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Jörg Hafer, Martina Mauch u.a. (Hrsg.): Teilhabe in der digitalen Bildungswelt

Cover Jörg Hafer, Martina Mauch, Marlen Schumann (Hrsg.): Teilhabe in der digitalen Bildungswelt. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2019. 289 Seiten. ISBN 978-3-8309-4006-7. 34,90 EUR.

Reihe: Medien in der Wissenschaft - Band 75.
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Thema

Die Digitalisierung ist zum Treiber der Entwicklung auf fast allen Gebieten geworden. Sie führt zu Entwicklungsgeschwindigkeiten von Technik und Industrie, Kultur und Politik die mit klassischem Vorratslernen überhaupt nicht mehr zu beherrschen sind. Zugleich liefern die modernen Informationstechnologien auch die Mittel, die neuen Entwicklungen doch und wieder zu beherrschen.

In der aktuellen digitalen Transformation stellt sich dabei die Frage nach der Teilhabe, der Ermöglichung der informierten, aktiven und verantwortlichen Mitgestaltung der Welt. Die Digitalisierung führt zu einem radikalen Wandel des Lernens. So weit sind sich Pädagogen und Personalverantwortliche verschiedenster Provenienz einig. Wie sie ihn gestalten können, darüber sind sie vollkommen verschiedener Meinung.

Im Kontext der digitalisierten Bildungswelt wird Teilhabe heute unter einer Vielzahl von verschiedenen Aspekten verhandelt:

  • Wie gestaltet sich die digitale Bildungswelt heute und wie können die Weichen für die Zukunft gestellt werden, ohne Einzelne abzuhängen?
  • Wie können die erweiterten Möglichkeiten von Transparenz und Mitwirkung, Kollaboration und Gemeinschaftsbildung aufgrund der Digitalisierung für Lehr- und Lernprozesse genutzt werden?
  • Welche Möglichkeiten, aber auch welche Gefahren, sind mit dem Einsatz neuer digitaler Technologien in Lernprozessen verbunden?
  • Welche Kompetenzen benötigen die Beteiligten an digitalisierten Lernprozessen?

Die klassische Bildungskonstellation von Lehren, Lernen und Wissen durch die Digitalisierung wird sich grundlegend verändern. Dabei geht es nicht nur darum, Fertigkeiten im Umgang mit digitalen Medien aufzubauen. Die Lernenden benötigen vielmehr die Fähigkeit, sich in medialen Kulturräumen sicher und kompetent zu bewegen. Dies erfordert eine Veränderung der Ziele, Methoden und Wege der Bildung.

Autor und Autorinnen

Jörg Hafer ist Leiter des Bereichs „Lehre und Medien“ im Zentrum für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium (ZfQ) an der Universität Potsdam sowie Mitglied im Vorstand der Gesellschaft für Medien in der Wissenschaft (GMW) e.V.,

Dr. Martina Mauch ist Dipl.-Psychologin, Dipl.-Medienberaterin und zertifizierte E-Moderatorin. Sie leitet das Kompetenzzentrum Digitale Medien an der Beuth Hochschule für Technik in Berlin,

Marlen Schumann ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Bereich Lehre und Medien des Zentrums für Qualitätsentwicklung in Lehre und Studium der Universität Potsdam, zertifizierte E-Moderatorin und Mitbegründerin des E-Learning Netzwerkes Brandenburg

Entstehungshintergrund

Die Beiträge in diesem Herausgeberband entstanden für die Jahrestagung 2019 der Gesellschaft für Medien in der Wissensgesellschaft e.V. (GMW). Sie behandeln theoretische und praktische Perspektiven auf digitale Medien vor dem Hintergrund der Teilhabe an Bildung und Wissenschaft. Sie beleuchten zentrale Felder von Teilhabe in einer digitalen Bildungswelt mit dem Anspruch, das Spektrum heutiger Medienpraxis aufzuzeigen.

Das Verständnis und die Praxis der Teilhabe durch und an digitalen Medien soll in einer doppelten Perspektive betrachtet werden: Wie können mit digitalen Medien die Möglichkeiten der Teilhabe durch innovative Anwendungen und Entwicklungen erweitert werden und welche Herausforderungen müssen die Rahmenbedingungen dafür erfüllen? Das Ziel ist zu zeigen, wie Forschende, Lehrende und Medienschaffende mit dazu beitragen können, Teilhabe als Bildungsziel zu erhalten und zu erweitern.

An dem Band haben sich insgesamt 77 Autoren aus verschiedenen Hochschulen in 32 Beiträgen mit dem Ziel beteiligt, die erweiterten Möglichkeiten digitaler Medien und in einer digitalen Welt Teilhabe als wesentliches Bildungsziel zu gestalten. 

Aufbau und Inhalt

Der Band ist in vier Abschnitte gegliedert.

Im Abschnitt Hochschulstrategien und Organisationsentwicklung wird eine empirische Untersuchung zu den Digitalisierungsstrategien an den Hochschulen vorgestellt. Die Autoren leiten daraus die Faktoren ab, die bei der Strategieentwicklung und -umsetzung zu berücksichtigen sind. Ein weiterer Beitrag stellt Befunde einer bundesweiten Hochschulbefragung zur Governance der Digitalisierung von Forschung und Lehre vor.

