann sowie auf die Frage, wie emotionale Intelligenz als Kernkompetenz gefördert werden könnte. Unter emotionaler Intelligenz wird dabei die Fähigkeit verstanden, wie Menschen, eigene Gefühle und die Emotionen Anderer wahrnehmen, verstehen und beeinflussen können (142).

Die Autorin nimmt auch negative Gefühle in den Blick und führt dazu zunächst das Konzept von Disstresstoleranz ein, das Ambiguitätstoleranz, Unsicherheitstoleranz, Diskomforttoleranz und Frustrationstoleranz umfasst. Insofern beschreibt Disstresstoleranz für negative Gefühle die Fähigkeit, negative Gefühle zu tolerieren, die jeweilige emotionale Verfassung als akzeptabel bzw. angemessen einzuschätzen, das betreffende Gefühl entsprechend zu regulieren, aber auch die Stimmungslage nicht vollständig durch das negative Gefühl bestimmen zu lassen (160). Dann schließen sich kurze Ausführungen zu positiven Implikatgionen sogenannter negativer Gefühle an, benannt werden hier Angst, Trauer, Wut, Schuld und Scham. Abschließend führen sie das Konzept von Robert Biswas-Diener und Todd Kashdan ein, den sogenannten „Werkzeugkasten der Gefühle“ (111). Deren Ansatz geht davon aus, dass jedes Gefühl, egal ob per landläufiger Definition positiv oder negativ konnotiert, in spezifischen Kontexten wirksam und hilfreich sein kein, weil Menschen durch ihre Gefühle mit allem ausgestattet, was sie für die Bewältigung herausfordernder Situationen benötigen (164).

Fazit

Hauslers Buch ist ein erfrischendes, leicht verständlich geschriebenes Werk, das sich wie von der Autorin intendiert gut therapiebegleitend, im Selbstcoaching, in der Fortbildung nutzen lässt. Es verbindet theoretische Impulse mit diversen Fallbeispielen, vielen konkreten Selbstreflexionseinheiten und abwechslungsreichen Übungen. Teilweise werden diese auch als herunterladbare Arbeitsblätter auf der Verlagsseite bereitgestellt. Auch das gesamte Buch steht als kostenloses E-Book zum Download zur Verfügung.


Rezension von
Elisabeth Vanderheiden
Pädagogin, Germanistin, Mediatorin; Geschäftsführerin der Katholischen Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz, Leitung zahlreicher Projekte im Kontext von beruflicher Qualifizierung, allgemeiner und politischer Bildung; Herausgeberin zahlreicher Publikationen zu Gender-Fragen und Qualifizierung pädagogischen Personals, Medienpädagogik und aktuellen Themen der allgemeinen berufliche und politischen Bildung
E-Mail Mailformular


Alle 166 Rezensionen von Elisabeth Vanderheiden anzeigen.


Zitiervorschlag
Elisabeth Vanderheiden. Rezension vom 23.04.2020 zu: Melanie Hausler: Glückliche Kängurus springen höher. Impulse aus Glücksforschung und Positiver Psychologie. Junfermann Verlag GmbH (Paderborn) 2019. ISBN 978-3-95571-874-9. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26351.php, Datum des Zugriffs 22.10.2020.


Urheberrecht
Diese Rezension ist, wie alle anderen Inhalte bei socialnet, urheberrechtlich geschützt. Falls Sie Interesse an einer Nutzung haben, treffen Sie bitte vorher eine Vereinbarung mit uns. Gerne steht Ihnen die Redaktion der Rezensionen für weitere Fragen und Absprachen zur Verfügung.


socialnet Rezensionen durch Spenden unterstützen
Sie finden diese und andere Rezensionen für Ihre Arbeit hilfreich? Dann helfen Sie uns bitte mit einer Spende, die socialnet Rezensionen weiter auszubauen: Spenden Sie steuerlich absetzbar an unseren Partner Förderverein Fachinformation Sozialwesen e.V. mit dem Stichwort Rezensionen!

Zur Rezensionsübersicht

Hilfe & Kontakt Details
Hinweise für

Bitte lesen Sie die Hinweise, bevor Sie Kontakt zur Redaktion der Rezensionen aufnehmen.
rezensionen@socialnet.de

ISSN 2190-9245

Newsletter bestellen

Immer über neue Rezensionen informiert.

Newsletter

Über 13.000 Fach- und Führungskräfte informieren sich monatlich mit unserem kostenlosen Newsletter über Entwicklungen in der Sozialwirtschaft.

Gehören Sie auch schon dazu?

Jetzt kostenlosen Newsletter abonnieren!

socialnet optimal nutzen!

Recherchieren

  • Rezensionen liefern den Überblick über die aktuelle fachliche Entwicklung
  • Materialien bieten kostenlosen Zugang zu aktuellen Fachpublikationen
  • Lexikon für die schnelle Orientierung und als Start für eine vertiefende Recherche
  • Sozial.de für tagesaktuelle Meldungen

Publizieren

  • wissenschaftliche Arbeiten
  • Studien
  • Fachaufsätze

erreichen als socialnet Materialien schnell und kostengünstig ihr Publikum

Stellen besetzen
durch Anzeigen im socialnet Stellenmarkt

  • der Branchenstellenmarkt für das Sozial- und Gesundheitswesen
  • präsent auf führenden Fachportalen
  • schnelle und preiswerte Schaltung
  • redaktionelle Betreuung