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Angelika Tölke, Karten Hank (Hrsg.): Männer - Das "vernachlässigte" Geschlecht [...]

Rezensiert von Dipl. Soz.-Päd. Gregor Prüfer, 04.10.2005

Cover Angelika Tölke, Karten Hank (Hrsg.): Männer - Das "vernachlässigte" Geschlecht [...] ISBN 978-3-531-14495-5

Angelika Tölke, Karten Hank (Hrsg.): Männer - Das "vernachlässigte" Geschlecht in der Familienforschung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. 272 Seiten. ISBN 978-3-531-14495-5. 29,90 EUR. CH: 52,20 sFr.
Reihe: Zeitschrift für Familienforschung - Sonderheft Bd. 4
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Thema

Theoretische Überlegungen und empirische Untersuchungen zu der sich im Wandel befindenden Rolle von Männern in Paarbeziehungen, bei der Familiengründung, bei der Entscheidung für oder gegen Kinder und die Wirkung von Arbeits- und Einkommensperspektiven bei der Gestaltung familialer Zusammenhänge.

Hintergrund/Entstehung/Vorgeschichte

Die Familienforschung richtete bisher ihren Fokus vorzugsweise auf die Hintergründe der Lebensbewältigung von Frauen. Inhaltliche Auseinandersetzung mit Männern als eigener Forschungsgegenstand kam hier oftmals sehr kurz. Dieses Buch ist ein "Sonderheft" (Band 4) der Zeitschrift für Familienforschung und präsentiert elf Fachartikel die sich der Männer in diesem Sinne "angenommen" haben.

Aufbau und Inhalt

Das Buch enthält elf Beiträge zur Familienforschung unter besonderer Berücksichtigung der Rolle von Männern. Nach einem einleitenden Artikel, der einen Überblick über das Forschungsfeld verschafft, wenden sich die folgenden Beiträge einzelnen Themen bzw. Teilbereichen dieser Thematik zu.

  1. Der einführende Artikel der beiden HerausgeberInnen vermittelt einen Überblick über den Stand der Familienforschung in Bezug auf Partnerschaft und Vaterschaft. Neben Argumenten für die stärkere Berücksichtigung von Männern in der Forschung liefern Karsten Hank und Angelika Tölke Fakten und Ergebnisse die zum Teil überraschende Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufzeigen.
  2. Im zweiten Artikel erforscht Christian Schmitt geschlechtsspezifische Gründe für Kinderlosigkeit bei Männern. Schmitt berücksichtigt hier sowohl ökonomische Voraussetzungen, regionale Abhängigkeiten, Generations-, Alters- und Beziehungsaspekte und stellt diese in Relation zu Forschungsergebnissen von Kinderlosigkeit bei Frauen.
  3. Holger von der Lippe stellt in seiner qualitativen Forschungsarbeit am Beispiel von ostdeutschen Männern in den 1990er Jahren Determinanten und Dimensionen von Kinderwünschen vor. Methodisch fein herausgearbeitet unterscheidet von der Lippe z.B. auf der Individualebene zwischen "Der Theorie des geplanten Handelns" und "Der Theorie der Symbolischen Selbstergänzung" als Motivträger eines Kinderwunsches.
  4. Cornelia Helfferich, Heike Klindworth, Silvia Krumm und Wolfgang Walter betrachten anhand verschiedener Biografiekonzepte von Männern mit Hauptschulabschluss die veränderten Möglichkeiten von Konstruktion von Männlichkeit im familialen Kontext. Getrennte und gemeinsame Lebensbereiche von Männern und Frauen und die Bedeutung des Übergangs in die Vaterschaft als veränderndes Ereignis werden anhand retrospektiver Selbsteinschätzungen analysiert und bewertet.
  5. Angelika Tölke hebt die Bedeutung von Herkunftsfamilie, Berufsbiografie und der Gestaltung von Partnerschaften für den Übergang in die Ehe und die Vaterschaft hervor. Sie unterstreicht den besonderen Zusammenhang von schwierigen, biografischen Verläufen und dem Hinauszögern von Vaterschaft.
  6. Dem Zusammenhang von ökonomischen Perspektiven und Familienplanung wendet sich Thomas Kühn zu. Planungsunsicherheiten und Planungsprobleme werden diskutiert. Unter anderem findet Kühn zwei markante Punkte innerhalb beruflicher Strukturen, die sich für späte oder dauerhafte Kinderlosigkeit bei Männern mitverantwortlich zeigen. Mangelnde Aussicht auf berufliche Etablierung bzw. Erfolg auf der einen Seite, auf der anderen Seite dagegen viel Erfolg im Beruf, aber eine Unvereinbarkeit mit Vaterschaft, wegen des nicht leistbaren Engagements, das diese impliziert, zeigen sich hier als Motive.
  7. Einen Blick auf das individuelle Erleben früher Vaterschaft werfen Heike Klindworth, Wolfgang Walter und Cornelia Helfferich. Wie kommt frühe Vaterschaft zustande? Wie wird sie von den Männern selbst erlebt und bewertet? Welchen Einfluss zeigt dieses Ereignis auf den Lebensverlauf? - Antworten auf diese Fragen finden sich in diesem Beitrag.
  8. Karin Kurz stellt in ihrer Längsschnittanayse Hintergründe bei der Familiengründung in Ost- und Westdeutschland vor. Bildungsniveau, berufliche Situation und Arbeitsmarktunsicherheiten wirken sich, wie hier gezeigt wird, auf die Gestaltung von Paarbeziehungen und auf die Familiengründung aus. Dies gilt hier für Männer und Frauen in unterschiedlicher Weise.
  9. Johannes Stauder untersucht die Stabilität von ehelichen Beziehungen und setzt diese in Relation zu den gewählten Partnerschaftskontexten. Arbeitsteilung und Rollenmodelle zeigen sich verantwortlich für einen unterschiedlichen Grad an Stabilität der zu Grunde liegenden Partnerschaften mit und ohne Kindern.
  10. Am Beispiel von Familienentwicklung in Schweden arbeiten die Autoren Gunnar Andersson, Ann-Zofie Duvander und Karsten Hank Auswirkungen von wohlfahrtsstaatlicher Familienförderung heraus und stellen diese vor.
  11. Abschließend stellen Karsten Kassner und Annelli Rüling wahrnehmbare Tendenzen zu einer Veränderungen in der Gestaltung von familiärer Arbeitsteilung vor. Anknüpfend an die Beobachtung von Traditionalisierungstendenzen nach der Familiengründung selbst bei vormalig egalitären Partnerschaftskontexten, unterscheiden die AutorInnen hier fünf mögliche Gestaltungskathegorien von Partnerschaft. Die verschiedenen Arrangements von Leben und Arbeit werden vorgestellt und diskutiert.

