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Kulturelle Teilhabe

Cover Kulturelle Teilhabe. Ein Handbuch = Participation culturelle : un manuel = Partecipazione culturale : un manuale. Seismo-Verlag (Zürich) 2019. 368 Seiten. ISBN 978-3-03777-198-3. D: 25,00 EUR, A: 25,00 EUR, CH: 28,00 sFr.
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NatKulturdialog

Kulturelle Vielfalt für Alle

„Entwicklung, getrennt gesehen von ihrem menschlichen oder kulturellen Kontext, ist Wachstum ohne Seele“. Mit dieser Aussage verweist die von den Vereinten Nationen eingesetzte Weltkommission „Kultur und Entwicklung“ (1995) darauf, dass die kulturelle Vielfalt der Menschheit als „globale Ethik“ anerkannt und gelebt werden muss: „Kulturen sind weder isoliert noch statisch, sondern interagieren miteinander und entwickeln sich“ (Deutsche UNESCO-Kommission, Unsere kreative Vielfalt, 1997). Der Anspruch und das Recht aller Menschen auf ein gutes, gelingendes, menschenwürdiges Leben ist fundamental für die Conditio humana (vgl. dazu auch: Max Fuchs, Das gute Leben in einer wohlgeordneten Gesellschaft. Bildung zwischen Kultur und Politik, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/…php).

Entstehungshintergrund und Herausgebende

Das Recht auf politische und kulturelle Teilhabe für jedes Mitglied einer Gesellschaft, und im Kontext der globalen Entwicklung in der Weltgesellschaft, konstitutiv. In freiheitlich-demokratisch verfassten Gesellschaften wird dieses Menschenrecht, wie dies auch in der allgemeingültigen, nicht relativierbaren Menschenrechtsdeklaration zum Ausdruck kommt, als Grundlage der Freiheit, der Gerechtigkeit und des Friedens in der Welt deklariert. Der Schweizer Nationale Kulturdialog, ein Zusammenschluss von Städten, Gemeinden, Kantone und des Bundes, hat Strategien und Leitbilder entwickelt, wie kulturelle Teilhabe vor Ort und national initiiert und gefördert werden kann. Im Rahmen der „Kulturbotschaft 2016 – 2020“ wird eine Bestandaufnahme vorgelegt, mit der Aktivitäten und Initiativen vorgestellt werden. Sie sollen den interkulturellen Dialog im Land beleben, exemplarisch benennen und in der alltäglichen Praxis befördern. Es ist ein Handbuch zum Gebrauch und zur Innovation. Es ist in die drei vorwiegend in der Schweiz gesprochenen Sprachen verfasst: Deutsch, Französisch, Italienisch 

Aufbau und Inhalt

Neben der Einleitung, in der auf die institutionalisierte Organisationsform, die Arbeitsweise, Zielsetzung und Perspektiven des Schweitzer Nationalen Kulturdialogs verwiesen wird, gliedern die Herausgeber das Handbuch in drei Teile:

  1. Die Herausforderungen „Kulturelle Teilhabe denken“ werden im ersten Teil thematisiert;
  2. „Kulturelle Teilhabe ausloten“, wird im zweiten Teil vorgestellt;
  3. und „Kulturelle Teilhabe stärken“ im dritten Teil diskutiert.

37 Autorinnen und Autoren aus den Bereichen der Wissenschaft, der Verwaltung und Organisation, der Politik und Kultur tragen mit ihren Beiträgen dazu bei, dass sich ein buntes, differenziertes, fächerbezogenes und interdisziplinäres, theorie- und praxisorientiertes Bild der vielfältigen Schweizer Aktivitäten zur kulturellen Teilhabe zeigt. Die internationalen und interkulturellen Beiträge von Theoretikern und Praktikern auch aus Deutschland (Berlin, Bremen, Hamburg, Hildesheim, Köln, Leipzig, Osnabrück) machen das Handbuch über die Schweiz hinaus zu einem nachahmenswerten Beispiel für kreative, kulturelle Innovationen.

An einigen Stichworten soll dies verdeutlicht werden:

  • Es geht um Fragen des „Warum“ im theoretischen Diskurs (Isabelle Moroni, Heinz Altorfer, Patrice Meyer-Bisch, Valeria Donnarumma, Birgit Mandel, Mark Terkessidis, Lutz Liffers, Rohin Jain);
  • des „Wo“ im Jetzt (Claudia della Croce, Matthieu Menghini, Karin Kraus, Simone Gretler Heusser, Katrin Riedel, Nina Mekacher, Sonja Thiel, Rachel Mader, Cécilia Bovet und Sarah Studer, Liliane Heimberg, Barbara Hornberger, Barbara Balba Weber, Annatina Kull, Gerda Würzenberger);
  • und des „Wie“ als praktisches Tun (David Vitali, Martin R. Dean/Anja Dirks/​Carena Schlewitt, Élodie Morand, Hans Ulrich Glarner, Jacques Cordonier, Peter Haerle, Nathalie Unternährer, Siglinde Lang, Geza Ziemer, Inés Matheas, Nicole Grieve).

Im Anhang wird das Positionspapier vom Oktober 2015 abgedruckt, nach dem die „Arbeitsgruppe Kulturelle Teilhabe des Nationalen Kulturdialogs“ ihre Präsentation ausgerichtet hat. Es bietet Anhalts- und Argumentationspunkte für InitiatorInnen und Projektverantwortliche in den kulturellen Teilhabebereichen an.

Fazit

Der gesellschaftspolitische Begriff „Teilhabe“ hat im demokratischen Diskurs eine hohe Bedeutung. Es sind Fragen, welchen Wert Selbst- und Mitbestimmung im Miteinander der Menschen einnehmen (Werner Nienhüser, u.a., Was Menschen über Mitbestimmung denken, 2018, www.socialnet.de/rezensionen/​25253.php), und wie diese Lebenswerte im individuellen und lokal- und globalgesellschaftlichen Zusammensein umgesetzt und wirksam werden (Ina-Maria Maahs, Utopie und Politik. Potenziale kreative Politikgestaltung, 2019, www.socialnet.de/rezensionen/​26573.php). Das Handbuch, das als Anschauungsmittel und Anreiz für interkulturelles Denken und Handeln in der Schweiz und darüber hinaus dienen kann, enthält Ergebnisse, die 2017 während einer zweitägigen Konferenz zum Thema „Kulturelle Teilhabe fördern“ in Bern thematisiert wurden. Vielleicht kann das Handbuch Anreiz sein, die Thematik auch in einen weitergefassten, europäischen und globalen (vergleichenden) Zusammenhang zu erörtern.


Rezension von
Dipl.-Päd. Dr. Jos Schnurer
Ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Hildesheim
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Zitiervorschlag
Jos Schnurer. Rezension vom 27.04.2020 zu: Kulturelle Teilhabe. Ein Handbuch = Participation culturelle : un manuel = Partecipazione culturale : un manuale. Seismo-Verlag (Zürich) 2019. ISBN 978-3-03777-198-3. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, https://www.socialnet.de/rezensionen/26410.php, Datum des Zugriffs 09.08.2020.


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