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Verena Leutgeb, Elise Steiner u.a.: Kinder und Jugendliche in suizidalen Krisen

Cover Verena Leutgeb, Elise Steiner, Elisabeth Waibel-Krammer: Kinder und Jugendliche in suizidalen Krisen. Wie Eltern helfen können - ein Ratgeber. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2019. 77 Seiten. ISBN 978-3-8017-2965-3. 14,95 EUR, CH: 19,90 sFr.
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Thema

Der Ratgeber richtet sich an Eltern, die sich mit der Sorge tragen, ihr Kind könne suizidale Handlungsabsichten haben. Er soll eine Hilfestellung sein und ein Verständnis dafür aufzeigen, dass Krisen und Gedanken an Suizid für eine Altersspanne auch entwicklungsgerecht sein können. Wie können Eltern die Thematik bei ihrem Kind ansprechen, welche Hilfen existieren im Umgang mit suizidalen Krisensituationen, welche Möglichkeiten gibt es, Krisen vorzubeugen? Diesen Fragen geht das 77 Seiten umfassende Büchlein nach.

Autorinnen

Dr. Verena Leutgeb ist Klinische Psychologin, Gesundheitspsychologin und Notfallpsychologin. Sie leitet das vom Land Steiermark beauftragte Suizidpräventionsprojekt GO-IN Suizidprävention Steiermark.

Elise Steiner ist Psychotherapeutin und Supervisorin in eigener Praxis in Graz. Sie ist ehrenamtliche Vorstandsvorsitzende vom Volker Paul Goditsch Fonds WEIL – Weiter ins Leben.

Elisabeth Waibel-Krammer ist diplomierte Sozialarbeiterin. Sie ist Mitarbeiterin von GO-ON Suizidprävention Steiermark und in einer Familienberatungsstelle des Psychosozialen Netzwerks (PSN) tätig.

Entstehungshintergrund

Das Kompetenzzentrum GO-ON Suizidprävention Steiermark setzt an einer Vielzahl von Maßnahmen an, um die hohe Suizidrate in der Steiermark nachhaltig zu senken. Dabei orientieren sie sich am nationalen Suizidpräventionsprogramm SUPRA (Suizidprävention Austria). Die Autorinnen sind alle am Kompetenzzentrum beschäftigt.

Aufbau und Inhalt

Das Buch umfasst 77 Seiten mit insgesamt sechs Kapiteln. Inhaltlich gehen die Autorinnen davon aus, dass Krisen Teil eines jeden Lebens sind, unabhängig vom Alter. Insbesondere die Phase der Pubertät ist für Jugendliche und deren Erziehungsberechtigte jedoch eine besondere Herausforderung. Die Entwicklung einer eigenen Identität, die Abnabelung von den Eltern, das Hineinwachsen in neue Rollen und Aufgaben stellt eine Gradwanderung dar, die mit der Auseinandersetzung mit dem Tod, suizidalen Wünschen oder auch (in seltenen Fällen) suizidalen Absichten einhergehen kann.

Im ersten Kapitel beschäftigen sich die Autorinnen mit der Frage, warum es zu suizidalen Gedanken und Handlungen kommen kann. Neben der Frage, wie Suizidalität entsteht, wird auch der Umgang von Bezugspersonen mit Betroffenen verdeutlicht. Es ist entlastender, das Thema direkt anzusprechen. Eine Gefährdung bestehe eher darin, dass Thema nicht zu benennen, die Betroffenen mit ihren Gedanken alleine zu lassen.

Im zweiten Kapitel werden Warnhinweise, Häufigkeit und Entwicklung von Suizidalität thematisiert. Signale, die betrachtet werden sind: Die Beschäftigung mit dem Suizid, Äußerungen von Suizidgedanken, Vorbereitungshandlungen, Weggeben von Besitztümern, Anzeichen von Depression sowie die Veränderungen von Verhalten und Persönlichkeit. Die Altersspannen Kindheit und Pubertät werden getrennt voneinander behandelt. Die Entwicklung von suizidalen Gedanken, zumeist im Rahmen von Lebenskrisen, welche in konkreten Suizidabsichten münden können, sowie mögliche auslösende Faktoren werden betrachtet.

Das Kapitel Hilfe bei Suizidalität stellt zuerst die drei Stadien (Erwägung – Ambivalenz – Entscheidung) in den Fokus. Nachfolgend werden Möglichkeiten der Hilfe bei akuter Suizidalität benannt.

Das folgende Kapitel stellt konkrete Überlegungen für das Gespräch mit dem Kind/Jugendlichen in den Mittelpunkt. Auch Fragen wie „was, wenn das Gespräch nicht gelingt?“ (S. 48), „was tun, wenn mein Kind (noch) nicht mit mir sprechen möchte?“ (S. 48) und „was tun, wenn ich mich durch mein Kind erpresst fühle?“ (S. 49) kommen zur Sprache.

Im 5. Kapitel wird psychoedukativ die Frage, wie die betroffenen Bezugspersonen gut für sich selber in dieser Zeit Sorgen können aufgegriffen.

Das letzte Kapitel beschäftigt sich mit dem Umgang mit Suizidalität in der eigenen Familie und im Umfeld des Kindes. Auch Informationen für den Umgang mit Trauernden nach Suizid werden vermittelt.

Das Büchlein ist abgerundet mit Literaturhinweisen, wichtigen Notrufnummern und einigen Online-Beratungsadressen.

Diskussion

Der Ratgeber fasst knapp und gut verständlich für psychotherapeutisch oder psychiatrisch nicht ausgebildete Fachkräfte zu einem schwierigen Grenz-Thema die wichtigste Inhalte zusammen und leistet eine Art ‚Erste Hilfe’ in Notlagen.

Etwas irritierend ist, dass sich das Buch an „Eltern“ und nicht an „Bezugspersonen“ wendet, dadurch wirkt im ersten Moment die Zielgruppe sehr eingegrenzt, was aber nicht dem Thema angemessen ist – teils vertrauen sich Jugendliche Bekannten oder Verwandten zuerst an. Weiterhin war die Auswahl der Literatur im Anhang nicht ganz einleuchtend. Einige ‚Klassiker’ fehlen, andere aufgelistete Bücher hingegen sind schon älter und wären durch neuere Werke ‚ersetzbar’.

Fazit

Der 77 Seiten umfassende Ratgeber wendet sich explizit an Eltern, deren Kinder oder Jugendliche mit suizidalen Absichten in Berührung kommen. Es ist ein sehr praktisch und leicht zu lesender Leitfaden, in dem die wichtigsten Themen für Betroffene gut und komprimiert zusammen gefasst zur Sprache kommen. Es ist ein Buch, welches in Beratungsstellen ausliegen sollte und sehr gut Betroffenen zu empfehlen ist.


Rezension von
Dr. Sandra Lentzen
Kinder- und Jugendpsychotherapeutin
Homepage www.psychotherapiepraxis-lentzen.de
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Zitiervorschlag
Sandra Lentzen. Rezension vom 27.05.2020 zu: Verena Leutgeb, Elise Steiner, Elisabeth Waibel-Krammer: Kinder und Jugendliche in suizidalen Krisen. Wie Eltern helfen können - ein Ratgeber. Hogrefe Verlag GmbH & Co. KG (Göttingen) 2019. ISBN 978-3-8017-2965-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26389.php, Datum des Zugriffs 11.07.2020.


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