Ein hoch spannender Beitrag wurde von Ulf-Daniel Ehlers zu Future Skills und Hochschulbildung „Future Skills Readiness“ eingebracht, der aufzeigt, dass für die zukünftigen Lernarrangements vor allem die persönliche Entwicklung von Dispositionen, die das Individuum zu selbstorganisiertem Handeln in einer definierten Domäne befähigen, im Vordergrund steht. Leider wird dieser didaktische Ansatz in diesem Band nicht weiter verfolgt. Dafür folgt ein Sammelsurium weitere Beiträge zur Partizipation von Hochschullehrenden an der strategischen Ausrichtung der digitalen Lehre, zur Frage von Anrechnungsstunden für E-Learning-Veranstaltungen, zur „digitalen“ Realität in Bildungseinrichtungen des Handels und zu Trends in der Hochschulbildung.

Im Abschnitt Szenarien digitaler Bildung wird zunächst aus der Erfahrungswelt des DAAD eine Student Journey vorgestellt, um die internationale Mobiliät und Kooperation digital zu fördern. Danach werden digitale Interaktions- und Feedback-Systeme vorgestellt, um anschließend eine Lehrveranstaltung zur beruflichen Orientierung zu beschreiben, in der die Zukunft der Wissenschaft und Berufe für Geisteswissenschaftler unter dem Eindruck der fortschreitenden künstlichen Intelligenz behandelt wurden. Das Themenspektrum erweitert sich dann um den Aspekt Gamification in der Lehre sowie die Frage des Einflusses der Immersion und des Präsenzerlebens auf die Lernleistung. Danach wird das Design und der Einsatz von Kollaborationsskripten in virtuellen Klassen beleuchtet.

Aus dieser Ansammlung von eher zufällig zusammen gestellten Teilaspekten sticht der Beitrag von Martin Ebner, Sandra Schön und Clarissa Braun sehr wohltuend hervor, in dem systematisch die relevanten sieben Lehr- und Lernszenarien für MOOC – Massive Open Online Courses, erläutert und bewertet wurden. Die Beiträge Fallvignetten und didaktische Muster, eine Untersuchung der Einflussfaktoren für die Nutzung digitaler Meiden in der betrieblichen Weiterbildung sowie ein Kurzbeitrag zum Lernen in hybriden Lernfabriken verstärken dann wieder den Eindruck der eher zufälligen Zusammenstellung.

Im Abschnitt Professionalisierung des Lehramtsstudiums und Weiterbildung wird zunächst untersucht, wie sich E-Learning Konzepte durch mediendidaktische Fortbildung verändern. Sehr lesenswert ist der Beitrag von Sandra Schön und ihrem Team zu Makerspaces mit dem Ziel der Wissenschaftsvermittlung sowie Innovationsraum der neuen Generation. Besonders hervorzuheben ist der didaktische Ansatz der Maker Education, der offener ist als in herkömmlichen Schüler-Labor-Konzepten. Danach folgt eine theorie- und empiriegeleitete Reflexion zu den Inklusionspotenzialen digitaler Medien in der Lehre, zu einem Webinar, in dem Achtsamkeit und Resilienz entwickelt werden soll, zu Offenen Bildungsressourcen (OER) in der Lehrerausbildung sowie wissenschaftliche Weiterbildung als pädagogischer Doppeldecker für die Wissensgesellschaft.

Im Abschnitt Postern und Workshops wird man das Gefühl nicht los, dass es sich bei den meist nicht mehr als zwei Seiten umfassenden Beiträgen um Vortrags- oder Workshop-Ankündigungen handelt, die dem Leser vielleicht „Appetit“ machen, aber nicht wirklich zu neuen Erkenntnissen führen.

Fazit

Wenn es einem Leser gelingt, wirklich das ganze Buch zu lesen, bleibt ein Gefühl der Enttäuschung zurück. Bis auf die drei namentlich hervorgehobenen Artikel können die Beiträge den Anspruch dieses Herausgeberbandes nicht erfüllen. Der Leser bekommt das Gefühl, dass ihm eine willkürlich zusammengestellt Sammlung von Workshop-Ankündigungen, Kurzberichte zu Studien oder Erfahrungsberichten vorgelegt wird.

Als besonders ärgerlich empfinde ich, dass sich die fast alle Beiträge auf Einzelaspekte beziehen, ohne sich die Mühe zu machen, auf grundlegende didaktische Fragen des zukünftigen Lernens einzugehen. Es fehlt völlig der „rote Faden“, der es dem Leser erlaubt, das Thema des zukünftigen digitalen Lernens nach und nach zu erfassen.

Warum wurde der sehr gute Beitrag von Ulf-Daniel Ehlers nicht zum Anlass genommen, darauf aufbauend die eingangs gestellten Leitfragen zu behandeln? Welche Lernziele sind im Kontext der digitalen Transformation notwendig, wie können die erforderlichen Werte und Kompetenzen von den Lernern selbstorganisiert in realen Herausforderungen aufgebaut werden, wie verändern sich die Rollen der heutigen Dozenten, aber auch der Lerner und wie sieht der Ermöglichungsrahmen für dieses digital gestützte Lernen für die Zukunft aus?


Rezension von
Prof. Dr. Werner Sauter
Blended Solutions GmbH
Homepage www.blended-solutions.de
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Zitiervorschlag
Werner Sauter. Rezension vom 04.05.2020 zu: Jörg Hafer, Martina Mauch, Marlen Schumann (Hrsg.): Teilhabe in der digitalen Bildungswelt. Waxmann Verlag (Münster, New York) 2019. ISBN 978-3-8309-4006-7. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26379.php, Datum des Zugriffs 26.05.2020.


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ISSN 2190-9245

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