Zielgruppen

Das Buch richtet sich an Lehrende und studierende der Sozial- und Erziehungswissenschaften, Sozialpädagogik, Soziale Arbeit.

Diskussion

In diesem Band werden eine Vielzahl von Phänomenen, Zusammenhängen und möglichen Erklärungen aufgezeigt. Ein Begin für eine umfassende Behandlung des Themas "Männer in der Familienforschung" ist damit in Angriff genommen worden. Das Spektrum der damit behandelten Inhalte ist breit und ebenso vielseitig zeigen sich die transparenten und gründlichen Arbeitsweisen, oder Herangehensweisen der einzelnen AutorInnen an die Thematik. Der Textstil der Beiträge ist wissenschaftlich und eher trocken, an einigen Stellen bisweilen sehr komplex. Gute Orientierung bieten die Zusammenfassungen am jeweiligen Textanfang der Beiträge und die Schlagwortzuordnungen. Sowohl die inhaltliche Gründlichkeit, als auch die ebensolche Beschreibung der Froschungsmethoden machen sozialwissenschaftliche Forschungsarbeit nachvollziehbar. Die Herkunft der Beiträge aus wissenschaftlichen Forschungsinstituten im ganzen Bundesgebiet und in Einzelfällen sogar darüber hinaus, spricht für die hohe Fachlichkeit der Inhalte.

Fazit

Dieses Buch erfüllt seinen Zweck in doppelter Hinsicht. Erstens liefert es aktuelle Forschungsergebnisse zum Thema "Männer in der Familienforschung". Zweitens vermittelt es Einsicht in Forschungsmethoden und Forschungsdesigen.

Damit stellt es eine wertvolle Sammlung von Beiträgen dar, die unbedingt empfehlenswert für all diejenigen ist, die sich weiterführend mit Sozialforschung in diesem Bereich beschäftigen wollen.

Rezension von
Dipl. Soz.-Päd. Gregor Prüfer
M.A. Päd. / Dipl. Soz.-Päd.(FH) War lange tätig in der Offenen Kinder- und Jugendarbeit; Aktiv in der Vernetzung von Jungenarbeit in München seit 1993 (www.netzwerk-jungenarbeit.de), freiberuflicher Fortbildungsreferent zu Themen der Genderpädagogik und zu Gender Mainstreaming seit 1999. Seit 2005 Mitarbeiter im Münchner Informationszentrum für Männer mit den Schwerpunkten Männerberatung und Gruppenarbeit für Männer mit Gewalthintergrund (www.maennerzentrum.de), seit WS 2008/09 auch Lehrbeauftragter an der Katholischen Stiftungshochschule München (www.ksh.de). Seit 2011 außerdem Mitarbeiter am Pädagogischen Institut in München, zuständig für Geschlechtergerechte Pädagogik und Jungenförderung an den Städtischen Münchner Schulen (www.pi-muenchen.de).
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Es gibt 26 Rezensionen von Gregor Prüfer.

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Zitiervorschlag
Gregor Prüfer. Rezension vom 04.10.2005 zu: Angelika Tölke, Karten Hank (Hrsg.): Männer - Das "vernachlässigte" Geschlecht in der Familienforschung. VS Verlag für Sozialwissenschaften (Wiesbaden) 2005. ISBN 978-3-531-14495-5. Reihe: Zeitschrift für Familienforschung - Sonderheft Bd. 4. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/2641.php, Datum des Zugriffs 19.05.2022.


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